Ghostwriter Till Hood

Bild: Till Hood wendet sich enttäuscht vom Wissenschaftsbetrieb der Arbeit als Ghostwriter zu und hat darüber ein Buch unter Pseudonym veröffentlicht.

Das Schreiben einer Abschlussarbeit wird für die meisten StudentInnen zum herausfordernden Unterfangen. Graue Haare sind dabei oft vorprogrammiert. Dabei gilt es, Nachforschungen anzustellen, die eigenen Thesen so zu formulieren, dass sie verstanden werden. Hat man die Schreibarbeit einmal geschafft, muss man sich auch noch Gedanken um Layout, den Aufbau des Textes, die Grammatik und vieles mehr machen. Klug und einmalig sollen die darin formulierten Inhalte obendrein sein. Nicht alle Menschen weisen sofort ein Talent zum Schreiben einer solch komplexen Arbeit auf. Alltagsstress und Zeitdruck tun ihr Übriges. Für viele StudentInnen gerät die Abschlussarbeit gar zu einem wahren Alptraum. Andere werfen ganz das Handtuch. Diese Quälerei muss nicht länger sein. In seinem Leitfaden „Abschlußarbeit für Strategen“ beschreibt Till Hood, der jahrelang als Ghostwriter gearbeitet hat, wie strategisch vorgegangen werden kann, um die Abschlussarbeit fast zu einem „Spaziergang“ zu machen. Auf unterhaltsame und humorvolle Art führt der tredition-Autor und Self-Publisher in die Arbeitsweise eines Ghostwriters ein und zeigt, wie man mit etwas Planung viel Arbeit, Zeit, Geld und viele Nerven sparen kann. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung als Ghostwriter und Coach im akademischen Bereich weiß Till Hood, worauf es ankommt und zeigt, wie Schreiben Spaß machen kann und keine Qual sein muss. Till Hood selbst studierte Literatur und Politik in Berlin. Nach dem Studium arbeitete er viele Jahre als freier Autor. Einen Teil seines Einkommens verdiente er als Schreibcoach und als Ghostwriter im Sachbuchbereich sowie im Bereich des akademischen Ghostwriting.  In unserem aktuellen Interview gewährt Till Hood einen Einblick in das Leben eines Ghostwriters, den wissenschaftlichen Betrieb und seine Buchveröffentlichung unter Pseudonym.

 

Erfahren Sie im Interview alles über:

  • Wie kam der Hochschulabsolvent Till Hood zur Tätigkeit als Ghostwriter und Buchautor
  • Die Veröffentlichung unter Pseudonym
  • Die wissenschaftliche Szene
  • Till Hoods Ratgeber zum wissenschaftlichen Schreiben
  • Till Hoods Weg zum Self-Publishing
  • Marketingwege mit Pseudonym

Das Interview

Wie kam der Hochschulabsolvent Till Hood zur Tätigkeit als Ghostwriter und Buchautor

Im Generellen geht es in der Wissenschaft nicht mehr darum, das Beste für die Menschheit herauszuholen, sondern es geht vor allem darum, wirtschaftlich das Beste herauszuholen. Ohne Linguistik etwa wären Google, Amazon und alle Geheimdienste dieser Welt aufgeschmissen.

tredition: Sie haben sich aus eigenen negativen Erfahrungen vom Wissenschaftsbetrieb abgewandt und haben als akademischer Ghostwriter und als Coach für das Erstellen wissenschaftlicher Arbeiten gearbeitet. Wie kam diese Enttäuschung zustande?

Till Hood Ghostwriter

Bild: Till Hood kam vom enttäuschten Studenten zur Arbeit des Ghostwriters.

Till Hood:  Oh, die Enttäuschung setzte schon relativ früh im Studium ein. Eigentlich bereits in der Zwischenprüfung, als ich sinnlose Fakten auswendig lernen musste, die dann abgefragt wurden. Das passte für mich nicht zusammen mit dem Studium der Literatur. Irgendwann bekam ich auch mal den Satz zu hören, dass man mit Idealismus kein Studium bestreiten kann. Das verstehe ich bis heute nicht. Für mich geht es, und dass nicht nur im Studium, ausschließlich um Idealismus, denn Ideale und Werte treiben uns an. Um es kurz zu machen: Nicht in jedem Einzelfall, aber im Generellen geht es für mich in der Wissenschaft nicht mehr darum, das Beste für die Menschheit herauszuholen, orientiert an Idealen wie Menschlichkeit und Gerechtigkeit, sondern es geht vor allem darum, wirtschaftlich das Beste herauszuholen. Die Universität und die Wissenschaft sind heutzutage größtenteils kein Hort mehr des freien, unabhängigen Denkens; sofern sie es überhaupt einmal gewesen sind. Aber heutzutage macht man nicht mal mehr einen Hehl daraus, dass es ausschließlich darum geht, nur die Art des Wissens zu fördern, welches in monetären Gewinn umgewandelt werden kann und (wirtschafts)systemstützend ist. Dabei geht es nicht um einzelne Fächer. Linguistik zum Beispiel ist enorm wichtig im Bereich der qualitativen und quantiativen Textanalyse. Ohne Linguistik  wären Google, Amazon und alle Geheimdienste dieser Welt aufgeschmissen. Oder Kulturwissenschaft: ohne die Kompetenz, kulturelle Codes lesen zu können, kannst du ein und dasselbe Produkt nicht in verschiedenen Kulturkreisen verhökern. Es geht somit nicht um die Fächer. Die werden sich immer weiter aufspalten und verzweigen. Aber alternative und vor allem kritische Themen werden immer stärker aus der Wissenschaft und der Universität gedrängt. Wer betreibt denn zum Beispiel in Deutschland Elitenforschung. Niemand. Auch in der Wissenschaft geht es fast ausschließlich nur noch um Wirtschaft, und das wird uns irgendwann brutal auf die Füße fallen.

tredition: Ist das Buch aus eigenen Erfahrungen mit wissenschaftlichem Schreiben entstanden oder wie sind Sie zum Buchautor geworden?

Till Hood: Ja, das Buch ist quasi die Quintessenz meiner Erfahrungen als Ghostwriter. Und das ich mit diesem Buch Autor wurde, war eher Zufall. Es ist nicht mein erstes Buch, aber es ist das erste veröffentlichte. Ich habe noch diverse Bücher in der Schublade. Und das soll jetzt keine Drohung sein.

 

Abschlußarbeit für Strategen - Tipps und Tricks eines Ghostwriters

Bild: Cover „Abschlußarbeit für Strategen – Tipps und Tricks eines Ghostwriters“ von Till Hood

Die Veröffentlichung unter Pseudonym

Aus dem negativen Image können negative Konsequenzen für den einzelnen Ghostwriter erwachsen.

tredition: Sie veröffentlichen unter Pseudonym, haben Sie Angst vor Konsequenzen bei Verwendung Ihres Klarnamens?

Till Hood: Ein klares Jein. Also direkt Angst habe ich nicht. In meinem persönlichen Umfeld hatte ich nie einen Hehl aus dieser Betätigung gemacht. Aber das Ghostwriting wird im kollektiven Bewusstsein eher als „Schmuddelarbeit“ wahrgenommen, obwohl es, und das ist wichtig zu erwähnen, eine seriöse Arbeit mit klaren Regeln ist, die in Deutschland auch nicht illegal ist, wobei es natürlich, wie in jeder Branche, schwarze Schafe gibt.

Pseudonym Till Hood

Bild: Till Hood will sich mit seinem Pseudonym dafür einsetzen, auf bestimmte Themen und Missstände aufmerksam zu machen.

Aber aus dem negativen Image können negative Konsequenzen für den einzelnen Ghostwriter erwachsen. Das will auch ich vermeiden, klar. Aber mein Pseudonym hat eher damit zu tun, dass ich dieses einsetzen möchte, um auf bestimmte Themen aufmerksam zu machen. Die eigene Person, und das Gegenteil kann man in der Literatur an vielen Beispielen wunderbar nachvollziehen, soll dem nicht im Wege stehen. Mein Pseudonym ist zwar kein sprechender Name, aber er öffnet ein bestimmtes Assoziationsspektrum. Damit möchte ich gerne spielen. Das Buch ist als Auftakt zu einer Reihe gedacht, die sich kritisch mit gesellschaftlichen Prozessen auseinandersetzt. So geht es im vorliegenden Leitfaden natürlich um Hilfestellungen für das akademische Schreiben an sich, aber es steckt eben auch relativ viel Kritik am bestehenden wissenschaftlichen und universitären System im Text.

Die wissenschaftliche Szene

Guttenberg hatte in Deutschland einen ganz anderen Effekt: Erst durch Guttenberg rutschte das Ghostwriting ins kollektive Bewusstsein.

tredition: Arbeiten Sie weiterhin als Ghostwriter? Wie halten Studenten nach Fällen wie Karl-Theodor zu Guttenberg und Co. die Balance zwischen wissenschaftlicher Arbeit und Fremdtexten?

Till Hood: Nein, ich arbeite nicht mehr als Ghostwriter. Ich habe das jahrelang gemacht. Irgendwann macht es keinen Spaß mehr, solche Texte zu schreiben. Es ist dann nur noch Routine oder anders: es ist dann eine andere Art der Fließbandarbeit. Ich konnte in Bezug auf das Handwerk nichts mehr lernen. Mein Wissen steckt jetzt in dem Leitfaden.

Und zur Balance kann ich nichts sagen. Das muss jeder Student mit sich selbst ausmachen. Ich glaube auch nicht, dass Guttenberg in dieser Hinsicht viel verändert hat. Das hat für mich eher mit dem Digitalen an sich zu tun. Das macht theoretisch das Plagiieren einfacher. In der Anfangszeit meines Studiums, als mein Rechner gefühlt noch 5 Minuten brauchte, um eine Internetseite aufzubauen, war man mit dem Selberschreiben einfach schneller. Heute gibt es Möglichkeiten, an fast alle Texte schnell kostenlos heranzukommen. Das haben die Studenten auch ohne Guttenberg registriert. Und aus einem digitalen PDF kannst du eben schneller kopieren als aus einem analogen Buch.

Ghostwriter-Till-Hood-Universität

Bild: Studenten stehen heutzutage unter enormen Druck. Da ist kein Platz für Zeit, Achtsamkeit, Individualität und tiefes Durchdringen von Gedanken.

Guttenberg hatte in Deutschland einen ganz anderen Effekt: das Ghostwriting als Dienstleistung ist durch die Decke gegangen. Erst durch Guttenberg rutschte das Ghostwriting ins kollektive Bewusstsein. Erst durch Guttenberg wurde den ganzen überforderten Bachelor- und Masterstudenten des Bologna-Prozesses deutlich, dass sich hier eine Möglichkeit bot, sich etwas Luft zu verschaffen. Auf der anderen Seite steht dann, und das macht die ganze Debatte über das Ghostwriting auch so verlogen, dass sich das ganze Ghostwriting in Luft auflösen würde, wenn es mehr Dozenten an den Unis und damit mehr Seminare und kleinere Arbeitsgruppen, weniger Zeitdruck und generell eine schwächere Ausrichtung auf Zensuren geben würde. Das Problem dabei ist natürlich: Das System, in dem auch die Uni agiert, verfolgt andere Ziele. Da ist kein Platz für Zeit, Achtsamkeit, Individualität und tiefes Durchdringen von Gedanken. Wie lautet doch gleich der Leitspruch unserer Welt: Zeit ist Geld.

Es ist ein Irrglaube, dass ausschließlich die „Dummen“ auf Ghostwriter zurückgreifen.

tredition: Ihr Buch ist gerade aus diesem Grund ein großer Erfolg! Studenten haben also heute zu wenig Zeit und greifen daher auf einen Ghostwriter zurück? Was ist Ihre Einschätzung zu der momentan wissenschaftlichen Szene?

Till Hood: Ja, wie ich es in der vorangegangenen Frage bereits andeutete: Die meisten Studenten haben heute definitiv zu wenig Zeit. Dieses Phänomen hat auch einen Grund, und der nennt sich Bologna-Prozeß. Die angestrebte EU-weite Vereinheitlichung der universitären Abschlüsse wird zwar als Erfolg beworben, hat aber extrem viele Nachteile. Hier könnte man jetzt viel erzählen, aber der für mich wichtigste Nachteil ist: Den Student*innen werden fast schon auf verschulte Art und Weise Wissensbrocken vermittelt, die in schneller Abfolge wechseln, und die sie pro Seminar in ebenfalls schneller Abfolge in Referat, Klausur und Hausarbeit wiederkäuen müssen. Sie hetzen durch’s Studium und haben dadurch überhaupt keine Möglichkeit, Informationen sacken zu lassen, tiefer zu durchdenken und Zusammenhänge mit weiter entfernteren Themen herzustellen. Die strategisch denkenden Student*innen greifen dann logischerweise auf Ghostwriter zurück. Es ist ein Irrglaube, dass ausschließlich die „Dummen“ auf Ghostwriter zurückgreifen. Natürlich gibt es auch die, aber in der Regel sind es eher die Cleveren, die das tun. Für mich gibt es drei Kategorien: die Strategen, die ganz klar den Mehrwert einer Schreibdienstleistung erkennen für ihre eigene Arbeitseffizienz. Die Schreibgehemmten, die fachlich top sind, aber Probleme mit dem Schreiben haben (und auch hier: die Unis verlangen hier etwas von den Studenten, das sie ihnen nicht beibringen). Und dann eben noch die „Dummen“, die fachlich sowie schriftlich so ihre Probleme haben. Die Letzteren stellen aber die deutlich kleinste der drei Gruppen dar.

tredition: Wird sich hieran zeitnah etwas ändern? Wie ist Ihre Prognose für die Zukunft der Wissenschaft?

Flyer Till Hood

Bild: Der Fyler zum Buch „Abschlußarbeit für Strategen“ von Till Hood.

Till Hood: Zukunftsprognosen sind immer schwierig. Vor allem für einen Optimisten wie mich. Aber ich sehe ein großes Problem in der Monetarisierung der Wissenschaft. Je mehr Wissenschaft und damit auch die wissenschaftliche Lehre abhängig ist von Wirtschaftsunternehmen (Stichworte: Einwerben von Drittmitteln, von Wirtschaftsunternehmen gesponserte Lehrstühle), je stärker die Exzellenzinitiative um sich greift und je weniger die Uni der Ort bleibt, an dem Lösungen für die wirklichen Probleme der Menschheit erarbeitet werden (Stichwort: nachhaltige Entwicklung), desto schwieriger wird es, die Freiheit und Unabhängigkeit der Wissenschaft aufrecht zu erhalten. Denn es ist immer derselbe Ablauf: Die Ausrichtung auf finanzielle Aspekte und auf die Bedürfnisse einer Elite hat immer die Torpedierung von Wahrheit zur Folge, die das (unerreichbare) Ziel wissenschaftlichen Arbeitens darstellt.

Till Hoods Ratgeber zum wissenschaftlichen Schreiben

tredition: Ist „Abschlußarbeit für Strategen – Tipps und Tricks eines Ghostwriters“ Ihr erstes Werk?

Till Hood: Das erste, dass der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Ich habe Literaturwissenschaft studiert. Da denkt man irgendwann: was die können, kann ich auch und versucht das zu beweisen. Ich sag mal so: Bisher war kein Verlag meiner Meinung.

tredition: Können Sie den Inhalt Ihres Buches in wenigen Sätzen zusammenfassen?

Till Hood: Ganz ehrlich? Der Titel sagt eigentlich alles: „Abschlußarbeit für Strategen. Tipps und Tricks eines Ghostwriters“

Ich stehe bei Amazon ziemlich gut da. Derzeit bin ich unter den Top 3, wenn man den wichtigsten Suchbegriff „Abschlussarbeit“ eingibt.

tredition: Welche Rückmeldungen haben Sie bisher von Lesern auf Ihr Buch erhalten?

Till Hood: Ich stehe bei Amazon ziemlich gut da. Derzeit bin ich unter den Top 3, wenn man den wichtigsten Suchbegriff „Abschlussarbeit“ eingibt. Platz 2 und 3 wechselt immer hin und her zwischen Umberto Eco und mir. Wer kann das schon von sich behaupten. Mit anderen Worten: das Buch wird schon angeklickt. Bisher habe ich 11 Bewertungen auf Amazon, mit einem Gesamtwert von 4,8 von möglichen 5 Punkten. Und die dazugehörigen Rezensionen finde ich sehr ansprechend. Ich weiß ja, dass das System funktioniert, nicht nur aus meiner eigenen Praxis. Ich habe ja auch als Coach gearbeitet und Leute mit Hilfe meines Systems betreut. Es funktioniert. Und es ist jetzt schön zu lesen, dass das System auch „angelesen“ werden kann, also ohne mich als direkten Mittler funktioniert. Jedenfalls lese ich das aus den Rezensionen heraus.

Und der nette Nebeneffekt: mein Anteil am Verkauf eines Exemplars ist dreimal höher als in einem normalen Verlag. Wie man sieht, habe auch ich was in diesem wirtschaftlich ausgerichteten System gelernt.

Till Hoods Weg zum Self-Publishing

tredition: Wie sind Sie zum Self-Publishing gekommen?

Till Hood Abschlußarbeit für Strategen auf Amazon

Bild: Till Hoods Abschlußarbeit für Strategen ist auf Amazon bestens platziert.

Till Hood: Das war ein langer Weg. In meinem Studium hatte ich relativ viel Kontakt zum und Einblick in den Literaturbetrieb. Bestimmte Dinge bei den etablierten Verlagen hatten mich schon immer gestört. Ich habe ein großes Problem damit, wenn man versucht, Literatur zu bewerten. Und im Endeffekt macht das jeder Verlag allein schon dadurch, dass er nur bestimmte Bücher veröffentlicht. Und dabei darf man nun nicht übersehen, dass Literatur nach wie vor in den Händen der (bildungs-)bürgerlichen Schicht liegt. Spätestens seit Bourdieu wissen wir, welche Macht im „Habitus“ einer sozialen Schicht steckt und wie sich soziales Kapital evolutionär von Generation zu Generation weiter vererbt. In der etablierten Literatur sind vor allem Themen vertreten, die für diese Schicht relevant sind. Da gibt es schon nette Analysen darüber. Und um mal auf die Frage zurückzukommen: die Veröffentlichung im Selbstverlag war für mich somit eine politische Entscheidung.

Und der nette Nebeneffekt: mein Anteil am Verkauf eines Exemplars ist dreimal höher als in einem normalen Verlag. Wie man sieht, habe auch ich was in diesem wirtschaftlich ausgerichteten System gelernt.

tredition: Und warum haben Sie sich gerade für tredition entschieden?

Till Hood: Das war die Akzeptanz, die tredition im Self-Publisher-Milieu erfährt. Ich versuche immer, mich mit der Meinung der Praktiker auseinander zu setzen. Die Praktiker scheinen ganz zufrieden mit tredition zu sein. Und ich als neu hinzu gekommener Praktiker bin ich es jetzt auch.

tredition: Haben Sie im Bereich Veröffentlichung besondere Tipps an andere Autoren?

Till Hood: Im Bereich der Veröffentlichung fällt es mir schwer, Tipps zu geben, da ich hier selbst eher dilettantisch unterwegs bin und vom Verlag unterstützt werde. Mein Vorteil ist einfach, dass ich ein Buch habe, dass eine Lücke füllt. Und das kann sofort am Titel erkannt werden. Also wenn ich einen Tipp abgeben müsste, wäre es wohl der, dass man die Lücke kennen sollte, die das Buch füllen könnte. Aus meiner Erfahrung als Literaturwissenschaftler, der sich auch viel mit Buchmessen und diesem ganzen Gedöns beschäftigt hat, würde ich auch sagen, dass es letztlich allen genau darum geht: das Alleinstellungsmerkmal des Buches, des Textes zu finden und genau das herauszustellen und zu vermarkten. Ich habe mir vor dem Schreiben relativ viele andere Leitfäden angesehen zu dem Thema, um zu schauen, wie die es machen. Erkenntnisse dieser Analyse habe ich dann mit meinem System und meiner Strategie abgeglichen und dann auf die Verstärkung des Alleinstellungsmerkmals des Buches hingearbeitet. Entscheidend war dann hier vor allem der Titel, in dem das Wort „Ghostwriter“ auftauchen musste. Wo ich daneben lag, jedenfalls bisher, war die Annahme, dass ich es mit einer stark handyaffinen Gruppe zu tun habe, bei der e-Books große Bedeutung haben. Ich bin davon ausgegangen, dass sich Ebooks am besten verkaufen. Dem ist aber bei weitem nicht so. Auch der Student von heute möchte eine Arbeitsanweisung am liebsten wohl anfassen können. Die Verkaufszahlen spiegeln das jedenfalls wider.

Aber abseits von diesem ganzen Marketing und weitaus basaler, ist wohl eher, dass das Buch, dass jedes Buch eine Herzensangelegenheit sein sollte. Etwas, was einem wichtig ist, wird man die Aufmerksamkeit zuteil werden lassen. Und ich bin ein Kritiker vieler Prozesse in dieser Gesellschaft und andererseits wollte ich geplagten Studentenseelen meine bescheidene Hilfe anbieten. Da kamen also ein paar Sachen zusammen. Für mich ist das Buch dadurch eine Runde Sache geworden.

Marketingwege als Autor mit Pseudonym

Platzierung Till Hood Abschlußarbeit

Bild: Till Hoods Buch wird auf Amazon auf Top 2 oder 3 gerankt, wenn man den Suchbegriff „Abschlussarbeit“ eingibt. Platz 2 und 3 wechselt zwischen Umberto Eco und dem tredition-Autor.

tredition: Was sind Ihre Erfahrungen im Bereich Marketing? Was können Sie anderen Autoren empfehlen, wenn es um Marketingmaßnahmen geht?

Till Hood: Wie gesagt, füllt mein Buch aus meiner Sicht eine Lücke. Das haben die Leser anscheinend ebenfalls so gesehen. Hinzu kommt, dass mein Zielpublikum relativ deutlich erkennbar und, wichtiger, gut erreichbar ist. Letztlich habe ich fast 2,8 Millionen potenzielle Abnehmer für mein Buch, denn fast jeder Student muss eine Abschlußarbeit schreiben. Und fast jeder dieser Studenten hat Bammel davor und sucht sich Hilfe. Das war in meiner Generation so und in denen davor und in denen danach. Ganz ehrlich? Zum Großteil habe ich mich darauf verlassen.

Natürlich habe ich in meinem persönlichen Umfeld „Werbung“ gemacht, weil hier auch noch einige existieren, die derzeit studieren. Ich habe aber auch Flyer in Postkartengröße gedruckt, die ich ab und zu mal irgendwo liegen lasse, wo sich Student*innen tummeln. Seit einem Jahr pflege ich einen Blog.

Worauf ich am Anfang noch geachtet habe, war der Preis. Wie gesagt, hatte ich mich mit anderen Leitfäden beschäftigt, eben auch mit den aktuellen, die auf Amazon verfügbar sind. Ich habe meinen Preis bei der Paperback-Version mit Absicht unter 10 EUR festgesetzt. Ich bin damit 4 EUR preiswerter als der nächste Konkurrenztitel. Ich kann es nicht beweisen, aber ich glaube, dass das bei dem Zielpublikum schon einen Effekt hat. Studenten wollen nicht so viel ausgeben. Und wenn sie dann zwischen zwei Büchern zum selben Thema wählen können, wählen sie das preiswertere. Und wenn das dann noch gut ist und ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal aufweist …

tredition: Welche weiteren Marketingstrategien haben Sie für Ihr Buch bereits vorgenommen? Gab es vorab einen Marketingplan?

Till Hood: Mit Hilfe von tredition, wo man ebenfalls auf den Erfolg meines Buches aufmerksam geworden ist, würde ich ganz gerne das ein oder andere Belegexemplar an Studentenzeitungen schicken, damit das Buch dort in entsprechenden Kategorien besprochen wird. Auch das ein oder andere spezielle Blog sollte beliefert werden.

Und mein Marketing-Plan sah ungefähr so aus: 1. Glaube daran, dass das Buch eine Lücke füllt, 2. das Alleinstellungsmerkmal herausarbeiten, 3. Mundpropaganda und Flyer 4. Soziale Medien, 5. Werbung bei Multiplikatoren.

tredition: Haben Sie weitere Buchprojekte geplant?

Till Hood: Definitiv ja. Der Leitfaden ist als Auftakt einer Reihe geplant. Ach, das könnte eventuell auch noch dem Marketing zugerechnet werden: Von vornherein war klar, dass dem Buch weitere folgen sollen, dass dies auch optisch anhand des Covers erkennbar sein, und dass dies auch anhand eines gemeinsamen Namens deutlich werden sollte. In diesem Falle ist das der Name der Reihe, der da lautet: „Circa Hundert Schwarze Seiten“. Die folgenden Bücher werden sich auch kritisch mit „Randthemen“ beschäftigen und sie werden nicht viel länger als hundert Seiten sein. Derzeit sitze ich an einem Buch über Betreuungskonzepte getrennter Paare und deren gesellschaftliche Hintergründe. Als nächstes bei tredition erscheinen wird allerdings ein Roman. Der ist schon fertig. Der wäre tatsächlich fast mal in einem Verlag veröffentlicht worden. Die Geschichte hatte allerdings den Nachteil, dass kurz vorher ein anderes Buch mit ähnlicher Geschichte veröffentlicht worden war. Das Thema war speziell, auf jeden Fall kein Mainstream, wo auch 10 Titel nebeneinander bestehen können, und damit war mein Buch in gewisser Weise „verbrannt“ bezogen auf Marketing und so weiter. Das Machwerk trägt den schönen Titel „Angepißt“. Da spielt übrigens auch ein Ghostwriter eine der Hauptrollen. Ich denke, dass ich das dieses Jahr noch bei tredition veröffentlichen werde. Auch unter der Reihe, aber wohl als „Circa Hundert Schwarze Seiten. Special Edition“.

tredition: Lieber Herr Hood, wir danken für das aufschlussreiche Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg mit „Abschlußarbeiten für Strategen“! 

Zahlen

Alle Fakten zum Thema Ghostwriter

ca. 500

Anzahl nebenberuflicher Ghostwriter

ca. 300

Anzahl hauptberuflicher Ghostwriter

ca. 50

Anzahl Ghostwriterfirmen

ca. 3500

Anzahl von geschriebenen Arbeiten im Jahr (Entwürfe für Haus-, Abschlussarbeiten, Dissertationen)

ca. 5 Millionen EUR

Umsatz der Branche

Über den Autor

Till Hood, 

Till Hoodenttäuscht vom Wissenschaftsbetrieb, wandte sich Till Hood der Selbständigkeit zu und arbeitete viele Jahren als akademischer Ghostwriter und als Coach für das Erstellen wissenschaftlicher Arbeiten. Daher weiß er nicht nur, wie das akademische Schreiben „funktioniert“, sondern er kennt auch das „Drumherum“, die institutionellen Fallstricke und die Schwachstellen des wissenschaftlichen Systems. Da er durchaus dem umfassenden (politischen) Denken nicht abgeneigt ist, ist es ihm eine Freude, das Teilsystem „Wissenschaft“ in das große Ganze unserer Welt einzuordnen und Verbindungen und Wechselbeziehungen zu anderen Teilsystemen aufzuzeigen. Seinem Stil eigen ist eine verständliche Sprache und eine große Portion Ironie, die bisweilen ins Sarkastische abzudriften droht.

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