Paperback

Von einfachen Dingen

Gabriele Michel
Romane & Erzählungen

Vier Frauen einer Familie, die Schwangerschaft und Muttersein als beglückende Erfahrung erleben und zugleich als heftige Auseinandersetzung mit Selbstzweifeln, Ängsten und dem Gefühl, schuldlos schuldig zu werden.
Vier Generationen, vier Lebenswege, die deutlich machen, wie einflussreich bis heute das Bild von der umsorgenden Frau und hingebungsvollen Mutter ist, die Güte und Heilung verkörpern soll. Ein starres Bild, das in der jüngeren Geschichte besonders machtvoll wurde durch kollektive Schuldabwehr und ein damit einhergehendes panisches Harmoniebedürfnis.
Den Figuren des Romans aber gelingt es, sich diesen rigiden Erwartungen zu entwinden, zu widersetzen - und sich dabei gegenseitig respektvoll und mutig zu unterstützen. Doris Schuster verweigert sich einer für sie unwürdigen Existenz, Marie findet als Eva zu einem glückenden Leben, Hannah verwirklicht ihren Traum als Künstlerin und Fabia versöhnt sich mit sich selbst.

Rezensionen

Über Frauen und ihre Lebens-Entscheidungen

Kirsten*
★★★★★

Vier Frauenleben, vier Schicksale, die miteinander verbunden sind und die zeigen: In jeder Generation haben Frauen mit Widrigkeiten zu kämpfen, spätestens und besonders dann, wenn sie selbst Mutter werden. Denn dann müssen sie sich früher oder später mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen, ihre Rolle reflektieren und sich fragen, ob sie diese einnehmen können oder ganz andere Wege gehen wollen. Zu kämpfen haben sie alle in diesem Buch – und alle finden ihren, wenn auch einmal sehr tragischen, Weg. Stark sind sie, diese Frauen. Ebenso zeitlos wie zeitgemäß. Ich konnte nicht aufhören zu lesen, wollte wissen, ob und wie sie es schaffen, wieder zu sich zurückzufinden und vor allem: wie sie sich entscheiden. Großen Respekt für die Autorin, die in einer klaren und eindringlichen Sprache über gar nicht einfache Dinge erzählt – und das, ohne jemals einen der eingeschlagenen Wege zu bewerten, aber mit viel Gefühl für ihre Frauenfiguren, die ich als Leserin liebgewonnen habe. Meine Empfehlung: Unbedingt lesen und verschenken an Mutter, Oma, Schwester, Tante, Freundin – denn es ist auch ein Stückweit ihr Leben, das da erzählt wird.

Fesselnd

Stefan25
★★★★★

Eine etwas unerwartete Urlaubslektüre. Denn der Roman handelt
keineswegs von einfachen Dingen und ich konnte besonders im letzten
Kapitel auch immer nur stückweise lesen. Einerseits wollte ich mich
gar nicht mit dem Thema befassen, gleichzeitig war ich so fasziniert,
dass ich nicht aufhören konnte zu lesen. Und ich musste irgendwann
mal auf die letzte Seite spickeln, weil es so spannend war. Harter
Tobak das alles, aber so beschrieben, dass ich gefesselt war. Dank an
die Autorin für dieses intensive Leseerlebnis.

Von einfachen Dingen

PETnichan
★★★★★

Die eigene Kindheit und Jugend erinnernd, sich vorstellen in welcher Normen und Wertewelt die eigene Mutter oder Großmutter lebte. Das alles spannend erzählt und als Leserin ist man immer ganz mit den Emotionen der Protagonistinnen verbunden und möchte mit Ihnen reden, Ihnen zurufen, dass sie nicht allein sind.
Ein Buch das sich zu lesen lohnt, die Dinge sind oft nicht einfach, doch man weiß die einfachen Dinge zu schätzen, nach der Lektüre um so mehr.

Überzeugende literarische Gestaltung

pfeifferfr
★★★★★

In überzeugender Weise werden in diesem Roman die Erfahrungen, das Glück und die Schmerzen mehrerer Generationen miteinander verwoben. Gleich zu Beginn geschieht etwas sehr Bedrückendes, das die Aufmerksamkeit und die Anteilnahme der LeserInnen weckt. Besonders beeindruckt hat mich der Stil der Autorin, der es gelingt, in einer ungekünstelten, knapp gehaltenen, manchmal fast nüchternen Sprache zu schreiben und doch nie ins Triviale abzugleiten – im Gegenteil, gerade die Knappheit des sprachlichen Ausdrucks bringt die Vielschichtigkeit, die Zwischentöne, die Komplexität der geschilderten Erfahrungen zum Ausdruck.

Ein unvergessliches Leseerlebnis

juergen.dittmann
★★★★★

1. Akt, 1. Szene – Auftritt Frau Taraschewsky; 2. Szene – Frau Taraschewsky bekommt Besuch von zwei Polizisten. Von diesem Moment an zieht dieser Roman den Leser/die Leserin in seinen Bann. Die Erzähltechnik, eine Mischung aus Rede der Erzählerin, von Figurenrede, von Tagebucheinträgen und Briefen, schließlich auch SMS, erzeugt eine packende Unmittelbarkeit der Darstellung, die sich im letzten Teil („Fabia“) ins für die Leserinnen und Leser fast Unerträgliche steigert – ebenso (fast) unerträglich, wie das dargestellte Schicksal.
Dieser Roman hebt sich von der großen Zahl von Romanen, die Frauenschicksale, auch über mehrere Generationen, darstellen, durch die Intensität, mit der die Autorin die Handlungsstränge schildert und durch das meisterhafte Erzählen deutlich ab.