Joja Wendt und Ulrike Gaate – zwei Starpianisten und der „Boogie Woogie“

joja wendt

Bild: Der Starpianist Joja Wendt wurde am Anfang seiner Karriere von Joe Cocker entdeckt. Bild: Joja Wendt

Sich spontan ans Klavier setzen, mit rasanten Boogie-Woogies die Zuhörer in den Bann ziehen und gute Laune pur zu verbreiten, das ist der Traum vieler Klavierspieler. Für den Pianisten Joja Wendt, der während einer Session in einer Hamburger Musikkneipe von Joe Cocker entdeckt und als Vorprogramm für dessen Tournee verpflichtet wurde, war die Boogie-Woogie-Musik der Einstieg zu seiner inzwischen über 30-jährigen, erfolgreichen Karriere. Gemeinsam mit der international erfolgreichen Pianistin Ulrike Gaate widmet er dieser Musikliebe ein Buch: „Das kleine Blues & Boogie Buch“, mit dem sie im Sturm die Herzen von Musikliebhabern für die faszinierende Welt des Boogie-Woogies erobern wollen.

Joja Wendt begleitete schon Chuck Berry auf dessen Deutschland-Tournee, spielte solo in der ausverkauften Arena auf Schalke, beim renommierten Montreux Jazzfestival und komponierte die Filmmusik zur Komödie von Otto Waalkes „7 Zwerge – Männer allein im Wald“. Er wurde mit dem Louis-Armstrong-Gedächtnispreis ausgezeichnet und vom Traditionshaus Steinway & Sons in den erlesenen Kreis der Steinway-Künstler aufgenommen. Auf seinen Tourneen bereist er die ganze Welt und ist im TV ein regelmäßiger Gast. Sein erklärtes Ziel ist es, die Hemmschwelle der Menschen, in ein Klavierkonzert zu gehen, herabzusetzen. Sein Motto lautet „Klavierspielen macht Spaß“.

Mir liegt vor allem am Herzen, Klavier begeisterten Menschen einen Einstieg in die Welt der Improvisation zu ermöglichen.“

Ulrike Gaate

Bild: Pianistin Ulrike Gaate Foto: Ulrike Gaate

Ulrike Gaate gehört in Europa zu den wenigen Pianistinnen dieser Stilrichtung, die fast ausschließlich von Männern gespielt wird. Ihre Liebe zum Boogie-Woogie & Blues Piano erwachte schon früh, nachdem sie als Kind bei ihrem Großvater auf alte Plattenaufnahmen von Albert Ammons, Pete Johnson und Meade „Lux“ Lewis gestoßen war. 2011 gewann sie mit ihrem „Ulrike Gaate Trio“ den C. Bechstein-Preis.

Aktuell zur Buchveröffentlichung von „Das kleine Blues & Boogie Buch“ stehen uns die beiden Starpianisten in einem musikalischen Interview Rede und Antwort und erzählen von ihrer Liebe zum Boogie Woogie, der gemeinsamen Zusammenarbeit und warum sie sich für ihr aktuelles Buch für Self-Publishing entschieden haben.

tredition: Lieber Herr Wendt, Sie sind momentan auf Tour, Frau Gaate, auch Sie sind eine vielbeschäftigte Pianistin und Dozentin. Wann haben Sie beide eigentlich noch Zeit für das Schreiben?

Joja Wendt:  Für so ein tolles Projekt stanzt man sich jede Zeit aus seinem Terminkalender!
Ulrike Gaate:  Kleine Zeitblöcke eignen sich gut zum Schreiben, Urlaube, Wochenenden, konzertfreie Phasen. Außerdem hatte ich das Glück, mich über einen stressresistenten, immer gut gelaunten Co-Autoren freuen zu können, der auch an den entlegensten Orten der Welt und sogar bis kurz vor Konzertbeginn für Fragen erreichbar war, obwohl sich im Hintergrund schon unruhige Veranstalter bemerkbar machten …

tredition: Sie sind beide gefeierte Pianisten weltweit, woher stammt Ihre Liebe zum Boogie-Woogie & Blues?

Joja Wendt

Bild: Jojas Leidenschaft ist das Piano und dafür entfacht er bei jedem seiner Konzerte auch seine Zuschauer.

Joja Wendt: Richtig gepackt hat es mich als Teenager, als ich ein Konzert von Vince Weber im Berliner Musikclub „Flöz“ besucht habe. Meine ältere Schwester hat mich mitgenommen. Ich war begeistert von seinem kraftvollen Solopiano-Stil.
Ulrike Gaate: In meiner Familie gibt es einige Profi-Musiker, so kam ich schon früh mit Musik in Berührung. Als Kind stieß ich dann bei meinem Großvater auf alte Schallplatten von Albert Ammons, Pete Johnson und Meade „Lux“ Lewis und hatte mich sofort unheilbar mit dem Boogie-Woogie-Virus infiziert.

tredition: In Ihrem Buch „Das kleine Blues & Boogie Buch“ wollen Sie Hobbypianisten für den Blues und Boogie Woogie begeistern. Wie entflammen Sie Menschen, die mit diesen Genre gar nichts anfangen können?

Joja Wendt: Boogie-Woogie ist eine aus der Tastatur geborene Solopiano-Stilistik, erschaffen von Leuten, die häufig keine Note lesen konnten. Man kann sie ohne Notenkenntnisse lernen. Die klare harmonische Struktur und der Rhythmus erschließt sich auf intuitive und spielerische Art und Weise. Die Grundregeln des Improvisierens lassen sich schnell erfassen. Nicht umsonst haben viele berühmte Jazz-Improvisatoren mit Blues und Boogie-Woogie angefangen.

 

Bild: Die Neuerscheinung "Das kleine Blues &Boogie Buch" von Ulrike Gaate und Joja Wendt.

Bild: Die Neuerscheinung „Das kleine Blues & Boogie Buch“ von Ulrike Gaate und Joja Wendt.

Ulrike Gaate: Der Spaß, in Boogie-Woogie-Sessions mit mehreren Pianisten zu spielen, ist mit nichts zu vergleichen. Überhaupt mit anderen Menschen spontan musizieren zu können, die man vielleicht noch nie gesehen hat, erzeugt eine ganz besondere Magie, die einen nicht mehr loslässt, wenn man sie erst einmal erlebt hat.

tredition: Was liegt Ihnen bei Ihrem Buch besonders am Herzen, wie würden Sie Ihr Buch in fünf Sätzen beschreiben?

Ulrike Gaate

Bild: Ulrike Gaate performt live.
Foto: Michael Schmid

Joja Wendt: Mir liegt vor allem am Herzen, Klavier begeisterten Menschen einen Einstieg in die Welt der Improvisation zu ermöglichen. Genau so, wie es auch bei mir losging. Wir haben einige Anekdoten und Erlebnisberichte hinzugefügt, um die Lektionen an Hand meines Karriere-Wegs authentisch zu begleiten. Es enthält Insiderwissen, das auf Sessions von Pianist zu Pianist direkt weitergegeben und bislang noch nicht in Büchern aufgezeichnet wurde.

Ulrike Gaate: Leider gibt es in Europa nur sehr wenige Frauen, die sich an das Boogie & Blues Piano heranwagen. Vielleicht können wir mit dem Buch mehr Frauen für diesen Musikstil begeistern.

tredition: Wie ist eigentlich Ihre gemeinsame Zusammenarbeit erwachsen?

Joja Wendt: Ulrike erzählte mir während der Arbeit an ihrer CD in meinem nullviernull-Studio in Hamburg von ihrer Buchidee und fragte, ob ich mir eine Zusammenarbeit vorstellen könnte. Ich habe die Chance sofort erkannt und von da an haben wir uns intensiv des Themas angenommen.

tredition: Angenommen, Sie treffen jemanden, der eine Hemmschwelle hat, in ein Klavierkonzert zu gehen. Was würden Sie ihm oder ihr sagen wollen?

Ulrike Gaate: Besuchen Sie unbedingt ein Konzert von Joja Wendt und Sie werden alles vergessen, was Sie jemals an negativen Klischees über Klavierkonzerte gehört haben!

Joja Wendt

Bild: Joja Wendts Leidenschaft gilt dem Klavier – und dem Boogie-Woogie!


ttredition: Sie sind als Pianisten und Autoren in zwei kreativen Bereichen zugleich tätig. Profitieren beide Domänen voneinander? Kommen Ihnen beim Musizieren Ideen für die Konzeption und die Themen Ihrer Bücher und umgekehrt?

Joja Wendt: Auf jeden Fall. Das eine bedingt das andere. Die Geschichten haben einen autobiografischen Hintergrund und kommen aus der eigenen Historie, den eigenen Erlebnissen.

Ulrike Gaate: Unbedingt. Gerade so ein Buch wie dieses ergibt sich in erster Linie auf der Basis eigener Erfahrungen.

tredition: Freuen Sie sich schon auf ein Konzert in der Hamburger Elbphilharmonie, die ja ab 2017 öffnen wird?

Joja Wendt: Um ehrlich zu sein, liebe ich mein „Wohnzimmer“, die Hamburger Laeiszhalle. Das war der Ort an dem ich immer spielen wollte, und an dem ich seit vielen Jahrzehnten auftrete. Ich werde die Elbphilharmonie mit Freuden besuchen und aufmerksam beobachten, wie die Künstler und das Publikum dort wirken. Die „Philharmonie“ ist auch in den anderen Städten eher ein Ort, der hauptsächlich auf das reine Klangerlebnis ausgelegt ist. Meine Konzerte leben jedoch auch von der Interaktion und da ist ein Theater- oder Konzert-Haus besser geeignet.

Joja Wendt

Bild: Joja Wendt ist zurzeit wieder auf Livetour! Verpassen Sie nicht, ein Konzert von ihm zu besuchen!

tredition: Sie haben bereits Bücher herausgebracht, waren in der Spiegel Bestseller-Liste vertreten – wie kam es, dass Sie sich diesmal für eine Veröffentlichung als Self-Publishing-Titel entschieden haben?

Joja Wendt: Das Buch ist eine Herzensangelegenheit, denn es richtet sich konkret an Pianisten oder diejenigen, die es werden wollen. Ich bin mir sicher, dass diese uns über tredition finden werden. Wir haben hier den Vorteil der größtmöglichen Gestaltungsfreiheit. Es ist zwar mehr Arbeit, sich um alles selbst zu kümmern, aber es gefällt mir, selbst zu entscheiden und auf jeden Produktionsschritt Einfluss nehmen zu können.

tredition: Und wie sind Sie auf tredition gekommen?

Ulrike Gaate: Das Angebot und der Service von tredition passten im Vergleich zu anderen Verlagen am besten zu uns.

tredition: Viele unbekannte Autoren sind sicherlich gespannt auf Marketingtipps von einem langjährig erfolgreichen Künstler: Wie gehen Sie im Bereich Marketing und Bewerbung Ihres Buches vor?

Joja Wendt: Ein Künstler, der schon viele Jahre kontinuierlich auf Konzert-Tournee ist, kann sich auf seine langjährige Medienerfahrung und eine treue Zuhörerschaft verlassen. Früher spielte das Fernsehen und das Radio, also die linearen Medien eine große Rolle. Heute hat Social Media gerade für Nischen-Produkte eine große Bedeutung gewonnen.

Starpianisten Wendt und Gaate

Bild: Ulrike Gaate

Ulrike Gaate: Da mich Medienarbeit sehr interessiert, habe ich u. a. ein Studium „PR und Fachjournalismus für Kultur“ abgeschlossen, darauf kann ich für das Marketing als Musikerin und Autorin zurückgreifen. Es muss aber nicht gleich ein Studium sein, es gibt zu Marketing und PR viele gute Bücher auf dem Markt. Seminare oder Workshops kann ich ebenfalls empfehlen, und natürlich die vielen Tipps auf den Webseiten von tredition, die ich sehr gelungen finde.

tredition: Können Ihre Leser sich auf ein weiteres gemeinsames Buchprojekt von Ihnen freuen?

Ulrike Gaate: Die Zusammenarbeit mit Joja hat großen Spaß gemacht und war sehr inspirierend, sodass ich tatsächlich schon ein paar Ideen für ein neues Buchkonzept im Kopf habe. Joja weiß allerdings noch nichts davon …

 

Liebe Ulrike Gaate, lieber Joja Wendt, wir haben uns sehr über das Gespräch gefreut und danken Ihnen herzlich für Ihre Zeit!

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