"Helmut Barthel" - Autor bei Tredition.de
 

Helmut Barthel

Helmut Barthel, geboren 1951 in Hamburg, schreibt seit seinem achten Lebensjahr. Sein beeindruckendes Werk umfaßt heute weit mehr als 1000 Gedichte und zwei Serien von über 100 Kurzerzählungen über bedeutende Religionsstifter und Philosophen von der Antike bis in die Gegenwart. 2015 erschien der erste Teil seines Romans "Zauber kalt", dem zwei weitere folgen sollen. Die beiden Bände "Dichterstube, Kehricht Band 1 und 2" enthalten alle weiteren Gedichte verschiedenster Formate und Aphorismen, die in den fünf Büchern "Lyrik-Lesung" noch nicht veröffentlicht wurden. Verbliebenes vom Feinsten!

Helmut Barthel arbeitet als Verleger und Chefredakteur des Schattenblick und ist Verfasser nachhaltiger Fachartikel in den Bereichen Politik, Kultur, Philosophie und Sport. Seine Leidenschaft gilt der deutschen Sprache, besonders in verdichteter Gestalt.
 

Veranstaltungen

Helmut Barthel: "Ein Tag wie morgen" | Kurzgeschichten und ausgewählte Gedichte

Beginn: 31.08.2017, 20:00 Uhr
Ort: Kulturcafé Komm du in Hamburg-Harburg  
Das Komm du lädt ein zu einer Premierenlesung mit Gitarrenmusik am Donnerstag, den 31.08.2017, 20.00 bis 22.00 Uhr:

Helmut Barthel - "Ein Tag wie morgen"
Kurzgeschichten und ausgewählte Gedichte

"An einem grauen Montag einer grauen Arbeitswoche in einem grauen Büro der Betriebskrankenkasse auf einem grauen Industriegelände in einer grauen Zukunft ...",

das ist nur eine Szene aus diesen meist schon in den 1970er Jahren entstandenen kurzen Social- und Science-Fiction sowie fantastischen und politisch-satirischen Erzählungen. Sei es die Vision von der Entstehung eines Super-Gaus, die erschreckende Erkenntnis in einem Raumschiff über den vergeblichen Versuch, die Menschheit zu retten, sei es der wissenschaftliche Fortschritt in ferner Zukunft, mit dessen Hilfe sich randständige Menschen mit glückseliger Entschlossenheit selbst vernichten können, oder der schwierige Versuch der Kontaktaufnahme in einer digitalisierten Welt und nicht zuletzt die rätselhafte Begegnung und ihre Folgen zwischen einem einfachen Anstreicher und "Ralph", der Legende nach ein Flaschengeist oder Hexenmeister - die Geschichten treffen die tieferliegenden Nerven, denn ihr Kern ist unheimlich, jedoch nur allzu vertraut und ihre Konsequenzen umso überraschender, besonders in den kleinen, bitterbösen, kritischen Dialogen, die gesellschaftliche Brennpunkte ins Visier nehmen: ein Asylbewerberverfahren, unser Gesundheitswesen, einen Chemieunfall ...

Ein breites Themenspektrum, das unbekannte Sichtweisen öffnet und Fragen nicht beantwortet, sondern weiterführt, äußerst anregend und bewegend. Musikalische Begleitung: Stephen Foley (Gitarre).

Ausführliche Veranstaltungsankündigung im Schattenblick:
http://www.schattenblick.de/infopool/d-brille/veranst/dbvl5765.html

 

Helmut Barthel liest ... | "Die Nacht" und weihnachtliche Lyrik

Beginn: 15.12.2016, 20:00 Uhr
Ort: Kulturcafé Komm du, Buxtehuder Str. 13, 21073 Hamburg-Harburg - Platzreservierung per Telefon: 040 / 57 22 89 52 oder E-Mail: kommdu@gmx.de  

Donnerstag, 15. Dezember 2016, 20.00 bis 22.00 Uhr: Autorenlesung mit Musik
Helmut Barthel liest ... | "Die Nacht" und weihnachtliche Lyrik
Eintritt frei

Kulturcafé Komm du, Buxtehuder Str. 13, 21073 Hamburg-Harburg
Platzreservierung per Telefon: 040 / 57 22 89 52 oder E-Mail: kommdu@gmx.de
Homepage: http://www.komm-du.de



Das Komm du lädt ein zu einer Lesung mit Musik am Donnerstag, den 15.12.2016, 20.00 bis 22.00 Uhr:

Helmut Barthel liest ...

"Die Nacht", so lapidar und vielversprechend zugleich beginnt seine Nacherzählung einer Überlieferung, deren Ereignisse keinem geringen Teil der Menschheit zu dem Auftakt eines religiösen und kulturprägenden Geschichtsverlaufs verhalfen, dessen Einfluß und Orientierungsmacht sie über viele Wandlungen und Krisen bis heute nicht losgelassen hat.

In seiner eigenen Lesart hat der Autor und Vorlesende nicht zuletzt deshalb dieser wie allen anderen seiner Nacherzählungen in dem Buch "Ein Zimmermann in der Wüste" den folgenden Satz vorangestellt: "Es begab sich aber vielleicht auch ..."

Ergänzend und zur besinnlichen Unterhaltung trägt Helmut Barthel überdies noch das eine oder andere weihnachtliche Gedicht aus eigener Feder zum erwartungsfrohen Übergang in die allen so wichtigen Feiertage vor.

Musikalische Begleitung: Stephen Foley (Gitarre)


Weitere Informationen:

Helmut Barthel liest Gedichte im Kulturcafe Komm du - Teil 6
https://www.youtube.com/watch?v=hJFNuRfTrWk

Kulturcafé Komm du - Programmvorschau:
http://www.komm-du.de/vorschau.shtml
 

Helmut Barthel - "Der Vollerwachte aber widersprach und sagte ..." | Autorenlesung und Gitarrenmusik von Stephen Foley

Beginn: 29.09.2016, 20:00 Uhr
Ort: Kulturcafé Komm du, Buxtehuder Str. 13, 21073 Hamburg-Harburg  
Das Komm du lädt ein zu einer Autorenlesung mit Musik am Donnerstag, den 29.09.2016, 20.00 bis 22.00 Uhr - Eintritt frei



Helmut Barthel - "Der Vollerwachte aber widersprach und sagte ..."


Kashyapas Geheimnis ...


Der Vollerwachte sprach und sagte,
während er eine Blume brach und emporhielt:


"Seht, ihr Mönche, diese gebrochene Blüte,
so habt ihr ein Beispiel für die wahre Leidenskette,
denn weshalb hat der Mönch Kashyapa gerade gelächelt?"



Daß Weisheit mit dem unablässig entwickelten Widerspruch und ungebrochener Streitbarkeit eher zu tun hat als mit kontemplativer Weltzurückgezogenheit, beweist Helmut Barthel, versierter Kenner verschiedenster Religionen und Weltanschauungen, in mehr als 80 Episoden rund um den Vollerwachten in gegen den Strich der Erwartungen gebürsteter buddhistischer Erzähltradition. Eine erfrischende Lektüre, die scheinbar Festgefügtes immer wieder auf überraschende Weise zu erschüttern vermag.



Musikalische Begleitung: Stephen Foley



Weitere Informationen:


Bücher von Helmut Barthel und Leseproben:
http://www.maverlag.de


Ausführliche Veranstaltungsankündigung im Schattenblick:
http://www.schattenblick.de/infopool/d-brille/veranst/dbvl5378.html
 

 

Presseberichte

Schattenblick-Rezension: "Ein Tag wie morgen" - Kleine Geschichten von Helmut Barthel

11.07.2017
 
„"An einem grauen Montag einer grauen Arbeitswoche in einem grauen Büro der Betriebskrankenkasse auf einem grauen Industriegelände in einer grauen Zukunft ..."“
Helmut Barthel
"Ein Tag wie morgen"
Kleine Geschichten
.
Einige Wochen später - Donald hatte den Vorfall jenes Abends längst vergessen - bekam er einen gewaltigen Schreck, als er zum Dienstbeginn den Kontrollraum betrat. Intuitiv überschaute er in wenigen Sekunden alle Instrumente. Dabei sah er, daß der Geigerzähler reagierte. "Habt ihr schon Alarmstufe 2 gegeben?" Er sprach wie ein Automat und registrierte verwundert die verächtliche Reaktion seiner Kollegen. Sie hielten es für nötig, ihn darüber aufzuklären, daß der Werkdirektor schon den ganzen Tag davon wisse und mit dem technischen Mitarbeiterstab beschlossen hätte, überhaupt nichts zu unternehmen. ("Der GAU", Seite 18-19)
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Zum Teil bereits in den 70er Jahren entstanden, entführen diese Geschichten aus dem Bereich der Social- und Science-Fiction, der Phantastik und der politischen Satire trittsicher mit unabweislicher Präzision in die Wirklichkeit menschlichen Handelns. Von einem Abenteuer in den nächsten Zweifel gestürzt, wirft man bei der Lektüre einen hoffnungsfreien Blick auf die eigene Lebensrealität und ihre Konsequenzen. Unerwartet beginnen und enden die Geschichten, im Raum dazwischen verschwindet der Leser zeitweilig so gebannt in ihrer Welt, daß er für Momente die sichere Position des Zuschauenden verliert und sich ähnlich betroffen fühlt wie die jeweiligen Protagonisten. Auf Erkenntnis folgt neue Ungewißheit, Wissen stürzt in tiefe Verwirrung - der Weg führt auf unbekanntes Terrain. Nicht alles ist so, wie es auf Anhieb scheint, könnte man noch hinzufügen, bleibt jedoch mitten in diesem Gedanken stecken, weil der Gehalt dieser auf ungewöhnliche Weise entrollten Erzählungen unerträglich den verharmlosenden Schleier von den alltäglichen Begebenheiten nimmt.
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Obgleich Fiktion, ist hier nichts erfunden: Oder muß man sich noch die Frage stellen, wie eine Welt entstehen konnte, in der Menschen voneinander räumlich isoliert, in eine bequeme Halterung gebettet vor einer Schalttafel schweben, die per Tastendruck Myriaden Möglichkeiten des Spiels und der Kontaktaufnahme über Gedankenassoziationen und Sinneseindrücke ermöglicht? In der sich roboterbetreut die Notwendigkeit körperlicher Beweglichkeit so sehr erübrigt, daß sie zu anstrengend wird und dem einzelnen kaum noch in den Sinn kommt? In dieser auf sensorische Reize abgestimmten, deprivierenden Welt macht sich Fokus auf die Reise in ein so furchterregendes wie unabsehbares Abenteuer: den Weg zum anderen Menschen.
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Wie weit entfernt ist eine auf wissenschaftliche Rationalität und Menschenwürde gegründete Gesellschaft, in der der Fortschritt randständig gewordenen Menschen, die dem Bildungs- und Logikideal der modernen Zeit nicht entsprechen, den mit glückseliger Entschlossenheit selbstgewählten Tod "ermöglicht"? Oder der GAU in einem Atomkraftwerk der besonderen Art - der eingehegten Bombe -, der als so unmöglich gilt, daß man sich unter Umgehung des Erfinders dieser Form von Energiegewinnung die geplante Ernstfallsicherung spart? Die Geschichte wurde 1972 geschrieben, ist man heute schlauer?
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Medizinischer Fortschritt verhindert in der allzu realitätsnahen Satire, daß die "Solidargemeinschaft" Schaden erleidet; ein Asylbewerber nimmt die westlichen Werte zu ernst, die seinem Heimatland fehlen, und endet abgelehnt als "Neidprediger"; der Tatbestand der Verweigerungsdelinquenz in Sachen Terrorabwehrbewußtsein dient der Beseitigung der letzten Aufrechten; ein Chemiekonzern kondoliert zu Todesfällen und bedauert, zu Wiedergutmachungsleistungen noch nicht verpflichtet gewesen zu sein; eine IGITT-Metall führt sich selbst ad absurdum...
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[...]
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Keinesfalls wurde zuviel verraten, denn die Geschichten sind in Verlauf, Erzählweise und inhaltlichen Wendungen so ideenreich und überraschend, daß sich weder Absehbarkeit einstellt noch der Leser sich an gewohnter Stelle wiederfindet. Wenn es denn Sinn macht, sich in ein Buch zu vertiefen, dann hier.
 
Quelle: Online-Tageszeitung SCHATTENBLICK

Helmut Barthel - Zauber kalt, Teil 1, Bari in Inari (Roman) - Rezension in der Online-Tageszeitung SCHATTENBLICK

15.11.2016
 
„Es ist schon möglich, daß meine Erinnerungen unscharf werden oder daß ich Umstände, Zeiten und Orte wichtiger und auch beiläufiger Ereignisse und Begegnungen ein wenig durcheinanderbringe ... Aber unbezweifelbar hat sich indessen der Faden meines persönlichen Schicksals mit der Linie jener Herkunft auf nicht mehr zu lösende Weise verbunden ... Vor dem Hintergrund dieser Feststellung ist alles, was ich zu sagen und zu berichten habe, gleichwohl als authentisch und tatsachengerecht zu betrachten. In diesem Geiste will ich erzählen, und von Anfang an, wenn es geht, solange mein Schreibstift mich führt und die Erinnerung mich wachhält ...“
Helmut Barthel
Zauber kalt
Ein Märchen für Erwachsene
Teil 1 - Bari in Inari


Wo es kalt und dunkel ist ...

"Zauber kalt" ist ein ungewöhnlich distanzloses Buch. Es entstand in Anlehnung an die Erlebnisse und Erfahrungen im Umfeld einer Reise nach Lappland, die Autor Helmut Barthel Ende 1975 in Begleitung einer Freundin unternahm. Obgleich er im Prolog auf die Subjektivität seiner Eindrücke hinweist und auch der Untertitel "Ein Märchen für Erwachsene" keinerlei Wahrheitsanspruch vermittelt, erfüllt den Leser vom ersten Absatz an die Gewißheit, es mit einem vollkommen authentischen Bericht zu tun zu haben. Gemeinsam mit Helmut Barthel und seiner Freundin Kirsten gerät man sogleich in den unwiderstehlichen Sog von Begebenheiten, die sich zwischen dem damaligen Hamburger Wohnort des Autors in der Eppendorfer Ludolfstraße und einer gemieteten Blockhütte am Inarisee im nördlichen Lappland ereignen, während die beiden ihr erklärtes Anliegen verfolgen, "nach den Dingen hinter den Dingen zu forschen":

"Mich trieb eine sprichwörtlich dunkle Ahnung, mit meiner Ausschau und Suche nach verlorenem Menschheitswissen und Spuren nie kultivierter und zivilisierter Fertigkeiten und Kenntnisse ausgerechnet im Herrschaftsgebiet der Polarnacht, des Nordlichts und des denkbar erdnächsten Sternenhimmels, den ich je gesehen hatte, zu beginnen."
(S. 35)

Nicht ohne humorige Selbstkritik und bar jeglicher Attitüde des von Schicksalsmächten Bevorzugten schildert Helmut Barthel lebendig, augenblicksnah und spannend, wie sich für ihn sein bisheriges Weltbild mehr und mehr aufzulösen beginnt. Dabei spielt die folgende Begegnung im seinerzeit einzigen Ladencafé von Inari eine zentrale Rolle:

"Es mußte ein Sami sein, denn er war vollständig bekleidet mit jener traditionellen Ausstattung, die ich in Ermangelung eines besseren Wissens als eine regionale Tracht zu erkennen glaubte. Seine auffällige Kleinwüchsigkeit wurde durch das krause, lange Haar, das ihm ungebändigt vom Kopf abstand, auf eine unvergleichlich wilde und gefährliche Weise betont, daß es schon etwas raubtierhaftes hatte. [...] Es sah aus, als wolle er sich orientieren, und er wendete dabei einmal kurz sein Gesicht in unsere Richtung. Das war der zweite und größte Schock für mich in diesen Sekunden. Denn bei aller Neugier und größter Mühe und wohlgeübter Anstrengung - ich konnte sein Gesicht nicht sehen und die Augen schon gar nicht, obwohl es gerade die waren, die mein Blick zu treffen suchte. Immer, wenn ich mich später erinnern wollte, was genau ich denn gesehen hatte, als ich darum kämpfte, das Gesicht dieses seltsamen Menschen zu erfassen, erschien es mir wie alt gewordenes, verrunzeltes, aber konturloses Leder."
(S. 68/69)


Im weiteren Verlauf der Reise häufen sich Vorfälle, die die beiden Reisenden an ihren Sinnen, ihrem Verstand und zunehmend an dem zweifeln lassen, was nach dem Konsens abendländischer Industriekultur als unhinterfragbar gilt. Das Gefühl, die Orientierungssicherheit am bisher unverrückbar Materiellen wie auch in Zeit und Raum unaufhaltsam zu verlieren, bringt der Autor dem Leser durch geschickt in den Erzählstrang eingearbeitete Zeitschleifen und -sprünge nahe, die mit einem "Huch"-Effekt kurz die Verunsicherung durch die Auflösung gewohnter Kontinuitäten erahnen lassen. Ein gelungener Kunstgriff, der zwar vom weniger aufmerksamen Leser für einen drucktechnischen Fehler gehalten werden könnte, doch davon abgesehen gegenüber den Versuchen anderer Autoren, inhaltlich Vergleichbares zu beschreiben, durch seine Unmittelbarkeit überzeugt.

Weiterlesen unter:
http://www.schattenblick.de/infopool/d-brille/redakt/dbrr0015.html

Copyright 2016 by Schattenblick
 
Quelle: Online-Tageszeitung SCHATTENBLICK

Exkursionen ins Leerreich - eine entfesselnde Lektüre

07.09.2016
 
„Bestimmt gehört nicht zuletzt eine große Trittsicherheit dazu, um schriftstellerisch für ein Stück Wegs die Sandalen einer Traditionsgestalt überzustreifen, der einige der größten Statuen der Welt errichtet worden sind - ohne dabei den Boden unter den Füßen zu verlieren. Mit seinem Buch "Der Vollerwachte aber widersprach und sagte ..." ist Helmut Barthel dies unterhaltsam und dabei höchst befreilich gelungen. Sein Protagonist, der Vollerwachte, behält während seiner anschaulich und unverschnörkelt in buddhistischer Erzähltradition geschilderten Begegnungen mit Schülern, Bettlern, Kranken, Lebensmüden und vielen anderen stets genug Bodenhaftung, um jedem einzelnen auf Augenhöhe zu begegnen.“
Exkursionen ins Leerreich - eine entfesselnde ektüre

Bestimmt gehört nicht zuletzt eine große rittsicherheit dazu, um schriftstellerisch für ein Stück Wegs die Sandalen einer Traditionsgestalt überzustreifen, der einige der größten Statuen der
Welt errichtet worden sind - ohne dabei den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Mit seinem Buch "Der Vollerwachte aber widersprach und sagte ..." ist Helmut Barthel dies unterhaltsam und dabei höchst befreilich gelungen.
Sein Protagonist, der Vollerwachte, behält während seiner anschaulich und unverschnörkelt in buddhistischer Erzähltradition geschilderten
Begegnungen mit Schülern, Bettlern, Kranken, Lebensmüden und vielen anderen stets genug Bodenhaftung, um jedem einzelnen auf Augenhöhe zu begegnen. Umso nachhaltiger erfrischt er die Betreffenden, indem er gleichsam im Vorübergehen ihre Denkgewohnheiten erschüttert und ihre
Weltordnung durcheinanderbringt. Daß er dabei keineswegs vor buddhistischen Konzepten und Lehrbegriffen haltmacht, illustriert unter anderem die folgende Episode:

"Einmal zu später Stunde sprach der Vollerwachte nach langen und ermüdenden Disputen zu seinen schläfrigen Schülern und sagte:
'Kehrt ihr, Mönche, dereinst als Vollerwachte und Erlöste ins Nirvana ein und habt das Samsâra für immer und unwiederbringlich durchschritten, so gibt es keine Erlösung mehr für euch.
Strebt ihr statt dessen fortwährend und wacker die Erlösung an, ohne ihrer jemals teilhaftig zu werden, so bleibt sie euch für immer erhalten.'" (Erlösung, nein danke, S. 60)

Angelehnt an die ausdrucksvolle Sprache früher Palikanon-Übersetzungen läßt der Autor seinen Vollerwachten unter Erlösungsuchenden wie unter
in dieser Hinsicht völlig unambitionierten Zeitgenossen in 83 Episoden seine Leere verbreiten und denkgerüstvernichtend sein Wesen treiben.
Dabei künden viele zwischenmenschliche Details, besonders aber zahlreiche Episodentitel, von einem feinen Humor, der den Gedanken an Dogmen oder den erhobenen Zeigefinger gar nicht erst aufkommen läßt: "Vergeßlichkeit, die auch befreit", "Das Hindu-Huhn oder das Buddha-Ei", "Sumpfmücken und die Erleuchtung", "Schreck laß wach", um nur einige zu nennen.

Die letztgenannte Episode sei auch gleich als Beispiel angeführt, daß es sich trotz der humorvoll-leichten Erzählweise des Autors nie um bloße Wortspielereien handelt. Vielmehr wird hier herrlich beiläufig, doch mit großer sprachlicher Präzision, die alltägliche, unbewußte Gespaltenheit des Lesers derart auf die Spitze getrieben, daß besagter Spalt für einen kurzen Augenblick unüberbrückbar wird und sich dort ein Raum eröffnet, wo sonst unangefochten Ordnung herrscht:

"Schreck laß wach ...
Bei einer seiner vielen Meditationen geschah es einmal, daß sich der Vollerwachte im Lotossitz und tief versunken im Schlaf antraf. Er hüstelte erstaunt, und sofort wurde auch der andere wach." (S. 33)

Autor Helmut Barthel, Jahrgang 1951, setzt sich seit langem mit dem Buddhismus auseinander. Poems wie "Buddhas Eck'" oder "Verkennung unendlich", veröffentlicht im Rahmen seiner Lyrik-Bände "Dichterstube 1 und 2", verdeutlichen fernerhin den lebendigen Umgang, den er mit dieser Denktradition pflegt:

"Buddhas Eck'
Ohne daß ein Stuhl mich daran hindert,
ein Kissen mich gar unterbricht,
mich meine Schlafstatt täuscht
oder mich meine Füße in die Irre führen,
werd' ich unaufhörlich sitzen."

"Verkennung unendlich
Den unendlichen Ozean der Verkennung
zu überbrücken, kann nur gelingen,
wenn ihm weitere Verkennungen
hinzugefügt werden."

Stets wie nebenher und mit großer Bewegungsfreiheit beweist der Autor in Sachen Buddhismus eine Expertise, von der zu profitieren es das vorliegende Buch dem interessierten Leser leicht und dem geneigten Leser launig macht - und das möglicherweise manchen verärgert, der den
kurzfristigen Verlust der einen oder anderen Denkfessel zu beklagen hat.
 
Quelle: Elektronische Zeitung Schattenblick