Einer, der die Hippies versteht: Autor John C. Mileahed im Interview

Hippiephilosophie von John C. MileahedAls ein Redakteur der Wochenzeitung DIE ZEIT im vergangenen Jahr eine alternative Kuntshochschule in Ottersberg bei Bremen besuchte, wurde er fast zum Hippie. Womöglich geht es Ihnen ebenso, liebe Leserinnen und Leser, wenn Sie das Buch „Hippiephilosophie“ von John C. Mileahed zur Hand nehmen. Im Interview mit tredition gibt der Autor einen Ausblick auf sein Buch.

tredition: Lieber Herr Mileahed, „Hippiephilosophie – Wege und Werte der Liebesgeneration“ lautet der Titel Ihres jüngst bei tredition erschienenen Buches. Was erwartet die Leser?
John C. Mileahed:
Werte und Wege der Liebesgeneration werden dargelegt mit Originalstimmen der Zeit. Denk- und Lebensweise der Blumenkinder, auch Hippies, Heads oder Freaks genannt, werden in ihrem ursprünglichen Zusammenhang als gelebte Philosophie vorgestellt. Den Leser erwartet eine Reise zu neuen Sichtweisen der Welt und seiner selbst.

tredition: Wie sind Sie bei der Konzeption des Buches vorgegangen?
John C. Mileahed:
Jahrelang habe ich Bücher und Schriften der Hippiezeit 1964 bis 1967 weltweit recherchiert und in diesem Buch verarbeitet. Oft war es ein Zufall, ein mir völlig unbekanntes Buch ebenso unbekannter Autoren zu finden, die nie wiederaufgelegt wurden. Manchmal fand ich über das Internet weltweit ein oder zwei Exemplare, sicherte mir schnell eines, damit ich mir und meinen Lesern dieses Wissen erschließe. Daraus haben sich auch für mich erstaunliche Erkenntnisse ergeben.

Aufgeschrieben habe ich nicht, was allgemein bekannt ist. Je unbekannter, vergessener oder verdrängter etwas war, desto genauer habe ich es untersucht. Geistiges Neuland zu betreten war mein Ziel. Daher lernen wir auch etwas über uns, unsere Zeit und derzeit verdrängtes Wissen.

Eine Reise ist Sinnbild des Lebens. Außer der äußeren, körperlichen Reise – wie auf dem Hippietrail nach Kathmandu, Goa oder San Francisco, und dem Besuch von Festivals – gab es innere Reisen mit Musik oder Büchern. Reisen bildet, hieß es früher. Auf jeden Fall bilden sich neue Eindrücke und Lebenserfahrungen. Am Ende der Reise durch dieses Buch haben Leser, so hoffe ich, einiges dazugelernt über Leben und Lebensweisen.

tredition: Was zeichnet die Hippiephilosophie aus Ihrer Sicht aus?
John C. Mileahed:
Liebe, in der umfassenden Bedeutung, die ihr die Liebesgeneration gab. Liebe galt allen Menschen – also gab es keine Feinde. Damit daraus kein Kitsch wird, gilt es, das Ich aufzulösen. Was tritt an die Stelle des Ichs? Eine gute Frage, die mein Buch beantwortet.

tredition: Wie kam es zur Idee für Ihr Buch?
John C. Mileahed:
Für das Buch gab es mehrere Vorläufer, in denen ich eigene Erfahrungen, Erlebnisse, Wissen und offene Fragen festhalten wollte. Von diesen Vorläufern ist nichts verblieben. Sie haben mich auf das Thema vorbereitet. Die Grundidee entstammt eigenem Erleben und Nachdenken. Anlass für die Niederschrift war eine gesellige Runde an einem australischen Hippieort. Dort sagte mir eine Frau: „Das ist interessant. Schreib es auf! Es könnte auch andere interessieren!“

tredition: Welche Tipps würden Sie anderen Autoren geben, die gerade beginnen möchten, ein Buch zu schreiben?
John C. Mileahed:
Lesen! Viele Bücher lesen, vor allem: gute Bücher! Ein gutes Buch soll überraschen, im Idealfall mit jedem Satz oder Absatz. Die Klassiker lesen, Bücher der verschiedensten Genres und zu vielen Themen! So baut sich beim angehenden Schriftsteller ein Gefühl für Sprache und Literatur auf. Zusätzlich ist eine Spezialisierung auf Bereiche ratsam, in denen ein tiefes Wissen aufgebaut wird. Nur wer weiß, was es schon gibt, kann etwas Gutes und Neues schaffen.

tredition: Weshalb haben Sie sich für Self-Publishing entschieden?
John C. Mileahed:
Große Verlage verkaufen mehr als je zuvor wenige, standardisierte Massenprodukte. Für kreative neue Ideen noch nicht etablierter Künstler ist kaum Platz.

tredition: Welche Werbemaßnahmen unternehmen Sie für Ihr Buch?
John C. Mileahed:
Derzeit sind Lesungen geplant, wegen des Ambientes meist auf Konzerten mit zum Buch passender Musik. Dort können Interessierte einen Nachhall von Leben, Werten, Musik und Auftreten der Hippies selbst erleben. Vieles ist heute anders, aber für einen stimmungsvollen Eindruck reicht es. Andere Ideen mögen folgen. Ich lebe jedoch nach der Devise: Mehr Sein als Schein. Nicht viel ankündigen und wenig halten, sondern überraschen und handeln, wenn es möglich ist.

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