Gabriele Schmid: „Als Self-Publisher ist definitiv alles Meins“

Heimliche Fortsetzungen von Büchern schrieb Gabriele Schmid schon in Jugendjahren – mittlerweile hat sie bereits drei Romane veröffentlicht und weitere in Arbeit. Im Interview erklärt sie, wie sie ihre Schreibtechnik professionalisierte und was sie von Self-Publishing hält.

tredition-Autorin Gabriele Schmid

Schreiben aus Leidenschaft: Gabriele Schmid wird in Kürze ihren ersten Kriminalroman veröffentlichen

tredition: Liebe Frau Schmid, Sie sind beruflich lange Zeit als Programmiererin, also im EDV-Bereich, tätig gewesen. Da ist das Schreiben als sehr kreative Tätigkeit, ein richtiger Gegensatz oder?

Gabriele Schmid: Absolut! Meine KollegInnen, die mich lange Jahre kannten, tippten auf ein Fachbuch, als ich mich erstmals öffentlich zu meinem Autorinnen-Dasein bekannt hatte. Aber ich selbst kenne es ja nicht anders, meine Gedanken drehen sich immer um irgendwelche Geschichten und Personen. Damit dies nicht falsch verstanden wird: wenn ich meiner Arbeit als Datenbank-Ingenieurin nachgehe, dann bin ich hochkonzentriert und lasse mich kaum ablenken. Diese Fähigkeit nutze ich aber auch, wenn ich am Schreiben bin – schon manches Mal haben meine Söhne erfolglos aufgegeben, wenn sie mich ansprechen wollten.

Die logische, nüchterne Seite als Datenbank-Ingenieurin hilft mir auch, meine Recherche-Arbeiten sorgfältig aufzubauen. Manchmal bremst sie mich vielleicht auch etwas in meiner Kreativität, wenn ich im Zwiespalt stehe, lasse ich die Fiktion in den Vordergrund oder die Realität. Meist findet sich irgendwann ein Kompromiss.

„Am liebsten schreibe ich Liebesromane.“

tredition: Seit wann schreiben Sie und was schreiben Sie am liebsten?

Gabriele Schmid: Schon in meiner Jugend habe ich mir heimlich Fortsetzungen von Büchern ausgedacht und teilweise auch aufgeschrieben. Ich habe es jedoch nie ernsthaft verfolgt, mich in diese Richtung beruflich zu orientieren. Irgendwie hatte mich die EDV ziemlich schnell in ihren Bann gezogen und es fiel mir unheimlich leicht, hier weiterzukommen, dazuzulernen und zu improvisieren.

Vor ein paar Jahren ist mir dann die Idee zu einer Roman-Reihe gekommen und ich fürchtete zu platzen, wenn ich nicht alles aufschreiben würde. Also setzte ich mich hin und schrieb.

Am liebsten schreibe ich Liebesromane – denke mir Leid und Glück meiner Hauptdarsteller aus. Es fällt mir auch relativ leicht, immer wieder neu Plots zu entwerfen. Jetzt habe ich mir aber in den Kopf gesetzt, eine Krimi-Reihe zu schreiben, die mir doch einigen Kummer bereitet, denn der kriminalistische Handlungsstrang und die Motivation des Täters lässt mich immer noch selbst rätseln. Ich stehe vor einer sehr großen Herausforderung, dieses Rätsel zu knacken und den Krimi stimmig zu erzählen.

tredition: Im November 2013 haben Sie Ihr erstes Buch, den Liebesroman „Gleichklang“, herausgegeben. Wie lange haben Sie an dem Werk geschrieben und wodurch haben Sie sich inspirieren lassen?

Gabriele Schmid: Oh – geschrieben war er recht schnell – ich schätze mal drei Monate, dann war das Roh-Manuskript fertig. Allerdings ging es dann ans Überarbeiten und Feilen. Damals hatte ich mit meiner Ausbildung zur Romanautorin erst angefangen, dementsprechend viel musste ich ändern.

Heute plane und plotte ich ganz anders, obwohl ich immer noch aus dem Bauch herausschreibe. Allerdings bewahrheitete es sich, was Ulrike Dietmann mir anfangs sagte: „Je mehr du schreibst, desto flüssiger und besser erzählst du.“a018942d-0cf9-42a5-be43-253ca389d644

Inspiriert hat mich natürlich mein Sohn Patrick, der an der Krankheit Hämophilie A leidet und die Tatsache, dass wir vom Behandlungszentrum in Frankfurt immer mal wieder aufgefordert werden, Familien, die eine Erstdiagnose bekommen haben, von unserem Leben mit dieser Krankheit zu erzählen.

„Ich tausche mich ständig mit anderen Autoren aus.“

tredition: Haben Sie sich Tipps zum Schreiben von Romanen eingeholt?

Gabriele Schmid: Ich habe massenweise Fachliteratur gewälzt und mich dann entschlossen, eine Ausbildung zur Romanautorin bei Ulrike Dietmann in ihrer Pegasus Schreibschule zu machen.  Anschließend habe ich einen einjährigen Aufbaukurs bei Lea Korte belegt und jetzt „schlage“ ich mich alleine durch – mit einem Fundus an AutorenkollegInnen und TestleserInnen um mich herum, die mir Rückmeldungen liefern. Natürlich habe ich dutzende von Büchern namhafter AutorInnen gelesen, diese studiert und auseinandergenommen, um zu sehen, wie diese an die Handlung herangehen – allerdings habe ich doch einen eigenen Stil, den ich auch nicht ändern will. Selbst wenn es das Schema des Setzens der Perspektiven hier in Deutschland etwas bricht.

tredition: Tauschen Sie sich generell viel mit anderen Autorinnen und Autoren aus?Herbststürme

Gabriele Schmid: Ständig – ich bin nach wie vor sehr aktiv im Autoren-Forum von Lea Korte. Mit ihr und einer anderen Autorin plane ich für nächstes Jahr auch eine neuartige Schulung für Autoren. Mehr möchte ich dazu noch nicht verraten.

In Facebook tausche ich mich sehr rege mit meinen DeLiA-KollegInnen und anderen AutorInnen aus und bin einigermaßen breit vernetzt, um die Werbung etwas anzukurbeln.

tredition: Weshalb haben Sie sich für Self-Publishing entschieden? Welche Vorzüge sehen Sie dabei?

Gabriele Schmid: Ich habe gerne alles unter Kontrolle und tue mich sehr schwer mit dem Gedanken, mein Werk an einen großen Verlag zu geben, wo Änderungen anstehen, die ich nicht will. Ein Cover produziert wird, das mir nicht gefällt, ein anderer Titel gewählt wird …

Als Self-Publisher ist definitiv alles „Meins“. Angefangen vom Text (incl. den letzten Fehlern), der Formatierung, dem Klappentext und dem Cover. Ich verbürge 9a2fec67-a0b8-49d1-afad-9b5c12c2b693mich inzwischen dafür, dass bei meinen Büchern Titel-Inhalt-Cover eine Einheit bilden – so soll es bleiben. Gottseidank habe ich mit Corina Witte-Pflanz (www.ooografik.de) eine Grafikerin gefunden, mit der ich mich blind verstehe. Sie nimmt alle Anregungen von mir auf und zaubert jedes Mal aufs Neue ein wunderbares Cover.

„Tipps von Lektoren sind unschätzbar.“

tredition: Mittlerweile haben Sie bereits zwei weitere Bücher herausgegeben. Inwiefern kamen Ihnen dabei die Erfahrungen beim Schreiben des ersten Buches zugute?

Gabriele Schmid: Ich überarbeite noch gründlicher und gebe es erst an die ersten Testleser, wenn es absolut stimmig ist. Szenen werden mehr nach Ziel und Höhepunkt überdacht. Die besten Szenen sind aber nach wie vor die, die plötzlich wie aus Zauberhand auf dem Papier entstehen.

tredition: Welche Werbemaßnahmen haben Sie für Ihr Bücher unternommen und welche davon waren am effektivsten?

Gabriele Schmid: Das kann ich nach einem halben Jahr noch nicht ganz überblicken – ich fürchte, da brauche ich auch noch 1-2 Jahre dazu, das alles zu durchschauen und Resümee zu ziehen. Gesponserte Anzeigen in Facebook laufen ganz gut, meist kann ich sehen, dass die Verkaufszahlen wieder hochgehen. Werbung im Buchhandel läuft (außer in meiner Heimatstadt) gar nicht an. Zeitungen reagieren überhaupt nicht und eine breite Marketing-Kampagne kann ich mir noch nicht leisten.

In Zusammenarbeit mit Gesine von Prittwitz ist eine interessante Interview-Reihe entstanden, die mir etwas mehr Bekanntheitsgrad gebracht hat. Ansonsten backe ich kleine Brötchen. (lacht)

Was mich ein wenig traurig stimmt, ist die Tatsache, dass E-Books deutlich besser laufen als die Taschenbücher. Für mich ist ein Buch immer noch ein Buch, das man in Händen hält.

tredition: Welche Tipps würden Sie als erstes einem angehenden Autoren geben, der ein Buch veröffentlichen möchte?

Gabriele Schmid: Holt Euch beim ersten Buch professionelle Hilfe, sei es von einem Coach oder von einer Lektorin. Die Tipps sind unschätzbar und helfen auch später immer wieder.

Ein professionelles Lektorat ist unabdingbar, selbst dann finden sich noch Fehler im Werk.

tredition: Nach bereits drei Büchern interessiert uns natürlich: Wird es weitere geben und wenn ja, wann?

Gabriele Schmid: Selbstverständlich geht es weiter. Erst kommt vermutlich ein erster Band einer neuen Reihe heraus, die dieses Mal in Freiburg spielen wird. Das Manuskript geht Ende September an den spiritbooks-Verlag in der Hoffnung, dass sie zufrieden sind.

Ende des Jahres plane ich Band 3 meiner Mittsingen-Reihe herauszubringen. „Hitzeschlacht“ wird die Geschichte der Fotografin Tabea und dem Kameramann Till erzählen.

Dann soll der Krimi um SINA ROTH dieses Jahr noch fertig werden.

Grundsätzlich besteht meine Planung für die Zukunft darin, pro Jahr einen Kurz-Roman der Mittsingen-Reihe und einen weiteren 400-Seiten Roman zu schaffen. Ich hoffe, dass dieses Ziel realisierbar ist, denn die Recherchen sind sehr zeitaufwendig.

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