Gutbürgerlich heißt der sympathische TV-Autor aus Köln Stefan Müller. In der Fernsehenwelt ist er besser bekannt als ‚müller‘ vom Autorengespann „antagonisten“ eckermann & müller.  Den Namen hat er sich als Autor diverser TV-Formate wie der „heute-show“, „Schlag den Raab“, „Luke, die Woche und ich“ oder der „Harald Schmidt-Show“ gemacht. Was ihn zu tredition verschlagen hat? Müllers Herz schlägt für das Schreiben. Er schreibt in Cafés – und ohne Unterlass -, egal ob Satire oder Sachbuch. Und meist ist Müllers Frau Patricia Eckermann mit an Bord.

Bei „Pimmelburg“ ist das anders. Stefan Müller wagt hier den Sprung ins kalte Wasser und präsentiert wagemutig sein Solo-Debüt. Der humorvolle Coming-of-Age-Roman mag auf den ersten Blick provozieren. Es stehen aber auch ganz seriöse Themen im Fokus: der Schmerz des Erwachsenwerdens und der Umgang mit Verlust und Tod. Müller bekommt immer die Kurve und erzählt mit einem ironischen Blick und einer gehörigen Portion Witz. Zeit für ein Autoreninterview mit dem Ausnahmeautor!

müller: Interview

Das Autoreninterview mit Stefan Müller

Erfahren Sie im Interview alles über:

  1. Vom TV zum Buch– So geht’s!
  2. Von der Muse geküsst – die Buchidee zu „Pimmelburg“
  3. Das Buch  – „Pimmelburg“
  4. Der Entstehungsprozess zum Buch – Wie kam Stefan Müller eigentlich zum Schreiben?
  5. Politik muss Schule machen – Politische Themen sind dem Autor nicht nur beruflich wichtig
  6.  Ein bisschen Provokation muss sein – Die etwas andere Lesekost
  7. Vom Verlagsautor zum Self-PublisherWas hat Stefan Müller ins Self-Publishing verschagen
  8. Vom Schreiben und DeadlinesSchreiben als Lebensform
  9. Müllers Weg zu treditionVon künstlerischer Freiheit
  10. Das nächste Projekt?Worauf sich Fans freuen können!

Stefan Müller im Wortlaut

Stefan Müller Solodebüt Interview

1. Vom TV zum Buch – So geht’s!

tredition: Sie sind langjähriger TV-Autor, machen Satire- und Kabarettprogramme – und schreiben gemeinsam mit Ihrer Frau. Wie kam es zu Ihrem Solo-Debüt? 

müller: Ich schreib schon mein halbes Leben fürs Fernsehen, die Hälfte davon gemeinsam mit meiner Frau. Das ist ein spannender Teamsport, den wir sehr genießen, und der immer neue Impulse bringt. 2006 kam ein Hörspiel-Produzent auf uns zu mit der Frage, ob wir so was auch können. „Keine Ahnung“, haben wir gesagt, und ein Hörspiel-Konzept geschrieben mit lustigen Alltags-Geschichten, die wir aus den drei komplett unterschiedlichen Perspektiven unserer Helden erzählt haben. 

tredition: Okay, das scheint eine längere Geschichte zu werden. Darf ich mir die Schuhe ausziehen?

müller: Selbstverständlich. Aber nicht blankziehen, wir sind hier nicht in der „Pimmelburg“.

tredition: Womit wir wieder beim Thema Solo-Debüt wären.

müller: Moooment. Nach 9 erfolgreichen Hörspiel-Folgen hat der Lübbe-Verlag uns gefragt, ob wir auch Roman können. „Keine Ahnung“, haben wir gesagt und erst mal ein Konzept für eine Roman-Serie geschrieben. Dabei kam „Viertelherz“ heraus. Das Buch erzählt von einer turbulent-diversen Mehr-Generationen-Hausgemeinschaft, vom Leben im Allgemeinen und Abgründen, und von der Liebe natürlich.

tredition: Wenn die Geschichte noch länger dauert, müsste ich mir kurz ein Hotelzimmer buchen.

müller: Gleich im Ziel… Irgendwann hatte ich dann Lust, mal eine Geschichte ganz allein zu bauen, und so entstand die „Pimmelburg“ – aus den tausend unverarbeiteten Traumata meiner Jugend. Zum Glück endet die Pubertät bei Männern ja im Prinzip erst mit der Midlife Crisis, meine Erinnerungen an diese Zeit sind also entsprechend frisch.

2. Von der Muse geküsst: die Buchidee zu „Pimmelburg“

tredition: Ihre pubertierende Protagonistin muss in ihrem Buch „Pimmelburg“ einen Familienurlaub mit reichlich Sprengkraft überstehen. Greifen Sie hier auf eigene Erfahrungen zurück? Wie entstand die Buchidee?

müller: Ich bin tief hinabgestiegen in meine digitalen Archive. Aber den allerersten Zündfunken für die „Pimmelburg“ hab ich auf keiner Festplatte gefunden. Vermutlich müsste ich bloß die Couch-Protokolle meiner Psychotherapien durchblättern :-D

Ich wollte jedenfalls immer eine Geschichte schreiben, die an der Ostsee spielt. Ich war Ende der 1980er dort bei der Marine und mochte die Küste und die Küstenmenschen sehr. Und irgendwann musste ich ja auch das ein oder andere Schultrauma mal verarbeiten. Dysfunktionale Familienstrukturen. Schlechte Trink- und Ernährungsmuster. Und den Tod natürlich.

tredition: Der Tod, stimmt. Oder „Knochenkasper“, wie er in der „Pimmelburg“ heißt. Wie kamen Sie auf die Idee, dem Tod einen Auftritt zu geben? Und wieso haben Sie ihn in einen Trainingsanzug gesteckt? Ganz ohne Sense. Wie soll man den Tod denn so noch ernst nehmen?

müller: Da versteckt sich die Antwort schon ein bisschen in der Frage. Wer sagt, dass man den Tod ernst nehmen muss? Am Ende ist er doch auch nur ein überlasteter Dienstleister mit Burn-out-Tendenzen. Man muss sich das mal vorstellen: Jede Sekunde sterben 1,7 Menschen. Weltweit. Der arme Kerl muss täglich 152.500 Menschen aus dem Diesseits pflücken. Da gibt’s kein mediterranes „Mañana mañana!“ Der Tod muss liefern. Wer will mit ihm tauschen? Und wer würde ihm verübeln, dass er bei manchen Jobs auch mal einen Hauch ungeduldiger ist?

tredition: Ja, der Tod ist sicher nicht zu beneiden. Wie unterscheidet er sich vom „Knochenkasper“?

müller: Ich hab mich in der Pimmelburg für ein Todes-freundlicheres Franchise-Modell entschieden, das auch besser ins 21. Jahrhundert passt: Der „Knochenkasper“ ist ein individueller Memento mori-Dienstleister. Heißt: Jeder hat seinen eigenen Tod, der einen durchs Leben coacht. Und in Samis Fall zwingt er ihr immer wieder ein Gespräch über den Selbstmord ihrer Mutter und ihre eigene Sterblichkeit auf. Der Tod ist nicht nur gesprächsbereit, sondern er will fast zwanghaft reden. Auch über das Leben und all seine Unzulänglichkeiten.

Stefan Müller Pimmelburg Interview

3. Das Buch

Pimmelburg

„Pimmelburg“ – der quicklebendige und äußerst freche Coming-of-Age-Roman mit viel Witz, der es bei tredition in kürzester Zeit zum Titel „Buch des Monats“ geschafft hat, ist gespickt mit jeder Menge Humor, Drama und einer sympathisch-rebellischen Protagonistin. Der aberwitzige Entwicklungsroman von Stefan Müller blickt mit jeder Menge Einfühlungsvermögen auf jugendliche Welten, die erste Liebe, das Erwachsenwerden und die Irrungen und Wirrungen des Familienlebens.

Der Tod Stefan Müller Pimmelburg

4. Der Entstehungsprozess zum Buch

tredition: Dass der Tod ein Fachmann fürs Sterben ist – geschenkt! Aber was weiß der Tod über das Leben?

müller: Alles! Er begleitet es ja immer wieder. Für ihn ist das Leben nichts anderes als ein ausgedehnter Sterbensprozess. So konfrontiert er Sami mit ihrer eigenen Sterblichkeit. Und ihrem Lebenswillen. Und wer das Leben wählt, traut sich auch eher, gegen seine Ängste anzugehen. Das hat Sami dem Knochenkasper zu verdanken. Und das ist eine Botschaft, die mir sehr wichtig ist.

tredition: Sie werben also für ein lebendiges Verhältnis zum Tod?

müller: Unbedingt. „Media vita in morte sumus“ haben die Kirchenlateiner gedichtet (Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen). Und ich finde das einen schlauen Gedanken, besonders wenn „Mitten im Leben“ auch die Pubertät umfasst. Es hat noch nie geschadet, sich mit der eigenen Sterblichkeit auseinanderzusetzen.

tredition: Ja gut, aber muss man damit wirklich schon als Jugendliche*r anfangen?

müller: Am besten noch früher! Kurzer Live-Hack: In meinen Augen ist „Fridays for Future“ genau das: Die Jugend hat erkannt, dass eine echte Zukunft immer unwahrscheinlicher wird. Der viel zu nahe Tod der Welt wird immer wahrscheinlicher. Dagegen gehen sie auf die Straße. Ich finde, das macht die Jugend von heute absolut anbetungswürdig! Sie kämpfen darum, dass sie wenigstens die Wahl haben, eines „natürlichen Todes“ zu sterben.

5. Politik muss Schule machen …

tredition: Sie beschäftigen sich viel mit Politik. Hilft das, wenn man witzig und auf Augenhöhe aus der Sicht einer Jugendlichen schreiben will?

müller: Ich hoffe jedenfalls, dass es nicht schadet. Wer sich intensiv mit den politischen Verläufen beschäftigt, läuft ja schnell Gefahr, total zu frustrieren. Und damit mein ich jetzt nicht nur die Entwicklungen im rechten Spektrum. Oder das Flüchtlingsthema. Oder eben die Umwelt-Debatte. Allein die Fülle der verfügbaren Information führt ja schnell dazu, dass der eigene Arbeitsspeicher überlastet und man lieber die nächste Netflix-Serie weg-binged. Oder checkt, welche Spielerfrauen gerade auf Insta neue Schmuckkollektionen präsentieren. Umso beruhigender finde ich die Entwicklung, dass es wieder cool ist, sich für Politik zu interessieren. Und dass junge Menschen auf die Straße gehen für ihre Überzeugung, statt in die Schule, wo ihre Meinungen nicht gefragt sind.

tredition: Ach, die Schule… die kommt ja in Ihrem Roman nicht besonders gut weg.

müller: Das sind natürlich ausschließlich biografische Fakten… :-D Nee, alles erstunken und erlogen. Bis auf ein paar Details. Und Herrn Spielmann natürlich. Der war wirklich mein Mathe- und Klassenlehrer. Und die perfekte Druckformatvorlage für einen „Vollblut-Pädagogen“. Ohne Spielmann hätte ich nicht mal die achte Klasse geschafft. Mitte der 80er war ich viel zu sehr mit Freiheit und Anarchie beschäftigt. Und mit der völligen Verachtung der politischen Machthaber, die kaum gezuckt haben bei Tschernobyl, Bophal, Brockdorf, der Stationierung von Atomraketen mitten in Deutschland, dem Sauren Regen und anderen Umweltkatastrophen.

Stefan Müller Coming-of-Age-Roman

Stefan Müller Pimmelburg

6. Ein bisschen Provokation muss sein

tredition: Sie scheinen ein vielbeschäftigter Autor zu sein, sind immer unterwegs und mit neuen Programmen oder TV-Formaten beschäftigt. Wie schaffen Sie es neben diesem gut ausgefüllten Alltag noch Zeit für einen so umfangreichen Roman freizuschaufeln? Schlafen Sie überhaupt? ;)

müller: Ich liebe Schlafen! Und ich nehme mir die Zeit dazu. Und auch darüber hinaus ist mein Beruf als TV-Autor eine wahllose Ansammlung übertriebener Privilegien. Ich arbeite nicht nur oft mit meiner Frau zusammen, sondern auch mit vielen anderen hochspannenden Menschen. Fernsehen ist das Teamwork vieler Spezialisten, und selten wiederholen sich Situationen. Alles bleibt spannend, Routine ist die Ausnahme.

Und dann arbeite ich auch noch größtenteils in meiner Heimatstadt Köln. Kann also alle Wege mit dem Rad fahren. Heißt: Ich habe kurze Wege, langen Schlaf und keine Langeweile. Und die Pausen, die ich mir ganz bewusst zwischen Projekten einräume, bleibe ich einfach beim Schreiben. Nur dass ich dann an längeren Geschichten schraube, an denen ich in den Pausen immer wieder weiterarbeite. Da dauert ein Roman dann vielleicht ein paar Jahre länger. Aber damit kann ich gut leben. Die Aktualitäten kann ich im Fernsehen verarbeiten, in den Romanen geht es dann eher um das Kleine im Großen.

tredition: Der Titel Ihres Buches, „Pimmelburg“, und die Bilder darin sind sehr provokativ . Woher kam der Titel und glauben Sie, dass Sie mit dem Titel auch mal anecken könnten, etwa bei der eher konservativen Buchhandlung um die Ecke?

müller: Ach, die Buchhandlung um die Ecke könnte ich ja noch verstehen, wenn sie Titel wie „Pimmelburg“ nicht bestellt oder ins Regal stellt. Aber wie immer ist die Realität krasser: Meine eigene Mutter hat sich geweigert, sich das Buch zu bestellen. Ich musste es ihr schicken. Das ist die Wahrheit. Und habe ich meiner Mutter verziehen? Natürlich… nicht. Was soll Freud von mir denken?! :-D

Im Ernst: Titel und Pimmelbilder sind einfach nur ein weiterer Ausdruck von Samis pubertär-rebellischer Kraft, um die es im Roman geht. Die Bilder sind der Weg meiner Heldin, sich mit ihren Ängsten zu konfrontieren und sich von Erwartungshaltungen zu befreien.

7. Vom Verlagsautor zum Self-Publisher

tredition: Was, wenn ein interessierter Verlag gesagt hätte: „Die Geschichte veröffentlichen wir gern, Titel, Cover und Bilder so aber nicht“?

müller: Dann wäre die Pimmelburg nicht erschienen. Da ich mich zum Glück schon im Vorfeld mit den Ängsten der Verlags-Vertriebler beschäftigt habe, bin ich lieber gleich zu tredition. Und mit diesem Schritt bin ich überglücklich! Denn natürlich hat auch tredition mich auf mögliche Reaktionen von Seiten des Buchhandels und der Plattformen aufmerksam gemacht. Und ohne tredition wäre auch der kleine Warnpimmel, den ich inzwischen liebe, nicht auf der Buch-Rückseite.

Aber eins muss ich dazu grundsätzlich nochmal anmerken: Sex wird auf so lächerliche Art immer weiter tabuiert, damit die alten Gendermuster funktionieren. Mit solchen Unverhältnismäßigkeiten tu ich mich schwer. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass tredition überhaupt kein Problem damit hatte, solche Unterdrückungsstrukturen und Tabus zu hinterfragen. Und das ist für mich Ausdruck eines modernen Verlags: Warnung ja, Unterdrückung nein.

tredition: Was unterscheidet die „Pimmelburg“ von anderen Coming-of-Age-Romanen?

müller: Ich hoffe, dass sie sich nicht allzu sehr unterscheidet. Ich liebe Coming of Age-Geschichten, besonders wenn sie radikal gedacht und geschrieben sind. In jedem von uns sind die Erinnerungen an die Jugend ja hellwach, ob wir wollen oder nicht. Es ist die prägendste Zeit für unsere Persönlichkeit. Viele Fragen, die wir uns in der Gegenwart stellen, finden ihre Antwort in unserem Heranwachsen. Die Vielzahl übermächtiger Gefühle im Damals sind oft Schlüssel für die Gegenwart. Von dieser schlichten Tatsache leben viele Tausend Therapeuten :-D Entsprechend wohl fühlt sich die „Pimmelburg“ im „Coming of Age“-Genre.

tredition: Ihr Buch in 5 Sätzen zusammengefasst?

müller: Auch nach mehr als 25 Jahren als Autor bin ich ein lausiger Pitcher. Ich versuch’s trotzdem mal: Wenn man – wie Heldin Sami – fast 16 ist und keinen Bock hat auf Menschen und ihre Erwartungshaltungen und Bewertungsmuster, dann sollte man nicht in Urlaub fahren. Schon gar nicht mit der Familie. Und am allerwenigsten in ein FKK-Dorf voller Spießer. Leider hat Sami keine Wahl, und so macht sie die Ferien auf der Pimmel-Plantage zu ihrem persönlichen, pubertären und höchst unterhaltsamen Selbstbehauptungskurs. Tod, Wiederauferstehung und Happy End inklusive.

Stefan Müller Interview

Stefan Müller Pimmelburg

8. Vom Schreiben und Deadlines

tredition: Hat Ihnen das Schreiben Spaß gemacht?

müller: Schreiben ist meine absolute Lieblingsbeschäftigung. Neben Trommeln und Sport. Es ist bei allen drei Dingen fast dasselbe Gefühl, in den Flow zu kommen. Und bei allen drei Dingen gefällt mir besonders der Dialog: Ich liebe meine Bandkollegen, allen voran meinen Bruder am Bass – mit ihm und anderen über die Musik zu kommunizieren eröffnet größere Räume als manche Realität. Und so geht´s mir auch beim Schreiben: Dialoge können so viel Spaß machen, dass ich beim Schreiben heule oder lache. Und nicht selten beides gleichzeitig. Da ich meist in Cafés schreibe, ist das oft irritierend für andere Gäste. Ich selbst bekomm das zum Glück aber selten mit :-D #dissoziation

tredition: Worauf hätten Sie beim Schreiben lieber verzichtet? Was liegt Ihnen besonders?

müller: Ich verzichte beim Schreiben gern auf äußeren Druck wie Deadlines, entsprechend hab ich die „Pimmelburg“ so geplant, dass tredition sie im Sommer 2019 veröffentlicht. Das hat mit allen Absprachen gut funktioniert und zeigt einmal mehr, wie wertvoll eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Verlag ist.

Tja, und auf die andere Frage weiß ich keine wirkliche Antwort. Vielleicht habe ich vor allem ein Talent dafür, mir Menschen zu suchen, die mir bei den Dingen helfen, die ich selbst nicht kann. Das gilt bestimmt für die Pressearbeit (danke, Arjan Offermann, danke, Nadine Otto-de Giovanni von tredition!!), aber auch für das Cover und die Pimmelbilder. Dafür hab ich mir schon frühzeitig – noch in der Überarbeitungsphase – die Kreativkraft von Mela Holcomb gesichert.

tredition: Welche Rückmeldungen haben Sie bisher von Lesern auf Ihr Buch erhalten? Was war die schönste Rückmeldung bislang?

müller: Mir waren die Rückmeldungen meiner Testleser*innen im Vorfeld sehr wichtig. Und die meiner Testhörerin. Dazu bin ich mit meiner Frau zum Campen an die Schlei gefahren und hab ihr abends die „Pimmelburg“ vorgelesen. Komplett. Und mit – stümperhaft – verstellten Stimmen. Ihr Lachen – an den richtigen und falschen Stellen – war die schönste und wichtigste Rückmeldung. Als meine Frau die „Pimmelburg“ abgenickt hatte, ging das Manuskript an sechs Testleser*innen. Die Rückmeldungen haben mir das letzte Selbstvertrauen gegeben. Anschließend hab ich nur ein paar Stellen gekürzt, und das war‘s. Die „Pimmelburg“ war geboren.

9. Müllers Weg zu tredition

tredition: Haben es Autoren heutzutage schwerer, weil immer weniger Menschen zum Buch greifen? Wie wird sich Ihrer Meinung der Buchmarkt in den nächsten Jahren entwickeln?

müller: Diese Frage stellen wir uns beim Fernsehen seit vielen Jahren. Wird es diese Programmvielfalt in der vorliegenden Form in 10 Jahren überhaupt noch geben? Ich denke: Ja klar, nur anders. Und ich bin gespannt drauf!

Gleichzeitig bin ich begeistert, wie stark sich der Selfpublisher-Markt entwickelt, wie viel Selbstbewusstsein in diesem Bereich entsteht. Einfach, weil es auch jenseits von Dan Brown und Sebastian Fitzek spannende, gut recherchierte, mitreißend geschriebene Literatur gibt, die nicht auf den Majordeal oder den ungebrochenen Krimi-Hype setzt, sondern auf die künstlerische Selbstbestimmung.

tredition: Wie sind Sie zum Self-Publishing gekommen? Und was oder wer hat Sie genau zu tredition gebracht?

müller: Die Gewissheit, dass mein Roman „Pimmelburg“ heißen wird, war schon nach den ersten Arbeitsschritten klar. Und auch die Gewissheit, dass Heldin Sami – auch sprachlich – ihren ganz eigenen, sehr kreativen Weg gehen wird, wenn es darum geht, sich mit ihrer größten Angst zu konfrontieren. Da waren plötzlich so viele Pimmel im Spiel, dass mir klar war: Diesen Weg wird kein etablierter Verlag mit mir gehen. Wo die Angst regiert, ist kein Mut für unkonventionelle Lösungen. Und für Pimmel schon gar nicht. Nicht im Wort und noch weniger im Bild.

Auch mit den ersten Erzählversuchen aus Samis Perspektive wurde mir immer klarer, dass sie kein Hanni & Nanni-Deutsch sprechen wird, sondern klare Sprache mit klarer Haltung verbindet.

Stefan Müller Pimmelburg

Stefan Müller Pimmelburg

10. Das nächste Projekt?

tredition: Aber ist nicht genau das der Reiz dieser Erzählperspektive?

müller: Für uns beide vielleicht schon. Aber kein konventioneller Lektor hätte gesagt: „Klar, müller, lass Sami so sprechen. Es ist ja nicht Tabubruch genug, dass du alter Sack aus der Perspektive einer 15jährigen erzählen willst. Und guck mal, ob du irgendwo noch mehr Pimmel einbinden kannst… und sie vielleicht tausendmal häufiger „Scheiße“ sagen lässt.“

Als also feststand, dass ich bei einem Selfpublisher-Verlag veröffentliche, musste ich nur noch den besten finden. Und dafür bin ich vor einigen Jahren nach Frankfurt auf die Buchmesse gefahren, hab mit meiner Frau verschiedene Seminare und Vorträge in der SP-Halle gebucht und für mich schnell erkannt, dass tredition der Verlag ist, der mich am nachhaltigsten anspricht. In solchen Situationen check ich immer: Wer spricht am leisesten? Das sind für mich immer die überzeugendsten Menschen.

tredition: Sie haben berichtet, dass Sie an einem weiteren Buch sitzen? Worauf dürfen sich Ihre Leser*Innen freuen? Wieder etwas zum Lachen oder wird es ernster?

müller: Ohne meinem „Werk“ zu weit vorauszueilen, kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass es mir Spaß machen könnte, etwas zu schreiben, das nicht in bestimmten Momenten auch witzig, zumindest aber unterhaltsam ist. Ich habe im Studium mit Begeisterung Schiller & Goethe, Musil & Mann, Heidegger & Habermas gelesen. Schreiben kann ich so was nicht. Meine Leidenschaft ist es, ernste und essentielle Dinge leicht daherkommen zu lassen. Ich lese so was selbst am liebsten. Und ich schreibe ja zu allererst zu meiner eigenen Unterhaltung. Und weil ich meine Frau zum Lachen und zum Heulen bringen will.

Entsprechend werden die nächsten beiden Romane wieder „Coming of Age“-Geschichten mit magischen Momenten sein. Dann steht ein „erwachsener“ Roman auf meinem Zettel, an dem ich seit fast 20 Jahren schreibe – und der seit fast zehn Jahren „so gut wie“ fertig ist. Und zwischendrin schreibe ich bestimmt auch noch das ein oder andere mit meiner Frau. Und fürs TV.

tredition: Lieber Herr Müller, wir danken Ihnen für das Gespräch!

müller: Warum plötzlich so förmlich? Du darfst gern weiter müller zu mir sagen. Es war mir eine Ehre, vielen Dank!

Über den Autor

müller lebt seit zwei Dutzend Jahren als TV-Autor in Köln und schreibt/schrieb u.a. für die „heute-show“, „Mitternachtsspitzen“, „Schlag den Raab“, die „Harald Schmidt-Show“ u.v.m. Er verfasst außerdem Sachbücher, Satire- und Kabarettprogramme oder Hörspiel-Serien. Und Romane. Meist mit seiner Frau, zum Beispiel die Romanreihe „Viertelherz“.
Der Roman „Pimmelburg“ ist sein Solo-Debüt.
Weiter Infos unter www.antagonisten.de