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Morgenland-Abendland

Teil I: Nazarener, Christentum und Islam Ihre Geschichte und Beziehung zueinander Teil II: Reiseerzählung

Naima Stening
Politik & Geschichte, Religion & Spiritualität

Nazarenertum, Christentum und Islam haben geschichtliche und inhaltliche Beziehungen zueinander. Ihre Schriften geben gegenseitig Zeugnis. Abraham, der perfekte Muslim, ist Stammvater der Hebräer und der Araber. Siebzehn Jahrhunderte später wird mit dem Messias Jesus eine Zeitenwende eingeleitet. Die Kreuzigungsgeschichte veranlasst die Spaltung seiner Anhänger.
Das paulinische Christentum bejaht die Kreuzigung des Gottessohnes und die Freiheit vom jüdischen Gesetz. Es evolvierte in Westeuropa zum Trinitarischen Katholizismus und im Orient zur Byzantinischen Kirche. Das Papsttum und das Heilige Römisch-Germanische Reich traten im Mittelalter hervor.
Auf der anderen Seite verwarfen die Nazarener die messianische Kreuzigung und hielten sich an das jüdische Gesetz. Sie erwarteten den Endzeitpropheten Muhammad und das Tausendjährige Reich Gottes auf Erden. Viele von ihnen nahmen im siebenten Jahrhundert die Lehre des Islam an, die sich ganz in ihrem Sinn erwies.
Mit der Entstehung des Islam wurde die Religion Abrahams, Moses und Jesu zu einer Weltreligion angehoben. Religion und weltliche Angelegenheiten werden nicht voneinander getrennt, Wissenschaften und empirisches Denken gefördert. Technischer Fortschritt und hoher Lebensstandard folgten. Dieses war das goldene Zeitalter des Islam.
Später zogen diese Ideen vom arabisch-islamischen Kulturraum über Sizilien, Andalusien und den Kreuzfahrerstaaten ins Abendland ein und konnten sich dort verbreiten. Seither ist das Abendland von materiellen und humanistischen Erfolgen gekrönt, während das Morgenland verfiel.
Das Erstarken des Abendlandes auf islamisch-arabischen Wurzeln ignorieren viele Abendländer jedoch gerne.
Mit diesem Hintergrund reisten wir, eine vierköpfige Familie, per Wohnmobil vom Münsterland nach Dubai. Wir bewunderten Monumente der Vergangenheit, erinnerten uns in Nizäa an die Entstehung des trinitarischen Katholizismus und am Osttor in Damaskus an die Wiederkunft des Messias. Wir besuchten in Jerusalem die al-Aqsa-Moschee samt ihrem gesegneten Umfeld, praktizierten in Mekka Rituale, die an Abraham und seine Familie erinnern, erlebten Wüstenssturm und Gastfreundschaft bei Beduinen und waren schließlich Zeugen, dass die Verkündigung durch Engel Gabriel sich schon realisiert hat, indem einstige Schafhirten untereinander im Hochhausbau rivalisieren.