"Thomas Lennert" - Autor bei Tredition.de
 

 

Thomas Lennert

Geboren 1940 in Stettin, Kindheit in Niedersachsen, seit 1955 in Berlin. Studium der Medizin in Berlin, Freiburg und Galway / Irland. Famulatur in Israel. Zunächst Ausbildung zum Internisten, dann Kinderheilkunde in Berlin (FU) und Heidelberg. Fünf Monate als Arzt in Tabuk / Saudi Arabien. Zuletzt Oberarzt für Kinderheilkunde in Berlin (FU / Charité).
Seit 2005 im Ruhestand.
Seit 20 Jahren medizin-historische Studien, Schwerpunkt Emigrations-forschung. Autor einer Biographie über den Berliner jüdischen Kinderarzt Fritz Demuth (Hentrich 2009). Neben fachmedizinischen Publikationen zahlreiche medizinhistorische Buchbeiträge und Zeitschriftenartikel.
Mitglied der Historischen Kommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. 2009 2. Platz Tagesspiegel-Erzähl-wettbewerb.

 

Presseberichte

Berlin, Berlin...wo führste mir noch hin?

01.01.2016
 
„Nachlesen können Sie das in Lennerts prall mit Leben gefülltem Büchlein ,,Berlin, Berlin, wo führste mir noch hin? Begegnungen aus fünf Jahrzehnten", Da gibt's jede Menge zeitgeschichtliche Details oder auch Berlin-Miniaturen in schönster Feuilleton....“
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"Das Haus, in dem ich jetzt in Zehlendorf wohne, verfügt noch über einen eigenen Hühnerstall, zweistöckig, mit gotischen Fenstern." Ein Haus von 1888, dem Drei-Kaiser-Jahr, mit Dienstbotentoiletten im Carten und Räucherkammer. Nach dem Zweiten Weltkrieg, der Cranatsplitterspuren in der Fassade hinterließ, wurde es in viele Wohnungen aufgeteilt, und irgendwann war es mal Treffpunkt für Drogendealer, sagten die Nachbarn.
So ein Haus passt zu Thomas Lennert. Der pensionierte Oberarzt für Kinderheilkunde ist medizinhistorisch aktiv und politisch interessiert - und er ist ein typischer autoritätsungläubiger Berliner, wenn er auch erst mit Vierzehn in die Stadt kam. Das war 1954. Viele Jahre später, bei der Party zum Einzug in die Dachwohnung, wäre Familie Lennert samt Cästen wohl mitten im Tanz eine Etage tiefer gelandet, hätte nicht der Maurer eingegriffen (,,ein sensibler Zwei-Zentner-Mann mit zupackenden Händen"). Der warnte sie und ersetzte fast über Nacht eine früher mal entfernte stützende Mauer in der Wohnung darunter. Der etwas depressive Mann wohnte immer noch bei seiner Mutter. Unvergesslich war der Hausgemeinschaft dieser Dialog: ,, lck gloobe, wenn meine Mutta stürbt, bring' ick mir um!" ,,Ja, warum das denn?" ,,Det fängt schon mit die Hemden an!"
Nachlesen können Sie das in Lennerts prall mit Leben gefülltem Büchlein ,,Berlin, Berlin, wo führste mir noch hin? Berliner Begegnungen aus fünf Jahrzehnten".Da gibt's jede Menge zeitgeschichtliche Details oder auch Berlin-Miniaturen in schönster Feuilleton-Tradition - vom Mauerbau zum Beispiel und vom Räuber-und-CendarmSpiel mit der DDR-Staatsmacht (für älte re Leser ein Ach-ja-Erlebnis, und die Jüngeren können noch was lernen). Das Kernstück aber sind die vielen Begegnungen - kein ,Name-Dropping', sondern ein rauschender Dauerregen. Portraitiert werden jedoch - siehe oben - auch Maurer und Klassenlehrer, nicht etwa nur Promis wie zum Beispiel Medizinprofessoren, die uns hier natürlich besonders interessieren. Und die werden alles andere als ehrfurchtsvoll skizziert, da
f ür aber,medizinhistorisch wertvoll'.
Kann man sich beispielsweise heute noch vorstellen, dass ein PsychiatrieOrdinarius (er lehrte an der FU) einen im Hörsaal vorgestellten Patienten als Erstes fragt, ob er ,,gedient" hat, um ihn dann, je nach ,,Ja" oder ,,Nein" zu beurteilen? Lennert erwähnt auch, dass derselbe akademische Lehrer (Helmut Selbach) Schüler von Maximilian de Crinis, Hugo Spatz und Werner Villiger war, die alle drei aktiv in die Nazi,,Euthanasie" verstrickt waren.
Als die Pädiaterin Leonore Ballowitz, die sich als erste Frau an der Medizinischen Fakultät der FU habilitiert hatte, bei Selbach ihren Antrittsbesuch machte,gab er ihr zu verstehen, ,,sie sei doch verheiratet und gehöre in die Küche, aber nicht in die Wissenschaft".
Andere Medizin-Anekdoten - die keineswegs im Zentrum von Lennerts Berliner Potpourri stehen - sind wesentlich amüsanter. Zum Beispiel die grotesken Prüfungsmethoden von Max Heinrich Fischer, der an der FU Physiologie lehrte. Einmal soll er unter den Tisch gekrochen sein mit der Frage, ,,was bin ich jetzt?". Er wollte hören, eine elektromagnetische 5pule. Die Sage geht, der mutige Prüfling habe geantwortet: ,,Wenn Sie auf der anderen Seite wieder rauskommen, sind Sie der Zitronensäure-Zyklus." Und dann die Fischer-Ceschichte mit dem ,,Frosch-Uterus" - aber das müssen Sie selber lesen, sonst fehlt der Platz für die frechste Anekdote:
Als seinen wohl wichtigsten klinischen Lehrer betrachtet Lennert einen Stationsarzt der Inneren in Westend, Werner Krause. Der war ein intelligenter, schnoddriger Ur-Berliner und ein ,,sozialer Alkoholiker", der nie aus der Rolle fiel und schon mit 37 an Leberzirrhose starb."
 
Quelle: Berliner Ärzte

 

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