Paperback

Heute keine Schüsse

Berlin in der Weimarer Republik

Brigitte Krächan
Romanhafte Biografien

Walter Schachtschneider beschreibt das Berlin der Weimarer Republik in einem Tagebuch.
Die Arbeit in einer Galerie bringt Walter in engen Kontakt mit der schillernden Kultur- und Künstlerszene Berlins. Durch die Freundschaft zu dem Kommunisten Fritz lernt er auch das Elend in den Mietskasernen und Hinterhöfen der Arbeiter kennen.
Walter fühlt sich ohnmächtig angesichts der drängenden Probleme. Innerlich zerrissen im Für und Wider der möglichen Lösungen flüchtet er in die Rolle des distanzierten Beobachters. Sein Nicht-Handeln führt jedoch zum Konflikt.



Walters fiktive Geschichte ist in den historischen Kontext der damaligen Zeit eingebunden. Eine spannende Reise von der Gründung der Republik, zu ihren politischen und sozialen Krisen, ihrer Blütezeit in den zwanziger Jahren bis zum Untergang der Demokratie im totalitären Regime des Nationalsozialismus.

Rezensionen

Glücksgriff

CelineMuc
★★★★★

Für mich als passionierte Krimileserin war das Buch Heute keine Schüsse etwas ganz Neues. Ich habe es auf Empfehlung einer Bekannten gelesen und es hat mir sehr gut gefallen.

In dem Buch geht es um die fiktive Familiengeschichte von Walter Schachtschneider, der in Tagebuchform von den Geschehnissen während der Weimarer Republik erzählt. Man erlebt, wie es seiner wohlhabenden Familie in dieser Zeit ergeht: Die Veränderungen durch den Krieg, die Probleme der Familienmitglieder miteinander und wie Walter um die Anerkennung des Vaters kämpft.

Aber auch die Probleme der weniger wohlhabenden Gesellschaft sind detailliert dargestellt, und man leidet mit den Menschen. Betroffen war ich über die Armut, in der viele Menschen in schlimmsten Verhältnissen leben mussten, und auch die Beschreibung der aus dem Krieg zurückkehrenden, traumatisierten Soldaten hat mich sehr beschäftigt.

Während dem Lesen hat man das Gefühl, die facettenreich und interessant gestalteten Personen immer besser zu kennen und fiebert mit, wie es weitergeht. Der Wechsel zwischen der fiktiven Familiengeschichte und der Realität der damaligen Zeit ist absolut gelungen.

Durch Walters Arbeit in der Kunstgalerie habe ich sehr viel über die Kunst der damaligen Zeit erfahren und auch das ein oder andere Bild gegoogelt. Auch hier merkt man, dass sich die Autorin umfassend mit der Arbeit in einer Kunstgalerie, den Vorbereitungen der Ausstellungen (Kataloge, Hängungen usw.) und den verschiedenen Kunstrichtungen befasst hat.
Erschreckend fand ich, wie viele Werke und Künstler in dieser Zeit verboten und gemieden wurden und wie viel Einfluss die Politik auf die Kunst hatte.

Da ich mich davor nicht wirklich auskannte, was die Weimarer Republik betrifft, war das Lesen aufgrund der vielen Informationen lehrreich und interessant. Das Buch ist sehr gut recherchiert, und man merkt, wie intensiv sich die Autorin mit den Hintergründen befasst hat. Ich kann das Buch nur empfehlen.