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Den Liebescode begreifen

Wie die Biologie uns zur Liebe eingerichtet hat - und was wir als Kultur daraus machen

Ute Karnahl
Gesundheit, Familie, Lebenshilfe, Naturwissenschaften & Technik

Wie funktioniert der biologische Liebescode des Gehirns?
In der heutigen Gesellschaft häufen sich Beziehungsprobleme, Bindungsschwierigkeiten und Stress-Krankheiten. Aber worin liegen die Ursachen dafür und was können wir tun, um als Kultur wieder liebesfähig zu werden?

Die Biochemikerin Ute Karnahl präsentiert neueste Erkenntnisse der Neurobiologie und erklärt in überzeugender Weise, welche Bedeutung die Liebe für unser (Über)leben hat und wie der Zusammenhang von Biologie und Kultur ist.
An vielen Beispielen wird deutlich, dass das Gehirn auf Bindung, Kooperation und Liebe angelegt ist und wie wir darauf in Zukunft besser Einfluss nehmen können. Zu wissen, wie wir „ticken“, ist der erste Schritt zum Liebescode.

Sachkenntnis und lebendige Sprache machen das Buch für Laien wie für Fachleute zu einer Leseüberraschung.
Ein faszinierendes Buch über die Liebe aus neurobiologischer Sicht. Gründlich recherchiert, verständlich erklärt. Ernste Fragen und aktuelle Antworten mit Hirn und Herz verfasst.
 

Presseberichte

Ute Karnahl Den Liebescode begreifen - Rezension

02.12.2019
 
„Und das ist für mich das völlig Faszinierende an diesem Buch: getragen von vielfältigen Recherchen und zugehörigen Erklärungen zieht Frau Karnahl aus diesen Erkenntnissen Schlussfolgerungen, zeigt Möglichkeiten des Handelns für jeden Einzelnen auf. Somit entsteht ein vertieftes Verständnis für die Biologie des einzelnen Menschen, die soziale Interaktion ermöglicht. “
Geht es ihnen in ihrer beruflichen Tätigkeit vielleicht wie mir? Als Pädagogin begegnen mir immer wieder Kinder und Jugendliche, die große Schwierigkeiten im Beziehungsaufbau haben und Bindungsängste zeigen. Auch Stress ist bei Schülern und Schülerinnen ein gängiges Thema. Aber auch im Umfeld meiner Tätigkeit spielt Stress immer wieder eine Rolle. Und alle Bekannten spiegeln mir, dass die Anzahl von Kindern und Jugendlichen mit oben genannten Problemen - zumindest gefühlt - zunimmt. Selbst darüber hinaus: auch Kolleginnen und Kollegen, die mit Erwachsenen arbeiten, berichten über ähnliche Phänomene.
Da stellen sich nahezu automatisch Fragen nach dem Warum und dem Wie weiter? Wer - ähnlich wie ich - sich solche Fragen stellt, sollte nach dem Buch von Frau Karnahl greifen. Nun werden Sie fragen: warum dieses Buch und was sagt es über das Wie weiter?
Frau Karnahl ist Biochemikerin. Sie ist systemische Sozialpädagogin und Feldenkrais-Pädagogin. Und diese Kombination zeichnet dieses Buch aus. Ausgehend von der Neurobiologie und dem hieraus zu gewinnenden Bild des biologischen Systems des Menschen zeigt sie die Notwendigkeit von Kooperation, Bindung, sozialer Interaktion, Paarliebe, Sexualität und Elternliebe zur Gestaltung eines für den Einzelnen gelungenen Lebens. Gleichzeitig sind damit die Auswirkungen auf die den einzelnen Menschen umgebenden Systeme wie Partnerschaft, Elternschaft bis hin zur Gesellschaft dargestellt.
Frau Karnahl trennt in diesem Zusammenhang zwischen Biologie und Kultur. Ihr gelingt im Folgenden die Darstellung, wie unterschiedliche Kulturen der Menschheit von den ersten Hochkulturen bis zu unserer Zeit gelebt haben und in welch unterschiedlichem Maße die Partnerschaftskultur bzw. Dominanzkultur Auswirkungen auf das Leben des Einzelnen hatten und haben. Daraus schlussfolgernd zeigt sie auf, welche Verbindungen zwischen Biologie und Kultur hergestellt werden müssen, um Einklang zwischen menschlicher Biologie und menschlicher Kultur für den Einzelnen zu ermöglichen. Schlussendlich benennt sie Möglichkeiten, die der Einzelne hat, um diesen Prozess zu beschleunigen. Die Brücke, die sich dabei ergibt, trägt durchaus bis zur heutigen großen Bewegungen wie Fridays for future, ohne dass Frau Karnahl diese Bewegung explizit benannt hat. Das scheint auch kaum möglich, da dieses Buch getragen ist von derart vielen Recherchen, so dass ich behaupte, dass diese Bewegung -wenn überhaupt - zu diesem Recherchezeitpunkt noch in den Anfängen steckte.
Und das ist für mich das völlig Faszinierende an diesem Buch: getragen von vielfältigen Recherchen und zugehörigen Erklärungen zieht Frau Karnahl aus diesen Erkenntnissen Schlussfolgerungen, zeigt Möglichkeiten des Handelns für jeden Einzelnen auf. Somit entsteht ein vertieftes Verständnis für die Biologie des einzelnen Menschen, die soziale Interaktion ermöglicht. Und ein Verständnis dafür, das soziale Interaktionen erschwert bis verhindert werden, wenn biologische Gegebenheiten nicht ausreichend beachtet werden. Und ich stimme vollkommen zu, wenn sie schlussendlich sagt, dass wir bei uns selbst ansetzen müssen, um dem Rechnung zu tragen.
Gelungenen finde ich den Ansatz, neben den uns umgebenden Systemen wie z.B. dem Paarsystem und dem Familiensystem auch die Autonomie des biologischen Systems in die Betrachtungen einzubeziehen und von den biologischen Gegebenheiten aus die Notwendigkeit des Liebecodes, verstanden als Kooperation, Bindung und sozialer Interaktion als zentralen Leitgedanken zu etablieren.
Was die Lektüre des Buches erleichtert, ist die lebendige Sprache und die Vielzahl der Beispiele. Es bietet die Möglichkeit, Kapitel zu überspringen oder auch zurückzuspringen. Einige Thesen rütteln und verstören das eigene Gedankensystem, aber ohne Verstörung ist eine Entwicklung bekanntlich nicht möglich.
Ich wünsche dem Buch möglichst viele Leser und Leserinnen, interessierte Laien ebenso wie Fachleute. Ich gehe fest davon aus, dass die menschliche Natur und ihre...
 
Quelle: Systhema 3/2019, Chr. Heusch, Halle/Saale