Heinzi Gosch – 3… 2… 1… und das Leben ist deins!

Heinzi Gosch

Bild: Autor Heinzi Gosch legt eine irrwitzige Reiseodyssee vor.

Der Durchschnittstyp Heinzi Gosch entführt in seiner aberwitzigen Reiselektüre „3… 2… 1… und das Leben ist deins!“ auf wilde Reiseabenteuer. In seinem irrwitzigen Reisebuch inszeniert er eine unglaubliche Backpackertour zum Rand des Wahnsinns. Der Redaktion von tredition stand der Autor hinter dem Buch Rede und Antwort über absurde und urkomische Erfahrungen, den Überindividualismus in der Backpacker-Szene und seine Marketingerfolge. Das aktuelle tredition-Autoreninterview fällt diesmal sehr  unterhaltsam aus …

 

„Von Backpackern und anderen Wilden“

 

tredition: Sie haben kürzlich Ihr Buch „3… 2… 1… und das Leben ist deins!“ bei tredition veröffentlicht, ein Buch über eine unglaubliche Backpackertour zum Rand des Wahnsinns. Beruhen die komischen Szenen auf wahren Begebenheiten?

Heinzi Gosch: Tatsächlich beruhen etwa 90% der Geschichte auf verschiedenen wahren Begebenheiten, die ich größtenteils originalgetreu hier und da, aber natürlich auch etwas überspitzt zu einer lustigen Gesamtreise zusammengefügt habe. Insbesondere die etwas eigentümliche „Planung“ der Reise ist aber wirklich genau so passiert.

tredition: „3… 2… 1… und das Leben ist deins!“ ist Ihr Debütroman. Wie ist die Resonanz auf ihr Werk?

In Anbetracht der Tatsache, dass ich mit sehr wenig Resonanz gerechnet hatte, kann ich die Entwicklung bis heute nur als „atemberaubend“ beschreiben. Insgesamt haben bis jetzt fast 30.000 Menschen mein Buch gekauft oder als e-Book heruntergeladen. Zudem habe ich für einen Debütanten sehr viele positive Rezensionen erhalten, was mich natürlich unglaublich freut.

tredition: Ihr Roman ist humorvoll und ironisch. Gehen Sie  „live“ auch mit so viel Humor ans Leben heran?

Wenn man bedenkt, dass ein Großteil der komischen Szenen meines Buchs real sind, bleibt mir nichts anderes übrig, als das Leben mit Humor zu nehmen. Ich muss tatsächlich häufig einfach schmunzeln, weil ich alltägliche Erlebnisse in meinem Kopf nur minimal verbiegen muss, um daraus etwas zu kreieren, das mich selbst amüsiert. Ich suche förmlich nach diesen Dingen. Deshalb sitze ich manchmal auch lachend in der U-Bahn und warte nur darauf, dass mir irgendeiner mal eine weiße Jacke anzieht, die man hinten zumacht.

tredition: Ihr Ziel ist es, die Lachmuskeln Ihrer Leser/innen ordentlich zu strapazieren, welche ist Ihre eigene Lieblingsanekdote?

Es gibt tatsächlich viele Szenen, über die ich immer wieder selbst lachen kann. Aber mein absoluter Favorit ist die Feuershow am Strand. Die ist übrigens auch Teil des Covers geworden, weil ich heute noch das Gefühl habe, ich würde sie immer und immer wieder live erleben.

Cover 3...2...1...

Bild: Cover „3… 2… 1… und das Leben ist deins!“

 

„Ich würde also sagen, dass mich das Lachen der Menschen inspiriert hat, Struktur in das lustige Chaos zu bringen.“

 

tredition: Was hat Sie zum Schreiben inspiriert?

Alles begann damit, dass Immi, meine Reisebegleiterin, und ich ein Reisetagebuch geschrieben haben. Daraus haben wir immer mal wieder Freunden vorgetragen und ich habe ein paar Situationen als „gespielte Witze“ zum Besten gegeben. Das kam gut an und ich dachte mir, dass daraus vielleicht ein ganzes Buch werden könnte. Ich würde also sagen, dass mich das Lachen der Menschen inspiriert hat, Struktur in das lustige Chaos zu bringen.

tredition: Wen möchten Sie mit Ihrem Buch erreichen?

Mein Buch ist für Leute gedacht, die sich ganz einfach unterhalten lassen möchten. Einfach ist hier der Schlüsselbegriff! Es geht nicht darum, etwas Bestimmtes zu lernen, nachzuempfinden oder zu überdenken. Wer sich dazu bekennt, gern mal etwas Amüsantes zu konsumieren, ist bei meinem Buch genau richtig. Wer trotzdem einen tieferen Sinn in meinem Buch erkennt, muss unbedingt eine Therapie machen!

tredition: Sie nehmen die Backpacker-Szene auch mal gehörig auf die Schippe. Versteckt sich hinter den witzigen Geschichten eine Gesellschaftskritik am Überindividualismus unserer Zeit?

Ich nehme ja vor allem mich selbst auf die Schippe. Aber es stimmt schon, dass ich den Überindividualismus etwas auf dem Kieker habe. Dazu gehören nicht nur die Backpacker. Letztlich fällt mir auf, dass die Bemühungen einer Vielzahl von Gruppen, anders zu sein, immer wieder dazu führt, dass nach und nach uniformes Verhalten Einzug hält. Das führt dann wiederum zu einer Steigerung des Strebens nach Individualität. So etwas gibt vor allem den vermeintlich „trendigen“ und „coolen“ Bewegungen aufgrund ihrer selbstauferlegten Zwangshandlungen und Denkmuster ein tragikomisches Gesicht. Damit spiele ich gern. Backpacker, wie ich unbedingt einer sein wollte, funktionieren besonders gut, weil eben jeder, der einen Rucksack auf dem Rücken trägt einer ist. Gleichzeitig gibt es haufenweise Möglichkeiten, gegen zahlreiche ungeschriebene Backpackergesetze zu verstoßen. Von außen betrachtet ist das ziemlich witzig.

Heinzi Gosch - Tierschutzaktion

Das Buch von Heinzi Gosch rettet Tierleben!

tredition: Sie haben zu Ihrer Veröffentlichung eine Aktion gestartet, in der Sie einem Tierschutzverein Bucheinnahmen gespendet haben. Wie kam es zu dieser Aktion?

Ich habe selbst einen Hund aus dem Tierschutz adoptiert und interessiere mich sehr für die Arbeit der Vereine, z.B. in Spanien. Von meinen ersten Schritten als Autor hatte ich mir nicht viel versprochen, insbesondere kein Geld. Als dann doch die ersten Umsätze flossen, war es für mich klar, dass ich mit Geld, mit dem ich nicht gerechnet hatte, etwas Gutes tun will. Diese Aktion hat mir so viel Spaß gemacht, dass bereits weitere gefolgt sind und ich mit dem Helfen längst noch nicht am Ende bin.

tredition: Was haben Sie beim Schreiben als größte Herausforderung empfunden?

Selbstvertrauen und Zuversicht! Diese beiden Eigenschaften haben mir anfangs sehr gefehlt und es bedurfte dem guten Zureden einiger Freunde, weiter zu machen und mein Buch zu vollenden. Ich habe mich selbst nicht als Autor gesehen. Als wichtiges Kriterium für mein Schreiben habe ich mir zudem von Anfang an auf die Fahne geschrieben, dass es mir gelingen muss, die Leser mit auf die Reise zu nehmen. Sie sollten nicht einfach nur von außen beobachten, sondern das Gefühl bekommen, dass sie zu jeder Zeit ihre Hand ausstrecken und Heinzi anfassen können. Ohrfeigen, schütteln oder in den Arm nehmen, geht natürlich auch!

Matthias Gosch Zeichnung Cover

Bild: Rohfassung des Coverbildes

tredition: Haben Sie für Ihr Cover mit einem Grafiker zusammengearbeitet?

Ja. Ich habe mich im Internet über verschiedene Karikaturisten informiert und mir war schnell klar, dass es unbedingt Stefan Roth sein muss. Er hat innerhalb kürzester Zeit verstanden, wie das Bild in meinem Kopf am besten in ein Cover umzuwandeln ist.

tredition: Weshalb haben Sie sich bei Ihren Buch für Self-Publishing und tredition entschieden?

Ich hatte mich im Vorfeld über das Prozedere informiert, dass auf mich wartet, wenn ich versuche, einen Verlag für mein Buch zu gewinnen. Ich habe von Anfang an gewusst, dass es schwer wird, eine einzelne Person in einem Verlag oder in einer Agentur zu begeistern. Es gibt einfach zu viele Gründe, warum ein Buch abgelehnt werden kann und sei es nur, weil mein Anschreiben einen Schreibfehler enthält oder der Agent schlecht geschlafen und keine Lust auf „witzig“ hat. Dazu kommt der Aufwand für die Bewerbungen. Ich habe das einmal gemacht und genau so viel Zeit für die Bewerbungsunterlagen gebraucht wie für mindestens zwei Kapitel meines Buches. Dazu kamen die mageren Aussichten, aktiv vermarktet zu werden bzw. Geld zu verdienen. Als Rookie war für mich schnell klar, dass es nur Self-Publishing werden kann. Dafür sprachen auch einige Erfolgsgeschichten anderer Autoren. tredition wurde mir von einem Bekannten empfohlen und ich habe schnell gemerkt, dass ich hier eine sehr gute Mischung aus persönlicher Betreuung und professioneller Vermarktung erhalten kann, wenn ich aktiv mitarbeite. Ich bin nur ein kleiner Einsteiger und werde trotzdem vom ersten Infogespräch bis zum Marketing wie ein vollwertiger Partner behandelt. Das fühlt sich gut an.

Heinzi Gosch

Eine von vielen Marketingaktionen: Heinzi Gosch im Pop-Up-Store in Hamburg.

tredition: Sie haben kürzlich Ihr Buch in einem Pop-Up-Store vorgestellt? Könnten Sie beispielhaft ein paar Marketingmaßnahmen schildern, die Sie für Ihre Bücher unternehmen? Haben Sie da besondere Tipps für angehende Autoren/innen?

Ich habe natürlich nicht den Stein der Weisen gefunden. Den Grundstein habe ich vermutlich damit gelegt, dass ich mein Buch zunächst als kostenloses Ebook angeboten hatte. Als neuer Autor wird man eh nicht über Nacht zum Star. Da zählt zunächst einmal eine hohe Reichweite. Gleichzeitig habe ich mir eine Facebookseite eingerichtet und alle Freunde einzuladen. Die habe ich dann wiederum gebeten, ihre Freunde einzuladen usw. So habe ich in kurzer Zeit ein paar hundert Fans gewinnen können. Ich habe allerdings auch ein bisschen Geld in Anzeigen bei Facebook investiert. Die haben sich sehr schnell bezahlt gemacht. Blogs sind ebenfalls eine gute Plattform. Dabei muss es nicht zwingend ein Buchblog sein. Ich habe zum Beispiel viele neue Leser über eine Reiseseite gewonnen. Das Wichtigste ist aber auf jeden Fall, aktiv zu sein. Niemand kann dein Buch so gut vermarkten, wie du selbst.

tredition: Welche Tipps zur Buchveröffentlichung haben Sie für Autoren, die vor der Entscheidung stehen, wie und wo sie ihr Buch publizieren?

Ich würde jedem neuen Autor zunächst zum Self-Publishing raten. Es ist einfach, schnell und flexibel. Sollten die Verkaufszahlen durch die Decke gehen, melden sich die Verlage von allein. Oder man bewirbt sich dann mit „Das ist mein Buch und hier sind die bisherigen Verkaufserfolge.“ Das macht sicher mehr Eindruck als jedes noch so gute Bewerbungsschreiben. Ein Bekannter von mir versucht z.B. seit Monaten, sein Buch über einen Agenten bei verschiedenen Verlagen zu platzieren. Er glaubt an den ganz großen Erfolg, was durchaus sein kann. Aber ICH habe jetzt rund dreißigtausend Leser und ER die Hoffnung auf etwas ganz Großes. Also lieber machen als hoffen!

tredition: Dürfen wir uns auf ein weiteres Buch von Ihnen freuen?

Ich habe sicher genug Stoff für ein zweites Buch. Allerdings steht noch die Entscheidung aus, ob es eine Fortsetzung der Geschichte um Heinzi und seine Freunde wird oder etwas ganz anderes. Wer das Buch schon gelesen hat und gern schon etwas Neues sehen möchte, kann sich gern auf meiner Internetseite umschauen. Hier veröffentliche ich Beiträge rund um Heinzis lustigen Alltag, seine Reisen und auch ein paar Hintergrundinformationen.

Lieber Heinzi Gosch, wir danken Ihnen für das unterhaltsame Interview und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg mit Ihrem Buch!

 

5 Antworten
  1. Anja says:

    Tolles Buch, ich hab Tränen gelacht, da ich eine kleine Bibliothek beruflich habe. hab es natürlich erst selbst gelesen (als E-Book) und dank des super Autoren und seiner Buchspende hab ich es bei einer Schülerlesung (ab 8. Klasse), die Jugendlichen haben sich fast quer gelegt..hoffe wenn es jetzt in den offenen Handel kommt..es richtig für den Autoren rund läuft… Gruß Anja

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    • Heinzi says:

      Hallo Anja, das ist ja toll, dass Du hier auch unterwegs bist. Ich freu mich so, dass mein Buch gut angekommen ist. Wenn Du wieder mal eine Lesung planst, bin ich gern dabei und zeig mal ein paar Originalbilder von der lustigen Reise. Liebe Grüße, Dein Heinzi

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  2. Christine says:

    Habe mich super unterhalten gefühlt und oft laut gelacht. Da ich bei Hamburg wohne, waren mir die geschilderten Lokalitäten vom Kiez ein Begriff, ebenso Plätze in Thailand, wo ich vor sehr vielen Jahren war
    Geniales Buch !

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    • Heinzi says:

      Liebe Christine, vielen vielen Dank für Deinen tollen Kommentar! Da Du ja auch aus Hamburg kommst, gefällt Dir vielleicht meine aktuelle Kurzgeschichte auf http://www.heinzigosch.de . Sie heißt „U-Bahn-Fahrt ohne Wiederkehr“. 🙂 Liebe Grüße, Dein Heinzi

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  3. Thomas Zöller says:

    Ich möchte Leute, die bei diesem Buch in der U-Bahn laut loslachen müssen, nicht kennenlernen wollen. Deutscher Humor für deutsche Leser. Spießig . Buch beginnt vielversprechend, baut dann Stück für Stück ab.

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