Paperback

Zauber kalt - Teil 1 - Bari in Inari

Ein Märchen für Erwachsene

Helmut Barthel
Romane & Erzählungen

Folgt mir nun auf die Reise in eine ferne
Vergangenheit, die der Zukunft doch so nahe
ist wie die Worte, die ich gebrauchen
werde, um Euch die Begebenheiten meiner
Wanderschaft an die Quellen der Zauberei
zu erzählen. (H. B.)
 

Presseberichte

Helmut Barthel - Zauber kalt, Teil 1, Bari in Inari (Roman) - Rezension in der Online-Tageszeitung SCHATTENBLICK

15.11.2016
 
„Es ist schon möglich, daß meine Erinnerungen unscharf werden oder daß ich Umstände, Zeiten und Orte wichtiger und auch beiläufiger Ereignisse und Begegnungen ein wenig durcheinanderbringe ... Aber unbezweifelbar hat sich indessen der Faden meines persönlichen Schicksals mit der Linie jener Herkunft auf nicht mehr zu lösende Weise verbunden ... Vor dem Hintergrund dieser Feststellung ist alles, was ich zu sagen und zu berichten habe, gleichwohl als authentisch und tatsachengerecht zu betrachten. In diesem Geiste will ich erzählen, und von Anfang an, wenn es geht, solange mein Schreibstift mich führt und die Erinnerung mich wachhält ...“
Helmut Barthel
Zauber kalt
Ein Märchen für Erwachsene
Teil 1 - Bari in Inari


Wo es kalt und dunkel ist ...

"Zauber kalt" ist ein ungewöhnlich distanzloses Buch. Es entstand in Anlehnung an die Erlebnisse und Erfahrungen im Umfeld einer Reise nach Lappland, die Autor Helmut Barthel Ende 1975 in Begleitung einer Freundin unternahm. Obgleich er im Prolog auf die Subjektivität seiner Eindrücke hinweist und auch der Untertitel "Ein Märchen für Erwachsene" keinerlei Wahrheitsanspruch vermittelt, erfüllt den Leser vom ersten Absatz an die Gewißheit, es mit einem vollkommen authentischen Bericht zu tun zu haben. Gemeinsam mit Helmut Barthel und seiner Freundin Kirsten gerät man sogleich in den unwiderstehlichen Sog von Begebenheiten, die sich zwischen dem damaligen Hamburger Wohnort des Autors in der Eppendorfer Ludolfstraße und einer gemieteten Blockhütte am Inarisee im nördlichen Lappland ereignen, während die beiden ihr erklärtes Anliegen verfolgen, "nach den Dingen hinter den Dingen zu forschen":

"Mich trieb eine sprichwörtlich dunkle Ahnung, mit meiner Ausschau und Suche nach verlorenem Menschheitswissen und Spuren nie kultivierter und zivilisierter Fertigkeiten und Kenntnisse ausgerechnet im Herrschaftsgebiet der Polarnacht, des Nordlichts und des denkbar erdnächsten Sternenhimmels, den ich je gesehen hatte, zu beginnen."
(S. 35)

Nicht ohne humorige Selbstkritik und bar jeglicher Attitüde des von Schicksalsmächten Bevorzugten schildert Helmut Barthel lebendig, augenblicksnah und spannend, wie sich für ihn sein bisheriges Weltbild mehr und mehr aufzulösen beginnt. Dabei spielt die folgende Begegnung im seinerzeit einzigen Ladencafé von Inari eine zentrale Rolle:

"Es mußte ein Sami sein, denn er war vollständig bekleidet mit jener traditionellen Ausstattung, die ich in Ermangelung eines besseren Wissens als eine regionale Tracht zu erkennen glaubte. Seine auffällige Kleinwüchsigkeit wurde durch das krause, lange Haar, das ihm ungebändigt vom Kopf abstand, auf eine unvergleichlich wilde und gefährliche Weise betont, daß es schon etwas raubtierhaftes hatte. [...] Es sah aus, als wolle er sich orientieren, und er wendete dabei einmal kurz sein Gesicht in unsere Richtung. Das war der zweite und größte Schock für mich in diesen Sekunden. Denn bei aller Neugier und größter Mühe und wohlgeübter Anstrengung - ich konnte sein Gesicht nicht sehen und die Augen schon gar nicht, obwohl es gerade die waren, die mein Blick zu treffen suchte. Immer, wenn ich mich später erinnern wollte, was genau ich denn gesehen hatte, als ich darum kämpfte, das Gesicht dieses seltsamen Menschen zu erfassen, erschien es mir wie alt gewordenes, verrunzeltes, aber konturloses Leder."
(S. 68/69)


Im weiteren Verlauf der Reise häufen sich Vorfälle, die die beiden Reisenden an ihren Sinnen, ihrem Verstand und zunehmend an dem zweifeln lassen, was nach dem Konsens abendländischer Industriekultur als unhinterfragbar gilt. Das Gefühl, die Orientierungssicherheit am bisher unverrückbar Materiellen wie auch in Zeit und Raum unaufhaltsam zu verlieren, bringt der Autor dem Leser durch geschickt in den Erzählstrang eingearbeitete Zeitschleifen und -sprünge nahe, die mit einem "Huch"-Effekt kurz die Verunsicherung durch die Auflösung gewohnter Kontinuitäten erahnen lassen. Ein gelungener Kunstgriff, der zwar vom weniger aufmerksamen Leser für einen drucktechnischen Fehler gehalten werden könnte, doch davon abgesehen gegenüber den Versuchen anderer Autoren, inhaltlich Vergleichbares zu beschreiben, durch seine Unmittelbarkeit überzeugt.

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Quelle: Online-Tageszeitung SCHATTENBLICK