"Die Spätzlesuni" von Udo Staber
Paperback

Die Spätzlesuni

Udo Staber
Romane & Erzählungen

Arthur Schönhuber, im Hauptberuf Unternehmensberater, hat in der Hoffnung, wissenschaftlich tätig sein zu können, eine Stelle als Gastprofessor an einer vor einem Jahr gegründeten Privathochschule im Herzen Schwabens angenommen. Mit der Ernennung einer neuen Geschäftsleitung entpuppt sich diese als Vorzeigehochschule gefeierte Bildungseinrichtung jedoch als Produktionsstätte von Schein und Schwindel. Schönhuber muss nun eine schwere Entscheidung treffen.

Rezensionen

Ein wirklich lesenswertes Buch

peter1983
★★★★

Arthur Schönhuber ist ein promovierter und langjährig erfahrener Unternehmensberater. Man sollte also denken, dass er sich als Gastprofessor an einer internationalen Managementhochschule in einer der führenden Technologieregionen Europas, in der Praktiker auf Uniniveau weitergebildet werden, gut aufgehoben fühlt. Doch mit der Einstellung eines neuen Geschäftsführers und der Beförderung eines Assistenzprofessors zum Akademischen Direktor entsteht an dieser Hochschule ein Klima, das Schönhubers Vorstellungen einer akademischen Einrichtung in allen Belangen widerspricht. Um zum Überleben der finanziell unterbemittelten Hochschule beizutragen, wird von ihm u.a. erwartet, dass er die akademischen Standards seines Lehrauftrags auf ein Unterhaltungsniveau senkt, neue Studenten mit falschen Angaben zur Ressourcenausstattung rekrutiert und beim Akademischen Direktor, der die weiblichen Mitarbeiter sexuell belästigt, beide Augen zudrückt.

Der Leser, der sich mit dem Protagonisten identifiziert, wird diese Geschichte als Drama verstehen. Für Schönhuber werden die Entwicklungen an dieser Hochschule tatsächlich zu einer persönlichen Tragödie. Für ihn ist die Hochschule ein Trauerspiel, für seine Frau eine Farce. Er kann es nicht fassen, das Angebot einer Gastprofessur an dieser neu gegründeten Hochschule blauäugig wie ein Novize angenommen zu haben. Auch wenn ich als Leser mit Schönhuber in seinen Nöten mitfühle, habe ich mich an den Handlungen und Äußerungen einzelner Akteure köstlich amüsiert. Wenn man die Verantwortlichen in der Hochschulleitung von Internationalität, Innovation und der Vision einer Elitebildungsstätte schwärmen hört, könnte man glauben, man sei im falschen Film. Dementsprechend verstehe ich diese Novelle als ein vom Autor gedachtes und sehr unterhaltsam geschriebenes satirisches Werk. Die Geschehnisse sind zu absurd, als dass man darüber nicht lachen würde, zumal es Privathochschulen dieser Art in der realen Welt sicherlich gibt, nicht nur in Schwaben.