Susanne Fuß: Von Tom Hanks zur Romanidee inspiriert

Susanne-Fuss_WebWer möchte nicht einmal einem Hollywood-Star begegnen? Taxifahrer Herbert beschert zahlreichen seiner Kollegen dieses Vergnügen, indem er den US-Schauspieler Phil Clune für Fahrten vermittelt. Oder handelt es sich bei dem vermeintlichen Promi gar nicht um den echten Star? Wer es wissen will, sollte am besten gleich mit der Lektüre des heiter-rasanten Romans „Driving Phil Clune“ beginnen. Autorin Susanne Fuß berichtet im Interview, was Tom Hanks mit dem Buch zu tun hat und weshalb „Driving Phil Clune“ ursprünglich als Drehbuch vorlag.

 

tredition: Mit Driving Phil Clune haben Sie dieses Jahr ihren ersten Roman veröffentlicht. Wie ist bisher die Resonanz aus dem Bekanntenkreis und bei weiteren Lesern?
Susanne Fuß:
Die Resonanz war bislang ausnahmslos gut bis sehr gut. Natürlich muss man immer einige Abstriche machen, denn der Freundes- und Bekanntenkreis steht einem Werk „aus den eigenen Reihen“ natürlich besonders wohlwollend gegenüber. Umso mehr hat es mich gefreut, dass auch die Resonanz durch Presse und (mir zuvor unbekannte) Blogger recht positiv war. Natürlich war auch die Kür zum Buch des Monats Juni durch tredition und die Nominierung zum Amazon-Autorenpreis eine willkommene Bestätigung.

tredition: Wie kamen Sie auf die Idee zu dem amüsanten, an ein „Road Movie“ erinnernden Roman?
Susanne Fuß:
Keimzelle war ein Interview mit Tom Hanks, das auch jetzt noch auf You Tube abrufbar ist. Hanks berichtet von seinen Erfahrungen in Deutschland, insbesondere auf der „German autobahn“, ironisch, überzogen, aber auch treffend und ausgesprochen unterhaltsam. Ich lese mir immer gern die Kommentare zu den Clips durch. Dabei fiel mir auf, dass nahezu alle Kommentatoren aus Deutschland kommen. Die Deutschen sind natürlich interessiert zu erfahren, wie ein so prominenter Ausländer Deutschland und die Deutschen wahrnimmt. Man spürt in den Kommentaren mitunter eine gewisse Befriedigung, dass man dem großen US-Star doch etwas voraushat und sei es die Möglichkeit, schneller Auto zu fahren. Ich konnte mir den einen oder anderen Kommentator vorstellen, wie er von einer gemeinsame Autofahrt mit Hanks träumt, um ihm mal zu zeigen, wo wirklich der Hammer hängt! Und aus diesen Gedanken formte sich langsam die Figur Herberts, des Taxifahrers, heraus, dessen Fantasien durch das Interview beflügelt werden.

tredition: Haben Sie sich für die Anlage der einzelnen Charaktere von realen Vorbildern in Ihrem Umfeld inspirieren lassen?
Susanne Fuß:
Keiner der Charaktere ähnelt Menschen in meinem Umfeld, auch wenn es natürlich bei einzelnen Figuren Charakterzüge gibt, die ich teilweise an meinen Mitmenschen beobachtet habe.

Bild: Cover "Driving Phil Clune"tredition: Wie lange dauerte es, bis Sie den Roman von der ersten Idee bis zur letzten Zeile umgesetzt hatten?
Susanne Fuß:
„Driving Phil Clune“ ist in zwei Schritten entstanden – zunächst als Drehbuch, später als Roman. Da ich in der Drehbuchfassung statt Phil Clune Tom Hanks eingesetzt hatte, lag die Hürde einer Realisierung für die Filmproduktionsfirmen, die sich mit dem Stoff befasst haben, einfach zu hoch. Ich habe die Idee aber nicht aufgeben wollen und so aus dem Drehbuch einen Roman gemacht. In dieser Form musste ich aus rechtlichen Gründen Hanks durch eine fiktive Figur ersetzen. Da für diesen Stoff keine aufwändigen Recherchen vonnöten waren, habe ich das Drehbuch in ca. vier Monaten geschrieben. Das Umschreiben hat noch einmal fünf Monate in Anspruch genommen.

„Der Film erzählt eine Geschichte mit Bildern, der Roman mit Sprache.“

tredition: Als Drehbuchautorin verfügen Sie über einige Expertise im Schreiben. War dieser berufliche Hintergrund auch manchmal hinderlich, da ein Roman andere Vorgehensweisen erfordert als ein Drehbuch?
Susanne Fuß:
Nein. Ich bin von Hause aus Literaturwissenschaftlerin und dementsprechend sehr viel mehr mit Romanen vertraut als mit Drehbüchern, die ich ja erst seit 2012 schreibe. Das Drehbuch ist eine in viel stärkerem Maße reglementierte Erzählform als der Roman. Von daher ist die Umwandlung eines Romans in ein Drehbuch viel schwieriger als umgekehrt. Der handwerkliche Anteil im Plotaufbau und in der Anlage und Kombination von Charakteren steht im Drehbuch viel stärker im Vordergrund als im Roman, der in allen Bereichen größere Freiheiten erlaubt. Augenfälligstes Beispiel dafür ist, dass man einen Roman nicht in spätestens 90 oder 120 Minuten zu Ende gelesen haben sollte.

Der Aspekt, der beim Schreiben eines Romans viel stärker in den Vordergrund tritt, ist die Sprache. Der Film erzählt eine Geschichte mit Bildern, der Roman mit Sprache. Die einzigen Sprachanteile im Drehbuch, die man sehr bewusst und sorgfältig gestalten muss, sind die Dialoge. Alles andere kann man schmucklos und sachlich herunterschreiben. Wenn einmal ein Komma fehlt, ist das auch kein Beinbruch, da das Drehbuch lediglich eine Arbeitsgrundlage für den weiteren Schaffensprozess darstellt. In der sprachlichen Gestaltung der deskriptiven Passagen im Roman bestand dann auch für mich die größte Herausforderung.

Hinzu kommt das Element der Komik. Komik im Bild folgt anderen Gesetzmäßigkeiten als Komik in der Sprache. Versuchen Sie mal eine klassische Slapstick-Szene in Worte zu fassen, dann merken Sie, dass man bildhafte Komik nicht 1:1 in sprachliche Komik übertragen kann, ohne dass es zu Reibungsverlusten kommt. Slapstick lebt von der Gleichzeitigkeit der Geschehnisse und einem perfekten Timing. Das lässt sich sprachlich kaum abbilden. Auf der anderen Seite hat man über die Sprache zusätzliche Möglichkeiten, Komik zu erzeugen.

tredition: Weshalb haben Sie sich für Self-Publishing und speziell tredition entschieden?
Susanne Fuß:
Ich hatte mich im Vorfeld bemüht, einen großen Publikumsverlag für meinen Roman zu interessieren, hatte aber nach kurzer Zeit den Eindruck, dass die Verlage die eingesandten Werke nicht mehr wirklich prüfen. Da Geduld nicht gerade meine Stärke ist, habe ich das Klinkenputzen ziemlich schnell aufgegeben und mich für das Self-Publishing entschieden. tredition wurde mir von einem Lektor und einem Literaturagenten empfohlen. Überzeugt hat mich auch die Veröffentlichungsmöglichkeit von Printexemplaren. Die Mehrzahl der Leser bevorzugt weiterhin das gedruckte Buch, was sich in meinen Verkaufszahlen auch deutlich spiegelt. Von daher war die Entscheidung gegen die ausschließliche Veröffentlichung als e-Book absolut richtig.

„An Ideen für einen zweiten Roman fehlt es nicht.“

tredition: Mit welchen Maßnahmen werben Sie für Ihr Buch?
Susanne Fuß:
Das Marketing ist der Bereich des Self-Publishing, mit dem ich mich schwer tue. Ich habe zunächst den General-Anzeiger in Bonn angeschrieben, in dem dann auch ein schöner Artikel erschienen ist. Darüber hinaus gibt es aber meines Wissens keine Printmedien, die regelmäßig Unterhaltungsliteratur rezensieren. Dann kämpfe ich mich durch die Literaturbloggerlandschaft. Ich recherchiere Seiten, schaue mir die Inhalte und Vorlieben des jeweiligen Bloggers an und suche mir diejenigen heraus, die Interesse und Spaß an meinem Roman haben könnten, gegenüber Self-Publishern unvoreingenommen sind und Rezensionsanfragen nicht grundsätzlich ablehnen. Habe ich einen passenden Blogger gefunden, suche ich nach Anknüpfungspunkten auf seiner Seite, verschaffe mir einen Eindruck von Stil und Ton und versuche in meinem Anschreiben darauf einzugehen. Das ist alles recht zeitaufwändig und schlägt sich leider noch nicht in den Verkaufszahlen nieder. Die jüngste Maßnahme besteht im Ausrichten einer Leserunde bei Lovelybooks.

tredition: Darf sich die Leserschaft auf weitere Romane von Ihnen freuen?
Susanne Fuß:
Das hängt ein bisschen davon ab, wie erfolgreich sich „Driving Phil Clune“ verkauft und wie sich meine Auftragslage bei den Drehbüchern entwickelt. An Ideen fehlt es nicht…

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