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Aus gegebenem Anlass

Gedichte und Essay

Rudolph Bauer, Thomas Metscher
Lyrik & Poesie

Seit dem Ende der Aufklärung hatte die kulturelle Elite in Deutschland lange ein äußerst problematisches Verhältnis zum Politischen. Das zeigte sich nicht zuletzt in der abschätzigen Einstellung zu politischer Kunst. Dennoch gibt es im deutschen Sprachraum die Tradition engagierter Literatur, auch politischer Lyrik. Sie geht zurück auf das hohe Mittelalter, die Reformationszeit sowie auf die Arbeiter- und die Friedensbewegung. Für die Bundesrepublik lassen sich Erich Fried und Franz Josef Degenhardt nennen, für die DDR Franz Fühmann, Peter Hacks, Heiner Müller und Volker Braun.

Rudolph Bauers Gedichtband ist vielfach mit dieser Tradition verbunden. Bereits der Titel Aus gegebenem Anlass gibt die operative Programmatik vor. Formal und inhaltlich schließen die Gedichte an klassische Vorbilder der situationsgebundenen Dichtung an: in ihrer Prägnanz und dem packenden Zugriff des Verfahrens, der Einfachheit und Konkretion von Stil und Strophenform. "Es ist eine Einfachheit, die die Komplexität einschließt", bemerkt Literaturwissenschaftler Thomas Metscher in einem erklärenden Essay am Schluss des Gedichtbandes.

Bauers Poesie verbindet Gegenwärtiges und Vergangenes. Treffend verweist Metscher darauf, wie ungebrochen die in den Texten zum Ausdruck gebrachte Macht der Tradition hineinwirkt in unsere Gegenwart. Dieser Gesichtspunkt berühre das Herzstück der Texte: "Immer wieder und immer neu geht es um die Gegenwart des Vergangenen: die Kontinuität von Militarismus, imperialer Gewaltpolitik und die Rolle der Ideologien in ihnen; von Kolonialismus, Faschismus, ihrer Restauration in der Bundesrepublik Deutschland."

Es geht nicht mehr nur um das Hier und Jetzt der deutschen Gegenwart als Wiederkehr von Vergangenem. Die lyrische Bedeutung der Gedichte erschließt grenzüberschreitend Bilder und Gedanken sowohl aus dem Erfahrungsarchiv anderer Kulturen als auch des Zukünftigen. Indem die utopische Dimension aufscheint, überwindet politische Dichtung das Hier und Jetzt.

Rezensionen

Pressestimmen

rudolphbauer
★★★★★

„Aus gegebenem Anlass“ versammelt aktuelle Einlassungen zu Extremismus und Pazifismus, Politiker- und Medienjargon. Dabei durchzieht der kritische und aufklärerische Grundgestus die lakonischen Reflexionen auf denkbar unaufdringliche Weise.
Hendrik Werner in Weser-Kurier

Bei Rudolph Bauer trifft man auf echte politische Lyrik, die nicht weichgespült ist. Thematisch ist das Buch sehr vielfältig, geht aber immer vom Denken der Friedensbewegung aus. Das Schwergewicht liegt auf Gedichten gegen den Krieg und gegen die Rüstung und Waffenexporte.
Christian G. Pätzold auf kuhlewampe.net

Distichen, Aphorismen und Sonette – Bauer klopft sie ab auf ihre Eignung, aktuelle Vorgänge und Schlussfolgerungen zu transportieren. Und füllt die alten Formen mit alten und neuen Worten, die haltbar genug sind, Bedeutung zu tragen und vom Einzelnen zum Ganzen zu kommen.
Bernd Redlich in UZ – unsere zeit

Rudolph Bauer hat einen fulminanten, aufrüttelnden Gedichtband vorgelegt. Er verfährt operativ. Das heißt: die Texte sind auf einen konkreten Anlass bezogen, der eine politische Analyse oder Position geradezu provoziert. Die Analyse ist lakonisch verdichtet, um so besonders wirksam zu sein.
Jürgen Pelzer in jW – junge Welt

Der Autor will mit seinen Gedichten anklagen, aufrütteln, entlarven. Er deckt die mit Worten und in Reden oft verschleierte kapital-, imperial- und militärisch-kriegerisch orientierte Politik auf. Er macht das oft in „ätzender“ Weise. Seine Lyrik legt offen, worum es in Wirklichkeit geht. Sie ist aufklärerisch.
Hartmut Drewes in Ossietzky


 

Videos

Aus gegebenem Anlass

17.09.2018
 
Lesung von Gedichten aus dem Band