Josef Huelkenberg: Abseits des betreuten Denkens

tredition-Autor und Dipl.-Sozialpädagoge Josef Hülkenberg geht einen ungewöhnlichen Weg, Menschen zu ihren Visionen, gesellschaftlichen Vorstellungen oder Lösungen zu befragen und anzuregen. Nachdem er 2007 und 2009 auf „Demokratie-Pilgerwegen“ durch Deutschland zog, reist er nun mit der „denk!Bar mobil“ durch die Lande und setzt im Gespräch mit den Bürgern Impulse für demokratische Reflexionen und Weiterentwicklungen. Seine Überlegungen zu gesellschaftlichen Fragestellungen hat er in drei bei tredition erschienenen Büchern dargelegt. Im Gespräch mit unserer Redaktion erläutert er einige seiner Kernthesen und gibt einen Ausblick auf das Thema seines neuen, im Herbst erscheinenden Buches.

denkbar mobil

Unterwegs für den Austausch mit anderen Bürgern: Josef Hülkenberg (li.) mit einem Wegbegleiter, dem Sozialphilosoph Prof. Johannes Heinrichs (r.)

tredition: Lieber Herr Hülkenberg, Ihre bei tredition veröffentlichten Werke befassen sich mit dem Aspekt des „betreuten Denkens“. Wie definieren Sie diesen Begriff?
Josef Hülkenberg: „Abseits betreuten Denkens“ ist eine legendäre Umformulierung der kantschen Maxime „Habe den Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen“. Diese Maxime hat mich von Jugend und geprägt und mich jederzeit in skeptische Distanz zu Programmen und Beschlüssen von Organisationen gebracht, deren Mitglied ich war und bin. Derartige Beschlüsse akzeptiere ich als zeitlich bedingte, darum relative Positionierungen. Damit war ich häufig im Konfliktkurs mit jenen Vorständlern, die auf Programmtreue schwören und sich mit Querdenkern schwertun.

tredition: Die Reflexionen in Ihren Büchern sollen andere Menschen dazu anregen, gesellschaftliche Themen wiederum selbst zu reflektieren und Lösungen für bestimmte Probleme zu finden. Könnten Sie ein, zwei Ihrer Kernthesen schildern?
Josef Hülkenberg:
Erstens: aus dem breiten Fundus bürgerlicher Kompetenzen lassen sich für die meisten gesellschaftlichen Herausforderungen mit gesunden Hausverstand tragfähige Lösungen entwickeln; zweitens: es ist möglich, diese Kompetenzfelder bewusst zu fördern und zu nutzen.

tredition: Welche Erfahrungen sammeln Sie auf Ihren Reisen und im Gespräch mit den Menschen?
Josef Hülkenberg:
Die Erfahrungen sind sehr unterschiedlich und widersprüchlich. In geduldigem, zähem Engagement entstehen Initiativen und Projekte, die als neue Formen menschlichen Umgangs „Blaupausen-Qualität“ für eine zukunftsfähige Gesellschaft haben. Gleichzeitig schimpfen zu viele Bürger auf „die da oben“, bleiben dabei gefangen im Gefühl eigener Ohnmacht. Dennoch zeigt sich, dass sich Kreativität und Gestaltungskompetenz der Bürger entfalten durch persönlichen Themenbezug und solidarische Ermutigung.

tredition: In Ihrem Buch erwähnen Sie, dass diese Pilgerwege „unnütz und doch sinnvoll“ seien. Könnten Sie dies kurz erläutern?
Josef Hül
kenberg: In dem Text „Unnütz – dennoch sinnvoll“ (Buch „Empörung allein schafft kein Gemeinwohl“, Seite 121) kritisiere ich die gängige Nützlichkeitsideologie und setze ihr die Orientierung am Sinn entgegen. Zitat: „Der Demokratie-Pilgerweg soll nicht nützen, er wirft Sinnfragen auf.“

tredition: Im Herbst wird ein weiteres Buch von Ihnen erscheinen. Welchen Themenansatz wird es haben?
Josef Hülkenberg:
Der Titel steckt bereits den Rahmen ab: „Demokratie – auf der Spur einer Sehnsucht und den Bedingungen ihrer Realisierung“. Eingangs frage ich nach den gemeinsamen Hintergründen geschichtlicher Demokratie-Versuche. Die dabei entdeckte zeitübergreifende Sehnsucht der Menschen nach Selbstbestimmung und Selbstverfügung beleuchtete ich nach heutigen Einsichten. Nach einem kritischen Blick auf die Machtverhältnisse beschreibe ich Bedingungen und Möglichkeiten einer Demokratiereform, die dem Anspruch der UN-Menschenrechtscharta von 1948 gerecht werden könnte.

tredition: Weshalb haben Sie sich für Self-Publishing und speziell tredition entschieden?Empörung allein
Josef HülkenbergAbschied vom betreuten Denken: Meine Arbeits- und Denkansätze kommen aus dem Abseits und verbleiben im Abseits. Für klassiFrei zu liebensche Verlage ist das erst interessant, wenn der Autor bereits über Prominenz und Popularität verfügt. Zu marktkonformen Abstrichen an meinen Überlegungen bin ich nicht bereit. Tredition lernte ich kennen bei einem Besuch auf der Frankfurter Buchmesse und fand deren Dienstleistung attraktiv genug, mich darauf einzulassen. Angebote von Mitbewerbern in diesem Markt gaben mir keinen Anlass, den Verlag zu wechseln.

tredition: Welche Tipps können Sie anderen Fachbuchautoren geben, die eine eigene Veröffentlichung planen?
Josef Hülkenberg:
Kriterien, an denen ich mich orientiere, sind:

  • Stelle ich etwas Neues vor?
  • Wenn es nicht neu ist, bringe ich eine neue Sicht auf die Dinge?
  • Schreibe ich so, dass die gewählte Zielgruppe meine Gedanken nachvollziehen kann?
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