Stephanie Arndt – Vollblut-Self-Publisherin von Verlagen umworben

Bild: Stephanie Arndt und ihr Hauspferd Nasar Foto: Holde Schneider

Bild: Stephanie Arndt und ihr freches Hauspferd Nasar werden von namhaften Verlagen umworben.
Foto: Holde Schneider

Die Stürme „Christian“ und „Xaver“ haben das Leben von Stephanie Arndt aus Schleswig-Holstein und des jungen Araberpferdes Nasar schlagartig verändert. Aus Angst vor dem Orkan ließ Stephanie Arndt ihr Pferd Nasar Ende 2013  in ihr Haus. Seitdem leben beide, Stephanie Arndt, die Pippi Langstrumpf des 21. Jahrhunderts, und das Araberpferd Nasar unter einem Dach. Ihr Erstlingswerk über die Abenteuer mit „Nasar“ hat sich zum wahren Bucherfolg gemausert, der auch einige namhafte Verlage auf die Self-Publisherin Stephanie Arndt gelenkt hat – ohne Erfolg. Die Vollblut-Self-Publisherin schätzt ihre Freiheit und die Eigenbestimmung bei der Veröffentlichung ihrer tierisch unterhaltsamen Bücher. Inzwischen sind Autorin und Pferd nach Spanien umgezogen – und leben auch dort unter einem Dach.

In einem packenden Interview mit der von Verlagen umworbenen Self-Publisherin mit Herz erfahren wir, wie es ihr und Nasar nach dem umwerfenden Bucherfolg ergangen ist, was sie am Self-Publishing schätzt – und alles über den aktuellen zweiten Teil von „Nasar“.

 

„Nach der Veröffentlichung bekam ich Angebote von Verlagen! Aber ich habe keinen Mehrwert gesehen! Ich liebe meine Freiheit!“

tredition: Frau Arndt, Sie haben gerade den Folgeband von „Nasar“ vorgelegt. Wie kam es zum zweiten Teil?

Stephanie Arndt: Bei uns ereignen sich kuriose Dinge ja quasi im Sekundentakt, da war ein zweiter Teil der „Nasar-Story“ die logische Konsequenz. Die Menschen haben so viel Freude an Nasar, das war die Motivation zum zweiten Band.

 

Nasar von Dr. Stephanie Arndt

Bild: Die Neuerscheinung „Hauspferd Nasar – Glück ist selbstgebacken“ von Dr. Stephanie Arndt. Foto: Holde Schneider

tredition: Das erste Buch war bereits ein Riesenerfolg. Nasar hat schon einen richtigen Fanclub oder?

Stephanie Arndt

Bild: Stephanie Arndt und Nasar haben wegen bei ihrer wahren Erfolgsstory gut lachen. Foto: Holde Schneider

Stephanie Arndt: Ja, das stimmt. Wir bekommen viel (elektronische) Post, auch aus dem Ausland. Sehr, sehr nette Zuschriften. Ich versuche auch immer alles zu beantworten. Aber ich brauche schon in letzter Zeit immer 1-2 Stunden am Tag dazu. Weil wir Nasar’s neuen LKW eigentlich hier in Spanien gar nicht gebrauchen können, habe ich ihn zum Verkauf angeboten. Ich bekam sofort ganz viele Anfragen. Erst war ich verwundert, dass so viele Menschen den LKW kaufen wollten. Es stellte sich heraus: Es war alles Fan-Post …

 

tredition: Auf dem Coverbild kochen Sie beide zusammen, was ist das Lieblingsgericht von Nasar?

Stephanie Arndt: Backen mag Nasar sehr gerne, obwohl es ihm dort primär um das Teignaschen geht. Aber auch die Plätzchen isst er gerne. Nasar isst eigentlich alles. Die Restmülltonne hätte ich abbestellen können. Hier in Spanien hat Nasar für sich die Paella entdeckt und er trinkt gerne morgens nach dem Frühstück ein Glas frischen Aprikosensaft. Und natürlich Olivenöl. Wir haben hier unser eigenes Olivenöl, das kann man nicht vergleichen mit den Ölen aus dem Supermarkt in Deutschland. Nasar schleckert hier jeden Tag Olivenöl, manchmal mit einer Priese Meersalz. Hauspferd eben …

Wer aber auch mal gerne für sein Pferd backen möchte, für den haben Nasar und ich eine Backmischung entworfen, Näheres auch bei uns auf der Homepage.

 

tredition: Sie wurden schon von großen Verlagsnamen angeworben. Wie sind die Verlage an Sie herangetreten und was raten Sie anderen Autoren?

Nasar mit Keks

Bild: Nasar hat bei Stephanie Arndt gut lachen! Foto: Holde Schneider

Stephanie Arndt: Der Kontakt kam über so eine Art Talent-Scouts zustande. Ich wurde dann angeschrieben über Email oder direkt angerufen. Es ist sicherlich immer sinnvoll, sich die Angebote einmal vorstellen zu lassen. Wenn es dann zum Vertrag kommt, sollte man für sich prüfen und abwägen, wo die Chancen und Risiken liegen. Es hängt sicherlich auch immer davon ab, welche Ziele man hat. Einen Vertrag bei einem renommierten Verlag zu bekommen, kann schon ein Sprungbrett für einen Autor darstellen. Kann.

Bei mir ist es so, dass ich konkrete Vorstellung habe über mein Buch, z. B. auch ob Bilder erscheinen, wie viele und wo die platziert werden. Bei dem Nasarbuch gibt es natürlich auch Text, aber die Bilder bereichern das Buch eben auch. Mir war es auch wichtig, die Rechte an Nasar nicht zu verlieren. Auch die Präsentation der „Marke Nasar“ ist mir wichtig und das lasse ich mir ungern komplett aus der Hand nehmen. Auch möchte ich keine Verpflichtungen eingehen, solange Nasar dazu Lust hat, machen wir das. Wenn er keine Lust mehr hat, würde ich sofort damit aufhören. Unterstützung bei dem Lektorat hatte ich natürlich auch und war sehr zufrieden. Dafür müsste ich auch nicht bei einem großen Verlag unterschreiben, das kann man selber organisieren und bei der Gelegenheit auch gleich auswählen, mit wem man zusammenarbeiten möchte. Ideen und Inspiration finde ich bei Nasar, auch hier hilft mir ein großer Verlag nicht weiter.

 

tredition: Warum habe Sie sich für die Veröffentlichung über tredition entschieden?

Bei meinem ersten Buch hatte ich den Tipp von einer Druckerei erhalten. Ich recherchierte daraufhin im Internet und entschied mich für tredtion. An dieser Stelle muss ich betonen, dass ich gar keine Vorkenntnisse hatte, mich nicht mit anderen Autoren ausgetauscht hatte, sondern mich zu dem ersten Buch habe überreden lassen und auch vom Selfpublishing keine Ahnung hatte. Ich bin zum tredition-Verlag also mehr zufällig gekommen. Gleich nach der Veröffentlichung von dem ersten Buch bekam ich Angebote von anderen Verlagen, die mich als Autorin unter Vertrag nehmen wollten. Ich hielt das zunächst für einen Scherz. Dann begriff ich, dass das tatsächlich ernst gemeint war.

Nasar auf Freiersfüßen

Bild: Stephanie Arndt mit zwei Prachtexemplaren. Foto: Holde Schneider

Ich entschied mich für den Ullstein-Verlag und unterschrieb einen Autorenvertrag. Nachdem alles etwas „gesackt“ war, fragte ich mich nach dem Mehrwert für die Leser und auch für mich. Ich konnte ihn nicht finden. Beim trediton-Verlag fühle ich mich sehr wohl, ich kann jederzeit anrufen und finde immer ein offenes Ohr, bekomme tolle Unterstützung bei der Medienarbeit und ich kann als Autor das Buch so schreiben, wie ich das will. Volle Freiheiten und trotzdem nie allein. Das ist für mich perfekt. Mir macht es auch Spaß, alle Prozessschritte der Buchentstehung (und das sind viele!) gestalten zu können. Man lernt sehr viel und ist dann auch gesamtverantwortlich. Ich bat den Ullstein-Verlag dann um eine Vertragsauflösung und bekam darauf hin erst einmal ein neues, verbessertes Vertragsangebot. Aber ich entschied mich dagegen und veröffentliche wieder bei tredition. Ich möchte aber an dieser Stelle betonen, dass der Ullstein-Verlag ein sehr seriöser Verlag ist und absolut korrekt mir gegenüber war. Ich sah aber irgendwie nicht den Vorteil und ich liebe meine Freiheit.

tredition: In Ihrem Buch beschreiben Sie auch Nasars Suche nach einer Pferdepartnerin – eine herrlich unterhaltsame Geschichte, bei der wir Tränen gelacht haben. Sind beide noch zusammen?

Stephanie Arndt: Nein, die Flitterwochen dauerten drei Tage, dann war es aus. Nasar wollte wieder ins Haus. Es war nichts zu machen. Ich habe es mir monatelang angeschaut. Nasar interessiert sich einfach nicht ernsthaft für andere Pferde. Egal ob männlich oder weiblich. Seine Ex-Frau lebt jetzt auf einem anderen Hof mit richtigen Pferden zusammen.

 

tredition: Sie leben inzwischen beide in Spanien. Haben Sie die Entscheidung nie bereut? Geht es irgendwann zurück in die Heimat?

Nasar in Spanien

Bild: Stephanie Arndt und Nasar unter der Sonne Spaniens. Foto: Patrick Lux

Stephanie Arndt: Wir haben offiziell unseren ersten Wohnsitz noch in Deutschland. Ich bin in Deutschland u. a. auch Landwirt und habe hier in Spanien rund 50 ha Oliven, Mandeln und Wein-Produktion, die ich gerne noch ausbauen möchte. Alles voll ökologisch. Insofern bin ich eine Art EU-Landwirt, derzeit verstärkt in Spanien tätig. Sicherlich war die Spanien-Reise schon ein Schritt. Ich habe es aber nicht bereut. Man lernt so viel. Über Land, Menschen, Kultur. Natürlich auch sprachlich. Die meisten Spanier sprechen nur Spanisch und hier in Katalonien noch Katalan. Zuweilen sollte man unbedingt reisen, um den Horizont zu erweitern. Ich hinterfragen gerne, ob meine Referenzpunkte noch aktuell sind. Das halte ich für immens wichtig. Man selber verändert sich und die Welt um einen herum allemal. Atemberaubend schnell. Wie lange ich das Experiment Spanien lebe, weiß ich noch nicht, das wird die Zeit zeigen. Ob es dann zurück geht in die Heimat? Vielleicht definiere ich nach der Spanienzeit Heimat anders? Oft denke ich, dass man das nicht so streng trennen sollte. Man kann an vielen Stellen zu Hause sein. Genau so, wie man viele Berufe haben kann. Das Leben ist nicht nur schwarz oder weiß. Gerade das „Grau“ macht für mich den Reiz aus. Den Tieren gefällt es in jedem Falle hier in Spanien super. Immer Sonne, keine nassen Hufe bzw. Pfoten und Freiheit pur. Keine Leine, kein Halsband bzw. Halfter und keine Einzäunung. Es wird schwer werden, für die Tiere etwas adäquates Neues zu finden.

 

tredition: Wie geht Ihr Umfeld mit Ihrem Erfolg um? Gibt es Neider?

Nasar im Haus

Bild: Nasar fühlt sich bei Stephanie Arndt zuhause pudel- oder „pferde“-wohl. Foto: Patrick Lux

Stephanie Arndt: Das ist eine interessante Frage, die habe ich mir eigentlich noch nie gestellt. Bei mir ist das Umfeld eigentlich auch geteilt, das liegt an meinen verschiedenen beruflichen Aktivitäten. In meinem beruflichen Umfeld wissen einige gar nichts von Nasar, die kennen mich nur von der beruflichen Arbeit, dort werden manchmal sämtliche private Sachen außen vor gelassen. In dem beruflichen Umfeld, wo Nasar bekannt ist, wäre es sicherlich nicht passend von Neid zu sprechen. Es ist eher eine nette Anekdote am Rand. In meinem ganz privaten Umfeld kennen natürlich alle Nasar „live und in Farbe“ wie er durch das Haus streift und habe Freude an ihm und seinen Geschichten. Hier gibt es auch keine Neider.

 

tredition: Wie gehen Sie bei Ihrem neuen Buch an das Marketing heran?

Stephanie Arndt: Ich habe beim tedition-Verlag angerufen. 🙂

Einige Journalisten hatten mich im Vorfelde darauf angesprochen und gebeten, Ihnen ein Exemplar zu schicken, weil sie eine Buchvorstellung planen. In der Vergangenheit haben sich die Medienvertreter eigentlich immer bei uns gemeldet, möglicherweise ist es jetzt auch wieder so. Außerdem würde ich gerne wieder einige Lesungen machen. Auf der Lesung präsentiere ich dann auch immer private Bilder von uns und „plaudere aus dem Nähkästchen“ über Nasar. Gerne würde ich auch mal so eine richtige Tour machen, natürlich mit Nasar, um möglichst viele Menschen direkt zu erreichen.

 

tredition: Natürlich wird es hoffentlich für alle Nasar-Fans einen dritten Teil geben, oder?

Stephanie Arndt und Nasar

Bild: Unter der Sonne Spaniens lässt sich ein Drink auch zu zweit gut schmecken. Foto: Marianne Lins, Flensburg

Stephanie Arndt: Ja klar! Ich habe schon mit der Photographin gesprochen, die auch das Titelbild von Band II gemacht hat (Holde Schneider) und habe den Oktober/November als ersten Termin für Photos für Band III ins Auge gefasst.

 

tredition: Gibt es einen essentiellen Tipp, den Sie gerne zukünftigen Schriftstellern weitergeben möchten?

Stephanie Arndt: Ich denke, es ist wie in jedem Bereich im Leben: Man sollte die Sache gerne machen, dann macht man sie auch gut. Am Anfang wäre es bestimmt hilfreich, über Themen zu schreiben, zu denen man eine Beziehung hat oder schon viel erlebt hat. Beispielsweise bot es sich bei mir an, über Nasar im Haus zu schreiben, weil er dort ja seit dem Orkan jeden Tag steht und soviel Inhalt liefert, dass man wahrscheinlich auch 24 Stunden am Tag eine Kamera laufen lassen und ungeschnitten senden kann … Weiterhin vielleicht auch ratsam, erste Texte Freunden und Bekannten zu präsentieren und um ehrliches Feedback zu bitten. Auch der Schreibstil entwickelt sich mit der Zeit. Ich erinnere mich noch gut als ich bei meinem ersten Studiengang meine Promotion schrieb. Ganz stolz gab ich die ersten Seiten ab. Mein Doktorvater hat aus vier Seiten nicht mal eine Seite gemacht. Alle Füllwörter und Sätze, die Inhalt nur wiederholten, rigoros weggestrichen. Seitdem schreibe ich kurze Sätze und meide Füllwörter.

 

tredition: Liebe Frau Arndt, wir danken Ihnen herzlich für das „tierisch“ unterhaltsame Gespräch und wünschen Ihnen und Nasar weiterhin alles Gute!

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