Paperback

Mondeskälte

Der Weg aus der Finsternis

Klaus Neukamp
Romane & Erzählungen

Geschildert wird eine existentielle Krise des Arztes Dr. Peter Hartmann, der, ohne es selbst zu erkennen, an einer chronischen Depression (Dysthymie) leidet. Eheprobleme, finanzielle Schwierigkeiten sowie Komplikationen bei einer Operation führen zu einer extremen Zunahme seiner depressiven Grundstimmung und letztlich zum Suizidversuch. Erst während der anschließenden Psychotherapie erkennt er sein Grundleiden und ändert seine Lebensweise. Es gelingt ihm, seine Ängste zu rationalisieren, mit seiner chronischen Krankheit zu leben und eine gesunde tragfähige Beziehung einzugehen.

Rezensionen

Gelungenes, stimmiges Erstlingswerk

JGW
★★★★★

Der Autor – selbst Arzt im Ruhestand – verarbeitet in seinem Debüt-Roman anhand fiktiver Personen die eigene Lebensgeschichte.
Das einleitende Gedicht umschreibt sehr poetisch den emotionalen Konflikt des Protagonisten Dr. Peter Hartmann und macht neugierig auf die Geschichte dahinter.
Die 343 Seiten sind in 53 relativ kurze Kapitel unterteilt und dank schnörkelloser, flüssiger Schreibweise kann man das Buch in einem Rutsch durchlesen. Die Anfangskapitel lauten „Alltäglicher Ärger, Böses Erwachen, Die Komplikation, Die Auseinandersetzung, …., Allein, Angst“ und schnell wird den LeserInnen klar, dass widrige äußere Umstände unweigerlich zu einer persönlichen Katastrophe führen werden. Eine existentielle Lebenskrise hätte man dem erfolgreichen, fachlich versierten und pragmatischen Facharzt, äußerlich immer nett und selbstsicher, gar nicht zugetraut.
Der Untertitel des Buches „Weg aus der Finsternis“ deutet hin auf den nun folgenden, schmerzlichen Prozess der Selbstreflexion. Authentisch, offen und ehrlich wird die Geschichte forterzählt. Es gelingt dem Autor, die Gefühle des Protagonisten treffend zu beschreiben. Dr. Hartmann begibt sich in stationäre, psychiatrische Behandlung, bekommt eine Diagnose und Hilfe zur Selbsthilfe. Auf dem Weg der Selbsterkenntnis – zurück in die eigene Kindheit – werden ihm die psychologischen Zusammenhänge und die Hintergründe eigener Verhaltensweisen vor Augen geführt sowie Lösungsansätze aufgezeigt.
Wieder einmal wird klar, wie sehr Erlebnisse in der Kindheit die Ursache sein können für spätere psychische Probleme und wie hilfreich es sein kann, sich ehrlich damit auseinanderzusetzen.
Das Buch ist zwar kein „Ratgeber“ im eigentlichen Sinne, kann aber betroffenen Personen oder deren Angehörigen durchaus zur Lektüre empfohlen werden. Die psychiatrische Klinik wird als angenehmer Ort beschrieben, insofern werden vielleicht vorhandene Vorurteile ausgeräumt und Menschen Mut gemacht, kompetente Hilfe anzunehmen.
Die letzten Kapitel heißen „ … Ein schönes Wochenende, Der Streit und Ein altes Problem“. Der Leser freut sich über ein positives Ende, aber gleichzeitig deutet sich an, dass eine psychische Erkrankung viel Geduld erfordert, eine ständige Herausforderung darstellt und die Betroffenen lebenslang begleitet.
Die berührende, sympathische und auch spannende Erzählung, einschließlich erotischer Episoden, ergibt zusammen mit der sehr gut passenden Umschlaggestaltung ein gelungenes, stimmiges Gesamtwerk. Leseempfehlung für alle psychologisch interessierten LeserInnen auf dem Weg der Selbsterkenntnis.

Ein Buch, das mich sehr berührt

RL
★★★★★

Es handelt sich bei dem Roman „Mondeskälte“ um ein gelungenes Werk des Autors Klaus Neukamp,
der auf 343 Seiten den ständigen Kampf des Arztes Dr. Peter Hartmann gegen dessen psychische Probleme beschreibt.
Beginnend mit einem sehr emotionalen Gedicht, welches bei mir eine Gänsehaut erzeugte, steigerte sich mein Interesse an dieser Geschichte.
Kurze, abgegrenzte Kapitel in einem lesefreundlichen Schreibstil ermöglichten es, dieses Buch anschaulich, verständlich und fließend zu lesen.
Im Roman sind Disziplin und Streben nach Anerkennung von Herrn Dr. Peter Hartmann während seiner Tätigkeit als Arzt durchgehend erkennbar. Nicht nur durch die Sorge um Ablehnung, die ständige Angst vor dem Alleinsein, auch die Liebe zu seinen Kindern, wenn auch in einigen seiner Äußerungen nicht immer bescheiden,
lässt der Autor den Arzt als einen liebenswerten und sympathischen Menschen auf den Leser wirken.
Erst durch eine existenzbedrohende Lebenskrise erlangt Dr. Hartmann während eines Aufenthaltes in einer psychiatrischen Klinik Kenntnis darüber, dass die Ursachen und Anfänge seines Krankheitsbildes bereits in seiner Kindheit liegen. Während dieses Aufenthaltes lernt er, wie er seine Probleme zwar nicht gänzlich abstellen, diese im Alltag aber entscheidend besser beherrschen kann. Es ist allgemein bekannt, dass Erfahrungen, die Kinder in den ersten Lebensphasen machen, den weiteren Lebensweg entscheidend prägen können.
Die prävalente Sehnsucht nach Geborgenheit und die Suche nach einer Partnerin, die seine Liebe und emotionale Leidenschaft erwidert, stürzen ihn dabei in einige schicksalhafte Begegnungen.
Während einiger Partnerschaften erfährt er im Wirrwarr der Gefühle ein ständiges Auf und Ab, was ihm eine ungehörige Portion Energie abverlangt.
Jedoch durch gute Therapieansätze und mit professioneller Unterstützung gelingt es
Dr. Peter Hartmann, seine psychischen und somatischen Beschwerden behandeln zu lassen, um wieder zu neuer, mentaler Stärke und Kraft zurückzufinden.
Die Thematik ist für die heutige Zeit, die überwiegend durch Leistung und Perfektionismus geprägt ist, sicher nicht ungewöhnlich.
Die Lektüre dient bestimmt auch nicht als Ratgeber. Aber sie kann Betroffenen Mut machen, sich in ähnlichen Krisensituationen offen und vertrauensvoll therapeutische Hilfe zu suchen.
Mich hat dieses kurzweilige Buch von der ersten bis zur letzten Seite sehr berührt.
Schade, dass es nach 53 Kapiteln schon zu Ende war.
Ich vergebe hierfür sehr gerne fünf Sterne.