Fantasy-Autorin Siri Lindberg im Interview: „Okay, ich muss das jetzt tun!“

tredition: Frau Lindberg, wir freuen uns, Sie seit Juli zum Autorenkreis von tredition zählen zu dürfen! Den ersten Teil Ihrer Fantasy-Trilogie „Nachtlilien“ hat der Piper Verlag herausgegeben. Was bewog Sie, die beiden weiteren Bände von tredition verlegen zu lassen?

Fantasy-Autorin Siri Lindberg

Schätzt den kreativen Freiraum, den Self-Publishing bietet: Autorin Siri Lindberg (Foto: Erol Gurian)

Siri Lindberg: Obwohl der Roman in der gebundenen Ausgabe zwei Auflagen erlebt hat, hat Piper sich nach anfänglicher Zusage gegen eine Fortsetzung entschieden. Also verschwanden meine Planungen dafür in der Schublade. Doch die Figuren ließen mir keine Ruhe, ich wollte unbedingt wieder über sie schreiben, und die Fans haben mir selbst Jahre nach Erscheinen des Buches rührende Mails geschrieben. Irgendwann sagte ich: „Okay, ich muss das jetzt tun!“ und legte los. Nur macht natürlich kein etablierter Verlag eine Fortsetzung, deren erster Band anderswo erschienen ist. Das heißt, mir war klar, dass ich das als Independent-Projekt stemmen werde. Das war zeitaufwendig, aber spaßig, und in tredition habe ich einen guten Partner für die Hardcover-Ausgaben gefunden (hier war für mich eine professionelle Arbeitsweise und ein erschwinglicher Ladenpreis entscheidend).

Lilienwinter von Siri Lindberg bei tredition

Die Fangemeinde ließ nicht locker – und so schrieb Siri Lindberg Band 2…

tredition: Welche Vorteile hat Self-Publishing aus Ihrer Sicht gegenüber der Publikation in einem traditionellen Verlag?

Siri Lindberg: Man kann Projekte verwirklichen, ohne auf die Wünsche eines Verlages Rücksicht nehmen zu müssen. Und man hat alles selbst in der Hand, das heißt Cover, Layout und so weiter entsprechen zu hundert Prozent meinen Wünschen. Im Bereich e-Book macht es mir zudem großen Spaß, meine Projekte selbst zu verwalten. Trotzdem weiß ich jetzt, nachdem ich das alles einmal selbst gemacht habe, die Leistungen eines Verlages für den Autor umso mehr zu schätzen. Nur fühle ich mich nicht mehr ganz so abhängig davon wie zuvor.

tredition: Wie war es für Sie, Cover und Buchsatz selbst zu gestalten? Haben Sie dafür mit einem Grafiker zusammengearbeitet?

Siri Lindberg: Das Cover von „Lilienwinter“ habe ich von einer jungen talentierten Grafikerin machen lassen, allerdings gab es danach Abstimmungsschwierigkeiten, so dass ich mich am Cover von „Winterdrachen“ selbst versucht habe. Die Gestaltung des Innenteils fiel mir nicht weiter schwer, es war aber viel Detailarbeit, bis alles passte. Zum Glück sind Verlage wie tredition auf „Amateur-Buchmacher“ eingestellt; die Anleitungen und telefonischen Hilfestellungen fand ich sehr nützlich.

tredition: Welche Marketingmaßnahmen unternehmen Sie für Ihre Bücher?

Siri Lindberg: Ich kontaktiere gerade Buchbloggerinnen, denen „Nachtlilien“ gefallen hat, und biete ihnen Rezensionsexemplare an. Natürlich habe ich auch über meine Homepages und Facebook einige Leserinnen darauf aufmerksam gemacht, dass es jetzt eine Fortsetzung gibt. Im August startet eine „Blog-Tour“ zum Buch mit fünf verschiedenen Stationen, das haben Fans des Buches für  mich organisiert und ich beteilige mich gerade an den Planungen.

tredition: Können Sie von Ihren Buchverkäufen leben?

Siri Lindberg: Ja, ich lebe schon seit sieben Jahren ausschließlich vom Bücherschreiben (vorher habe ich hauptberuflich als Journalistin gearbeitet und nur nebenbei Bücher veröffentlicht). Allerdings habe ich bisher unter meinem richtigen Namen und einem Pseudonym nur für etablierte Verlage wie Beltz & Gelberg, arsEdition und cbj geschrieben. Bei diesem Self-Publishing-Experiment würde ich mich sehr freuen, wenn es die Kosten wieder einspielt, aber das Geldverdienen stand nicht im Vordergrund.

Winterdrachen von Siri Lindberg bei tredition

… und Band 3 der Trilogie Nachtlilien

tredition: Ihre Trilogie ist sehr inhaltsdicht und im positivsten Sinne komplex. Die Ideenfindung und das Schreiben dürften eine dementsprechend große Herausforderung gewesen sein oder?

Siri Lindberg: Ich hatte vorher schon zwei Fantasy-Trilogien für Jugendliche bei einem österreichischen Verlag veröffentlicht und hatte dort die Anfängerfehler, zum Beispiel bei der Welterschaffung und beim Plot, schon hinter mich gebracht. „Nachtlilien“ war für mich eine Herausforderung, weil es mein erster Roman für Erwachsene war, aber ansonsten war es wunderbar und weiter kein Problem, es zu entwickeln und zu schreiben. Nur an wenigen Stellen meckerten meine Testleser, dass mir der Ton zu jugendlich geraten war.

tredition: Sie sind auch Autorin von Sach- und Kinderbüchern. Was bewog Sie, in den Fantasy-Bereich zu „wechseln“? Und welches Genre bevorzugen Sie aus schriftstellerischer Sicht am meisten?

Siri Lindberg: Am liebsten schreibe ich All Age-Romane, die sind ganz „mein Ding“. Die Fantasy war zuerst da, die Kinderbücher kamen erst danach. Ich mag Fantasy noch immer sehr, obwohl ich nie ein hartgesottener Fan sein werde, der alles liest, was auf den Markt kommt. Dafür sind mir viele Plots zu schablonenhaft.

tredition: Ganz spannend ist natürlich: Schreiben Sie bereits an einem weiteren Buch, auf das sich Ihre Leser freuen können?

Siri Lindberg: Klar. Ich schreibe ja praktisch ständig, da ich das hauptberuflich mache. Da ich zwei Verträge für neue Jugendromane habe, muss ich mich ranhalten und in die Tasten hauen, damit ich die Abgabetermine schaffe. Viel darf ich über die neuen Romane leider noch nicht verraten.

tredition: Herzlichen Dank für das Interview, Frau Lindberg!

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