Hardcover

Ein Leben … zwei Welten

Biographische Notizen in Zeiten des Wandels

Kiu Eckstein
Biografien & Erinnerungen

Geschichten, auch ein paar ziemlich verrückte, aus einem langen bewegten Leben. Vor sich selbst hergetrieben, aber hin und wieder auch – späte Einsicht –geführt von unsichtbarer Hand.
Die Geschichten aus der frühen, nicht so lange zurückliegenden und doch schon fast vergessenen Zeit zeigen wie sehr sich unsere Welt in sehr kurzer Zeit verändert hat. Nach diesen harten, aber auch bukolischen Jahren immer neue Schauplätze und Kontinente, nicht sorgfältig geplant, eher mitschwimmend im Strom der Zeit und doch – auch das eine späte Einsicht – zeichnete sich nach und nach eine Richtung und ein Weg ab.
Schließlich der Versuch einer Einordnung in unsere sehr besondere Zeit, geprägt von dem großen, epochalen Umbruch, dessen frühe Anzeichen Jean Gebser schon Mitte des 20 Jahrhunderts aufgezeigt hat. Herauf kommend aus dem Urgrund belässt er keinem Stein auf dem anderen, erfasst uns alle, ob wir es merken oder nicht, und stellt unsere kleinen persönlichen Geschichten, auch die, von der hier die Rede ist, in einem übergeordneten Kontext, macht sie begreiflicher und relativiert sie somit auch.
Das „Ein Leben…“ und die „…zwei Welten“ sind die, in die ich geboren wurde und aufgewachsen bin, in die ich gegangen und lange geblieben bin, und sie sind auch und vor allem die Welt, die in dieser Lebenszeit vor unseren Augen zerbricht, um einen anderen Platz zu machen, von der wir nicht wissen, wie sie sein wird.

Rezensionen

Auf der Schwelle zu einem anderen Selbst- und Weltverständnis

filosof69
★★★★★

Kiu Eckstein spannt in seinem Lebensrückblick einen weiten Bogen, für den wir Leser umso dankbarer sind, da er – mit Joseph Ratzinger und Gerhard Knauss, dem letzten noch lebenden Jaspers-Schüler – zu den sehr wenigen dieser sich längst verabschiedenden Generation gehört, die noch leben. Die großen Veränderungen, um deren tieferes Verständnis es ihm mit Gebser geht und die er hautnah in einem fast ein Jahrhundert dauernden Leben selbst erlebt hat, werden in seiner anschaulichen, immer dicht am Persönlichen, Alltäglichen und Politischen bleibenden Erzählweise lebendig und gleichzeitig exemplarisch. Zu den intimsten dieser Erfahrungen zählt die wiederholte Begegnung mit einem numinosen, alles erhellenden, alles durchdringenden LICHT. Was in diesen Erzählungen zur Sprache drängt, ist nicht nur das Substrat, die Substanz, Essens eines intensiv und leidenschaftlich gelebten Lebens, sondern auch der, immer wieder schmerzlich errungene Erkenntnisgewinn eines zur Suche nach sich selbst, seinem tieferen, eigentlichen Wesen, nach Sinn und Erfüllung Getriebenen auf der Schwelle eines „anderen“ Lebens, einer „neuen“ Seinsweise und Welterfahrung, die Selbst- und Weltbesinnung eines aus dem Traum des mentalen Bewusstseins in ein erweitertes, arationales, integrales, ganzheitliches Bewusstsein Erwachenden und dabei um Orientierung Bemühten. Zu den Merkmalen dieses „anderen“ Bewusstseins gehören Ehrfurcht und Demut vor dem undurchdringlichen, abgründigen Geheimnis, das in Frage stellen jeglicher Ideologie und Weltbilder, unvoreingenommene Offenheit der Erfahrung und das Schwinden des kleinen ICH mit seinen Begierden, Interessen und Wünschen, dem es zunehmend zum Bedürfnis und zur Erfüllung wird, für andere da zu sein, liebend zu dienen. Dass dieses Vermächtnis eines „notorischen Außenseiters“, diese eindringliche Mahnung zur Besinnung und Ermutigung nun außerhalb des etablierten Buchmarktes erscheint, ist konsequent und folgerichtig. Der Weise versteckt ein Blatt im Wald. Bücher finden Ihre Leser und Leser finden ihre Bücher. Und es sind die Leser, die Bücher immer wieder zu dem machen, was sie sind und sein können. (aus: Benedikt Maria Trappen: „Auf der Schwelle zu einem anderen Selbst-und Weltverständnis“ in: AUFGANG 15 , 2018)