Zwischen Deutschland und den USA

Annette Oppenlander ist eine preisgekrönte Schriftstellerin und unterrichtet kreatives Schreiben. Als erfolgreiche Autorin von historischen Romanen ist Oppenlander für ihre authentischen Figuren und auf wahren Geschichten basierenden Romane bekannt. Sie verbrachte die erste Hälfte ihres Lebens in Deutschland und die nächsten 30 Jahre in verschiedenen Teilen der USA. Oppenlander inspiriert ihre Leser, indem sie Themen beleuchtet, die heute ebenso relevant sind wie in der Vergangenheit.

Von der englischen Version zur deutschen Übersetzung

Oppenlanders wahre Geschichte Surviving the Fatherland, die englische Version von Vaterland, wo bist du?, wurde zum Amazon Bestseller. In den USA wurde das Buch bereits sieben Mal ausgezeichnet, u.a. mit dem National Indie Excellence Award 2017, dem Indie B.R.A.G. Award 2018, dem Readers’ Favorite Book Award und dem Chill with a Book Readers’ Award 2017. Das Werk erhielt den Readers’ Favorite Book Award, wurde mit fünf Sternen ausgezeichnet und war Finalist der Kindle Book Awards 2017.

In Interview erfahren Sie, weshalb Self-Publishing die ideale Veröffentlichungsmöglichkeit für die Bestsellerautorin ist und was das Buch so erfolgreich macht.

Anette Oppenlander

Anette Oppenlander bei einer Autorenmesse in Tipton.

Annette Oppenlander im Wortlaut

„Man weiß nie wie erfolgreich ein Buch wird. Selbst die großen Verlage, die so viele Experten beschäftigen liegen oft falsch.“

1. Vom amerikanischen Bestseller zur deutschen Buchfassung

tredition: Sie sind eine preisgekrönte Schriftstellerin und unterrichten kreatives Schreiben. Da war es zur eigenen Buch Idee nicht weit, oder?

Annette Oppenlander: Eigentlich war es anders herum. In den 1990er Jahren begann ich mit Kindergeschichten. Wir wohnten damals in einem Haus am Waldrand in Washington in den USA. Da kamen dann die ersten Tiergeschichten. Nachdem ich meine Eltern 2002 über ihre Kriegserinnerungen befragte, wollte ich diese zunächst für meine Familie aufschreiben. Irgendwann versuchte ich mich an Kurzgeschichten und 2009 gab es die erste Fassung eines Romans. Doch bis zur Veröffentlichung sollten noch mal acht Jahre vergehen. In der Zeit hat es mich dann richtig gepackt, ich habe weitere Romane geschrieben, auch in einem englischen Verlag eine Zeitreisetrilogie veröffentlicht, Konferenzen und Schreibkurse besucht, an Kritikgruppen teilgenommen, und immer wieder an diesem ersten Roman gebastelt. Die Buch Idee kam also erst später und die Anerkennungen erst, nachdem ich bereits sechs Romane veröffentlicht hatte. Vaterland, wo bist du? habe ich mehrere dutzend mal überarbeitet, neu arrangiert und dann wieder weggelegt. Irgendwie ließ mich die Geschichte nie los. Bis meine literarischen Fähigkeiten dann 2016 soweit waren, der Geschichte meiner Eltern gerecht zu werden. Und dann kamen auch die tollen Rezensionen und die Begeisterung der Leser.

tredition: Ihre wahre Geschichte „Surviving the Fatherland“, die englische Version von „Vaterland, wo bist du?“ wurde zum Amazon Bestseller und wurde in den USA bereits sieben Mal ausgezeichnet. Jetzt kommt die deutsche Fassung in den Buchmarkt. Erwarten Sie sich hier einen ähnlichen Verkaufserfolg?

Annette Oppenlander: Man weiß nie wie erfolgreich ein Buch wird. Selbst die großen Verlage, die so viele Experten beschäftigen liegen oft falsch. Deshalb möchte ich nicht von Erwartung sprechen, sondern vielleicht von Hoffnung. Gerade auch weil Vaterland, wo bist du? eine sehr deutsche Erzählung ist mit einer sehr deutschen Problematik und sie unsere Geschichte aus Sicht der Kriegskinder vorstellt.

2. Von ersten Rückweisungen bis zum schlussendlichen Bucherfolg

tredition: Wie entstand die deutsche Fassung?

Annette Oppenlander: Nachdem ich 2017 nach 30 Jahren in den USA wieder nach Deutschland zog, wollte ich unbedingt eine deutsche Fassung erstellen. Vielleicht war der treibende Faktor mein inzwischen 90jähriger Vater, der sein Buch endlich lesen sollte. Nachdem ich das Manuskript übersetzt hatte, was übrigens sehr anstrengend und zeitraubend war, hatte ich zunächst mit einer Literaturagentin gearbeitet. Die war leider nicht in der Lage, einen der großen Verlage zu begeistern. Mir wurde gesagt, der zweite Weltkrieg sei in den Verlagen bereits abgedeckt. Daraufhin engagierte ich meine wunderbare Lektorin Frau Brömer und landete bei tredition.

tredition: Fassen Sie uns Ihren Romaninhalt in wenigen Sätzen zusammen!

Annette Oppenlander: Vaterland, wo bist du? behandelt das Schicksal der deutschen Kriegskinder im Zweiten Weltkrieg. Es ist ein biografischer Roman aus der Sicht zweier Kinder (meiner Eltern). Beide müssen sich auf ihre Weise durchkämpfen, beide erleben den Krieg ohne Väter. Dabei erfahren sie Grausamkeit und Betrug, aber auch Liebe und überraschende Warmherzigkeit. Als sie sich in den Nachkriegsjahren begegnen, verlieben sie sich Hals über Kopf ineinander und werden ein Paar. Doch alte Wunden brechen wieder auf und bedrohen zunehmend das neugefundene Glück.

tredition: Was unterscheidet Ihren Roman von anderen? 

Annette Oppenlander: Der zweite Weltkrieg ist ja in der Literatur schon sehr gründlich behandelt worden, vor allem der Holocaust und die Erfahrungen der Soldaten. Meine Geschichte ist aus Sicht der Zivilbevölkerung, vor allem der Kriegskinder geschrieben, und zwar mit viel Plot aber auch mit emotionaler Tiefe.

Annette Oppenlander

Annette Oppenlander bei einer Lesung der Monheimer Lesebühne.

3. Das Buch

Oppenlander Vaterland, wo bist du

Oppenlanders deutsche Übersetzung von Surviving the Fatherland ist jetzt bei tredition mit dem Titel „Vaterland, wo bist du?“ erschienen.

Der in den USA zuerst erschienene und mehrfach preisgekrönte Roman erzählt die wahre Lebens- und Liebesgeschichte zweier Kinder, die mit dem Schrecken des Dritten Reichs konfrontiert werden und auf vielfältige Weise ums Überleben kämpfen. Als sie sich in den Nachkriegsjahren kennen und lieben lernen, scheinen sie endlich ins Glück gefunden zu haben. Doch die Dämonen der Vergangenheit lassen alte Wunden wieder aufbrechen.

Annette Oppenlander

„Ursprünglich wollte ich die Erinnerungen meiner Eltern für meine Familie aufzeichnen.“

4. Der Entstehungsprozess zum Buch

tredition: Ihr Buch erinnert an das Tagebuch der Anne Frank, ein Vorbild für Ihr Werk? 

Annette Oppenlander: Dieser Vergleich stammt aus der Rezension eines Magazins. Vielleicht weil Anne Frank auch so ein junges Mädchen war und wir ihre Welt aus der Sicht ihres Tagebuchs kennenlernen. Meine Mutter war sieben als der Krieg begann. Sie war keine Jüdin und ist nicht von Nazis ermordet worden, doch hat sie den Krieg selbst kaum überlebt und tiefe Traumen zurückbehalten.

tredition: „Vaterland, wo bist du?“ erzählt die Lebens- und Liebesgeschichte von Lilly und Günter, die als Kinder über Nacht mit den Schrecken des Dritten Reichs konfrontiert werden. Wie sind die Charaktere gewachsen? Wie haben Sie für diesen Roman recherchiert?

Annette Oppenlander: Ein Grund warum der Roman so viele Jahre in Bearbeitung war, ist dass er eine Zeitspanne von 13 Jahren umfasst. In dieser Zeit verändern sich die beiden Hauptpersonen, werden aus Kindern zu Jugendlichen und dann zu Erwachsenen. Um die Charaktere glaubhaft zu machen, muss sich dieses Wachstum in der Geschichte zeigen, diese Veränderung wiederspiegeln. Das heißt ihre Gedanken, ihre Dialoge und Aktionen und ihre emotionale Entfaltung müssen nachvollziehbar und glaubhaft sein.

Die Forschung begann damals mit den Interviews meiner Eltern. Über die Jahre habe ich viele Bücher gelesen, das Solinger Stadtarchiv besucht und im Internet recherchiert.

tredition: Wie entstand die Idee zum Buch?

Annette Oppenlander: Ursprünglich wollte ich die Erinnerungen meiner Eltern für meine Familie aufzeichnen. Mit jeder Generation gehen ja die Geschichten verloren und da wir in USA wohnten, dachte ich, würde es meinen Kindern die Großeltern näherbringen. Irgendwann versuchte ich mich dann an Szenen, die in Kurzgeschichten übergingen. Die Idee zum Buch kam 2009 als ich an der Indiana University eine Schreibwerkstatt besuchte. Unser Lehrer hatte eine Szene gelesen und meinte, die Geschichte hätte Potential. Daraufhin entstand die erste Version von „Vaterland, wo bist du?“.

5. Der Schriftstellerberuf – Leiden und Tücken

tredition: Wie sind Sie überhaupt Schriftstellerin geworden?

Annette Oppenlander: Durch Zufall. Ich hatte BWL an der Uni Köln studiert und wollte irgendwann mal eine Karriere daraus machen. Aufgrund vieler Umstände kam es aber nicht dazu. Und als ich dann feststellte wie sehr mir das Schreiben gefällt, dass ich darin ganz aufgehen konnte, setzte ich mir ein Ziel, irgendwann Autorin zu werden. Ich kann nur sagen, dass man manchmal ganz schön alt werden muss, um herauszufinden, was einem Spaß macht. Ich hatte auch sehr viel Glück, dass mein Mann mich so toll unterstützt hat und ich irgendwann nicht mehr anderweitig Geld verdienen musste.

tredition: Was sind Ihre Vorlieben, Highlights beim Schreiben? Haben Sie eine besondere Schreibroutine?

Annette Oppenlander: Wenn ich an einem neuen Manuskript arbeite, versuche ich 2000 – 3000 Worte pro Tag zu schreiben. Manchmal sind es mehr, mal weniger, aber das funktioniert. Ich schreibe in der Regel morgens und selten nachmittags oder abends. Lektorieren und überarbeiten nehmen ebenfalls viel Zeit in Anspruch und dann ist da noch das Marketing, dass ich hier und da zwischendurch mache. Inzwischen habe ich neun Romane geschrieben, und ich kann mit der Zeit die mir bleibt, nicht allen gerecht werden. Aber das ist in Ordnung.

tredition: Worauf hätten Sie lieber verzichtet?

Annette Oppenlander: Auf die lange Wartezeit. Ich hätte mir sehr gewünscht, dass meine Mutter das Buch noch erlebt hätte. Sie ist schon sehr früh mit 72 Jahren an einer schweren Gehirnblutung gestorben.

tredition: Welche Rückmeldungen haben Sie bisher von Lesern auf das Buch erhalten?

Annette Oppenlander: Es gibt ja erst eine Handvoll Menschen, die die deutsche Version gelesen haben. Mein Vater und meine Kusine hatten es in drei Tagen aus und ich habe auch schon von einigen Fremden gehört. Bisher sind die Rückmeldungen enorm positiv und es wird immer wieder gesagt, wie sehr sie die Geschichte gerührt hat. Mein Vater hat nach dem Lesen schwer zu kämpfen gehabt, da die alten Erinnerungen alle wieder hochkamen. Im englischsprachigen Markt hat der Roman bei Amazon über 500 Rezensionen mit einem Durchschnittswert von 4.7. Ich denke, das spricht für sich.

Annette Oppenlander

Die tredition-Autorin Annette Oppenlander bei einer Präsentation in der Schule.

Annette Oppenlander

„Mir war besonders wichtig, dass ‚Vaterland, wo bist du?‘ eine Chance hat, in die Buchläden zu kommen. In dem Bereich erschien mir tredition besonders stark.“

6. Die Erfüllung eines Traumes: Die Buchveröffentlichung

tredition: Autoren und Verlage beklagen zurückgehende Buchverkäufe. Wie schätzen Sie wird sich der Buchmarkt in den nächsten Jahren entwickeln? Sind Sie diesbezüglich Optimistin oder Pessimistin?

Annette Oppenlander: Ich schätze mich eher als Realistin ein. Leider gibt es immer mehr Bücher und immer weniger Leser. Die schiere Menge der Neuauflagen macht Verkaufserfolge für den einzelnen, vor allem unbekannten Autor, schwierig. Und wie definiert man Erfolg? Sind 10.000 verkaufte Exemplare schon ein Erfolg, oder müssen es 100.000 sein? Dazu ist die junge Generation eher mit Social Media beschäftigt und liest weniger Bücher. Langfristig wird es den wenigsten Autor/innen möglich sein, von ihren Tantiemen zu leben.

tredition: Wie sind Sie zum Self-Publishing gekommen? Und wie sind Sie gerade bei tredition gelandet?

Annette Oppenlander: Ich habe es zweimal mit Agenten versucht, einmal in USA und einmal in Deutschland, und war jedes Mal enttäuscht. Es verging viel Zeit und die Kommunikation verlief schleppend. Ich musste immer wieder nachfragen. Außerdem hatte ich einen englischen Verlag, aber der hat nach einer kurzen Anlaufphase keinerlei Unterstützung im Marketing geboten. Irgendwann riss mir die Geduld, und ich entschied mich, weitere Bücher selbst herauszubringen.

Auf tredition stieß ich bei der Recherche für Self-Publisher. Mir war besonders wichtig, dass Vaterland, wo bist du? eine Chance hat, in die Buchläden zu kommen. In dem Bereich erschien mir tredition besonders stark. Auch die Unterstützung des Verlags, der einzelnen Abteilungen war bisher super.

tredition: Welche Marketingmaßnahmen haben Sie für Ihr Buch bereits vorgenommen bzw. welche haben Sie noch in Petto? Hatten Sie von Anfang an einen Marketingplan?

Annette Oppenlander: Außer einer Launch Party habe ich noch keine weiteren Schritte unternommen. Natürlich haben alle Beteiligten bzw. direkten Familienangehörigen ein Buch erhalten. Bald werde ich die Medien, vor allem hier im bergischen Land anschreiben. Auch Blogger, die sich für Geschichte und Lokales interessieren werden kontaktiert. Dann folgen Besuche im Buchhandel, in Seniorenheimen und hoffentlich Lesungen im privaten Bereich. Im April arbeite ich mit der VHS Solingen und präsentiere über das Thema Krieg und Gewalt. Außerdem bin ich Mitglied der Solinger Autorenrunde und nehme an Gruppenlesungen teil. Ich bin sicher, es werden sich im kommenden Jahr viele Gelegenheiten zur Vermarktung bieten.

7. Zwischen Marketing und neuen Buchprojekten

tredition: Was sind Ihre Erfahrungen im Bereich Marketing? Wie sollte man als Autor an das Marketing für das eigene Buch herangehen?

Annette Oppenlander: Über die letzten Jahre habe ich einige Erfahrungen gesammelt, allerdings immer in den USA. Seit meinem Umzug nach Deutschland in 2017 hatte ich ja kein deutschsprachiges Buch im Angebot. Aber das wird ja jetzt anders! Ich denke, Engagement ist ein Muss. Ohne persönlichen Einsatz geht es nicht. Aber noch wichtiger ist, dass das vermarktete Produkt Qualität hat.

tredition: Haben Sie schon weitere Buchprojekte in Planung? Dürfen Ihre Leser sich auf weitere Bücher freuen? 

Annette Oppenlander: Im November kommt mein nächster englischsprachiger Roman heraus, der von der Kinderlandverschickung im Zweiten Weltkrieg handelt. Wenn er einigermaßen läuft, würde ich ihn gerne diesen Winter übersetzen und dann als Folgebuch hier in Deutschland anbieten.

Noch ein paar Dinge über mich, die Leser vielleicht interessieren könnte:

  • Schokolade ist ein Hauptnahrungsmittel!
  • Liebste Hobbies: Fliegenfischen und Pilze sammeln
  • Hundeliebhaber
  • Seit 1988 mit einem Amerikaner verheiratet

tredition: Liebe Frau Annette Oppenlander, danke Ihnen für das schöne Interview!

Annette Oppenlander

„Ich denke, Engagement ist ein Muss. Ohne persönlichen Einsatz geht es nicht. Aber noch wichtiger ist, dass das vermarktete Produkt Qualität hat.“

Über die Autorin

Annette Oppenlander


Annette Oppenlander vermittelt ihre Kenntnisse sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache durch Workshops, unterhaltsame Präsentationen und Autorenbesuche an Colleges, Universitäten, Büchereien und Schulen. Sie ist Mutter von Zwillingen und einem Sohn und lebt seit 2017 wieder in ihrer alten Heimat Solingen in Deutschland.