Paperback

Am Ende ist zu wenig Tag

Amelie Flow
Biografien & Erinnerungen, Romanhafte Biografien

Alles hat so schön angefangen. Flower-Power-Zeit 1969. Junge Frau, junger Mann lernen sich kennen. Freiheit pur – sowohl im Denken als auch in Taten. Die Welt erobern, leicht, frei. Rucksackreisen, Pläne schmieden, Partys feiern, leben. Später buntes Familienleben mit drei Kindern. Schwupp, plötzlich sind fast schlappe vierzig Jahre vergangen. Der Mann ist an einer neurologischen Erkrankung außer Gefecht gesetzt. Ein ganzes gelebtes Leben bricht zusammen. Nichts hat Bestand. Die Frau wird zum Spielball der neuen Situation: pflegen, Pflegesystem, Alleinkämpferin. Bis zum Ende.

Rezensionen

Ein selten bewegendes Buch!

Silvia Schwillo
★★★★★

Die Leichtigkeit des Stils, vereint mit der Schwere des Inhalts, stilisiert mit den Ausrufen und Fragen, rufen eine unstillbare Spannung hervor. Es nimmt mit und bringt Gänsehaut hervor – menschlicher und tiefgreifender als ein Krimi.
Wie die Vergegenwärtigung aus der Anfangszeit, die Familienzeit mit der zurückliegenden Leidenszeit ganz einfach und schlicht-elegant mit einem großen Sprung voller anknüpfender, entsprechender und wiederholender Fakten überwunden ist, zeugt von einer „Leser- affinen Intuition“.
Die Endlosschleife des Warten-müssens nimmt die Leserin empfindsam als Spannung beschleunigend wahr.
Die empfindsamen Gedichte bewusst versprengt, unterstreichen die Emotionalität und die vielseitige Einzigartigkeit des Erlebens und der Darstellung
Jede Empfindung, jeder Zweifel, jeder Selbstvorwurf, jede Wut, jede Reflexion ist authentisch, eindringlich, in Fleisch und Blut übergehend.
Die feine, humoristisch beibehaltene, sich selbst verordnete Grundstruktur verhilft dazu, sich als Unerfahrener der Problematik auszusetzen und sie zu ertragen.
Der Einband ist vorn und hinten stimmig, auffallend unauffällig, mit den Protagonisten hauchzart konturenhaft angedeutet und für Insider gerade noch erkennbar.
„Der Leser möchte nicht aufhören zu lesen.“
Ein ermutigendes Buch voll menschlicher, resilienter , lebenstüchtiger, sich selbst hinterfragender Weisheit, auf sprachlich mitreißender Ebene ohne reißerische Zutaten. Ein kluges Plädoyer für Hineinwachsen in den Umgang mit leidvollem Lebensende des in sich verlierenden Partners. Geistreich – anregend – einfühlsam – eminent lesenswert!