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Zur Erinnerung an den Essener Rechtsanwalt Dr. Rosenberg

Eine politische Biografie

Sahin Aydin
Biografien & Erinnerungen

Der Bottroper Lokalhistoriker Şahin Aydın legt mit dieser Abhandlung über den jüdischen Rechtsanwalt und Friedensaktivisten Dr. Rosenberg eine weitere Ausarbeitung seiner historischen Forschungen von vergessenen aktiven politischen Menschen aus dem Ruhrgebiet vor, die in der Zeit der Weimarer Republik und des Dritten Reiches lebten.

Die vorliegende Abhandlung ist ein Versuch und Grundstein für die Auseinandersetzung mit dem Wirken jüdischer Pazifisten und Antimilitaristen an der Basis während der Weimarer Zeit und des Dritten Reiches.

Şahin Aydın ist bei seinen Forschungen über den politischen Aktivisten in seiner Heimatstadt Gronau/ Westfalen und im Ruhrgebiet über den Bergmann Alois Fulneczek 1919 und den Ruhrkampf 1920 durch den Hinweis des früheren Oberstaatsanwalts Dr. Schmalhausen, in dessen grundlegendem Buch „Schicksale jüdischer Juristen aus Essen 1933-1945“, auf Dr. Rosenberg gestoßen.

Als Mitglied der heutigen DFG-VK- Gruppe Essen hat Şahin Aydın diese Anregung zum Anlass genommen, sich mit dem Essener Rechtsanwalt und Notar Dr. Rosenberg zu beschäftigen.

Neben der vorliegenden Abhandlung hat Şahin Aydın zusammen mit der Essener DFG-VK-Gruppe die Verlegung von Stolpersteinen zum Gedenken für Dr. Rosenberg und seine Familie initiiert und durchgeführt. Er hat diese Aktion auch mit seiner Pressearbeit begleitet.

Ihm und allen, die ihn bei der vorliegenen Schrift unterstützt haben, gebührt die Dank der DFG-VK-Gruppe Essen. Sie hofft, dass er seine Forschungsarbeit weitervertieft und fortsetzt.
 

Presseberichte

Sahin Aydin erforscht Schicksale mutiger Ruhrstädler: Zu ihnen gehört auch der Essener Dr. Nathan Rosenberg

26.02.2018
 
„Sahin Aydin erforscht Schicksale mutiger Ruhrstädler: Zu ihnen gehört auch der Essener Dr. Nathan Rosenberg“
Şahin Aydın erforscht Schicksale mutiger Ruhrstädter: Zu ihnen gehört auch der Essener Dr. Nathan Rosenberg

Das Forschervirus hat ihn gepackt. Kein Tag, an dem der 49-Jährige nicht unterwegs ist in Sachen Heimatforschung. An dem er nicht in Archiven nach Quellen sucht, per E-Mail Kontakte zu Zeitzeugen knüpft oder im Austausch mit Historikern nach neuen Erkenntnissen forscht. Die wechselvolle Zeit der Weimarer Republik und der NS-Terror, das ist es, was ihn besonders interessiert. Und die Schicksale jener Menschen, die nicht in den Geschichtsbüchern zu finden sind.


Jetzt hat sich der 49-jährige Bottroper an die Spuren von Dr. Norbert Nathan Rosenberg geheftet. Der Rechtsanwalt und Notar wurde am 9. Januar 1869 in Essen geboren. Nach dem Studium eröffnete der 1897 als Rechtsanwalt in Essen zugelassene Rosenberg eine Kanzlei im Lichtburg-Gebäude am Burgplatz.
Der Lokalhistoriker ist tief in die Familiengeschichte der Rosenbergs eingetaucht und dabei auf viele offene Türen gestoßen. "Das hat vielleicht auch mit meiner eigenen Geschichte zu tun", verrät er im Gespräch mit dem Stadtspiegel. Denn Sahin Aydın wurde 1968 als Kurde in der Türkei geboren. Mit fünf Jahren kam er mit seiner Familie zunächst nach Gronau, wo er aufgewachsen ist. Seit 1999 lebt er in Bottrop.
Auf einen Tee beim Mitarbeiter des jüdischen Friedhofs
Dass sich jemand, der nicht in Deutschland geboren, nicht unmittelbar Teil der Geschichte ist, so intensiv mit dieser auseinandersetzt, fand man in vielen Institutionen und Einrichtungen spannend. "Ich habe auf dem jüdischen Friedhof auf dem Parkfriedhof in Huttrop nach dem Grab Norbert Rosenbergs gesucht", erinnert sich Sahin Aydın. "Der zuständige Mitarbeiter hat mich sofort gefragt, warum gerade ich zu diesem Thema forsche. Meine Antwort war wohl überzeugend. Denn am Ende hat er mich immer auf einen Tee eingeladen, wenn ich vor Ort war."
"Als Ausländer spreche ich vielleicht automatisch nicht richtig deutsch"
Allerdings gibt es auch Vorbehalte in Historikerkreisen. "Ich hatte auch schon das Gefühl, dass mich einige belächeln. Vielleicht weil sie glauben, ich bin Ausländer und spreche deshalb automatisch nicht richtig deutsch." Sicherlich sei Kurdisch seine Muttersprache, räumt der 49-Jährige ein. "Aber ehe ich etwas veröffentliche, gehen meine Texte immer noch einmal an einen Zweitkorrektor, um mögliche Fehlerquellen auszuschließen. Aber das tun deutsche Lokalhistoriker sicher auch." Entmutigen lässt sich der 49-Jährige durch derartige Vorbehalte in seinem Engagement jedoch nicht.
Flucht vor den Nazis nach Uruguay - Infos aus Montevideo

Zuletzt hat Aydin die letzte noch lebende Nachfahrin des Essener Rechtsanwalts ausfindig gemacht. Die Enkelin der Rosenbergs lebt heute in Tokio. Die Deutsche Botschaft in Uruguay, dorthin sind die Eheleute Rosenberg 1939 vor den Nazis geflohen, ihr Sohn ist bereits 1936 dorthin ausgewandert, hat dem kurdischen Lokalhistoriker eine Menge Informationen geliefert und Dokumente für seine politische Biografie zur Verfügung gestellt. Ebenso die Jüdische Gemeinde in Montevideo. Und auch die jüdische Gemeinde Essen, das Stadtarchiv und das Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Heildeberg sowie das Landes- und Bundesarchiv waren bei der Aufarbeitung der Geschichte des Juristen und seiner Familie sehr kooperativ und hilfreich.
Rechtsanwalt vertrat Angehörige der Ruhrkampf-Revolutionäre

"Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde es relativ schnell schwer für Rosenberg, seinen Beruf auszuüben", weiß Aydin. Die faschistischen Machthaber begannen sofort, „Belastungsmaterial“ gegen den jüdischen Rechtsanwalt, der in Essen Vorsitzender und lange Zeit Vorstandsmitglied der Deutschen Friedensgesellschaft war, zusammenzutragen.
 
Quelle: http://www.lokalkompass.de/essen-borbeck/leute/ahin-aydn-erforscht-schicksale-mutiger-ruhrstaedter-zu-ihnen-gehoert-auch-der-essener-dr-nathan-rosenberg-d830919.html

 

Videos

Zur Erinnerung an den Essener Rechtsanwalt Rosenberg

10.01.2018