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Rettung aus der Hölle Alkohol

Die Ebene der geistigen Gesundheit

Rene Zeiner
Gesundheit, Familie, Lebenshilfe

Tiroler Tageszeitung 18.03.2010

Der Droge Alkohol entkommen

Was René Zeiner (42) geschafft hat, will er auch anderen ermöglichen: den Ausstieg aus der Alkoholsucht. In seinem Buch gibt er Betroffenen und deren Angehörigen Ratschläge, die helfen können.

Von Catharina Oblasser

Lienz – Bier, Bacardi, Whisky und Cherry Brandy, alles auf einmal und durcheinander – das war für René Zeiner aus Lienz das übliche Programm. Damals war er 13. In den Ferien beschränkten sich der Hauptschüler und seine Freunde nicht auf das Wochenende, sondern feierten täglich. „Wir konnten mit unseren 13, 14 Jahren problemlos Alkohol bekommen. Oft kauften wir mehrere Kisten Bier, das haben wir dann am Spielplatz ausgetrunken.“ Komatrinken sei zwar heute ein Schlagwort, doch das habe es auch früher gegeben. „Es ist nur weniger registriert worden“, meint René Zeiner heute. Er selbst sei des Öfteren für 15 Stunden „völlig weg gewesen – und das als 14-Jähriger“. Für seine Alkoholkarriere will der gelernte Fleischer, der bei seinen Großeltern aufwuchs, niemanden verantwortlich machen. „Ich sage nur im Allgemeinen, dass Eltern eine große Verantwortung gegenüber ihren Kindern haben. Und die sollen sie auch wahrnehmen.“

Immer wieder schrammte der Osttiroler haarscharf an alkoholbedingten Katastrophen vorbei. „Wegen der Trinkerei wäre ich fast aus dem Lehrlingsheim geflogen. Moped- und Autounfälle hatte ich immer wieder“, erinnert sich Zeiner zurück. Obwohl er als Lkw-Fahrer unterwegs war und oft auch betrunken fuhr, hatte er keine schweren Unfälle – im Gegensatz zu vielen Freunden und Bekannten, die heute nicht mehr leben. „In ganz Osttirol liegen auf den Friedhöfen junge Männer, die wegen der Sauferei ihr Leben verloren haben“, schildert er. „Ich habe die meisten davon gekannt.“

Weder die tödlichen Unfälle seiner Freunde noch die Tochter, die geboren wurde, als Zeiner 19 war, brachten ihn vom Alkohol ab. Jahrelang versuchte er auf eigene Faust, „trocken“ zu werden, doch erst mit Hilfe der Anonymen Alkoholiker zeichnete sich Hoffnung ab. Was folgte, waren acht wechselvolle Jahre mit Abstinenzphasen und Rückfällen, Todesangst und Panikattacken.

Heute hat René Zeiner keine Angst mehr, wieder rückfällig zu werden. Er ist mittlerweile Ansprechpartner bei den Anonymen Alkoholikern in Lienz. Die Erlebnisse mit Abhängigen und deren Angehörigen hat er mit seinen eigenen Erfahrungen verknüpft und darüber ein Buch geschrieben.