Richard Koechli: Musiker mit Liebe zur Literatur

Richard Koechli

Liebt das Musizieren und das Schreiben: Richard Koechli

Welche Faszination übt Blues-Musik auf den Menschen aus? Dieser Frage spürt der Schweizer Musiker und Autor Richard Koechli in einem bei tredition erschienen Roman nach. Mit einem zweibändigen Gitarren-Lehrbuchkompendium ist Koechli bei tredition ebenfalls im Programm vertreten. Im Gespräch mit unserem Verlagsteam erzählt er, wie Musizieren und Schreiben miteinander harmonieren, weshalb er Self-Publishing schätzt und welche Herausfordeungen das Schreiben mit sich bringt.

 

tredition: Sie sind als Musiker und Autor in zwei kreativen Bereichen zugleich tätig. Profitieren beide Domänen voneinander? Soll heißen: Kommen Ihnen beim Musizieren Ideen für die Konzeption und die Themen Ihrer Bücher und umgekehrt?

Richard Koechli: Grundsätzlich empfinde ich Schreiben und Musizieren als zwei eng verwandte Wesen; in beidem kann ich Rhythmus, Harmonie und ebenso Melodie empfinden. Auch der Klang kommt beim Text dazu, sobald dieser gelesen wird. Mein eigentlicher Beruf ist zwar jener des Musikers, doch Schreiben war für mich seit meiner Kindheit eine Leidenschaft, die mir als latenter Stotterer zudem entscheidend bei der Konstruktion meiner sprachlichen Identität half. Später, als ich mit dem Verfassen von Musiklehrbüchern begann, genoss ich die Möglichkeit, beides kombinieren zu können. Bei solchen Fachbüchern ist der reine Textanteil allerdings eher gering und es sind kaum literarische Künste gefragt. Deshalb war der Schritt naheliegend, jetzt endlich auch Belletristik zu verfassen und zu veröffentlichen. Mein Roman handelt zwar ebenfalls von Musik, doch meine Liebe zur Textkunst konnte sich erstmals grenzenlos entfalten. Das war höchst inspirierend!

tredition: Sie sind bereits für Ihre Musik und für Ihr Wirken als (Fachbuch-)Autor mit Preisen ausgezeichnet worden. Eine tolle Bestätigung Ihres Wirkens! Inwiefern ist das wertvoll, um die eigenen Bücher gut zu vermarkten?

Richard Koechli: Kein Musiker oder Buchautor dieser Welt denkt während der Arbeit daran, Preise zu gewinnen. Das wäre keine wirkliche Antriebskraft. Im Gegenteil werden Awards in Künstlerkreisen nicht selten sogar missgünstig belächelt. Bis zum Augenblick, wo man selber eine Auszeichnung kriegt … – man wechselt dann in Windeseile die Einstellung, fühlt sich geehrt und profitiert im Marketingbereich liebend gerne von der unterstützenden Wirkung solcher Preise. Warum auch nicht? Als Künstler wird man dadurch keinen Deut besser, aber man erhält im hart umkämpften Markt einen kleinen Joker, um seine Werke besser verkaufen zu können.

 

„Der Virus ‚Blues‘ lässt sich kaum definieren.“

Dem Blues auf den Fersen

Bild: Cover „Dem Blues auf den Fersen“

 

tredition: Angenommen, Sie treffen jemanden, den Blues wenig begeistert. Wie würden Sie versuchen, diese Person für Blues-Musik zu faszinieren?

Richard Koechli: Das ist eines der großen, ungelösten Rätsel. Die meisten Menschen können nicht genau erklären, weshalb sie diese Musik lieben. Der Virus „Blues“ lässt sich kaum definieren; abgesehen vom historischen Kontext projiziert wohl jede und jeder seine eigenen Empfindungen hinein. Blues hat mit Sicherheit eine große emotionale Tiefe, ist erdig-rau, nicht elitär und dennoch nicht kitschig, vom Grund her zwar eher traurig („blue“), aber gleichzeitig befreiend und beglückend. Nun, in meinem Roman versuche ich während 200 Seiten, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Weshalb sollte mir das jetzt mit drei, vier Sätzen gelingen … ? (lacht)

tredition: Bei tredition haben Sie bereits einen Roman und nun ein zweibändiges Fachbuch-Kompendium herausgegeben. Welche Gattung  war für Sie als Autor herausfordernder?

Richard Koechli: Als Fachbuch-Autor hatte ich bereits eine gewisse Erfahrung, dank meinen drei Büchern, die im AMA-Verlag erschienen sind. Mit dem Roman betrat ich persönliches Neuland. Beides ist sehr inspirierend und herausfordernd, doch es sind zwei völlig verschiedene Genres. Als Fachbuch-Autor vermittelt man Wissen und Information, verpackt mit Tabellen, Bildern sowie bei Musiklehrbüchern natürlich mit Noten/TABs – und fühlt sich dabei als Lehrperson. Bei einem Roman wird man zum Barden, zum Geschichtenerzähler, erzeugt innere Bilder und Stimmungen – kann sprachlich aus dem Vollen schöpfen und fühlt sich dabei gewissermassen als „Künstler“. Beides geht an die Nerven, weil man alles gibt, das Perfekte anstrebt – und von seinem Werk meist auch nachts nicht in Ruhe gelassen wird …

 

„Im Marketing zählt die Hartnäckigkeit.“

 

tredition: Sie sind ein vielbeschäftigter und gefragter Musiker. Wie finden Sie nebenbei die Zeit zum Schreiben? 

Richard Koechli: Ich kann von meiner Musik einigermaßen leben und es sind stets einige Projekte am Laufen; doch man musiziert dabei nicht pausenlos 14 Stunden am Tag. Zwischendurch gibt’s immer wieder Luft, die ich zum Schreiben nutzen kann. Und als Freischaffender geniesse ich den Luxus, meinen Terminplan weitgehend selber zu gestalten.

tredition: Könnten Sie beispielhaft ein paar Marketingmaßnahmen schildern, die Sie für Ihre Bücher unternehmen?

Die etwas andere-Gitarrenschule Band 1

Bild: Cover „Die etwas andere Gitarrenschule Bd. 1“

Richard Koechli: Bei mir geht’s vor allem mal darum, die verschiedenen Tätigkeiten gegenseitig zu befruchten: Mein Musik-Publikum soll erfahren, dass ich auch Fachbücher und Romane schreibe – und umgekehrt sollen die Leser erfahren, dass es von mir auch Musik zu kaufen oder Konzerte zu besuchen gibt. Verschiedene Wege können zu diesem Ziel führen: Soziale Medien wie Facebook oder Twitter, konsequente Pressearbeit, Newsletter, eigene Website, Buchtrailer, natürlich die persönliche Präsenz und Promotion an Konzerten, an Lesungen sowie ganz gezielte Inserate in Fachmagazinen, wo man ruhig auch mal was investieren und riskieren soll. Am Ende zählt die Gesamtheit aller Aktionen, und ebenso die Hartnäckigkeit; kurz nach der Veröffentlichung ist jeder top motiviert – entscheidend wird die spätere Phase, wenn man vor der Frage steht „aufgeben oder weiter daran glauben, dass dieses Buch lesenswert ist?“

 

Neue Buchidee in Planung

 

tredition: Weshalb haben Sie sich bei Ihren letzten Büchern für Self-Publishing und tredition entschieden?

Die etwas andere Gitarrenschlue Band 2

Bild: Cover „Die etwas andere Gitarrenschule Band 2“

Richard Koechli: Ich bin vom Charakter her gemacht für unabhängiges Arbeiten; ich liebe die vielfältigen Aufgaben eines Projektes. Auch in der Musik produziere ich selber, im eigenen Tonstudio. Die Demokratisierung hat in der Musikbranche kontinuierlich zugenommen; man muss längst keinen Deal mehr haben mit einem Platten-Label, um seine Ideen ans Publikum bringen zu können. Die Strukturen sind da, um auch als kleiner Indie-Künstler im professionellen Handel präsent sein zu können. Dass dies mittlerweile auch im Buchsektor genau so passiert, empfinde ich als großen Segen! Ich brauche keinen Verleger, der mir als Erschaffer eines Werkes am Ende den absolut kleinsten Teil vom Kuchen übrig lässt, nur mit dem Argument „ich bring dich in den Markt“. Das ist vorbei, ich kann auch anders in den Markt. Ich will jetzt nicht gegen das etablierte Verlagswesen wettern, da sind eine Menge Arbeitsplätze und Leidenschaften; aber Autoren und Musiker werden häufig unfair honoriert, verlieren ihre Rechte am eigenen Werk – und der ganze demütigende Bettelgang, bis nur schon ein Deal zustande kommt, der tut meiner stolzen Seele nicht gut … Also bin ich froh und dankbar um solche Verlage wie Tredition; ich hatte bisher wirklich nur positive Erfahrungen gemacht, alles zu meiner Zufriedenheit! Umsätze garantieren kann natürlich kein Verleger dieser Welt; ich muss gute Bücher schreiben, niemand kann mir da helfen. Aber den wichtigen Job der Buchherstellung und des professionellen Vertriebs – den kann ich beruhigt und praktisch ohne finanzielles Risiko dem tredition-Team anvertrauen. Diesen Luxus kannte man früher nicht – und ich bin sicher, dass deswegen eine Menge Menschen, die uns sehr viel zu erzählen hätten, diese Welt verlassen mussten, ohne je ein Buch veröffentlicht zu haben. Heute gibt’s da kaum mehr Ausreden: Wer was erzählen möchte und was zu erzählen hat, der kann loslegen. Ist das nicht wunderbar …?

tredition: Die wichtigste Frage! Wann wird es ein weiteres Buch von Ihnen geben?

Richard Koechli: Ich bin nicht sehr schnell beim Arbeiten (schließlich muss ich der vielbesagten Schweizer Langsamkeit ein bisschen Rechnung tragen …), so ein Prozess dauert bei mir oft Jahre. Für 2016 wäre eigentlich erst mal wieder eine neue CD mit neuen Songs an der Reihe, und natürlich regelmäßige Konzerttätigkeit. Eine neue Buch-Idee lauert dennoch im Hinterkopf; es wird eine persönlich und in Romanform interpretierte Biografie einer ziemlich vergessenen Blues-Legende sein. Vielleicht schaff ich’s, so Gott will, bis ungefähr 2017. Das war jetzt übrigens keine Floskel; ich glaube tatsächlich, dass es mitentscheidend ist, ob „er“ es will oder nicht…

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