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In dieser Minute

Steffen Georg Beitz
Romane & Erzählungen

Der Roman schildert die Liebe zwischen dem verschlossenen Gärtner Dirk Marks aus Düsseldorf und dem iranischen Studenten Rahim Mirdamadi, der mit seiner Familie im Pariser Exil lebt. Die Beziehung der beiden jungen Männer wird auf die Probe gestellt: Einerseits ist ihnen das starke Missfallen von Rahims Vater gewiss. Zudem ist Rahims Bruder Davood politischer Gefangener im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran und der iranische Geheimdienst ist der Familie auf den Fersen.

Rezensionen

Liebe und Menschenrechte

costello
★★★★★

Es ist bemerkenswert, wie fein Steffen Georg Beitz seine Charaktere ausarbeitet – das gilt auch für die Nebenfiguren wie Rahims Tante Donya – und wie lebendig der Autor die Orte der Handlung beschreibt. Man geht fast mit ihm durch die Straßen von Paris oder sitzt in Rahims WG oder beobachtet die Veränderungen in den Gärten von Dirks Auftraggebern in Düsseldorf. Schnell taucht man ins Geschehen ein, bis der Autor einen mitunter recht rabiat wieder herausreißt.
Denn Beitz verknüpft die Beschreibung zwischenmenschlicher Beziehungen bewusst mit gesellschaftlichen und politischen Themen. Immer wieder reflektiert der Autor – meist aus der Perspektive des zurückhaltenden Düsseldorfer Gärtners Dirk – über weltweite Menschenrechtsverletzungen. Er springt vom Jemen nach Brasilien, deutet Verstöße in Nigeria genauso an wie in Japan. Nur gelegentlich hat das direkten Bezug zur Geschichte, doch immer wieder verbindet Beitz diese Themen mit der Handlung, indem er beispielsweise, als Dirk und Rahim sich lieben, einwirft, dass währenddessen „die Menschen in Dhaka um ihre Angehörigen weinten, die für C&A, Benetton und ihre Kunden gestorben waren“. Auch der Buchtitel „In dieser Minute“ verweist darauf, dass in guten wie in schlechten Momenten nicht vergessen werden sollte, dass in anderen Teilen der Welt grausame Dinge geschehen, die uns alle etwas angehen. Oder auch dass man dem ganzen Irrsinn und Schmerz der Welt eine größere Kraft entgegenstellen kann.


 

Presseberichte

Rezension von Marcel Schilling, GAB Magazin, Mai/Juni 2021

11.05.2021
 
„Frühlingslektüre der anspruchsvollen Art: Der Wahl-Frankfurter Steffen Georg Beitz legt mit seiner politischen Liebesgeschichte ein beachtliches Romandebüt vor.“
Frühlingslektüre der anspruchsvollen Art: Der Wahl-Frankfurter Steffen Georg Beitz legt mit seiner politischen Liebesgeschichte ein beachtliches Romandebüt vor.
Dirk ist 26 Jahre jung, introvertiert und angehender Gartenarchitekt in Düsseldorf; Rahim studiert Literaturwissenschaft im Pariser Exil, weiß genau, was er will und wie er es bekommt. Klar, das ist Liebe auf den ersten Blick. Bald stellen sie fest, dass zwischen ihnen und ihrer aufkeimenden Liebe mehr als nur räumliche Distanz liegt. Rahims Famillie wird zum Ziel des iranischen Geheimdienstes, sein Bruder Davood nämlich bangt als politischer Gefangener in Teheran um sein Leben, Rahims Vater ist zudem strikt gegen die Verbindung zu Dirk.
Gern blenden wir aus, dass jedes Individuum im Kontext eines gesellschaftlichen, oft unerbittlichen Zeitgeschehens lebt und handelt. Unser Jammern auf hohem Niveau relativiert sich schnell durch den oft unbarmherzigen Blick in den überregionalen Teil der Tageszeitung. Als ehemaliger freier Journalist weiß Steffen Georg Beitz um diesen psychischen Konflikt und macht ihm zum eigentlichen Kern seiner Geschichte. Intimste Momente werden durchbrochen von Berichten tagtäglicher Brutalität und Ungerechtigkeit. Schilderungen erfüllender Verbundenheiten wechseln sich ab mit der nüchternen Darstellung einsamer, vertriebener Menschen. Dabei hebt sich Beitz' Prosa angenehm wortgewandt und poetisch vom vorherrschenden Stakkato-Stil ab. Sein Mut zur ausladenden Beschreibung macht "In dieser Minute" zur espritvollen Lektüre mit manchem Aha-Moment.
 
Quelle: GAB Magazin

"Komplizierte Liebe", Rezension von Harald Gesterkamp in "schnüss. Das Bonner Stadtmagazin", 05/2021

28.04.2021
 
„Es ist bemerkenswert, wie fein Beitz die Charaktere ausarbeitet und wie lebendig er die Orte der Handlung beschreibt.“
Dirk aus Düsseldorf liebt Rahim, der in Paris wohnt. Und Rahim liebt Dirk ebenfalls. Das klingt auf dem ersten Blick unkompliziert, ist es aber nicht, weil Rahim, der Exil-Iraner, sehr tief mit seiner Familie verbunden ist. Und da darf es keine schwule Liebe geben, was Rahims Vater auch unmissverständlich zu verstehen gibt. Außerdem hat Rahim Skrupel, eine glückliche Liebe zu leben, weil sein Bruder Davood als Gewerkschafter im Iran inhaftiert ist, und der Geheimdienst die Familie bis ins Exil hinein verfolgt.
So sind Komplikationen und eine nicht immer einfache Wochenendbeziehung vorgezeichnet. Diese Komplikationen bestimmen das weitere Geschehen im Erstlingsroman "In dieser Minute" des Frankfurter Autors Steffen Georg Beitz. Es ist bemerkenswert, wie fein er die Charaktere ausarbeitet - das gilt auch für die Nebenfiguren wie Rahims Tante Donya - und wie lebendig er die Orte der Handlung beschreibt. Man geht fast mit den Protagonisten durch die Straßen von Paris, sitzt beinahe in Rahims WG oder beobachtet die Veränderungen in den Gärten von Dirks Auftragggebern in Düsseldorf. (...) Beitz verknüpft die Beschreibung zwischenmenschlicher Beziehungen bewusst mit gesellschaftlichen und politischen Themen. Immer wieder reflektiert er - meist aus der Perspektive des zurückhaltenden Gärtners Dirk - über weltweite Menschenrechtsverletzungen. (...) Auch der Buchtitel "In dieser Minute" verweist darauf, dass in guten wie in schlechten Momenten nicht vergessen werden sollte, dass in anderen Teilen der Welt grausame Dinge geschehen, die uns alle angehen. Oder auch dass man dem ganzen Irrsinn und Schmerz dieser Welt eine größere Kraft gegenüber stellen kann.
 
Quelle: schnüss. Das Bonner Stadtmagazin

Rezension auf queer.de

21.04.2021
 
„'In dieser Minute' ist nicht nur eine zeitgenössische Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Männern, die Leser und Leserinnen gleichermaßen berührt. “
"In dieser Minute" ist nicht nur eine zeitgenössische Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Männern, die Leser und Leserinnen gleichermaßen berührt. Der Roman verknüpft vor allem einen individuellen Lebensweg mit politischen und gesellschaftlichen Begebenheiten an anderen Orten der Erde und thematisiert die Gleichzeitigkeit grundverschiedener Zustände und Ereignisse in einer globalisierten Welt. Und so wird deutlich: Das Glück der Liebe ist begrenzt, wenn das Weltgeschehen im Privatleben Oberhand gewinnt. Was bleibt, ist die Kostbarkeit des Augenblicks.
 
Quelle: Queer.de