Der Mentalmagier: Autor Lars Ruth im Interview

Lars RuthAchtung, liebe Besucher des tredition-Blogs, wenn Sie das folgende Interview lesen, werden Sie womöglich manipuliert. Das glauben Sie nicht? Dann sollten Sie vielleicht doch weiterlesen und erfahren, weshalb ein jeder von uns immerzu manipuliert werden kann. Oder müssen Sie etwa nicht gähnen, wenn Ihr Gesprächspartner gerade selbiges getan hat? Na bitte!

Der Kommunikationsprofi und Coach Lars Ruth begeistert sich seit jeher für Rethorik, Verkaufspsychologie und unerklärliche Phänomene der Telepathie. Deutschlandweit und international ist er als „Mentalmagier“ auf Theaterbühnen unterwegs und verblüfft das Publikum mit seiner Fähigkeit, sich in die Gedanken- und Gefühlswelt anderer Menschen hineinzuversetzen. Bei tredition gab Lars Ruth vor Kurzem das so amüsante wie spannende und lehrreiche Buch „Geständnisse eines Mentalisten“ heraus, in dem er einen Blick hinter die Kulissen von Magie und Zauberei wirft. Dabei verrät er so manchen Trick halbseidener Möchtegern-Magier und sensibilisiert dafür, wie durchschaubar der menschliche Geist doch sein kann. Im Interview mit tredition spricht Lars Ruth über magische Momente und komplexe Vorgänge im Gehirn, die bei der Beeinflussung von Denkprozessen eine große Rolle spielen. Mehr von und über Lars Ruth erfahren Sie auf seiner Webseite www.lars-ruth.de.

tredition: Lieber Herr Ruth, ist es einfach, das menschliche Gehirn zu manipulieren?

Lars Ruth: Unser Gehirn wird tagtäglich manipuliert von einfachsten Dingen. Wir können keine Zeitung aufschlagen, kein Radio einschalten, ohne dass unser Gehirn mit Hilfe unserer Sinneseindrücke im weitesten Sinne manipuliert wird. Hören wir einen mitreißenden Song im Radio, wippen wir oft automatisch mit dem Fuß mit, manchmal sogar ohne, dass uns dies bewusst wird. In unserem ganzen Dasein reflektieren wir in unserer Gefühlswelt die Sinneseindrücke, die unserem Gehirn zugeführt werden. Das gleiche gilt grundsätzlich auch für die zwischenmenschliche Kommunikation. Der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick sagte einmal: ‚Wir können können nicht nicht kommunizieren.‘ Jede Kommunikation löst ein mehr oder weniger starkes Gefühl in uns aus, und so werden wir bereits manipuliert, wenn wir nur nach dem Weg gefragt werden. Um die Frage also kurz zu beantworten: Ja, genau genommen ist sehr schwer, wenn nicht sogar unmöglich, unser Gehirn von außen nicht manipulieren zu lassen.

tredition: Was löste Ihre Faszination für Telepathie aus?

Lars Ruth: Ich hatte als Kind oft den Eindruck, dass ich zu meinem älteren Bruder eine Art gedankliche Verbindung habe. Ich konnte oftmals spüren, wenn er in der Nähe war, obwohl ich ihn weder sehen noch hören konnte. Das verblüffendste Erlebnis, welches ich auch näher in meinem Buch beschreibe war, dass wir in der gleichen Nacht einen nahezu völlig identischen Albtraum hatten. Bei einer anderen Gelegenheit konnte ich spüren, dass mein Bruder in einem Segelflugzeug saß, das über mich hinwegflog, obwohl ich ihn natürlich im Flugzeug nicht sehen konnte. Es stellte sich dann später heraus, dass er tatsächlich, obwohl er mit Segelflugsport nichts am Hut hatte, in diesem Flugzeug saß. Diese Erlebnisse haben die Faszination für dieses Thema wahrscheinlich ausgelöst.

tredition: Wie ist es möglich, einen Gesprächspartner in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen?

Lars Ruth: Darüber könnte ich stundenlang reden, aber ich versuche mich hier kurz zu fassen. In unserem Gehirn gibt es einen Vorgang der in der Psychologie als Resonanzphänomen beschrieben wird. Die Neurophysiologie spricht von Wechselwirkungen, bei denen sogenannte Spiegelneuronen eine Rolle spielen. Sobald wir mit einem anderen Menschen zusammentreffen, stellt unser Gehirn zwangsläufig eine solche Resonanz her. Grundsätzlich funktioniert das bei allen Menschen bis zu einem gewissen Punkt. Wenn wir zum Beispiel einen Gesprächspartner anlächeln, wird dieser wenige Sekunden später automatisch zurücklächeln. Das gleiche kennen wir vom Gähnen. Es heißt immer Gähnen sei ansteckend. Warum gähnen wir, wenn andere es tun? Die Antwort lautet: Weil unsere Spiegelneuronen in unserem Gehirn eine Resonanz hervorrufen.

Was hat das nun mit Beeinflussung zu tun? Es gibt mentale Techniken um genau den eben beschriebenen Vorgang zu verstärken und zu perfektionieren. Dies muss jedoch trainiert werden, und irgendwann können wir prägnantere Resonanzen in den Köpfen unserer Mitmenschen anregen, die weit über das Herbeiführen eines Lächelns oder Gähnens hinausgehen ohne dass der andere dies bewusst wahrnimmt. Im Grunde heißt das im Umkehrschluss nichts weiter, dass, wenn wir jemanden lesen können, sich dies durch die neurobiologischen Resonanzen erklären lässt, die die betreffende Person in uns auslöst. Im NLP (Neurolinguistisches Programmieren) gibt es darüber hinaus noch die Technik des aktiven Spiegelns der Körpersprache und des verbalen Spiegelns. Wenn man nun alle diese Techniken kombiniert, hat man gute Chancen, sein Gegenüber nach Wunsch beeinflussen bzw. lenken zu können. In meinem Buch erkläre ich dies genauer.

„In der Mentalkunst lernt man ein Leben lang.“

tredition: Können solche Techniken von jedem angewendet werden, der sich mit der Materie vertraut gemacht hat?

Lars Ruth: Definitiv. Ich vergleiche das immer gern mit dem Klavierspielen. Jeder hat grundsätzlich die Fähigkeit Klavierspielen zu lernen. Man besorgt sich das Instrument, Bücher und einen Musiklehrer. Je nach Talent schaffen es manche nach Jahren komplizierte Stücke von Rachmaninov fehlerfrei vom Notenblatt abzuspielen, wieder andere kapitulieren schon nach wenigen Wochen beim Flohwalzer. Hier macht Talent und der Wille zum ständigen Üben den Unterschied. Wie beim Klavierspielen lernt man auch in der Mentalkunst ein Leben lang.

Lars Ruth auf der Bühne

Lars Ruth in seinem Element: Sich in die Gedankenwelt anderer Menschen hineinzufühlen, ist nicht nur eine Frage der Begabung, sondern auch des Trainings und der Technik.

tredition: Wie erkennt man, ob ein Wahrsager oder Astrologe wirklich etwas auf dem Kasten hat oder dies nur vorgibt?

Lars Ruth: Einen guten esoterischen Berater erkennt man daran, dass er seine Klienten, also den Menschen, dessen Gefühlswelt und dessen Fragestellung in den Mittelpunkt stellt und nicht sich selber.

Ich würde grundsätzlich von jenen Kartenlegern, Astrologen etc. Abstand nehmen, die behaupten sie stünden mit Engeln, Elfen oder Gott persönlich in Kontakt. Oftmals sind das die gleichen, die z.B. Glasdiamanten aus dem Dekorationsartikelgeschäft zu horrenden Preisen verkaufen, weil sie diese auf irgendeine skurrile Art und Weise geweiht haben wollen. Wenn man daran glaubt, kann dies zwar auch durchaus eine positive (Placebo-) Wirkung für den Käufer haben, aber im Grunde genommen geht es diesen selbsternannten Medien nur darum, möglichst einfach an das Geld ihrer Klienten zu kommen.

Durch die Technik des sogenannten Cold Reading kann im Grunde jeder vorgeben, er könne wahrsagen oder die Zukunft vorhersagen. Ein guter, verantwortungsvoller Kartenleger hingegen wird immer den Weg wählen z.B. mit dem Tarot spielerisch an die Fragen und Themen seiner Klienten heranzugehen. Bei einer Tarotkartenlegung erlangt man durch Selbstreflektion neue Ideen und Einsichten. Man bekommt durch die starke Symbolkraft der Karten neue Impulse zu seinen Fragen, die man ohne die Karten nicht bekommen hätte. Ein guter Kartenleger wird seinen Klienten durch diesen Prozess führen, ihn bei der Selbstreflektion unterstützen und nicht so tun als hätte er selber übernatürliche Kräfte.

„Ich gestehe, dass ich in einer magischen Welt leben möchte.“

tredition: Inwiefern ist Ihr Buch ein Geständnis?

Lars Ruth: Ich gestehe in diesem Buch vieles über mich, was in unserer heutigen aufgeklärten Welt verpönt ist und oftmals belächelt wird. Ich gestehe, dass ich in einer magischen Welt leben möchte, in der es noch Wunder und echte Magie gibt. Diese Wunder zu erleben oder sogar selber zu erschaffen, sind die Dinge die mich antreiben, und die aus unserer Welt einen besseren Ort machen können. Ich gestehe, dass ich diese Wunder manchmal (nicht immer) ähnlich wie ein Zauberkünstler erschaffe. Dies ist aber nicht wichtig, denn worauf es ankommt ist, dass sich diese Wunder, welche ich ohne Umwege in den Köpfen meiner Zuschauer erschaffen möchte, absolut echt anfühlen. Ich möchte Fiktion und Wirklichkeit vermischen, zum einen für meine Zuschauer, zum anderen auch für mich selber. Nur so lassen sich wahrhaft magische Momente, die Kinder noch alltäglich erleben, für Erwachsene wieder erfahrbar machen. Ich gestehe auch, dass ich gerne an gewisse unerklärliche Phänomene glauben möchte und ich immer noch auf der Suche bin nach eindeutigen Beweisen für Übernatürliche.

tredition: Ihr Buch verrät viele spannende Details über die Strategien von Mentalisten. Was hat Sie dazu bewogen, diese zu veröffentlichen?

Lars Ruth: Ich veröffentliche vor allem solche Strategien, die nur zum Ziel haben andere Menschen um ihr Geld zu bringen und welche die schwarzen Schafe unserer Zunft rücksichtslos einsetzen. Wenn man diese Strategien kennt, fällt es einem leichter, sich gegen diese Menschen zu wappnen. Ein Mentalist sollte seine Fähigkeiten dazu nutzen anderen Menschen Gutes zu tun, ihnen (im wahrsten Sinne des Wortes) eine wundervolle Zeit zu bescheren, und nicht die Schwächen anderer zum eigenen Vorteil auszunutzen.

tredition: Weshalb haben Sie sich für Self-Publishing entschieden?

Lars Ruth: Mir war es wichtig, einen Verlag zu finden, dessen Bücher überall im Buchhandel und im Internet problemlos zu bestellen sind und der sich weitgehend für den Leser nicht von anderen Verlagen unterscheidet. Bei einem klassischen Verlag hätte es Monate, wenn nicht Jahre gebraucht bis mein Skript angenommen worden wäre. Außerdem habe ich auf diesem Wege eine bessere Kontrolle über Erscheinungsform und Inhalt meines Buches und ich bin somit bin als Autor weniger fremdbestimmt. Tredition bietet außerdem die Möglichkeit, praktisch ohne nennenswerten finanziellen Aufwand ein Buch zu veröffentlichen.

„Wenn mein Publikum verzaubert ist, dann habe ich alles richtig gemacht.“

tredition: Dürfen sich die Leser über ein weiteres Buch von Ihnen freuen?

Geständnisse eines Mentalisten von Lars Ruth

Neuerscheinung von Lars Ruth: Das tredition-BUCH DES MONATS März

Lars Ruth: Nachdem ich mein Skript beim Verlag eingereicht hatte und das Buch in Druck ging, sind mir in der Tat noch viele weitere Dinge eingefallen, mit denen sich noch einige weitere Kapitel hätten füllen lassen können. Diese Ideen rumoren immer noch in meinem Kopf herum und ich bin mir sicher, irgendwann finden sie Ihren Weg in ein neues Buch. Jedoch nicht vor 2016…

tredition: Wie oft pro Jahr treten Sie auf und was sind Ihre schönsten Erlebnisse dabei?

Lars Ruth: Dies ist ganz unterschiedlich. Letztes Jahr hatte ich zweiundfünfzig Auftritte, das Jahr davor waren es siebenundvierzig. Am schönsten für mich ist es, wenn ich zum Publikum eine ganz besondere Verbindung aufbauen kann und ich dabei merke, dass die Zuschauer förmlich an meinen Lippen kleben und wir gemeinsam besondere Momente erleben. Wenn mein Publikum verzaubert ist, dann habe ich alles richtig gemacht. Da ich immer Menschen aus dem Publikum in meine Shows miteinbeziehe, gleicht keine Show der anderen. Manchmal passieren wundersame Dinge auf der Bühne, mit denen sogar ich im Vorfeld nicht gerechnet hätte. Manchmal schlagen bestimmte mentale Techniken, mit denen ich hinter die Gedanken der Zuschauer zu kommen versuche, nicht an, und ich muss einen Schuss ins Blaue riskieren und schlicht und ergreifend erraten, an was mein Proband auf der Bühne denkt. Merkwürdigerweise liege ich auch in diesen Situationen fast immer richtig. Das sind dann ganz besondere Momente, die ich immer und immer wieder erleben möchte. Denn dann glaube ich mehr als sonst, dass es so etwas wie echte Telepathie geben muss.

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