Paperback

Ein Tag wie morgen

Kleine Geschichten

Helmut Barthel
Romane & Erzählungen

„An einem grauen Montag einer grauen Arbeitswoche in einem grauen Büro der Betriebskrankenkasse auf einem grauen Industriegelände in einer grauen Zukunft ...“,
das ist nur eine Szene aus diesen meist schon in den 1970er Jahren entstandenen kurzen Social- und Science-Fiction sowie fantastischen und politisch-satirischen Erzählungen. Sei es die Vision von der Entstehung eines Super-Gaus, die erschreckende Erkenntnis in einem Raumschiff über den vergeblichen Versuch, die Menschheit zu retten, sei es der wissenschaftliche Fortschritt in ferner Zukunft, mit dessen Hilfe sich randständige Menschen mit glückseliger Entschlossenheit selbst vernichten können, oder der schwierige Versuch der Kontaktaufnahme in einer digitalisierten Welt und nicht zuletzt die rätselhafte Begegnung und ihre Folgen zwischen einem einfachen Anstreicher und „Ralph“, der Legende nach ein Flaschengeist oder Hexenmeister - die Geschichten treffen die tieferliegenden Nerven, denn ihr Kern ist unheimlich, jedoch nur allzu vertraut und ihre Konsequenzen umso überraschender, besonders in den kleinen, bitterbösen, kritischen Dialogen, die gesellschaftliche Brennpunkte ins Visier nehmen: ein Asylbewerberverfahren, unser Gesundheitswesen, einen Chemieunfall

Ein breites Themenspektrum, das unbekannte Sichtweisen öffnet und Fragen nicht beantwortet, sondern weiterführt, äußerst anregend und bewegend.
 

Veranstaltungen

Helmut Barthel: "Ein Tag wie morgen" | Kurzgeschichten und ausgewählte Gedichte

Beginn: 31.08.2017, 20:00 Uhr
Ort: Kulturcafé Komm du in Hamburg-Harburg  
Das Komm du lädt ein zu einer Premierenlesung mit Gitarrenmusik am Donnerstag, den 31.08.2017, 20.00 bis 22.00 Uhr:

Helmut Barthel - "Ein Tag wie morgen"
Kurzgeschichten und ausgewählte Gedichte

"An einem grauen Montag einer grauen Arbeitswoche in einem grauen Büro der Betriebskrankenkasse auf einem grauen Industriegelände in einer grauen Zukunft ...",

das ist nur eine Szene aus diesen meist schon in den 1970er Jahren entstandenen kurzen Social- und Science-Fiction sowie fantastischen und politisch-satirischen Erzählungen. Sei es die Vision von der Entstehung eines Super-Gaus, die erschreckende Erkenntnis in einem Raumschiff über den vergeblichen Versuch, die Menschheit zu retten, sei es der wissenschaftliche Fortschritt in ferner Zukunft, mit dessen Hilfe sich randständige Menschen mit glückseliger Entschlossenheit selbst vernichten können, oder der schwierige Versuch der Kontaktaufnahme in einer digitalisierten Welt und nicht zuletzt die rätselhafte Begegnung und ihre Folgen zwischen einem einfachen Anstreicher und "Ralph", der Legende nach ein Flaschengeist oder Hexenmeister - die Geschichten treffen die tieferliegenden Nerven, denn ihr Kern ist unheimlich, jedoch nur allzu vertraut und ihre Konsequenzen umso überraschender, besonders in den kleinen, bitterbösen, kritischen Dialogen, die gesellschaftliche Brennpunkte ins Visier nehmen: ein Asylbewerberverfahren, unser Gesundheitswesen, einen Chemieunfall ...

Ein breites Themenspektrum, das unbekannte Sichtweisen öffnet und Fragen nicht beantwortet, sondern weiterführt, äußerst anregend und bewegend. Musikalische Begleitung: Stephen Foley (Gitarre).

Ausführliche Veranstaltungsankündigung im Schattenblick:
http://www.schattenblick.de/infopool/d-brille/veranst/dbvl5765.html

 

 

Presseberichte

Schattenblick-Rezension: "Ein Tag wie morgen" - Kleine Geschichten von Helmut Barthel

11.07.2017
 
„"An einem grauen Montag einer grauen Arbeitswoche in einem grauen Büro der Betriebskrankenkasse auf einem grauen Industriegelände in einer grauen Zukunft ..."“
Helmut Barthel
"Ein Tag wie morgen"
Kleine Geschichten
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Einige Wochen später - Donald hatte den Vorfall jenes Abends längst vergessen - bekam er einen gewaltigen Schreck, als er zum Dienstbeginn den Kontrollraum betrat. Intuitiv überschaute er in wenigen Sekunden alle Instrumente. Dabei sah er, daß der Geigerzähler reagierte. "Habt ihr schon Alarmstufe 2 gegeben?" Er sprach wie ein Automat und registrierte verwundert die verächtliche Reaktion seiner Kollegen. Sie hielten es für nötig, ihn darüber aufzuklären, daß der Werkdirektor schon den ganzen Tag davon wisse und mit dem technischen Mitarbeiterstab beschlossen hätte, überhaupt nichts zu unternehmen. ("Der GAU", Seite 18-19)
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Zum Teil bereits in den 70er Jahren entstanden, entführen diese Geschichten aus dem Bereich der Social- und Science-Fiction, der Phantastik und der politischen Satire trittsicher mit unabweislicher Präzision in die Wirklichkeit menschlichen Handelns. Von einem Abenteuer in den nächsten Zweifel gestürzt, wirft man bei der Lektüre einen hoffnungsfreien Blick auf die eigene Lebensrealität und ihre Konsequenzen. Unerwartet beginnen und enden die Geschichten, im Raum dazwischen verschwindet der Leser zeitweilig so gebannt in ihrer Welt, daß er für Momente die sichere Position des Zuschauenden verliert und sich ähnlich betroffen fühlt wie die jeweiligen Protagonisten. Auf Erkenntnis folgt neue Ungewißheit, Wissen stürzt in tiefe Verwirrung - der Weg führt auf unbekanntes Terrain. Nicht alles ist so, wie es auf Anhieb scheint, könnte man noch hinzufügen, bleibt jedoch mitten in diesem Gedanken stecken, weil der Gehalt dieser auf ungewöhnliche Weise entrollten Erzählungen unerträglich den verharmlosenden Schleier von den alltäglichen Begebenheiten nimmt.
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Obgleich Fiktion, ist hier nichts erfunden: Oder muß man sich noch die Frage stellen, wie eine Welt entstehen konnte, in der Menschen voneinander räumlich isoliert, in eine bequeme Halterung gebettet vor einer Schalttafel schweben, die per Tastendruck Myriaden Möglichkeiten des Spiels und der Kontaktaufnahme über Gedankenassoziationen und Sinneseindrücke ermöglicht? In der sich roboterbetreut die Notwendigkeit körperlicher Beweglichkeit so sehr erübrigt, daß sie zu anstrengend wird und dem einzelnen kaum noch in den Sinn kommt? In dieser auf sensorische Reize abgestimmten, deprivierenden Welt macht sich Fokus auf die Reise in ein so furchterregendes wie unabsehbares Abenteuer: den Weg zum anderen Menschen.
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Wie weit entfernt ist eine auf wissenschaftliche Rationalität und Menschenwürde gegründete Gesellschaft, in der der Fortschritt randständig gewordenen Menschen, die dem Bildungs- und Logikideal der modernen Zeit nicht entsprechen, den mit glückseliger Entschlossenheit selbstgewählten Tod "ermöglicht"? Oder der GAU in einem Atomkraftwerk der besonderen Art - der eingehegten Bombe -, der als so unmöglich gilt, daß man sich unter Umgehung des Erfinders dieser Form von Energiegewinnung die geplante Ernstfallsicherung spart? Die Geschichte wurde 1972 geschrieben, ist man heute schlauer?
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Medizinischer Fortschritt verhindert in der allzu realitätsnahen Satire, daß die "Solidargemeinschaft" Schaden erleidet; ein Asylbewerber nimmt die westlichen Werte zu ernst, die seinem Heimatland fehlen, und endet abgelehnt als "Neidprediger"; der Tatbestand der Verweigerungsdelinquenz in Sachen Terrorabwehrbewußtsein dient der Beseitigung der letzten Aufrechten; ein Chemiekonzern kondoliert zu Todesfällen und bedauert, zu Wiedergutmachungsleistungen noch nicht verpflichtet gewesen zu sein; eine IGITT-Metall führt sich selbst ad absurdum...
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Keinesfalls wurde zuviel verraten, denn die Geschichten sind in Verlauf, Erzählweise und inhaltlichen Wendungen so ideenreich und überraschend, daß sich weder Absehbarkeit einstellt noch der Leser sich an gewohnter Stelle wiederfindet. Wenn es denn Sinn macht, sich in ein Buch zu vertiefen, dann hier.
 
Quelle: Online-Tageszeitung SCHATTENBLICK