Der Wortdetektiv: Interview mit tredition-Autor Pierre Sommet

Unsere Autoren im Blick - Der "Wortdetektiv" Pierre Sommet

Der „Wortdetektiv“ Pierre Sommet

Mal ehrlich, hätten Sie gewusst, dass die Redewendung „In die Puschen kommen“ sich auf Begrifflichkeiten aus dem Französischen zurückführen lässt? Bei Bei Worten wie „Bonbon“, „Dessert“, „Flair“ oder „Marode“ ist der französische Ursprung dem Laien schon eher ersichtlich, wenn auch die Geschichte jedes einzelnen Wortes ungleich spannend ist. In seinem bei tredition erschienenen Werk „Madame Coquette und Monsieur Galant“ verfolgt Pierre Sommet die Spuren scheinbar deutscher Wörter, deckt ihre französische Herkunft auf – und manchmal die dahinter stehenden schönen Legenden.

tredition: Was bereitet Ihnen beim Bücherschreiben am meisten Vergnügen?
Pierre Sommet: Ich kann meiner Kreativität freien Lauf lassen. Der kreative Prozess ist zugleich ein anstrengender Lernprozess. Wenn ich z. B. in „Madame Coquette und Monsieur Galant“ über Michel Bégon , Bruder Clément und Pierre Magnol, die jeweiligen Namensgeber der Begonie, der Clementine und der Magnolie, schreibe, entdecke ich diese Persönlichkeiten und deren Lebensleistung. Durch genaues Recherchieren bilde ich mich weiter. Und wenn meine Leser dieses „Aha-Erlebnis“ mit mir teilen, indem sie sich positiv über solche Wortgeschichten äußern, bin ich einfach glücklich. Beim Bücherschreiben spielen für mich finanzielle Aspekte eine absolut zweitrangige Rolle, geistige Bereicherung ist mir wichtiger. Anzumerken ist, dass beim Bücherschreiben, wie im Leben, Freud und Leid dicht beieinander liegen. Meine Ansprüche liegen ziemlich hoch. Ich schreibe empathisch, fühle mit meinen Figuren. Wenn die siebte Fassung einer Wortgeschichte mir nicht gelingt, plagen mich Zweifel, aber wenn mir bei der achten und letzten Fassung eine hübsche Pointe gelingt, bin ich erst dann mit dem Ergebnis zufrieden und kann mich zurücklehnen. Ich kann mir gut vorstellen, dass es den anderen Schriftstellern ähnlich geht. Wir wollen vor allem gelesen werden.

tredition: Bitte nennen Sie drei Tipps, die Sie angehenden Autoren für die Erstellung Ihres Buches geben würden.
Pierre Sommet:
Tipp1:
Ausdauer und Geduld! Kein Meister ist vom Himmel gefallen. Also, schreiben, Manuskript liegen lassen, Manuskript überarbeiten und erneut ruhen lassen, Wörter und Sätze ziselieren, bis zum letzten Feinschliff des Rohdiamanten. Schreiben ist in erster Linie Handwerk, also erlernbar. Der Künstler (l´artiste) ist in meiner Muttersprache ein Handwerker (un artisan). „Artiste“ und „artisan“ sind wortstammverwandt (von „art“).

Tipp 2: Der bekannte Spruch im Immobiliengeschäft l „Lage, Lage, Lage“ ist auf die Schriftstellerei übertragbar. Er lautet insbesondere für Indie-Autoren „Qualität, Qualität, Qualität“. Nur ein qualitatives Werk kann (mit etwas Glück) sich letztendlich am hart umkämpften Markt durchsetzen. Lektorieren lassen ist unabdingbar. Vier Augen sehen besser als zwei, sechs Augen besser als vier. Rechtschreib- und Satzfehler, stilistische Fehler, sind Gift.

Tipp 3: Keine überhöhte Erwartungshaltung und kämpfen! Nach neun Monaten „schriftstellerischen Schwangerschaft“ ist das ersehnte „Kind“ da. Sein Schöpfer ist verständlicherweise stolz und nur auf ihn fixiert, wobei eine Prise Narzissmus absolut gerechtfertigt ist. Eitelkeit ist nicht als negativ zu betrachten. Ohne Eitelkeit und Ehrgeiz, keine Leistung. Wird aber bei ca. 90.000 Neuerscheinungen im Jahr die Leistung des angehenden, unbekannten Autors, vom Markt anerkannt? Dieser hat nämlich eigene Mechanismen. Jedes Buch, sei es so gut, ist lediglich ein Tropfen im Ozean der Bücher. Es soll zumindest „ein guter Tropfen“ sein, auch wenn der Absatz auf sich und manchmal sehr lange warten lässt. Fazit: Für das eigene Buch eine Zielgruppe haben und ansprechen, kämpfen (Klappern gehört zum Handwerk), an sich glauben, sich einbringen (Pressearbeit, Lesungen, Flyer, Plakate sind ein preiswertes und wirkungsvolles Werbemittel, Radio etc.) und versuchen, in Buchhandlungen präsent zu sein. Nur ein sichtbares Produkt wird gekauft.

tredition: Worauf führen Sie den Verkaufserfolg von „Madame Baguette und Monsieur Filou“ zurück?
Pierre Sommet: Der Verkaufserfolg von meinem Erstlingswerk auf diesem Gebiet, Madame Baguette und Monsieur Filou, ist multifaktoriell. Ich glaube, dass mein origineller Ansatz, also der Versuch auf eine zugleich unterhaltsame und bildende Art und Weise, französische Lehnwörter in der deutschen Sprache, kulturgeschichtliche und aktuelle landeskundliche Aspekte in Einklang zu bringen, dem Bildungspublikum und allgemein Frankreich-Fans gefallen hat und weiterhin gefällt, denn das druckfrische Fortsetzungswerk „Madame Coquette und Monsieur Galant“ kommt auch in Deutschland und in Frankreich sehr gut an. Ein zweiter Faktor ist mein Bekanntheitsgrad in Krefeld, am Niederrhein und generell in NRW durch meine lange berufliche Tätigkeit als Fachbereichsleiter für Fremdsprachen an der VHS Krefeld, aber auch durch meine zahlreichen interdisziplinären Projekte und Publikationen (Französisch-Lehrwerke und andere Materialien für namhafte Verlage) auf regionaler und auf Bundesebene und letztendlich durch meine Lesungen in NRW, in Oldenburg und sogar in Berlin auf Einladung der dortigen deutsch-französischen Gesellschaft. Ein dritter Faktor ist meine sehr gute Vernetzung in romanischen Kreisen und in Volkshochschulen. Zu guter Letzt, der Erscheinungstermin von Madame Baguette und Monsieur Filou erfolgte zu einem denkbar günstigen Zeitpunkt, nämlich Mitte November 2010, also rechtzeitig für das Weihnachtsgeschäft. Diesen Zeitpunkt habe ich natürlich für „Madame Coquette und Monsieur Galant“ gewählt und hatte allerdings sehr wenig Zeit für massive, wirkungsvolle Werbemaßnahmen. Stress pur! Aber ich habe es so gewollt und darf nicht lamentieren.

Madame Coquette und Monsieur Galant

Formidables Marketing: Pierre Sommet hat im Buchhandel Flyer zu seinem Werk ausgelegt

tredition: Wie gehen Sie vor, wenn Sie Buchhandlungen Ihr Buch im persönlichen Gespräch vorstellen?
Pierre Sommet: Der persönliche Kontakt zu Buchhändlern ist eminent wichtig. Die Buchhändler, die den Büchertisch meiner Lesungen organisiert haben, kennen mich und meine lebendige Art vorzutragen. Sie wissen, dass ich ein seriöser Autor bin. Aufgrund des Erfolgs des ersten Buchs, zögern diese Buchhändler nicht, Band II zu bestellen. Darüber hinaus bringe ich immer Informationsmaterial mit (Flyer mit einer Leseprobe, schön gestaltete Plakate ). Mein Werbeapparat ist professionell, auch ein Verdienst von Nicole Peters, Diplom-Designerin, die das ansprechende Cover von „Madame Coquette und Monsieur Galant“ sowie das ganze Buch liebevoll und kompetent gestaltet und illustriert hat. Alleine und bei meinen sehr mangelhaften Computerkenntnissen hätte ich es überhaupt nicht geschafft.

tredition: Wie führen Sie Ihre Lesungen durch? Beziehen Sie die Zuhörer aktiv mit ein?
Pierre Sommet: Als Fachbereichsleiter an der VHS Krefeld und als Didaktiker habe ich viele Fortbildungsseminare für Sprachdozentinnen und Sprachdozenten der Volkshochschulen am Niederrhein konzipiert und geleitet. Da ich auch Französisch unterrichte und generell mit Menschen gut umgehen kann, habe ich keine Angst vor dem Publikum. Durchschnittlich besuchen 60 bis sogar 150 Interessenten meine Lesungen in enger Zusammenarbeit mit dem Sänger Walter Weitz aus Krefeld. Die Kombination aus Texten und zu den Wortgeschichten passenden französischen Chansons kommt beim Publikum sehr gut an. Mein weicher „accent“, den ich allerdings nur zu Beginn einer Lesung übertreibe, wirkt ganz offensichtlich charmant. Als Franzose, der auf Deutsch schreibt, bin ich sowieso ein Exot. Mein Outfit (Baskenmütze, französische Schürze) ist klischeehaft, trägt aber sofort zur Schaffung und Auflockerung einer Atmosphäre bei. Dies bedeutet allerdings nicht, dass meine Lesungen zur Klamauk werden, denn ich lese auch Wortgeschichten mit kritischem, bildungspolitischem Inhalt, und in mancher spannenden Wortgeschichte geht es um Mord und Totschlag. Bei der Auswahl der Wortgeschichten geht es mir um die Ausgewogenheit. Bei meinen Lesungen, achte ich darauf, dass ich nicht sitze, sondern die ganze Zeit stehe bzw. durch den Raum gehe und spreche einzelne Hörer an. Als „Anschauungsunterricht“ bringe ich eine ganze Reihe von Gegenständen (Poster, Flaschen, Plüschtier) und Lebensmitteln (Baiser, Clementine, Poster, etc.) mit, die sich auf die Wortgeschichten beziehen und stelle Fragen dazu. So bleibt das Publikum aufmerksam. Besonders wichtig ist Humor. Wenn gelacht wird, hat man als Vortragender fast immer gewonnen. Ein wenig schauspielerisches Talent (Dramaturgie, Mimik und Gestik) gehört natürlich auch dazu. Ich will erreichen, dass die Interessenten nach Hause gehen, mit dem Gefühl etwas gelernt zu haben, denn ich bin und bleibe ein Erwachsenenbildner.

tredition: Ist bereits in Nachfolgeband von „Madame Coquette und Monsieur Galant“ oder ein anderes Buch in Planung?
Pierre Sommet: Bei tredition fühle ich mich wohl und werde gut betreut. Ich halte das Geschäftsmodell für fair, das Team ist sehr engagiert, innovativ und kompetent. Ich werde im Frühjahr eine zweite Auflage von“Madame Coquette und Monsieur Galant“ in die Wege leiten. Lassen Sie sich überraschen!

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