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Pädagogendämmerung

oder die sieben Irrtümer in der Pädagogik

Hermann M. Schulz
Fachbücher, Wissenschaftliche Arbeiten

Erwachsene können noch nicht einmal den Beipackzettel einer Arznei lesen und verstehen. Sie müssen bei Streitigkeiten um das alljährliche „Grenzbaumlaub” oder „Grenzbaumobst” die Justiz bemühen. Pädagogische und bildungspolitische Vorgaben hingegen verlangen von Kindern, dass sie sich selbstbildend mittels situationsorientiertem und projektorientiertem Handeln bis hin zu komplexen und gerechten Konfliktlösungen alles selbst beibringen.
Die PISA-Studien verstärken dieses „pädagogische Erfolgsmodell” sogar noch dahingehend, dass sie eine flächendeckende Gemeinschafts- wie Gesamtschullandschaft mit ihren Ganztagsangeboten als bildungspolitisch „alternativlose”, sprich als einzig wahre Erfolgsgarantie à la Nürnberger Trichter suggerieren - Kuschelnoten, Notenschutz und „Discountabitur” inklusive! Dass jeder zweite Schulabgänger noch nicht ausbildungsfähig und jeder dritte Abiturient als nicht studierfähig eingestuft wird, ist nur eine der bekannten Nebenbedingungen dieser Auffassung, welche Handwerksbetriebe und Hochschulen beklagen.
Mit der allseits beliebten These des spielerischen Lernens vermag der versierte Pädagoge aus allen Kindern, egal, welcher Herkunft und welchen persönlichem Lernvermögens, die politisch geforderte „PISA-Elite” heranzubilden. Und da das Motto „Bildung von Anfang an” lautet, fängt das Heranbilden dieser PISA-Elite selbstverständlich bereits in der Kinderkrippe an.
Die unter der pädagogischen Ladentheke gehandelten Menschenbilder dürften, wenn überhaupt, natürlich nur den absolut eingefleischten Insidern bekannt sein. Oder doch nicht?