Volle Kraft voraus in Richtung Digitalisierung – Digitaler Pionier Bert F. Hölscher im Portrait

Bert Hölscher

Bert F. Hölscher weist Unternehmen den Weg der Digitalen Transformation.

Bert F. Hölscher gehört zu den „Digitalen Pionieren“ in Deutschland. Bereits zu Beginn der 90er führte er den Otto-Konzern erfolgreich in das digitale Zeitalter. Nach vielen Jahren als Vorstandsmitglied in den Hochburgen der Digitalisierung im Silicon Valley sowie in Tel Aviv  gründete er 2007 seine eigene Innovationsberatung sowie das Innovationsnetzwerk „open-focus“. Hölscher, der in seiner langen Laufbahn Firmen wie BMW oder Axel Springer beim Übergang ins digitale Zeitalter begleitet hat, zeigt in seinem bei tredition verlegten Buch „Digitales Dilemma“ auf, wie etablierte Unternehmen den schwierigen, aber unvermeidlichen Weg der Digitalen Transformation erfolgreich bewerkstelligen können.

Mit dem Digital Transformation Framework stellt der Autor ein Vorgehensmodell vor, welches als Navigationssystem durch die einzelnen Phasen des Transformationsprozesses dient und Unternehmen schrittweise  zu einer ganzheitlichen Transformationsstrategie führt, ohne dabei jedoch die alten Werte vollkommen aus dem Blick zu verlieren. Hölschers Buch „Digitales Dilemma“ wurde im September vom tredition-Team zum „Buch des Monats“ gekürt.

Die Digitale Transformation benötigt eine ganzheitliche Sicht auf die verschiedenen Facetten der Digitalisierung.

Die tredition-Redaktion hat Bert F. Hölscher aus diesem Grund zu einem anregenden Interview zu diesen Themen geladen.

tredition: Sie haben als Management Kosmopolit, digitaler Pionier und Innovationscoach den digitalen Wandel verschiedener großer Unternehmen wie der Otto Group, BMW oder Axel Springer mit begleitet, und alle Transformationen der Digitalisierung live miterlebt. Welche Umbrüche haben Sie persönlich als besonders drastisch, welche als besonders interessant empfunden?

Digitaler Pionier Bert F. Hölscher

Bereits zu Beginn der 90er Jahre führte Bert F. Hölscher den Otto-Konzern erfolgreich in das digitale Zeitalter.

Bert F. Hölscher: Bei der ersten Digitalisierungswelle Anfang der 90er Jahre galten wir alle ja noch als Exoten, wenn nicht sogar als Spinner. Innovation und die damit einhergehende Veränderung von Denken und Handeln flößen unseren Managern leider nach wie vor mehr Angst als Vision ein. Innovation und Gestaltungsgeist sind den deutschen Managern leider schon seit längerem als Tugend abhanden gekommen. Das liegt vielleicht auch nicht zuletzt an der vergleichsweise guten Position vieler deutscher Unternehmen im internationalen Wettbewerb. Der deutsche Manager hat sich daher zunehmend auf das Verwalten und Bewahren des aktuellen Status Quo verlagert. Ausnahmen bestätigen bekanntermaßen die Regel. Für jede revolutionäre Idee braucht es einen Visionär an der Spitze eines Unternehmens, der an die Sache glaubt und sich auch gegen Widerstände durchsetzt. Ich hatte das Glück, mit unserem damaligen Vorstandschef Dr. Michael Otto einen solchen Menschen an meiner Seite zu haben. Das war für mich bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt meiner Karriere eine der wichtigsten Erkenntnisse und Lernerfahrungen.

tredition: Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf Ihre tägliche Arbeit?

Bert Hölscher beim Webinar

Bild: Bert F. Hölscher bei einem Vortrag von zur Digitalen Transformation im Staatstheater Karlsruhe.

Bert F. Hölscher: Ich beschäftige mich tagtäglich mit der Digitalisierung. Sei es im beruflichen Umfeld oder auch im Privaten. Vor einem halben Jahr haben wir mit Alexa einen neuen virtuellen Mitbewohner bekommen, der uns inzwischen bei den ganz alltäglichen Dingen unterstützt. Beruflich fühle ich mich manchmal wie ein Wanderprediger, der den Managern den Weg ins gelobte Land weist. Ich bin aber zutiefst davon überzeugt, dass Deutschland seine internationale Wettbewerbsfähigkeit nur dann aufrecht erhalten kann, wenn die Digitalisierung jetzt mit der nötigen Ernsthaftigkeit nach vorn getrieben wird.

Die Explosion der Möglichkeiten im Privaten sowie im Beruflichen durch die zunehmende Digitalisierung sind unvorstellbar groß und einfach faszinierend.

tredition: Was fasziniert Sie besonders an der Frage, wie digitale Prozesse auf unser Leben und unsere Umwelt Einfluss nehmen und diese wandeln?

Bert F. Hölscher: Dass die Dinge, die ich als Jugendlicher in Science Fiction Filmen gesehen habe, nunmehr in rasender Geschwindigkeit Realität werden. Autonomes Autofahren, ferngesteuerte Lieferdrohnen, sprachgesteuerte Helferlein. Die Explosion der Möglichkeiten im Privaten sowie im Beruflichen durch die zunehmende Digitalisierung sind unvorstellbar groß und einfach faszinierend.

Digitales Dilemma

Bild: Cover „Digitales Dilemma“ von Bert F. Hölscher

tredition: Sie haben Ihre Erkenntnisse in Ihrem Titel „Digitales Dilemma“ festgehalten, um Unternehmen eine Strategie an die Hand zu geben. Wie ist das Buch entstanden?

Digitale Transformation

Bild: Die digitale Transformation steht laut Hölscher in Unternehmen, aber auch in unserem täglichen Alltag im Mittelpunkt.

Bert F. Hölscher: Ehrlich gesagt, habe ich vor einigen Jahren festgestellt, dass ich in Sachen Digitalisierung inzwischen ganz schön abgehängt bin. Ich war lange Zeit ganz vorne dabei und plötzlich passierten ganz viel Dinge um mich herum, die ich kaum noch verstanden habe. Da habe ich mir gesagt, das kann so nicht sein und habe mich intensiv mit den verschiedenen Facetten der Digitalisierung beschäftigt. Irgendwann wurde mir bewusst, dass es vielen anderen Managern meiner Generation wohl genauso gehen muss und sie offensichtlich noch viel mehr im Reich der digitalen Möglichkeiten verloren sein müssen. Daraufhin wollte ich ein Buch schreiben, das die Manager meiner Generation leicht verständlich an die mitunter komplex anmutenden Themen der Digitalisierung heranführt. Zudem hatte ich in der Zwischenzeit ein Vorgehensmodell entwickelt, welches den Unternehmen hilft, strukturiert zu einer ganzheitlichen Transformationsstrategie zu finden und aus den Möglichkeiten der Digitalisierung Kapital zu schlagen.

tredition: Erklären Sie unseren Lesern noch einmal in Ihren Worten, was ist das „digitale Dilemma“ eigentlich genau?

3D-Version Digitales Dilemma

Bild: Das Digitale Dilemma besteht, dass sich vor allem deutsche Unternehmen durch Verschlankungsmaßnahmen hoch effizient aufgestellt haben. Effizienz und Standardisierung stehen Innovation und Agilität aber geradezu diametral entgegen.

Bert F. Hölscher: Worum es im eigentlichen Sinne bei der Digitalen Transformation geht, ist ein fundamentaler Umbau des bestehenden Geschäftsmodells. Es geht um nicht weniger als die Neuausrichtung, wenn nicht sogar die Neuerfindung der Art und Weise, wie wir denken und handeln, wie wir Produkte entwickeln und vermarkten, wie wir mit unseren Kunden kommunizieren und wie wir unsere Mitarbeiter befähigen, diesen Transformationsprozess aktiv mitzugestalten. Vor allem die deutschen Manager müssen erkennen, dass sie ihr bestehendes Geschäftsmodell von Grund auf renovieren müssen, obwohl sie damit – zumindest bislang – noch ganz erfolgreich unterwegs sind. Das Digitale Dilemma besteht nicht zuletzt darin, dass sich vor allem die deutschen Unternehmen in den letzten Jahrzehnten durch eine Vielzahl von Verschlankungsmaßnahmen und Restrukturierungsprogrammen hoch effizient aufgestellt haben. Dieses Effizienzstreben könnte für viele Unternehmen aber zum größten Stolperstein im digitalen Wettbewerb werden. Denn der Markt fordert zukünftig ein Höchstmaß an Flexibilisierung, sowohl auf der Produkt- als auch auf der Serviceseite. Effizienz und Standardisierung stehen den für den digitalen Wettbewerb so elementar wichtigen Faktoren wie Innovation und Agilität aber geradezu diametral entgegen.

Die Digitale Transformation benötigt eine ganzheitliche Sicht auf die verschiedenen Facetten der Digitalisierung.

tredition: Sie eröffnen Unternehmern in Ihrem Buch die richtige Strategie im Umgang mit Digitalisierung. Was sind kurz zusammengefasst die wichtigsten Erkenntnisse aus Ihrem Werk?

Bert F. Hölscher bei einem Messeauftritt

Bild: Bert F. Hölscher ist auch als Key Note Sprecher auf Messen unterwegs.

Bert F. Hölscher: Die Digitale Transformation benötigt eine ganzheitliche Sicht auf die verschiedenen Facetten der Digitalisierung. Vereinzelte, unabgestimmte Digitalisierungsprojekte ohne Gesamtkonzept werden als Insellösungen nicht den erhofften Erfolg bringen. Eine über alle Bereiche und Hierarchien abgestimmte Digitalisierungsstrategie in Verbindung mit einer begleitenden Kulturveränderung sind eine unverzichtbare Voraussetzung für einen erfolgreichen Transformationsprozess. Nicht alles werden die Unternehmen gleichzeitig stemmen können. Was Unternehmen brauchen, ist ein Navigationssystem, das ihnen hilft, die begrenzten Ressourcen in die richtigen Projekte zu lenken.

tredition: Was können Unternehmen in Ihrem Werk lernen und welche Mehrwerte gibt es in Ihrem Buch?


Bert F. Hölscher: Ein grundsätzliches Verständnis der Herausforderungen sowie Erfolgsfaktoren der Digitalen Transformation. Das Buch erläutert darüber hinaus auch für den Technologie-Laien die verschiedenen Digitalisierungstreiber wie Big Data, Social Media und das Internet der Dinge und trägt hoffentlich zu einem besseren Verständnis dieser Technologien im Gesamtkontext bei. Nicht zuletzt liefert das Buch einen in der Praxis erfolgreich erprobten Leitfaden zur Entwicklung einer ganzheitlichen Transformationsstrategie.

Es braucht einen inneren Wandlungsprozess, um Neuartiges nicht als Bedrohung sondern als Chance zur Verbesserung zu begreifen.

tredition: Ist Ihr Buch auch für Privatleute interessant?

Bert Hölscher Interview

Bild: Bert F. Hölscher beim Interview mit dem Radiosender badentv.

Bert F. Hölscher: Ja, denn die Digitalisierung betrifft uns ja in allen Lebenslagen. Parkassistenzsysteme oder mobile Bordkarten erleichtern ja bereits heute unser Leben auch im privaten Umfeld. Am Ende sind ja auch die Geschäftsleute, wenn sie zuhause angekommen sind, Privatleute. Ich würde mich freuen, wenn die Menschen die positiven Erfahrungen im privaten Umfeld auch mit in die Unternehmenswelt nehmen und eben auch dort für eine notwendige Innovation Sorge tragen.

tredition: Oftmals stehen wir der stetigen Beschleunigung durch den digitalen Wandel ohnmächtig gegenüber. Was würden Sie einem Menschen raten, der diesem Wandel eher skeptisch gegenübersteht, um dem täglichem Umgang mit dieser Entwicklung positiv anzugehen?

Bert F. Hölscher: Es braucht einen inneren Wandlungsprozess, um Neuartiges nicht als Bedrohung sondern als Chance zur Verbesserung zu begreifen. Der Menschheit ist es bislang noch nie gelungen, technologische Entwicklungen dauerhaft zu verhindern. Wer sich zum Teil der Lösung macht, wird die Früchte der Digitalisierung früher ernten als andere und sich besser in einer immer weiter digitalisierten Welt zurecht finden. Ein weiterer Rat – mein Buch lesen. Angst und Skepsis entstehen zu einem großen Teil aus Unkenntnis. Ein grundsätzliches Verständnis der Mechanismen einer digitalen Welt öffnet den Horizont und macht die Menschen offener für die kommenden Veränderungen.

tredition: Weshalb haben Sie sich bei Ihrem Buch für Self-Publishing entschieden?

Bert F. Hölscher: Bei der Veröffentlichung eines Buches zum Thema Digitalisierung erschien es mir nur konsequent, das Buch auch online über das sogenannte Self-Publishing zu verlegen. Darüber hinaus wollte ich die Erfahrung machen, ein Buchprojekt komplett, in all seinen Facetten kennenzulernen. Von der Gestaltung des Covers über den Buchsatz bis hin zur Vermarktung. Mit tredition wusste ich jederzeit einen kompetenten Partner an meiner Seite.

Wenn es gelingt, eine crowd-basierte Plattform aufzubauen, um Experten zu den verschiedenen Themen online in die Buchentwicklung einzubinden, werden traditionelle Verlage mehr und mehr ihre Existenzberechtigung verlieren.

Buch des Monats Hölscher Digitales Dilemma

Bild: Bert F. Hölscher wurde im September vom tredition-Team mit der Wahl zum „BUCH DES MONATS“ ausgezeichnet.

tredition: Wie schätzen Sie die Zukunft des Self-Publishing ein?

Bert F. Hölscher: Das Self-Publishing bietet einen unkomplizierten und kostengünstigen Einstieg in die Welt des Bücherschreibens. Es öffnet somit einer großen Zahl von Menschen die Möglichkeit Ihre Gedanken, Träume und Leidenschaften zu Papier zu bringen. Self-Publishing wird sich weiter entwickeln. Wenn es gelingt, eine crowd-basierte Plattform aufzubauen, um Experten zu den verschiedenen Themen online in die Buchentwicklung einzubinden, werden traditionelle Verlage mehr und mehr ihre Existenzberechtigung verlieren.

tredition: Wie kam es zu der Entscheidung für eine Veröffentlichung bei tredition?

Bert F. Hölscher: Nach einer ersten Online-Recherche gefiel mir der ganzheitliche Ansatz von tredition. Darüber hinaus überzeugten mich die vielfältigen Vermarktungsmöglichkeiten über tredition. Nach meinem ersten persönlichen Kontakt mit tredition war die Entscheidung gefallen.

tredition: Haben Sie vorab eine spezielle Marketingstrategie für Ihr Buch entwickelt?

Bert F. Hölscher: Nein. Zuerst wollte ich eigentlich nur ein Buch schreiben – ganz allein für mich. Dann kamen Kollegen und motivierten mich, das Buch professionell zu vermarkten. Wir haben dann einen umfangreichen Marketingplan entwickelt, den wir mit Hilfe von tredition und anderen Dienstleistern umgesetzt haben. Die Bemühungen haben sich gelohnt. Bereits am ersten Tag unserer Vermarktungskampagne wurde mein e-Book auf amazon fast dreitausend Mal runtergeladen.

tredition: Welche Maßnahmen gehen Sie konkret an und welche Aktivitäten halten Sie für besonders wirkungsvoll?

Bert F. Hölscher: Es ist wie immer – die Mischung macht’s. Wir haben ein breites Spektrum von Kampagnen entwickelt, sowohl offline als auch online. Darüber hinaus nutzen wir die Vielfalt der Social Media Kanäle und bieten kostenlose Webinare.

Bert Hölscher Autorenfoto

Bild: Nach dem Studium arbeitete er viele Jahre erfolgreich in zahlreichen Managementpositionen in den internationalen Standorten der Digitalisierung.

tredition: Haben Sie aufgrund der Kenntnisse aus Ihrer Branche besondere Tipps für angehende Autoren/innen?

Bert F. Hölscher: Nein, ich bin Ersttäter und als Autor noch ganz am Anfang des Lernprozesses. Es wäre zu früh, um gute Ratschläge zu verteilen. Das können andere sicher viel besser.

tredition: Planen Sie weitere Veröffentlichungen?

Bert F. Hölscher: Ja, als nächstes Projekt steht ein Kinderbuch gemeinsam mit meiner Tochter an. Die auf einer Fahrradtour aus der Not geborene Geschichte eines kleinen Polizisten fand ihre nie endende Fortsetzung in den allabendlichen Gutenachtgeschichten und wurde zum Dauerbrenner in unserem Kinderzimmer. Die Protagonisten wuchsen über die Jahre mit meiner Tochter mit und blieben somit immer aktuell und spannend. Über die Jahre müssen um die tausend Geschichten zusammen gekommen sein. Die wollen wir jetzt aufschreiben und mit Illustrationen meiner Tochter garnieren.

tredition: Lieber Herr Hölscher, wir danken für das spannende und und inspirierende Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg mit Ihrem Buch!

Über den Autor

Bert F. Hölscher
, Jahrgang 1965, wurde in Düsseldorf geboren und studierte an der Universität Köln Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik. Nach dem Studium arbeitete er viele Jahre erfolgreich in zahlreichen Managementpositionen in Europa, USA, dem Nahen Osten und Südostasien. Heute lebt er zusammen mit seiner Frau und Tochter in Hamburg.

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