Henning Isenberg: „Ein Roman ueber die Macht“

Das bei tredition erschienene, zweibändige Epos „Das Friedrichs-Lied“ von Henning Isenberg führt eindrücklich vor Augen, dass sich vor historischem Kontext zeitlose Thematiken entfalten lassen.

Henning Isenberg„Einen Roman über die Macht zu verfassen“, das war dem Autr ein Anliegen. „Das Friedrichs-Lied“ basiert auf einer wahren historischen Begebenheit, die sich im 13. Jahrhundert zugetragen hat. Protagonist ist der junge Friedrich, der in einen mörderischen Konflikt mit seinem Großonkel Engelbert, dem Erzbischof von Köln, geriet. Im Gespräch mit tredition erläutert Isenberg, woher seine Faszination für historische Themen rührt und wie er bei der „Mammut-Recherche“ für seinen Roman vorgegangen ist. Anderen Autoren gibt Isenberg wertvolle Tipps für das Buchmarketing.

tredition: Lieber Herr Isenberg, Sie sind beruflich als Berater tätig, also in einem eher analytischen Bereich. Wie ergab sich Ihre Faszination für historische Themen?
Henning Isenberg:
Ich bin als Systemischer Berater und Coach tätig. Für mich wird damit ein Strang meiner Recherche schon durch meine Arbeit bedient, was heißen soll, dass ich im Friedrich-Lied neben der Historie, den Mythen, dem Kirchenkonflikt und der Story um meinen Helden einen psychologischen Komplex, nämlich den Vaterkonflikt, ohne zusätzliche Recherche einbauen konnte. Die erste Berührung mit „Geschichte“ war meine erste Berührung mit dem Lesen. Für das Lesen lernen – ich hatte absolut keine Lust dazu – hat mich meine Tante mit Prinz Eisenherz-Heften geködert. Etwa mit vierzehn Jahren begann mich die Artus-Saga zu interessieren und ich habe mich wie der berühmte Bücherwurm von Geoffrey Ashe bis Marion Zimmer-Bradley durch alles hindurchgefressen, was ich in die Finger bekommen konnte. Die Faszination für Historie und Mythologie ist geblieben.

Das Friedrichs-Lied Teil 1

Bild: Cover „Das Friedrichs-Lied Band 1“

tredition: Ihr erster Roman „Das Friedrich-Lied“ thematisiert einen der berühmtesten Kriminalfälle des 13. Jahrhunderts. Wie ergab sich die Idee für einen Roman zu diesem Thema?
Henning Isenberg: Mein Nachname entspricht dem des Helden. Früher, wenn wir mit meinen Eltern an der Burgruine vorbeifuhren, sagte mein Vater immer: Guckt, da oben haben unsere Vorfahren gelebt. In den 80er Jahren habe ich dann ein WDR-Zeitzeichen über die Geschehnisse gehört und mir das Manuskript bestellt, damals musste man das Ganze noch per Post mit beigelegter Briefmarke und Umschlag anfordern. Erst 1996 habe ich das vergilbte Manuskript wieder aus der Schublade gezogen. Die Idee also war nicht spontan in dem Sinne, sondern eher „evolutionär“.

tredition: Die Recherche war sicherlich sehr aufwändig. Wie sind Sie dabei vorgegangen?
Henning Isenberg: Ausgegangen bin ich von dem Zeitzeichen-Script, d.h. der zentralen Story. Dann gab es zwei grundlegende Werke von Esser und Eversberg, die Chronik der Erzbischöfe von Köln, weitere Beiträge regionaler Forschungen sowie die herrschende Geschichtsschreibung, usw. Ich sage immer, ich habe mir einen Stamm historischer regionaler und allgemeiner Daten und Ereignisse hintereinander gereiht und dann habe ich begonnen, die Form der Geschichte in diesen Stamm hineinzuschnitzen, bis das Friedrichslied da war. Für die Mythologie war die Traumdeutung C.G. Jungs und Parzival-Interpretation seiner Tochter maßgeblich. Dies habe ich dann sozusagen in die Entwicklung Friedrichs hineingewoben.

tredition: Was haben Sie beim Schreiben und der Veröffentlichung der beiden Bände als größte Herausforderung empfunden?
Henning Isenberg: Etwa 2006 dachte ich, ich kriege die Fäden nicht mehr zusammengebunden und der Roman wird mir zu „schwer“. Außerdem fehlte mir die Zeit. Ich habe das Buch dann etwa ein Jahr liegen lassen und überlegt, wie ich es fertig bringe. Nach einer Schreibwerkstatt habe ich es dann von 2009 bis 2010 in jeder freien Minute – meist in den Ferien, da es sich am Stück besser arbeiten lässt – fertig geschrieben. Also, das Durchhalten und zu Ende bringen war die größte Herausforderung. Und dann kam die Verlagssuche. Das A und O. Auch hier habe ich viel gelernt.

Das Friedrichs-Lied Teil 2

Bild: Cover „Das Friedrichs-Lied Band 2“

tredition: Welche Vorteile hat für Sie Self-Publishing?
Henning Isenberg: Als ich mit dem Werk fertig war, „lag es eine Weile herum“. Ich musste viel drumherum erledigen – Verlages-/Agentenrecherche, Exposé, Lang- und Kurzbeschreibung etc. Es kam dann so ein Gefühl auf, dass ich dieses Kapitel abschließen wollte. Dazu gehörte, „Das Friedrichs-Lied“ herauszubringen, was ich dann Dank tredition machen konnte. Die Veröffentlichung bei tredition ist meines Erachtens gut, wenn man sein Buch veröffentlichen will und die Auflage eine untergeordnete Rolle spielt.

tredition: Über welche Resonanz eines Lesers haben Sie sich besonders gefreut und weshalb?
Henning Isenberg: Erst vor kurzem, sagte mir jemand, dass er sich durch die Reifung Friedrichs mit seiner eigenen Entwicklung beschäftigt habe. Das ist genau das, was die Absicht des Romans ist. Dann habe ich auf einer Lesung einen alten Freund zurückgewonnen. Er war von der Zeitgeschichte und der regionalen Geschichte begeistert. Er liest jetzt meinen Folgeroman als First Reader. Eine sehr schöne Sache. Insgesamt gab es viel schönes Feedback von Menschen, die sich wirklich auf den Roman eingelassen haben und schätzten, dass er nicht auf kurzfristige Effekte abzielt. Ich würde „Das Friedrichs-Lied“ sprachlich und stilistisch ehr als einen literarischen Roman klassischer Prägung bezeichnen. Es gibt zum Beispiel nicht diesen von vielen gewünschten Knall-Bum-Peng-ich-bin-drin-Einstieg.

tredition: Wie werben Sie für Ihr Buch?
Henning Isenberg: Neben der Qualität des Buches, ist das Marketing das wichtigste und auch komplizierteste Thema, wenn man keinen Publikumsverlag im Rücken hat. Der Büchermarkt ist absolut durchstrukturiert und folgt klaren Gesetzmäßigkeiten; so ist der Weg in die „Charts“ der Bücherwelt näherungsweise ausgeschlossen. Also bin ich im zweiten Markt unterwegs und habe 2014 zwei Lesereisen mit insgesamt zehn Lesungen gemacht. Die Pressearbeit im Zuge der Lesungen war, denke ich, wichtig. Zudem gibt es „Das Friedrichs-Lied“ im Internet unter www.friedrich-lied.de sowie bei Facebook. In Literaturseiten und in Foren ist mein Buch ebenfalls eingetragen und ich habe mindesten 3.000 Lesezeichen drucken lassen, die ich entsprechend verteilt habe bzw. verteile (Buchhandel, Apotheken, an Lesende in der Bahn, etc.). Wenn man das Marketing selbst macht, ist es im Verhältnis zum Ergebnis sehr aufwändig. Beispiele sind die Internetseite oder das Werben bei Google-Adwords. Im Self-Publishing ist die Mund-zu-Mund-Propaganda und das eigene Netzwerk der wirksamste Weg, weil die Menschen interessiert, was dieser Mensch, den man kennt, da so fabriziert hat.

tredition: Welche Tipps können Sie anderen Self-Publishern geben, z.B. für das Schreiben oder das Marketing?
Henning Isenberg: Lesbarkeit und Konzeption sind Grundvoraussetzungen für die Veröffentlichung. Wenn der Autor eine eigene ihn betreffende Botschaft hat oder etwas Persönliches verarbeitet, dann schreibt er tendenziell an einem „Herzblut-Projekt“. Ich denke, hier sollte er sich ausleben; trotzdem die Schlankheit (meint, nur, das was Sinn ergibt und notwendig ist) im Auge behalten. Möchte sich der Autor auf dem „professionellen“ Weg ausprobieren, sollte er, denke ich, sein Genre und dessen Zutaten kennen. Extrem wichtig ist der Textanfang; fast niemand verzeiht heute mehr einen anstrengenden Beginn, wie in einem alten Mann-, Tolstoi- oder Kafka-Klassiker. Auch im Verlauf wichtig: Jede Szene braucht eine unerwartete Wendung. Daher ist die Konzeption so wichtig, um eine Story aufzuspannen und Referenz-Anker auszuwerfen, um später Fäden wieder aufnehmen zu können. Am Ende, so meine ich, sollten alle Fäden wieder schön aufgesammelt und in einem funktionierenden Finale gebündelt werden.

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *