"TRAUM – Sonette" von Achim Behme
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TRAUM – Sonette

Achim Behme
Lyrik & Poesie

Männer und Frauen und Kinder, Tiere und Pflanzen, der Mond und das Meer, Engel und andere Wesen müssen sich als Protagonisten der vorliegenden Gedichte in ganz alltäglichen Situationen bewähren, die sie meistern – oder auch nicht. So schlagen die Texte dieses Bandes eine Brücke zwischen der langen literarischen Tradition des Sonetts und unserer Gegenwart und erproben gleichzeitig die inhaltlichen und gestalterischen Möglichkeiten einer jahrhundertealten lyrischen Form.
 

Neuigkeiten

Achim Behme TRAUM

02.04.2021
 
Mit „Traum“, seinem zweiten Lyrikband, hat Achim Behme in 12 Abschnitten jeweils 24 Sonette vorgelegt, das macht – Moment, eins im Sinn … mal Pi … geteilt durch Null… – erstaunliche 288 Sonette, eine Anzahl, die zwischen den läppischen 154 von William Shakespeare und den angeberischen hunderttausend Milliarden von Raymond Queneau liegt. Alle Überschriften werden durch die Wendung „Von … und …“ sowie zwei Nomen gebildet, die meist noch durch eine Alliteration verbunden sind, sodass wir „Von Zähnen und Zähren“, „Von Lovern und Losern“ oder „Von Kerlen und Kumpeln“ lesen und das Inhaltsverzeichnis ein optisch ansprechend-übersichtliches Gesamtkunstwerk bildet. Formal betrachtet werden fast ausschließlich italienische Sonette verwendet; ganz selten findet sich einmal ein Shakespeare-Sonett oder der Autor erlaubt sich eine kleine Variation in der Anordnung der 14 Verse. Dagegen finden sich keine Ungenauigkeiten beim Metrum; vielmehr wird dieses wie auch der Endreim mit großer Virtuosität gehandhabt, wie es sich für die Formstrenge von Sonetten gebührt, sogar den lang gesuchten Reim auf „Mensch“ findet Behme en passant (S.257) und eine gelegentliche Reim-Schmutzerei am Ende eines Gedichtes wird bewusst eingesetzt, meist um das lyrische Ich zu desavouieren oder um einen Haufenreim – einen sehr großen Reimhaufen! –augenzwinkernd selbstironisch mit einem französischen Dichternamen zum halbwegs guten Ende zu führen (S.222).
Inhaltlich ist der Tonfall der Texte fast durchgängig humorvoll, der Humor kommt aber sehr unterschiedlich und stets passend zum vielfältigen Inhalt daher: So finden sich im Abschnitt „Von Fällen und Fakten“ eher limerickartige Schmunzelgedichte, der Witz im kulinarischen Kapitel „Von Tischen und Töpfen“ ist gargantuesk und grobianisch, während der Humor in den Naturgedichten „Von Blumen und Bäumen“ schwächer dosiert ist und dem Leser bei manchen Sonetten zu aktuellen Problemen wie Migration und Missbrauch in der Familie das Lachen im Halse steckenzubleiben droht. Damit ist bereits das breite Themenspektrum des Bandes angedeutet, das sich vom sadomasochistischen Sexualleben der Schnecken (S.100) über die vielfältigen Lust- und Liebesprobleme des Homo sapiens bis zum Altern und dem am Ende unvermeidlichen Auftreten des Sensenmannes erstreckt, der meist mit dem familiären Namen Freund Hein angesprochen wird: Langeweile kommt so bei der Lektüre niemals auf! Zwischendurch kann sich der Leser damit vergnügen, gelegentliche und unaufdringliche Anspielungen auf Texte von Claudius, Goethe, Schiller, Eichendorff, Benn, Paul Gerhardt oder Richard Wagner aufzuspüren. Lesenswert ist auch, wie von der Beobachtung von zwei simplen Rehen zu Mahlers „Sinfonie der Tausend“ übergeleitet wird (S. 116) …
Insgesamt ist der sprachvirtuose und immer wieder mit überraschenden Ideen und Reimen gespickte Band hervorragend geeignet, um sich zum Beispiel während eines Corona-Lockdowns die Zeit und die unvermeidlich schlechte Laune zu vertreiben; nimmt man für einen solchen die Länge von durchschnittlich 60 Tagen an und sich selbst vor, sich sparsamerweise täglich nur eines der Sonette zu Gemüte zu führen, so hat man einen Vorrat für, äh, drei im Sinn, geteilt durch Pi, mal Null…

Dr. Martin Pfennig