Autorin Yvonne Holthaus im Interview: „Das Glück ist mit den Tüchtigen“

tredition: Liebe Frau Holthaus, vor knapp einem Jahr haben Sie Ihre Autobiographie „Mit dem Gesicht zur Sonne“ bei tredition veröffentlicht. Eigentlich sind Sie doch viel zu jung für ein Werk über Ihr Leben oder?

Yvonne Holthaus

Yvonne Holthaus: Strkturiertes Vorgehen bei Buchaufbau und Marketing ist für Autoren das A und O

Yvonne Holthaus: (lacht) Ja, da sind Sie nicht die Einzige, der das als erstes in den Sinn kommt, da ich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung gerade erst 39 geworden war. Aber eines habe ich im Leben gelernt – wenn auch nicht unbedingt auf schöne Art und Weise: wie alt man auf dem Papier ist, hat nicht im Geringsten damit zu tun, was man bereits erlebt haben kann. Egal ob es sich um schöne, oder – wie in meinem Fall – eher unschöne und tragische Dinge handelt. Denn niemand von uns trägt ein Display in der Stirn auf dem geschrieben steht, was man alles schon hinter sich hat.

tredition: Hat es Sie viel Überwindung gekostet, eine so schicksalhafte Lebensgeschichte mit der Öffentlichkeit zu teilen?

Yvonne Holthaus: Überwindung ist nicht das richtige Wort. Denn es ging mir ja in meiner Biographie zu keinem Zeitpunkt darum, mich als Opfer der äußeren Umstände darzustellen und in eine Jammerhaltung zu verfallen – ganz im Gegenteil! „Mit dem Gesicht zur Sonne“ ist als Mutmach-Biographie gedacht. Ich schöpfe aus meinen eigenen Erfahrungen und versuche zu vermitteln, dass alles zu schaffen ist, wenn man durchhält und nicht aufgibt.

tredition: Was haben Sie beim Schreiben und der Gestaltung des Buches als größte Herausforderung empfunden?

Yvonne Holthaus: Die größte Herausforderung war für mich gleichzeitig ein Kampf mit meinem Ego. Denn ich bin ein Mensch, der am liebsten alles selbst macht, alles lernt, was zu lernen ist, und damit die Kontrolle, aber auch die Verantwortung für alles in der Hand hat. Gerade bei der Buchproduktion habe ich aber schnell gemerkt, dass ich mit vielen Dingen an meine Grenzen stoße. Es hätte einfach meinen zeitlichen Rahmen gesprengt, auch noch zu lernen, wie man ein Buch setzt, das innere Layout gestaltet oder professionell mit Photoshop umgeht. Immerhin bin ich ja nicht hauptberuflich Autorin. Dementsprechend war die Herausforderung für mich, Layout und grafische Gestaltung an Menschen zu delegieren, die davon wirklich Ahnung haben. Wobei hier meine Vorgabe bereits im Kopf vorhanden war, die Ausführung aber tolle Menschen für mich erledigt haben.

„Ich habe schon vor dem Schreiben einen Marketingplan entworfen.“

tredition: Und wie viel Zeit nahm das reine Schreiben in Anspruch, quasi von der ersten bis zur letzten Zeile?

Yvonne Holthaus: Das Schreiben des Manuskriptes war an sich die wenigste Arbeit. Das kann ich auf fast genau 7-8 Monate benennen. Umfangreicher waren für mich die vorherigen Recherchen, um auch wirklich alle im Buch geschilderten Geschehnisse faktisch untermauern zu können. Dazu zählte in meinem Fall unter anderem eine Woche Recherche-Aufenthalt in den Räumen des Landgerichtes in Kassel, damit ich Verhandlungs-, Vernehmungs-  und Polizeiprotokolle studieren und exzerpieren konnte. Das, was für einen Romanautoren der sogenannte „Plot“ ist, war für mich das Zusammentragen aller Fakten, um zu allererst eine Chronik zu erstellen, quasi als Skelett. Diesen Zeitraum kann ich auf ungefähr 1,5 Jahre beziffern.

tredition: Aus welchen Gründen haben Sie sich dafür entschieden, bei tredition zu veröffentlichen?

Yvonne Holthaus: Ich bin ein Bauchmensch, der aber in den relevanten Dingen ganz schnell in den Analysemodus wechseln kann. Und gerade im Bereich der Veröffentlichung hatte ich einige Dinge im Kopf, die für michzwingend erfüllt sein mussten. Ein – wenn nicht sogar der wichtigste – Punkt war für mich, dass ich die Rechte an meinem Buch voll und ganz behalte. Ich wollte selbst entscheiden können, wann ich wo einen Auszug veröffentlichen möchte. Gleichermaßen war mir aber auch wichtig, im Buchhandel vertreten sein zu können, ohne dass die Nase gerümpft wird, weil man ja „nur“ ein kleiner Self-Publisher ist. Diese und weitere Dinge waren für mich das klare Plus bei tredition. Und nebenbei hat das Bauchgefühl ebenfalls zugestimmt, weil die persönliche Betreuung einfach toll ist.

tredition: Ihr Buch erzielte ein Riesenecho in den Medien von RTL über Bayern 3 bis zu Closer und Lisa. Generell ist es ja schwierig, sich als (noch) nicht populärer Autor Gehör zu verschaffen…

Mit dem Gesicht zur Sonne

Großes Medienecho: Die bewegende Autobiographie von Yvonne Holthaus wurde in Presse, TV und Radio vielfach besprochen.

Yvonne Holthaus: Ja, das ist wahr. Hier kann ich aber nochmals an Ihre Frage nach dem zeitlichen Aufwand beim Schreiben meines Buches anknüpfen. Denn ich habe mir meinen Marketingplan bereits vor dem Schreiben des Buches zurechtgelegt. Das bedeutet, ich habe ein Jahr lang alle mögliche Literatur über Autorenmarketing verschlungen und mir dann individuell meinen Plan gemacht. Dabei ist nicht nur wichtig, wo man veröffentlicht. Vielmehr ist es oft die Frage der richtigen Reihenfolge. Es bringt meist nichts, als kleiner Neu-Autor an große Zeitungen oder Magazine heranzutreten. Da muss schon ein ganz spezieller Bezug stimmen. In meinem Fall bedeutet das, dass ich zuerst an die Regional-Presse hier vor Ort herangetreten bin – dies aber schon zur Zeit der Entstehung des Buches. Damit hatte ich schon eine gewisse Pressepräsenz vorzuweisen. Mit der wandte ich mich dann an die große Tageszeitung in Hessen, wo ein Großteil meiner Kindheit im Buch stattfindet und bei der auch der im Buch enthaltene Kriminalfall zum Zeitpunkt des Geschehens täglich ein Thema war. In dem Wissen, dass das regionale TV sich oft aus eben dieser Zeitung viele seiner Sendethemen heraussucht, ging meine Rechnung auf und RTL-Regional meldete sich bei mir. Das Thema war dann sogar stark genug, um überregional gesendet zu werden. Kurzum: Ohne eigene Initiative wird es kaum gehen. Und auch, wenn ich in einigen Dingen eventuell Glück hatte, vertrete ich die Meinung, dass das Glück mit den Tüchtigen ist.

„Wenn ich meine Zielgruppe kenne, weiß ich, wo ich sie treffen kann.“

tredition: Wie betreiben Sie generell Marketing für Ihr Buch und welche Aktivitäten sind nach Ihrer Erfahrung am effektivsten?

Yvonne Holthaus: Marketing sollte meiner Meinung nach aktiv und nutzerrelevant sein. Das heißt, es geht in erster Linie darum, sich vorzustellen, was meinen Leser interessiert und woraus er seinen Nutzen für sich ziehen kann. Ich sage immer so schön: „Der Wurm muss dem Fisch schmecken – nicht dem Angler!“ Das heißt, Dinge, die mir besonders gut gefallen, sind eventuell gar nicht unbedingt im Sinne meiner Leserschaft. Daher ist der allererste Schritt auf dem Weg zum richtigen Marketing, sich ganz konkret über seine Zielgruppe Gedanken zu machen. Wenn ich einen Vampirroman veröffentliche, dann werde ich eine ganz andere Zielgruppe haben, als wenn ich einen historischen Roman oder einen Biographie geschrieben habe. Wenn ich meine Zielgruppe kenne, weiß ich, wo ich sie treffen kann. Das kann in Internetforen sein, aber auch in Printmedien. Für meinen persönlichen Fall konnte ich die Radiopräsenz als die erfolgreichste verbuchen.

tredition: Welche Tipps zur Buchveröffentlichung haben Sie für Autoren, die vor der Entscheidung stehen, wie und wo sie ihr Buch publizieren?

Yvonne Holthaus: Nur einer: geht zu tredition! (lacht) Nein, also im Ernst: das Internet ist eine Fundgrube an Vergleichsmöglichkeiten der verschiedenen Publikationsvarianten. Wichtig ist zu wissen, was ich persönlich will und was mir am wichtigsten ist. Erst dann weiß ich ja, wonach ich suchen muss. Ich denke auch nicht, dass es die ultimativ richtige Entscheidung für alle Autoren gibt. Viel hängt davon ab, was ich bereit bin, selbst zu tun, was ich kann oder was mein zeitlicher Rahmen zulässt.

tredition: Könnten Sie sich vorstellen, ein zweites Buch herauszugeben?

Yvonne Holthaus: Ein zweites Buch liegt mir tatsächlich noch in der Nase. Die Leser meiner Biographie fragen mich immer wieder, ob ich denn nicht mal ein Buch schreiben möchte, in dem ich beschreibe, wie man es schafft, immer wieder Kraft zu finden und weiter zu machen. Sozusagen ein Buch, das erklärt, wie ich meine eigenen Lebenserfahrungen gemeistert habe. Das wäre in meinem Sinne und liegt auch beruflich auf meiner Wellenlänge.

tredition: Dürfen wir abschließend noch fragen, was Sie beruflich machen?

Yvonne Holthaus: Mein Beruf ist meine Berufung. Denn ich darf in meiner eigenen Privatpraxis als Heilpraktikerin für Psychotherapie und Hypnosetherapeutin arbeiten. Ein Traumberuf, den ich mit Leib und Seele lebe. Hier kann ich Menschen Impulse, Inspirationen und Motivationen mit auf den Weg geben. Auch wenn es klischeebehaftet ist, den alten Konfuzius zu zitieren, so komme ich nicht umhin, dass er Recht hatte, als er sagte: „Wähle einen Beruf, den Du liebst und Du brauchst keinen Tag in Deinem Leben mehr zu arbeiten.“ Was selbstverständlich auch oder vor allem für alle meine Autorenkollegen gilt.

 

1 Antwort
  1. Elizabeth Kott says:

    Liebe Yvonne, liebes Team von tredition,

    ich stimme in allen Punkten voll mit Dir überein. Als erstes möchte ich auch bestätigen, dass tredition der richtige Verlag ist, wenn man noch unbekannt ist. Von Vorteil ist tatsächlich, dass das Buch vom Auor selbst erstellt werden kann. Ich hatte nicht die Spur von Ahnung, wie ich das machen sollte, aber so viele Hilfestellungen von tredition bekommen, dass es mir dann gut gelungen ist. Auch die Vorlagen, die man für die Gestaltung zur Verfügung hat, waren sehr hilfreich. Meinen Umschlag konnte ich so auch selbst gestalten.

    Für den Erfolg des Buches ist eigenes Marketing unverzichtbar. Es kostet sehr viel Arbeit, an die richtige Zielgruppe zu geraten und Lesungen zu halten. Ich habe mit meinen Lesungen beim Lions Club angefangen, zunächst für die Zielgruppe älterer Leute, und dann vor Kindern zwischen 9 und 11 Jahren in einer internationale Schule. (Da habe ich allerdings nicht aus meinem Buch vorgelesen, sondern frei in Englisch erzählt. Es ist ja meine Geschichte, die ich in- und- auswendig kenne.) Dann hatte ich das Glück einen ganzen Abend für mich zu haben und habe auf einer Bühne zwei Stunden lang meine Geschichte gespielt. (Übrigens, zwei Stunden sind zu lang. Eine Lesung darf nicht mehr als eine Stunde dauern.)

    Mir ist es bis jetzt leider nicht gelungen an das Fernsehen oder den Rundfunk heran zu kommen. Ich habe viele Anschreiben verschickt, aber wurde immer wieder vertröstet.

    Ich habe noch drei Bücher bei meiner Lektorin in der Pipeline, und zwei andere in Arbeit. Sie werden allen bei tredition veröffentlicht. Ich habe bis jetzt fast alle Arten der Bücher versucht: Autobiografie, Roman, Sachbuch, Katzenbuch und Krimi. Ohne tredition könnte ich das nicht. Mein Sachbuch ist beispielsweise ein Bildband. Verlage, die Bildbände veröffentlichen, sind sehr rar. Ohne einen „richtigen“ Verlag ist es wiederum unmöglich, da die Kosten immens sind. Bei tredition kann ich selbst entscheiden, wie viele Farbbilder ich reinbringe, welches Papier für mich in Frage kommt usw.

    Mein Fazit ist, dass ein Buch mit tredition und einer richtigen Vermarktung ein Erfolg werden kann.

    Ich wünsche allen Autoren viel Erfolg mit tredition.
    Elizabeth Kott
    Freie Autorin und Malerin

    P.S.: Link zu meinem Buch: http://www.tredition.de/?books/ID38508/Acht-Monate-unseres-Lebens-im-afrikanischen-Busch

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