Prominent in Berlins Buchhandel platziert: Autorin Lisa K. im Porträt

Lisa K.

Mehr über die Autorin auf www.lisa-k.org.

Darf’s ein wenig knistern? Erotische Literatur ist ein Umsatzbringer – und doch tut sich der Buchhandel zuweilen schwer damit, das eigene Sortiment damit zu bereichern. Es geht auch anders!

„Warum nicht einmal eine unbekannte Autorin mit ihrem Erstlingswerk vorstellen?“, schreibt das Kulturcafé Café K – gelegen in Berlin-Westend – auf seiner Webseite. Gesagt, getan: Am Abend des 2. Juli wird – wie könnte es namentlich treffender sein – die Autorin Lisa K. ihren erotischen Roman „Berlin Affairs“ im Café K. vorstellen. Zur Lesung werden „betörende Weine“ und eine „knisternde Abendkarte“ serviert. Die unter Pseudonym schreibende Autorin Lisa K. steht beispielhaft für engagiertes und selbstbewusstes Marketing. Im Gespräch mit tredition verrrät sie, wie es ihr gelang, im renommierten Berliner KulturKaufhaus Dussmann ihr Buch zu präsentieren, welche weiteren Werbemaßnahmen sie unternimmt und was sie am Schreiben erotischer Literatur fasziniert.

tredition: Liebe Frau K., mit „Berlin Affairs – Liebe das Heute“ haben Sie einen erotischen Roman über eine prickelnd-gefährliche Dreiecksbeziehung vorgelegt. Wie kamen Sie auf den Plot?

Lisa K.: Ehrlich gesagt, „floss“ mir die Geschichte aus den Fingern. Ich konnte gar nicht so schnell tippen, wie mir die Gedanken einschossen. Anscheinend musste das heraus.

Ich wusste beim Schreiben selbst nicht, wohin mich die Geschichte führen wird. Man hört immer, dass sich der Autor vorher ein Gerüst bauen und sich überlegen sollte, wohin der Weg geht …. Bei mir ist das ganz anders. Es ist ein rein intuitives Schreiben. In meinem Buch kommen Szenen vor, die ich persönlich so nie erlebt habe bzw. mir bis dahin auch gar nicht vorstellen konnte. Ich wachte mit einem Gedanken auf – z.B. mit dem Abendessen bei Conrad in Prenzlauer Berg – und am Abend hatte ich eine fertige Story dazu. Ich war selbst überrascht, was mir da so eingefallen ist. Aber genau das ist das Spannende und macht das Schreiben für mich so interessant und lebendig. Ich erfinde meine eigenen Geschichten … und habe keine Ahnung, wie sie ausgehen. Ich bin beim Schreiben genauso gespannt wie die Leserschaft beim Lesen (schmunzelt).

Allerdings habe ich bald festgestellt, dass manche der Gedanken, die Lisa bewegen, meine eigenen sind. So finde ich mich in einigen Stellen des Buches wieder. Deshalb hatte ich auch mit einer Veröffentlichung gezögert, mich dann aber doch dazu entschieden. Ich denke nämlich, dass viele Frauen ähnlich empfinden oder ähnliches erlebt haben. Wie die Affäre mit einem verheirateten Mann, sich aber nicht getrauen, darüber zu sprechen. Oder zugeben, dass Sex Spaß macht, auch mal an ungewöhnlichen Orten. Es muss nicht immer Blümchensex sein.

Originelles Marketing: Cafés für das erste Date

tredition: Was zeichnet Ihr Buch aus Ihrer Sicht gegenüber anderen erotischen Romanen aus?

KulturKaufhaus Dussmann

Prominent platziert in der Erotik-Abteilung des renommierten Berliner KulturKaufhauses Dussmann

Lisa K.: Das Buch folgt nicht dem Mainstream, dass Heldinnen jung und naiv zu sein haben, sondern zeichnet das Bild einer modernen Frau, die mit sich und ihrem Singleleben zufrieden ist. Und sich trotzdem an einen Mann verliert … und feststellt, dass sie trotz ihrer Erfahrungen wie ein Teenager agiert und reagiert.

Die Geschichte ist aus dem Leben gegriffen, kein schwülstiger Liebesroman. Die Leser sehen dabei zu, wie sich Lisa verliert, immer mehr und sich verst

rickt in dieser Leidenschaft, gefangen ist von der sexuellen Befriedigung, die ihr dieser Bernd beschert – aber gleichzeitig um ihre Unabhängigkeit kämpft, sich auf andere Abenteuer einlässt, weil sie glaubt, damit ihre Gefühle in den Griff zu bekommen.

Die Erzählung stoppt auch nicht beim ersten Kuss. Ich nenne die Dinge beim Namen und schildere „gewisse“ Szenen sehr anschaulich. Meine Heldin „kühlt nicht ihre heiße Stirn am kalten Fenster“, sondern gibt sich mit allen Sinnen dem Genuss hin, auch dem körperlichen. Die Leser können es nachempfinden und – nachmachen …?

tredition: Sie haben zum Buch auch eine eigene Webseite aufgesetzt. Wie sind Sie dabei vorgegangen?
Lisa K.:
Intuitiv. Ich habe mir überlegt, was würde mich interessieren? Und da ich ein sehr strukturierter Mensch bin, war es mir ein Anliegen, eine gute Übersicht zum Thema und zur Person zu bekommen. Ich habe mir auch andere Seiten von Autoren angesehen, ein paar Anregungen geholt, Webinare besucht, vor allem, wie ich die passenden Schlagwörter finde, damit die Seite auch gefunden wird. Ich bastele immer noch …

Im Moment stelle ich gerade eine Liste zusammen, die stimmungsvolle Cafés beschreibt, die perfekt für das erste Date sind … schließlich lernen sich meine Protagonisten ja in einem Café kennen. Damit werde ich dann meine Website erweitern. Wer also solche Cafés kennt, bitte gerne unter post@lisa-k.org eine kurze Info, das Café kommt auf meine Seite. Wäre schön, Rückmeldungen zu www.lisa-k.org zu bekommen. Über einen kurzen Gästebucheintrag auf meiner Website freue ich mich. Oder vielleicht bestellt auch jemand meinen Newsletter? Damit keine Neuigkeit von Lisa verpasst wird.

Kreative Freiheit: Die Vorzüge des Self-Publishing

tredition: Weshalb haben Sie sich für Self-Publishing entschieden?
 Lisa K.: Ich hatte bereits einen Vertrag mit einem kleineren Berliner Verlag für eine Veröffentlichung. Als es dann kurz vor der Veröffentlichung um das PR ging, wollte die junge Verlegerin, dass ich meine Heldin „verjüngere“, obwohl mit dem Lektor bereits alles ausdiskutiert war. In meiner Heldin steckt auch viel von mir selbst und ich hatte mich ja bewusst dafür entschieden, nicht eine junge, naive Frau in den Mittelpunkt zu stellen, sondern eine moderne Frau mittleren Alters. Und die hat nun mal andere Gedanken als eine 20- oder 30-jährige Frau. Ich hätte alles umschreiben müssen, war dazu aber nicht bereit. Denn dann wäre meine Botschaft verloren gegangen.

Als mir die Verlegerin dann auch noch erklärt hat, dass Frauen ab 50 nicht mehr interessant sind – und das mir, damals 52 Jahre alt – und das Buch somit keinen Erfolg haben wird, habe ich beschlossen, den Vertrag zurückzuziehen. Was Gott sei Dank unproblematisch geklappt hat.

Durch Zufall erfuhr ich dann allerdings von der Möglichkeit des Self-Publishing, besuchte die Frankfurter Buchmesse zu „Erkundigunszwecken“, habe mir dort alle Vorträge der möglichen Self-Pubisher angehört und mich für tredition entschieden, da dieser Verlag meiner Meinung nach das beste Paket angeboten hat und mir die Mitarbeiter von tredition am Messestand sympathisch waren. Eigentlich eine Bauchentscheidung.

tredition: Wie hat sich Ihr eigenes Leben im Zuge der Buchveröffentlichung dem Fokus auf das Schreiben verändert?
Lisa K.:
Sehr. Ich habe persönlich festgestellt, dass ich genau gegen das angeschrieben habe, was ich selber lebe. Und mein Leben radikal verändert, den sicheren Arbeitsplatz aufgegeben, um mich mehr meiner kreativen Ader widmen zu können. Gewagt, auch nicht ganz einfach, da es doch dauert, bis so ein Buch und seine Autorin bekannt wird, aber zufriedenstellend. Ich arbeite jetzt als freiberufliche Dozentin, um mir mein Leben besser einteilen zu können und mehr Zeit für das Schreiben zu haben. Und – ich getraue mich auch selbst, über Sex in der Öffentlichkeit zu sprechen. Das hätte ich früher nie gemacht. Es hat auch nach meinen Anfängen mit der Schreiberei mehr als ein Jahr gedauert, bis ich erzählt habe, dass ich erotische Geschichten schreibe – außer dem bereits erwähnten Freund. Seit das Buch am Markt ist, habe ich gar keine Scheu mehr.

Bei Dussmann auf dem „Berlin-Tisch“

tredition: Ihr Werk lag bereits im renommierten Kulturkaufhaus Dussmann aus. Wie ist das gelungen?
Lisa K.: Ganz einfach. Ich habe mich bei Dussmann erkundigt, wer die verantwortliche Person für den „Berlin-Tisch“ ist. Da mein Buch ja „Berlin Affairs“ heißt und zum größten Teil in Berlin spielt, dachte ich mir, dass es wunderbar auf diesen Tisch passt, wo alle Bücher zu oder über Berlin aufliegen. Also habe ich Anfang Dezember 2014 an den Verantwortlichen ein Mail geschrieben, mit dem Betreff: Berlin Affairs – eine Bereicherung für den „Berlin-Tisch“ in Ihrem Kulturkaufhaus.

Mitte Januar 2015 habe ich telefonisch bei ihm persönlich nachgefragt, wie denn das mit meinem Buch so aussehe und ob er plane, es zu bestellen. Da meinte er: „Warten Sie mal, der Titel sagt mir etwas. Habe ich den nicht schon geordert?“ Schaute im Computer nach und bestätigte mir, dass das Buch bereits aufliegt. Ich bin gehüpft vor Freude und natürlich sofort hin zu Dussmann, um mich zu überzeugen. Es stand da – nicht am „Berlin-Tisch“, sondern im Erotik-Regal (siehe Foto), wo es natürlich auch bestens hinpasst.

tredition: Bitte nennen Sie drei Gründe, weshalb Buchhändler Ihren Titel unbedingt in Ihr Sortiment aufnehmen sollten.
Lisa K.: Weil es amüsant und kurzweilig zu lesen ist und entgegen dem Trend dabei eine Frau näher bringt, die nicht der typischen „Heldin“ entspricht. Weil es knistert und anregt, so manch erotisches Spiel mal in der eigenen Wirklichkeit auszuprobieren … Und somit dem Buchhändler neue Kunden und Umsatz bringt.

tredition: Wann haben Sie das erste Mal Ihre Faszination für das Schreiben und erotische Literatur entdeckt?
Lisa K.:
Auf meinen vielen Auslandsreisen – vor allem Saudi Arabien und Indien – habe ich immer schon so eine Art Tagebuch geschrieben, um so den „Zuhausegebliebenen“ ein bisschen von meinen Eindrücken mitzugeben. Aber das waren Geschichten aus meinem Alltag in fremden Kulturen. Erotische Geschichten waren in meinem gedanklichen Repertoire gar nicht vorhanden.

Ja, und dann fuhr ich eines Tages an die Ostsee, um mich von meinem anstrengenden Job zu erholen, der mich völlig mit Beschlag belegte. Spazierte den Strand entlang, fasziniert von den Strandkörben, denn die waren mir als Österreicherin völlig neu. Und da fiel mir unvermittelt eine erotische Geschichte ein, die in einem Strandkorb spielt. Ich ging auf mein Zimmer, tippte sie in mein Tablet und schickte sie einem Freund zu lesen. Der war begeistert über mein Talent, die Situation so anscBerlin Affairshaulich zu schildern und fand sie sehr anregend und nachahmenswert (schmunzelt). Und mir fielen immer mehr erotische Abenteuer ein. Warum auch immer. Dann begann ich, diese zu einer Geschichte zu verweben. Meine kreative Seite war erweckt worden und wollte heraus.

Diese Strandkorb-Geschichten kommen übrigens in Teil 2 von Berlin Affairs vor, bei „Genieße das Jetzt“, welches bald erscheinen wird.

Fortsetzungen in Arbeit!

tredition: Welche Intentionen verfolgen Sie mit dem Schreiben? Was wollen Sie den Leserinnen und Lesern „mitgeben“?
Lisa K.:
Hauptsächlich, dass auch Frauen im „fortgeschrittenen“ Alter noch Spaß an der Liebe und dem Leben haben dürfen, dass dafür nicht unbedingt ein eigener Ehemann bzw. Partner vorhanden sein muss. Männer nehmen sich ja auch, was sie wollen. Ein Mann ist dann ein toller Hecht, aber wir Frauen?

Ich möchte mit Lisas Geschichte vermitteln, dass Frauen ein Recht auf Glück und Selbstbestimmung haben. Nicht die Gesellschaft bestimmt, wie wir uns in einem bestimmten Alter verhalten sollten, sondern wir selbst. Ich kann da selbst ein Lied davon singen. Als beruflich erfolgreiche Frau wird man oft scheel angesehen, als „Karrierefrau“ negativ hingestellt und wenn man dann noch eine Affäre hat – oh Gott, das geht gar nicht. Deshalb beschäftigen Lisa ja so viele Gedanken, ob es wohl schicklich ist, was sie so treibt. Es dauert allerdings ein Weilchen, bis sie sich auch sicher ist, dass sie zu ihrem Leben und ihrer Liebe steht, gleich, was die Umwelt von ihr hält … ich bin ja schon bei Band 3.

Außerdem wollte ich ein bisschen Lust auf erotische Spielchen machen, nicht immer nur den Kuschelsex unter der Bettdecke … Mein Buch soll anregen und zeigen, dass es auch anders geht. „Bringt mehr Abwechslung in euer Liebesleben, traut euch, kreativ zu sein. Lebt eure Träume!“ In jeder Beziehung ist da noch Spielraum und hilft vielleicht, die körperliche Komponente der Liebe wieder zu beleben …

tredition: Welche Resonanz bekommen Sie bisher von Leserinnen auf Ihr Werk?
Lisa K.:
Ich habe auch Leser, nicht nur Leserinnen …;-)

Von Frauen sind die Rückmeldungen zum Teil sehr persönlich, viele erkennen sich in Lisa wieder und fragen mich um Rat, wie ich denn in ihrer Situation entscheiden würde. Ich finde das sehr schön, dass „Frau“ sich mit Lisa identifizieren kann. Genau das war auch meine Absicht, eine „greifbare“ Heldin.

Sehr berührt hat mich die handgeschriebene Nachricht meiner Ärztin nach dem Lesen meines Buches. Sie war es, die mich dazu ermutigt hatte, dieses Buch fertig zu stellen, die Geschichte von Lisa aufzuschreiben. Als Dank brachte ich ihr ein Exemplar in ihrer Praxis vorbei. Bei diesem Besuch teilte sie mir mit, dass sie todkrank sei und es keine Rettung für Sie gebe. Ich war dermaßen betroffen, wusste nicht, was antworten. Dachte nur: „Und du kommst mit deinem Buch daher …“ 5 Tage später kam ihre Reaktion per Post. Sie habe mein Buch verschlungen, sich wieder so gefühlt wie damals, mit 50. Und viele Erinnerungen seien in ihr aufgestiegen, schöne Erinnerungen. Und ich habe ihr unendlich viel Freude damit bereitet. Was kann es für eine schönere Reaktion geben?

Von Leserinnen werde ich also meist auf Lisas Geschichte angesprochen, viele warten schon auf die Fortsetzung, wie Lisas Leben und ihre Liebe sich entwickelt. Von meinen männlichen Lesern bekomme ich stets: „Nur weiter so, sehr anregend. Macht Lust auf mehr.“ Wie auch immer sie das meinen…;-)

Nachzulesen auf: http://www.lisa-k.org/gästebuch/

Daher ist das Buch für Frauen und Männer interessant, die Damen nehmen „alles“ mit, die Herren halt nur besondere Stellen … aber wenn´s dem Liebesleben hilft, dann ist der Zweck ja erfüllt (lacht).

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *