Unterwegs auf der Notenautobahn: Autor Christian Salvesen im Interview

Christian-Salvesen_WebOb fliegende Schildkröten, eine Notenautobahn oder der Rachen des Tigers – die Skizzensammlung „Stadtvögel und andere Kreaturen“ von Christian Salvesen ist originell, ungewöhnlich, humorvoll und immerzu tiefsinnig. Wie die über 70 Zeichnungen mit begleitenden Kurztexten entstanden und was das alles mit Twitter zu tun hat, erklärt der Autor im Interview mit tredition.

tredition: Lieber Herr Salvesen, Sie sind freier Journalist, Lektor, Ghostwriter… und trotz dieses vielfältigen Tätigkeitsspektrums finden Sie die Muße, auch selbst Bücher zu veröffentlichen. Einmal ganz simpel gefragt: Wie schaffen Sie das?
Christian Salvesen:
Die Tätigkeiten sind ähnlich, ergänzen oder überschneiden sich. Bei den Sachbüchern konnte ich auf meinen Arbeiten – Recherchen und Artikel – als Journalist aufbauen. Der bisher einzige Krimi hat viel Extra-Zeit gekostet, aber das war es mir einfach wert. Der autobiografische Roman (bei tredition) entstand schon vor über 30 Jahren.

tredition: Ihr gerade bei tredition veröffentlichtes Buch ist eine Skizzensammlung. Wie und wann entstanden diese?
Christian Salvesen:
Das aktuelle Buch „Stadtvögel“ ist für mich eine ganz neue Erfahrung, ein neues Genre, wo Zeichnungen und kurze Texte zusammenkommen. Die handgeschriebenen Worte gehören unmittelbar zur Zeichnung, die zusätzlichen am PC geschriebenen Texte, zum Teil in Reimen, stammen aus meinen tagebuchartigen Notizsammlungen. Beides ist in den vergangenen zwei Jahren abends nach der normalen Arbeit bei ein paar Gläschen Wein entstanden. Wichtig ist dabei die Spontanität. Überlegen und Konstruieren würden hier stören.

tredition: Haben Sie schon immer gern gezeichnet oder kam die Faszination dafür erst später?
Christian Salvesen:
Fast alle Kinder malen und zeichnen gern, doch die meisten hören damit während der Schulzeit auf. Bei mir ist die Freude am Zeichnen geblieben, hat sich allerdings im Laufe der Jahrzehnte in ganz unterschiedlichen Stilen ausgedrückt.

tredition: Welche Skizze aus Ihrem Buch mögen Sie selbst am liebsten? Und weshalb?
Christian Salvesen:
Ich mag „Das Tor“ am liebsten, weil ich es immer wieder gerne anschaue. Es hat eine Art innere Schönheit, die mich aufbaut.

Die Notenautobahn von Christian Salvesen

Eine der Skizzen aus Salvesens Sammlung: Die Notenautobahn

tredition: An wen richtet sich Ihr Buch? Und was möchten Sie damit beim Leser erreichen?
Christian Salvesen:
Die Zeichnungen als solche sind nicht in der Absicht entstanden, einer bestimmten Zielgruppe irgendeine Botschaft zu vermitteln. Doch bei der Zusammenstellung war mir klar, dass dies kein Ratgeber für ein breites Publikum sein kann. Das Buch gibt eher Rätsel auf, könnte stutzig machen und dazu anregen, die Welt aus einer bisher ungewohnten Perspektive zu betrachten. Ich denke, dass es keinen objektiven Sinn im Dasein gibt, sondern jeder Mensch den Sinn hineingibt. Daher tauchen im Buch immer wieder skurrile und groteske Situationen und Figuren auf. Das könnte Menschen interessieren, die sich nicht mit vorgegebenen Glücksformeln und oberflächlicher Unterhaltung begnügen wollen. Aber ich hatte auch die Kurzform von Twitter im Hinterkopf. Da passen dann Sprüche wie: „Was bin ich denn, ganz ohne Wenn und Aber? Wenn ich grad penn, ist alles nur Gelaber“.

tredition: Sie haben bereits einige Bücher als Verlagsautor publiziert. Was bewog Sie, Ihre neuesten Bücher auf dem Wege des Self-Publishing herauszugeben?
Christian Salvesen:
Wenn ein Verlag mir wie früher sagen würde: Wir brauchen zu diesem Thema für das Herbstprogramm in einem Jahr 200 S., du kriegst 5000,-€ Vorschuss, würde ich das sofort wieder machen. Doch diese Zeiten sind wohl vorbei. Meine Projekte passen nicht in die Verkaufsstrategien. Es gibt ja bei den regulären Verlagen kaum eine Neuerscheinung, die originell ist. Die Titel orientieren sich an vorherigen Verkaufserfolgen. Selfpublishing ist für mich neu. Das ist schnell und flexibel. Bei dieser Art von Buch ist es für mich stimmig.

Stadtvögel und andere Kreaturen von Christian Salvesen

Im Februar als Paperback, Hardcover und e-Book bei tredition erschienen

 

tredition: Dürfen sich Skizzenliebhaber auf weitere Werke von Ihnen freuen?
Christian Salvesen:
Unbedingt. Es sind schon weitere in Arbeit.

„Beim Zeichnen höre ich gern Klassik und Jazz.“

tredition: Am 21. März ist Ihre Ausstellung bei Kunst & Mehr in Bad Wiessee eröffnet worden. Sind dort auch Skizzen aus Ihrem Buch zu sehen?
Christian Salvesen:
Ja, etliche, darunter das Covermotiv, die Notenautobahn, das Tor. Die Zeichnungen wurden sehr interessiert wahrgenommen, einige auch gekauft (zu sehen unter www.kunstundmehr.de).

tredition: Wie werden Sie Ihr neues Buch bewerben?
Christian Salvesen:
Zum einen durch weitere Ausstellungen, wo sich zum Beispiel wie zur Ausstellungseröffnung am 21. März Interviews ergeben können (siehe Kulturvision), zum anderen durch Kontakte zu mir bekannten Redaktionen. Ich biete den Redaktionen auch einzelne Zeichnungen als Illustrationen an. Ich möchte noch im Internet einiges versuchen, Facebook, Twitter, Youtube. Zudem hat der Galerist von Kunstundmehr, Herr Rau, einige meiner frühen Bilder auf youtube veröffentlicht: http://youtu.be/IHMdaRihgnY.

tredition: Neben der Literatur begeistern Sie sich für Musik. Beflügelt das Musizieren für die eigene Arbeit an Büchern?

Christian Salvesen: Ja, durchaus. Ich höre viel Radio beim Lesen, Schreiben und Zeichnen, vor allem Klassik und Jazz.

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