Paperback

Aus dem Leben des Julius F.

Roman

Magnus Schleich
Romane & Erzählungen

In der Auslage eines Pariser Antiquariats fällt dem Erzähler, einem alleinstehenden, pensionierten Lehrer, ein Bild ins Auge, von dem er meint, es als Kind gesehen zu haben, wenn er auf Besuch bei seinem Onkel war. Damit nimmt eine Suche ihren Anfang, die ihn mit seiner fragmentarischen Familiengeschichte konfrontiert. Er wird dabei von einer jungen Buchhändlerin unterstützt, deren Grossmutter durch eine viele Jahre zurückliegende Erbschaft in den Besitz des Bildes gekommen war. Die Buchhändlerin ist überzeugt, dass der Onkel des Erzählers und ihre Grossmutter, eine Jüdin, die vor den Nazis nach Amerika floh, sich nahestanden. Der Erzähler stösst auf Patientenakten seines Vaters, die belegen, dass dieser, als hoffnungsloser Fall abgeschrieben, 36 Jahre lang in den badischen Heilanstalten Illenau und Wiesloch verbrachte, bis er 1943, durch das nationalsozialistische Euthanasieprogramm in akuter Lebensgefahr, entlassen wurde. Auf Umwegen, die den Erzähler über Wiesloch auch nach Strassburg und Zürich führen, finden sich noch weitere Schriftstücke, die von der abenteuerlichen Flucht jener Jüdin berichten und belegen, dass sein Vater daran massgeblich beteiligt war. Die unerwarteten Funde gewähren dem Erzähler Einblick in die ebenso aussergewöhnliche wie beklemmende Lebensgeschichte seines Vaters, bewirken aber zugleich, dass er sich mit sich selbst auseinanderzusetzen beginnt. Auch die Bekanntschaft mit der Buchhändlerin, zu der er sich hingezogen fühlt, bringt Bewegung in sein geordnetes Junggesellendasein. So trifft es ihn schwer, als unvermutet Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit aufkommen und plötzlich alle Kontakte zu ihr abbrechen. Es bleibt ihm die leise Hoffnung, dass ihre Beziehung, die mit den gemeinsamen Nachforschungen begonnen hat, dennoch nicht zu Ende ist.