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Wilhelm Flitner, ein Humanist in bewegten Zeiten

Illusionen, Kampf und Resistenz

Gerhard Jürs
Biografien & Erinnerungen, Politik & Geschichte

Gerhard Jürs, letzter wissenschaftlicher Assistent bei Prof. Wilhelm Flitner an der Universität Hamburg (1962-1965), hat sich in seinem Ruhestand verstärkt der Aufarbeitung der Geschichte Wilhelm Flitners gewidmet.
Jürs’ (08.08.1931) » bewegte Zeiten« begannen mit der Kindheit in Hamburg-Eimsbüttel. Er studierte Erziehungswissenschaft und Theologie (nach zwei Semestern Mathematik) an der Universität Hamburg und schloss sein Studium am 15. Dezember 1954 mit der Ersten Lehrerprüfung bei Professor Flitner ab. Von 1955 bis 1962 arbeitete Jürs zunächst als Lehrer an der Haupt- und Realschule Steinadlerweg in Hamburg-Billstedt, absolvierte im Februar 1959 sein zweites Staatsexamen und wurde 1962 Assistent und Doktorand bei Prof. Flitner. Es folgte von 1967 bis 1993 die Lehrtätigkeit als Seminarleiter am „Staatlichen Studienseminar Hamburg” mit Abordnungen an das »Institut für Lehrerfortbildung« (1979-1987), an das „Gymnasium St. Georg” (1979-1987) und an die „Erich Kästner-Gesamtschule” (1987-1991).
Seine Arbeitsschwerpunkte waren Versuche zur Unterrichtsreform bei den Themen »Offener Unterricht« und »Projektunterricht«.
Diese Versuche führten 1979 zur Einrichtung des „Beratungsdienstes für den Projektunterricht” am „Institut für Lehrerfortbildung” in Hamburg.
Seit 2008 arbeitete Gerhard Jürs mit Unterstützung der »Hamburger Bibliothek für Universitätsgeschichte« und ihres damaligen Leiters Eckart Krause an der Biografie Wilhelm Flitners.
 

Neuigkeiten

Rezension von Prof. Dr. Heinz Schernikau

28.01.2019
 
Die Rezension (Professor Heinz Schernikau)

„Der Autor des vorliegenden Buches war der letzte Assistent Wilhelm Flitners. Es war ihm deshalb vergönnt, dem Ordinarius für Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg und Direktor des Pädagogischen Instituts nicht nur in dessen Vorlesungen und Übungen zu begegnen, sondern darüber hinaus im persönlichen Gespräch.
Wen wundert es, dass die Publikationen namhafter Erziehungswissenschaftler (u. a. Adalbert Rang, Wolfgang Keim, Wolfgang Klafki), die Flitners Leben und Werk in eine „gewisse Nähe zum Hitlerregime“ stellten, seinen entschiedenen Widerspruch herausforderten. Dieser Widerspruch begründet den apologetischen Auftrag des Buches, der im Untertitel „Illusionen, Kampf und Resistenz” zum Ausdruck kommt. Es ist dem Autor gelungen, diesen Widerspruch in überzeugender Weise zu belegen und zu begründen – indem er das politische Denken und Handeln des Humanisten und Geisteswissenschaftlers in den Fokus seiner Abhandlung rückt: Die von diesem in den Jahren 1931 – 1933 initiierten und arrangierten politischen Konferenzen. Zum Kreis der Teilnehmer, zum „Silvesterkreis”, gehörten als Vertreter des deutschen Widerstandes Heinrich v. d. Gablentz und Adolf Reichwein aus dem „Kreisauer Kreis”.
Es kommen bisher weitgehend unbeachtete bzw. unbekannte Texte und Dokumente zur Sprache. Hier sei insbesondere auf Wilhelm Flitners Festrede zur Verfassungsfeier des Hamburger Senats (1930) zum Thema „Der Sinn der Erziehung zum Volksstaat” hingewiesen.
Das Kapitel „Die ‚hermeneutisch-pragmatische’ Pädagogik” erbringt fundierte Ausführungen zur wissenschaftstheoretischen Begründung der geisteswissenschaftlichen Pädagogik und der Erziehungswissenschaft im Rückgang auf den zugrunde liegenden originären Denkansatz bei Max Frischeisen-Köhler, Hermann Nohl, Eduard Spranger und Theodor Litt.
Der Text des Buches kommt hinsichtlich seiner subtilen Diktion und der wiederkehrenden reflexiven Passagen, die auf Zusammenfassung und vorausschauende Wegweisung angelegt sind, aus der Denkschulung Wilhelm Flitners. Ulrich Herrmann fasste den Stellenwert und Rang des Buches in die Worte: „Sie haben dem Andenken Ihres verehrten Mentors und Lehrers ein würdiges ‚Denkmal’ gewidmet”

Professor Dr. Heinz Schernikau