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Useppe und die Anderen

Elsa Morantes Kindheitsbild in ihrem Werk "La Storia"

Christian Ferrara
Wissenschaftliche Arbeiten

Im Jahre 1968 veröffentlichte Elsa Morante, einen Gedichtsband mit dem Titel: „Il mondo salvato dai ragazzini e altri poemi“ (Verlag Einaudi, Turin)“ Mythen,Märchen, Fabeln und die Erlebniswelt des Traumes sind Morantes Hauptthemen ihrer Werke. Als junge Frau und noch unbekannte Autorin schrieb sie in ihr Traumtagebuch von 1938 (Diario)): Ich weiß nicht, warum die Gestalten und die Ausdrucksformen des Traumes sich mir stärker einprägen als die Wirklichkeit.“ Und immer wieder geht es vor allem um Tiere, Kinder und Kindliches, um die Unschuld. „Nur Kinder können die Welt retten“, schreibt Morante und sechs Jahre später liest man in einem ihrer größten Romane „La Storia“ wiederum: „Das ganze Unglück kommt nur daher, dass man erwachsen wird.“ Glücklich seien Jene, die jung sterben. Ein Widerspruch.

In der folgenden Hausarbeit werde ich Elsa Morantes Kindheitsbild, allem voran Useppe in „La Storia“ erforschen. An Hand von Textstellen und Schlüsselbegriffen möchte ich „il bambino straordinario della literattura italiana“ analysieren, um vielleicht herauszufinden, wie Elsa Morante ihre eigene Wirklichkeit, ihre Erfahrungen in diesem Roman verarbeit hat. Denn auch hier gibt ihr Tagebucheintrag vom 23.1.1938 preis: …“denn vielleicht ist alles Erfinden erinnern...“

„La Storia“ erzählt die Geschichte von kleinen Leuten im Arbeiter- und Armenviertel Roms während der Kriegswirren und Nachkriegsjahre 1941 bis 1947. Ida Ramundo, Lehrerin, und getaufte Halbjüdin wird von dem jungen, deutschen Soldaten Gunter vergewaltigt und geschwängert. Die Witwe und Mutter eines Sohnes, Nino, schenkt einem zweiten Jungen Giuseppe, (fortan gibt er sich selber den Namen „Useppe“) das Leben. Während der lebenshungrige Nino als bekennender Faschist an die russische Front eingezogen wird, überleben Ida und Useppe, Bomben, Hunger, Flucht und den Terror der deutschen Nazibesatzung in ständiger Angst deportiert zu werden. In einem Evakuiertenasyl, treffen sie auf Carlo, (sein richtiger Name ist Davide Segre), ein Jude, der aus einem Konzentrationslager der Deutschen entkommen konnte. Nino wechselt die Seiten und kämpft zusammen mit David als Partisanen im römischen Hinterland. Useppe entwickelt für sein Alter eine herausragende Frühreife und intensive Wachheit. Hinter dem Grauen der Kriegsjahre verliert er nie den unschuldigen Blick für die Schönheit des Lebens; er kommuniziert mit Tieren und hängt sehr an seinem Bruder Nino.