Paperback

Lebet wohl, ihr engen, staub'gen Gassen

Aus dem Leben einer Rheinschiffer-Familie

Gertrud Winter
Biografien & Erinnerungen

Als im Hungerwinter 1947 Gertrud und ihre Zwillingsschwester Else geboren werden, stehen die Eltern, das Schifferehepaar Anna und Philipp Vowinkel, am Wendepunkt ihres Lebens: Hinter ihnen liegen Schicksalsschläge, Armut, zwei Weltkriege. Die Ära des Wirtschaftswunders bricht an - ihre Kinder, mit denen sie an Bord eines Rheinschiffs leben, sollten es einmal besser haben. Stets begleitet von Philipps skurrilem Humor ist die Familie jedoch unerwarteten Strömungen und überraschenden Untiefen ausgesetzt. Als »Backfisch« bricht Gertrud, wie einst Anna, zu neuen Ufern auf, doch der Fluss des Lebens führt sie an ganz andere Gestade als ihre Mutter.

Diese Reise durch das 20. Jahrhundert nimmt den Leser mit an die unterschiedlichsten Schauplätze: das Rheinschiff in Kriegs- und Friedenszeiten, die Dorf-»Idylle« der 50er-Jahre, ein bigottes katholisches Mädchenwohnheim, ein glamouröser Couture-Salon in den 60ern, eine großstädtische Studenten-WG um 1970…
Ein facettenreiches und sehr persönliches Panorama deutscher Zeitgeschichte.
 

Veranstaltungen

Lesung im Rahmen der Mainzer Vorlesetage

Beginn: 17.11.2017, 15:00 Uhr
Ort: Museum für Antike Schifffahrt Mainz, Neutorstraße 2b, 55116 Mainz  
Ich möchte Sie mit meiner Autobiographie "Lebet wohl, ihr engen, staub'gen Gassen - aus dem Leben einer Rheinschiffer-Familie" mitnehmen auf eine Zeitreise durch das 20. Jahrhundert.
Meine Nichte Isabelle Vowinkel liest Auszüge aus dem Buch, ich führe durch die Veranstaltung und biete anschließend die Möglichkeit zum Gespräch.
Bücher, die Sie anschließend erwerben können, werde ich selbstverständlich gerne signieren.
Der Eintritt ist frei.
Ich freue mich auf Ihren Besuch!
 

Lesung am Samstag, 20. Mai 2017, 18.00 Uhr, Knielinger Museum, Hofgut Maxau

Beginn: 20.05.2017, 00:00 Uhr
Ort: Knielinger Museum, Hofgut Maxau  
Ein Schifferkind erzählt …!
Rheinluft schnuppern und dabei auf Zeitreise gehen - Autorin Gertrud Winter lädt ein, mit ihr Kindheits- und Jugenderinnerungen zu teilen, die sie in ihrer Autobiographie "Lebet wohl, ihr engen, staub'gen Gassen - aus dem Leben einer Rheinschiffer-Familie" festgehalten hat. Julia Arbeiter, Tochter der Autorin und ausgebildete Radio- und TV-Sprecherin, liest Auszüge aus dem Buch, die Autorin selbst führt durch die Veranstaltung und bietet anschließend die Möglichkeit zum Gespräch. Den passenden Rahmen bietet das Knielinger Museum, direkt am Rhein gelegen. Eine Besichtigung der beeindruckenden Ausstellung Rheinschifffahrt  im Knielinger Museum bietet sich an und bereichert den Abend mit Wissenswertem rund um die Welt der Binnenschifffahrt. Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung durch einen Akkordeonspieler. Die Museumsküche verwöhnt die Gäste mit kleinen Köstlichkeiten.
 Eintritt Lesung EUR 5,00 - Einlass ab 17.00 Uhr
 
Der Knielinger Museumsverein freut sich auf Ihren Besuch.
 

1275 Jahre Nierstein – 20 Jahre Geschichtsverein - Unsere Vortragsreihe Erste Veranstaltung: Lebet wohl, ihr engen stau’gen Gassen – aus dem Leben einer Rheinschiffer-Familie

Beginn: 21.04.2017, 19:00 Uhr
Ort: Weingut Guntrum, Rheinallee 62, Nierstein  
An vier Abenden greift der Geschichtsverein im Jubiläumsjahr von April bis November mit einer Lesung und Vorträgen einige besondere Aspekte der Niersteiner Stadtgeschichte auf.

Die Veranstaltungsreihe startet am Freitag, 21. April 2017, um 19 Uhr, in der Vinothek des Weingutes Guntrum, Rheinallee 62:
Ein Abend im Gespräch mit Gertrud Winter und Lesung aus ihrer Autobiographie "Lebet wohl, ihr engen, staub'gen Gassen - aus dem Leben einer Rheinschiffer-Familie" durch Julia Arbeiter.

Im Hungerwinter 1947 in Nierstein geboren, beschreibt Gertrud Winter in dem Buch ihr abwechslungsreiches Leben. Ihre Geschichte beginnt auf einem Rheinschiff als Tochter des Schifferehepaares Anna und Philipp Vowinkel, das sich für seine Kinder eine bessere Zukunft wünscht. Ein Rückblick auf die Familiengeschichten von Anna und Philipp zeigt, mit wie viel Durchhaltewillen und Zähigkeit sie es bis hierhin gebracht haben. Beide waren in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen und hatten bisher vor allen Dingen Armut, Inflation und Krieg erlebt - und das, ohne je ihren Sinn für Humor, ihre Lebenslust und ihren Tatendrang einzubüßen, der die Familie auch weiterhin begleiten soll. Gertrud Winter pendelt mit den Eltern, drei Geschwistern und Hund auf einem Frachtschiff zwischen Rotterdam und Basel. Später zieht sie, der Schule wegen, in das bigotte 350-Seelen- Dorf Ludwigshöhe, dann in ein katholisches Mädchenwohnheim in Mainz. Sie arbeitet in einem Haute-Couture-Salon in Wiesbaden, verbringt ein ganzes "Backfisch"-Jahr in Krankenhaus und Lungensanatorium und lernt schließlich das Leben in einer Münchner Studenten-WG kennen.
In ihrer Autobiographie berichtet Gertrud Winter über Krieg und Frieden, Armut und Wirtschaftswunder und über Aufbruch und Heimkehr. Die Autorin zeigt, dass man manchmal seine Flügel ausbreiten muss, um Wurzeln schlagen zu können.

Es erwartet die Gäste ein spannender Abend.

Der Kostenbeitrag für die Veranstaltung beträgt 7 Euro und beinhaltet für jeden Gast ein Glas Wein, Wasser und eine Brezel.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.
 

Lesung

Beginn: 11.12.2016, 16:00 Uhr
Ort: Museumsschiff Mannheim  
Ein Schifferkind erzählt - auf einem Schiff!
Schiffsluft schnuppern und dabei auf Zeitreise gehen... Autorin Gertrud Winter lädt Sie ein, mit ihr Kindheits- und Jugenderinnerungen zu teilen, die sie in ihrer Autobiographie "Lebet wohl, ihr engen, staub'gen Gassen - aus dem Leben einer Rheinschiffer-Familie" festgehalten hat.
Julia Arbeiter, Tochter der Autorin und ausgebildete Radio- und TV-Sprecherin, liest Auszüge aus dem Buch, die Autorin selbst führt durch die Veranstaltung und bietet anschließend die Möglichkeit zum Gespräch. Den passenden Rahmen bietet "Müllers Restaurant&Café" auf dem Museumsschiff Mannheim. Gerne versüßt Ihnen das Service-Team die Lesung mit Kaffee und Kuchen, vielleicht möchten Sie den Abend anschließend noch mit einem Abendessen im Restaurant ausklingen zu lassen.
Ein vorheriger Besuch der Ausstellung des Technoseums auf dem Museumsschiff bietet sich an und reichert den Besuch mit Wissenswertem rund um die Welt der Binnenschifffahrt an.

Nach diesem Tag werden Sie die Welt der Binnenschifffahrt mit anderen Augen sehen!

Eintritt Lesung EUR 5,00 - Einlass ab 15.00 Uhr
Um Anmeldung wird gebeten unter schifferkinder@online.de
Ausstellung Museumsschiff EUR 3,00 - ermäßigt EUR 2,00, geöffnet 14.00-18.00 Uhr

Weitere Informationen zum Buch finden Sie hier: https://tredition.de/autoren/gertrud-winter-15744/lebet-wohl-ihr-engen-staubgen-gassen-paperback-66834/.
Müllers Café&Restaurant: www.muellers-mannheim.de
Museumsschiff Mannheim: http://www.technoseum.de/ausstellungen/museumsschiff/
 

 

Neuigkeiten

Leserrezension

28.05.2017
 
5.0 von 5 Sternen
Liebenswert lesenswert
Von Eva Goepner am 28. Mai 2017
Format: Taschenbuch
Da ich dieses Buch bei einer Lesung gekauft habe, lernte ich die Autorin persönlich kennen. Ihre Tochter las aus ihrem Buch, sie selbst erzählte, wie es zum Schreiben ihrer Erinnerungen kam. Beide machten einen sehr sympathischen Eindruck.
Zunächst dachte ich, es sei das vielleicht etwas holprig geschriebene Buch einer Hausfrau. Weit gefehlt! Das Buch ist leicht zu lesen, der Text fließt geradezu dahin, es macht Freude, das Buch in die Hand zu nehmen. Die Autobiografie beginnt mit dem Leben der Eltern auf ihrem Schiff, mit dem sie den Rhein von Basel bis Rotterdam befahren. Gertrud Winter beschreibt ihre Kinderzeit auf dem Schiff, später im Dorf, Jugend, Ausbildung, Heirat. Es macht wirklich Spaß, ihr durchs Leben zu folgen, die Entwicklung ihrer selbst und ihrer Eltern, Geschwister, Freunde und Kollegen mitzuverfolgen. Ich habe das Buch sehr gern gelesen und kann es uneingeschränkt weiter empfehlen.
 

Leserrezension

02.11.2016
 
Gelebte deutsche Zeitgeschichte
von Johanna Maier - 02.11.2016
Es ist ein wunderbares Buch gelebter Zeitgeschichte der Nachkriegsgeneration. Es ist so spritzig geschrieben, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen wollte. Die einen oder anderen Erlebnisse und Erinnerungen, waren auch mir sehr wohl bekannt und sind mit dem Buch wieder in die Erinnerung gerückt. Aus meiner Sicht ist dieses Buch auch für die jüngere Generation interessant, denn man lernt nicht alles im Geschichtsunterricht. Es war ein Vergnügen das Buch zu lesen und so kann ich es allen nur weiter empfehlen.
 

Leserrezension

27.10.2016
 
Fesselnde Erzählung mit persönlicher Note
Von Anne M. am 27. Oktober 2016
Der Autorin ist es geglückt, ihre besondere Familiengeschichte in einer fesselnden Erzählung festzuhalten. Dies gelingt ihr durch die Einbettung persönlicher Erlebnisse in das Zeitgeschehen. Dank vieler erfrischender Anekdoten ihrer humorvollen Großfamilie ist das Buch sehr kurzweilig zu lesen.
 

Leserrezension

24.10.2016
 
--
von Anonym - 24.10.2016
Dieses Buch kann man wirklich weiter empfehlen. Man wird gefesselt von Anfang bis Ende. Möchte das Buch am liebsten in einem Zug lesen. Trifft in vielen Punkten auf damalige Zeiten zu. Würde mich sehr über einen zweiten Band freuen. Wäre auch ein schönes Geschenk dieses Buch. Ich kann dieses Buch nur wärmstens weiter empfehlen.
 

Leserrezension

12.10.2016
 
Danke für diesen Einblick!
Von Christoph D. am 12. Oktober 2016
Ich bedanke mich bei Ihnen für diesen eindrücklichen Einblick in die Nachkriegszeit und in Ihre wunderbar anschaulich beschriebenen persönliche Erlebnisse!
 

 

Presseberichte

Entbehrungsreiche Zeit in und nach dem Krieg

19.06.2017
 
„Gertrud Winter stellt im Schiffbauer-, Schiffer- und Fischerverein ihre Autobiografie vor“
VON CHRISTOPH SCHENNEN

Gertrud Winter hat am Sonntag im Garten des Schiffbauer-, Schiffer- und Fischervereins Speyer ihre
Autobiografie vorgestellt.
Esther Duschl, Schriftführerin des Vereins, hatte sie dazu eingeladen, weil die Autorin in „Lebet wohl, ihr engen, staub'gen Gassen“ ihren Werdegang als Tochter einer Rheinschifferfamilie schildert. Frau Winter las nicht selber. Statt ihrer trug ihre Nichte Isabell Vowinkel einige Passagen aus dem Buch vor.
„Die Idee, ein solches Buch zu schreiben, entstand vor zehn Jahren“, erzählt Frau Winter kurz nach der Pause. Ihre Tochter lieh ihr ihren „dampfgetriebenen PC“, um ihre Geschichte aufzuschreiben. „Zwei bis drei Stunden am Tag habe ich am Manuskript gearbeitet.“ Ihre Tochter, Julia Arbeiter, hat den Umschlag gestaltet, das Buch lektoriert und auch den Verlag herausgesucht. Einige Verlage haben das Buch abgelehnt, ehe der tredition Verlag aus Hamburg sich entschied, es zu veröffentlichen.

Das Buch erschien im Juni 2016. Seitdem gab es mehrere Lesungen – unter anderem auf dem Museumsschiff in Mannheim oder im Maxhof Museum in Knielingen. Am 17. November 2017 ist sie um 15.00 Uhr zu Gast im Museum für Antike Schifffahrt in Mainz.

Vater Matrose und später Schiffsführer

Das Buch setzt ein bei der Geburt der Autorin. Sie wird am 20. Januar 1947 als zweites Kind von Anna und Philipp Vowinkel in Nierstein geboren. Ihr Vater ist ein Matrose und Schiffsführer, der per Schiff Waren auf dem Wasserweg transportiert. Im Kapitel „Argo“ liest man: „Hauptsächlich waren sie (er und seine Frau d. Red.) auf dem Rhein zwischen Rotterdam und Basel unterwegs, manchmal befuhren sie aber auch den Main, den Neckar und die Mosel, je nachdem, was sie geladen hatten und wohin die Fracht gehen sollte.“ Die Jahre im und nach dem Krieg sind entbehrungsreiche Zeiten. Deutschland wird bombardiert, die Vowinkels haben Glück, dass ihr Schiff verschont bleibt. Die Familie zieht nach Ludwigshöhe, wo sie als einer der ersten Familien einen Fernseher besitzt. Zur Krönung von Elisabeth II, zum Fußball-WM-Finale in Bern und zur Inthronisation von Papst Johannes XXIII versammelte sich die ganze Schule in der Küche der Vowinkels, um die Ereignisse mitzuerleben.
Das Buch (im Buchhandel erhältlich) durchstreift die Jahrzehnte, schildert die Dorf-“Idylle“ der fünfziger Jahre, das Leben in einem bigotten katholischen Mädchenwohnheim und den Start in das Berufsleben. Frau Winter ist eine gelernte Schneidermeisterin und arbeitete unter anderem in einem Haute Couture-Salon in Wiesbaden, ehe sie nach einer Arbeitsstelle in einem Lungensanatorium in Frankfurt ihre Meisterprüfung absolviert.
In München, wo sie seit 44 Jahren lebt, erlebt sie eine wilde Studenten-WG, in der ihr späterer Mann, Ulf, wohnt. Das letzte Drittel des Buches widmet sich den Münchener Jahren von Ger-trud Winter und ihres Freundeskreises und endet schließlich so wie es begonnen hat: mit einer Geburt. Sohn Phi-
lipp wurde am 28. März 1980 geboren.
 
Quelle: Speyerer Morgenpost vom 19.06.2017

Packendes vom harten Schifferleben

22.05.2017
 
„Museumsverein traf mit Lesung ins Schwarze“
Von unserer Mitarbeiterin Katja Stieb

Autobiografien stehen im Ruf, oft informativ und spannend zu sein. Doch manchmal gewinnt man auch den Eindruck, dass der Autor sein Leben nur aufgeschrieben hat, um sich von einer Last zu befreien, um mit einer Geschichte abzuschließen, die Kraft gekostet und Sorgen bereitet hat.

Bei der 1947 in Nierstein am Rhein geborenen Gertrud Winter ist das anders: „Nein, ich habe mein Leben aufgeschrieben, um ein Stück Geschichte zu bewahren“, sagt sie. „Für meine Kinder, meine Enkelkinder und für alle, die sich dafür interessieren. Für mich war das Schreiben kein reinigender Prozess, sondern eine sehr emotionale und wunderschöne Reise in meine Erinnerung.“
„Lebet wohl, ihr engen, staub’gen Gassen. Aus dem Leben einer Rheinschiffer- Familie“ heißt Gertrud Winters Werk, das sie am Wochenende im Knielinger Museum auf Einladung des Museumsvereins vorstellte. Dessen Vorsitzende Ute Müllerschön unterstrich, dass Lage und Ambiente des Museums perfekt zum Thema des Buches passten: „Wo könnte man den Erinnerungen eines Schifferkindes besser lauschen, als in einem Museum direkt am Rhein, das obendrein eine Schifffahrts-Ausstellung beherbergt?“, fragte sie schmunzelnd. „Wir als Verein wünschten uns im 25. Jahr unseres Bestehens eine interessante Lesung für unser Kulturprogramm: Ich denke, wir haben Dank Gertrud Winter thematisch ins Schwarze getroffen.“

Die Geschichte von Gertrud Winters Kindheit und Jugend, die sie mit ihrer Familie über weite Strecken auf einem Rheinschiff verbrachte, ist mehr als nur Autobiografie. Es ist eine Zeitreise durch Kriegs- und Friedenszeiten, liefert Schlaglichter aus der Nazi-Zeit und der Ära des deutschen Wirtschaftswunders, und entführt den Leser an unterschiedlichste Orte. Die Geschichte beginnt schon mit ihren Eltern Anna und Philipp und endet erst im Jahr 1980. Sie erzählt vom harten Leben auf einem Schiff zwischen Rotterdam und Basel, von der Möchtegern-Idylle eines Dorfs in den 1950er Jahren und dem Alltag in einer Studenten-Wohngemeinschaft um 1970.

Dass Gertrud Winter ihre Lebensgeschichte aufgeschrieben hat, ist ihrer Tochter Julia Arbeiter zu verdanken, die
als professionelle Sprecherin am Samstag die Lesung aus dem Werk ihrer Mutter übernahm. „Julia war es, die vor rund zehn Jahren zu mir sagte: ‚Mama,schreib’ das doch mal auf!’“, erinnert sich Gertrud Winter. „Ich weiß noch, dass ich das zunächst irgendwie für eineverrückte Idee hielt.“ Verrückt wohlauch deshalb, weil Gertrud Winter nie gerne geschrieben hat: Sie hat eine Lese- und Rechtschreibschwäche und hatte überhaupt keine Erfahrung mit dem Computer. „Meine Tochter hat mir mit viel Geduld den Umgang damit beigebracht“,
sagt Gertrud Winter. „Ich kann ihr dafür gar nicht genug danken.“ Während des Schreibens sei sie immer
wieder auf Erinnerungsfragmente gestoßen,die längst verschüttet waren, und konnte in Gesprächen mit ihren drei
Geschwistern viele Lücken füllen. „Drei Jahre lang hatte ich fast täglich geschrieben“, erklärt Winter. „Dann lag das Manuskript jahrelang in der Schublade. Jetzt, da mein Leben in Buchformgebracht ist, freue ich mich über die große Resonanz.“
Die kommt nicht von ungefähr: Das Werk lebt von einer überauslebendigen Sprache, erweist sich als fesselndes historisches Dokument und berührende Familiensaga zugleich. Gertrud Winters Buch erzählt von Aufbruch und Heimkehr, von der Notwendigkeit, neue Kapitel aufzuschlagen ohne die eigenen Wurzeln zu vergessen. Es ist eine Geschichte, die so authentisch wie packend ist. Eine, die eben nur das Leben selbst schreiben kann.
AUTHENTISCH UND PACKEND: Gertrud Winter (rechts) erzählte im Knielinger Museum aus ihrer Lebensgeschichte als Spross einer Rheinschiffer-Familie. Ihre Tochter Julia Arbeiter hatte die Lesung aus dem Buch ihrer Mutter übernommen. Foto: Sandbiller
 
Quelle: Badische Neueste Nachrichten, Ausgabe Nr. 117 vom 22.05.2017

Aus dem Leben einer Rheinschiffer-Familie - das Leben der Gertrud Winter

04.01.2017
 
Buchtipp. Pfalz-Krimis, Bücher über die Region – das alles gibt es schon. Gertrud Winter hat nun in ihrer Autobiografie das Leben der Rheinschiffer in den Mittelpunkt gerückt. In ihrem Buch geht es um eine junge Frau – sie selbst – die einst in Nierstein geboren, auf dem Schiff großgeworden ist. Gertrud Winter pendelt auf einem Frachtschiff zwischen Rotterdam und Basel. Gemeinsam mit ihren drei Geschwistern und einem Hund lernen sie das spannende, aber auch gefährliche Lebensumfeld kennen. Später – als die Kinder schulpflichtig wurden – ziehen sie nach Ludwigshöhe. In teil unterhaltsamen, teils nachdenklichen Anekdoten taucht der Leser in das Dorfleben der 50er und 60er Jahre ein. Ein Lebensalltag geprägt von Holzofen, Plumpsklo – aber auch von neuen Errungenschaften wie Kühlschrank, Fernseher und mehr. In ihrer Autobiografie berichtet Gertrud Winter über Krieg und Frieden, Armut und Wirtschaftswunder. Vor allem ist diese Autobiografie aber auch ein Beweis dafür, dass Flügel ausbreiten und Wurzeln schlagen kein Widerspruch ist. Ein Buch voller Zeitgeschichte, dem Leben mit dem Rhein – aber auch die Weiterentwicklung zu einer eigenen Persönlichkeit. Das Buch von Gertrud Winter ist ab sofort überall im Buchhandel oder online bestellbar. (gib)
 
Quelle: SÜWE - Wochenblatt Ludwigshafen Süd - Nr. 1/2017

Der erste Fernseher in Ludwigshöhe

24.12.2016
 
„Die 1947 geborene Tochter eines Niersteiner Rheinschiffers hat ihre Lebensgeschichte aufgeschrieben“
NIERSTEIN/LUDWIGSHÖHE. "In Ludwigshöhe gab es einen Bäcker, einen Metzger, einen Kolonialwarenladen und zwei Gaststätten." Und zwei Autos, von denen eines, ein Borgwart Lloyd LP 300, dem Volksschullehrer von Gertrud Vowinkel gehörte. Dem Mädchen und ihrer Familie – Vater Philipp, Mutter Anna und vier Kindern – ging es so schlecht allerdings auch nicht (mehr). Schließlich besaßen sie den allerersten Fernseher von Ludwigshöhe. Kein Wunder, dass das halbe Dorf im Haus der Vowinkels zuguckte, als 1953 die Krönung der Queen übertragen wurde und 1954 das "Wunder von Bern".

Anschaulich, liebevoll und dennoch ungeschminkt

Das Rheinhessen der Nachkriegszeit und insbesondere das Dorfleben in Nierstein und Ludwigshöhe ist schon öfters von Zeitgenossen geschildert worden. Doch selten geschah dies so anschaulich, so liebevoll und doch so ungeschminkt wie bei Gertrud Winter . 1947 in der Niersteiner Schiffergasse als zweite Tochter des Rheinschifferpaares Vowinkel geboren, hat die heute in München wohnende Rheinhessin nun ihre Lebensgeschichte aufgeschrieben. "Lebet wohl, ihr engen, staub’gen Gassen" (siehe Kasten) eröffnet einen faszinierenden Blick auf eine längst vergangene Zeit und einen Mikrokosmos, über den Winter an einer Stelle, als sie mit 14 Jahren erstmals mit dem Zug zur Arbeit nach Mainz fährt, so treffend urteilt: "Spätestens jetzt merkten wir, dass sich unser kleines idyllisches Dorf, das wir bis dahin für den Nabel der Welt gehalten hatten, in Wirklichkeit am Arsch der Welt befand."
In diesem unprätentiösen, hemdsärmeligen Stil steigt Winter schon lange vor ihrer Geburt in eine spannende Familiengeschichte ein. Sie erzählt von ihrem Großvater Anton, der 1888 zur Kaiserkrönung von Wilhelm II. eine Linde auf dem Niersteiner Dorfplatz pflanzte, die dem Ort heute noch seinen Namen schenkt. Breiten Raum nimmt die Darstellung ihres Vaters Philipp ein, ein charmanter Querdenker, dessen Hang zum Unkonventionellen ein steter Quell lustiger Anekdoten ist. Dass er als Rheinschiffer zwar ständig auf dem Wasser unterwegs ist, aber dennoch nicht schwimmen lernte, erklärt Gertrud Winter aus einer heute fast schon zynisch anmutenden Logik der damaligen harten Zeiten: "Dahinter steckte eine raffinierte Überlegung: Bei einer Havarie ließ eine Besatzung, die nicht schwimmen konnte, das Schiff nicht vorschnell im Stich, sondern sie kämpfte um das Schiff, um zu überleben."
Inflation, Armut, Kampf ums Überleben und um ein bisschen wahres Leben – Vowinkel steckt mittendrin im Mahlstrom der Zeit. Er liest Marx und Engels, legt sich gern mit den Nazis an, die ab 1933 aus Nierstein eine braune Hochburg machen, und schmuggelt Flugblätter in Fahrradschläuchen. Während des Zweiten Weltkrieges zieht er sich immer häufiger mit Anna auf sein Schiff zurück, um den Schergen der Diktatur aus dem Weg zu gehen. Möglicherweise entkommt Philipp so auch jenem tragischen Schicksal, dass die sechs Opfer der Kornsand-Morde am 18. März 1945 ereilt. "Gerüchten zufolge hat man auch ihm nachgestellt", berichtet Gertrud Winter .
Der Rhein als Zufluchts-, Lebens- und Überlebensort – kein Wunder, dass auch Winters erste Kindheitserinnerungen auf dem Wasser spielen. Den Hungerwinter 47, ihr Geburtsjahr, hat sie da schon überlebt. Noch bis tief in die 60er Jahre wird sich ihr Dasein allein um Nierstein und Ludwigshöhe, den "Arsch der Welt", drehen, ehe die Geschichte Gertrud Winter zuerst in ein bigottes katholisches Mädchenheim und dann in einen glamourösen Wiesbadener Couturesalon führt. "Ein facettenreiches und sehr persönliches Panorama deutscher Zeitgeschichte", verspricht der Einbandtext. Das Buch hält das Versprechen.
 
Quelle: Oppenheimer Landskrone Weihnachten 2016

Kindheit auf dem Binnenschiff

14.12.2016
 
„Die Autorin Gertrud Winter erzählt vom Leben ihrer Rheinschiffer-Familie“
Sie hätte nie gedacht, dass sie mit bald 70 Jahren ein Buch veröffentlichen würde, bekannte Gertrud Winter auf dem Museumsschiff in Mannheim. „Lebet wohl, ihr engen, staub’gen Gassen“ ist die Chronik ihrer Rheinschiffer-Familie. Anfangs nur klein gedacht, ist das Buch unter Mitwirkung ihrer Geschwister immer ausführlicher geworden.

Am 20. Januar 1947 kamen Gertrud und ihre Zwillingsschwester Else in Nierstein zur Welt. Die ältere Schwester Eva war vier Jahre alt; ein Bruder sollte ein Jahr später folgen. Die vom Vater geführte Argo lag festgefroren in ihrem Heimathafen. Philipp Winter entstammte einer alteingesessenen Niersteiner Familie. Als 14-jähriger Volksschulabgänger entschloss er sich 1918, der Not gehorchend, Binnenschiffer zu werden. Während der dreijährigen Lehrzeit musste er Grundkenntnisse in unterschiedlichen Handwerken erwerben, auf mehreren Schiffen anheuern und darüber ein Dienstbuch führen. Die Argo war ein Schleppkahn. Er wurde zusammen mit anderen Schleppkähnen zu einem Gespann zusammengebunden, das von einem Schleppboot gezogen wurde. Philipp befuhr mit unterschiedlicher Fracht den Rhein von Basel bis Rotterdam, manchmal auch Main, Neckar oder Mosel. Es war eine wirtschaftlich meist schwere, selten schöne Zeit, wie im Sommer 1936, als er frisch vermählt mit Anna fuhr.
Anschaulich erzählt die Autorin, wie es damals war. Der wirtschaftliche und politische Hintergrund ist in knappen Sätzen eingefügt, authentisch und unbeschönigt. Philipp wurde nicht zur Wehrmacht eingezogen, weil seine Tätigkeit kriegswichtig war. Kurz vor Kriegsende wurden von den Deutschen die Brücken gesprengt und die Schiffe versenkt. Die Argo kam nur davon, weil sie das am weitesten vom Kai gelegene Schiff war und die höheren Schiffe davor sie abschirmten. Sie hatte Maschinen von Opel geladen, die dann von den Amerikanern konfisziert wurden.
Gertrud Winters eigene Erinnerung setzt ein, als sie drei Jahre alt war. Vier kleine Kinder auf einem Schiff – wie kann man die davor bewahren, ins Wasser zu fallen! Eva, der Ältesten, war das einmal passiert. Ihre Zwillinge, Gertrud dunkelhaarig, Else blond, band Mutter Anna mit Gurten fest. 1950 war das erste Jahr, in dem die Rheinschifffahrt wieder normal lief, und sie nahm rasant zu. 1951 kaufte Philipp die Argo, 1959 rüstete er sie mit einem Motor und elektrischem Strom aus. Die Zeit der Schleppkähne war vorbei.
Gern würde man noch mehr vom Leben auf dem Strom erfahren. Aber für die Familie war es vorbei, als die Älteste eingeschult wurde. In ein Heim für Schifferkinder wollten die Eltern ihre Sprösslinge nicht geben. Die Mutter zog in ihr Heimatdorf Ludwigshöhe; aus den Schifferkindern wurden Landratten, die der Schiffervater nur sporadisch sah. Die besondere Reinschifferchronik wird zur gewöhnlichen Familienchronik, in der die Lebenswege in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geschildert werden: Schule im Dorf, Lehrer auswärts, Stelle in einem feinen Modesalon in Wiesbaden, Stationen in München und Westberlin. Alles ist authentisch und humorvoll erzählt. Die Rheinschifffahrt ist da allerdings weit entfernt.
 
Quelle: Ludwigshafener Rundschau Nr. 291