Paperback

Wasserstandsmeldung

Wilhelm Gruber
Romane & Erzählungen

Ernst Patolak ist nach der Gesellenprüfung einer alten Tradition gefolgt und als Zimmermann mit Stenz und Bündel auf die Walz gegangen, Linda als Studentin der Tiermedizin auf die Barrikaden der achtundsechziger Zeit.
Über fünfzig Jahre haben sie nichts voneinander gehört oder gesehen.
Plötzlich steht er vor ihr, ein unverhofftes Wiedersehen. Wobei, eigentlich müsste auch Ernst ein bisschen älter geworden sein.
'Wasserstandsmeldung' erzählt von zwei ungleichen Lebenswegen, die im Alter wieder zueinander führen. Auch eine Geschichte vom verlorenen Sohn, aber mehr noch von verlorenen Vätern.

Rezensionen

„Wasserstandsmeldung“ der erste Roman von Wilhelm Gruber

DHarhues
★★★★★

Grubers Roman „Wasserstandsmeldung“ zeigt auf der Vorderseite des Umschlags ein Kreuzfahrtschiff, das nur bei einem besonderen Wasserstand sein Ziel, nämlich das Meer, vom an der Ems im Binnenland liegenden Werftstandpunkt Papenburg aus erreichen kann, das heißt, dass es noch etwas mehr als eine Handbreit Wasser unter dem Kiel haben muss. Aber dieses Schiff wird im ganzen Band von gut vierhundert Seiten nur einmal ganz kurz erwähnt, denn hier geht es um etwas völlig anderes, und das wird der aufmerksame Leser erst sehr spät erfahren, und es soll hier auch nicht weiter erläutert werden. Nur soviel ist dem Rezensenten erlaubt: Es geht hier beim Wasserstand nicht um das Schicksal eines teuren Luxusschiffes sondern um das Leben eines der Protagonisten, die der Rezensent aber lieber mit „Hauptperson“ bezeichnen möchte.

Die Schwester Gerda, die immer mal wieder eine der wichtigen Nebenrollen, nämlich die der Stationsschwester übernimmt, bittet den jungen Stationsarzt darum, noch einmal nach der Patientin Buchholz zu sehen, und dabei geht es nicht um deren Erkrankung. Diese Patientin, eine schon ältere Tierärztin, ist Linda, die Jugendliebe des Großvaters von Dr. David Patolak. Damit sind die ganz wichtigen Hauptrollen besetzt.
Doch bei derartigen Vorgaben zu gedruckten und verfilmten Begebenheiten denkt ein alter Leser gleich an Literatur von Hedwig Courths-Mahler oder an sonntägliche Filme von Rosamunde Pilcher und wen-det sich vielleicht innerlich schon etwas vom vorliegenden Roman ab, weil er glaubt, Schlimmes an Kitsch befürchten zu müssen. Aber ein empfohlenes konsequentes Weiterlesen zeigt sehr bald, dass derartige Befürchtungen fehl am Platze sind. Das Buch ist allerdings durchaus sentimental im positiven Sinne, denn es ist feinsinnig oder manchmal auch romantisch, und es lässt die Sinne des Lesenden mit-fühlen beim Fortgang der durchgehend spannenden und oft sogar anrührenden Handlung.

Selbst die vom Autor eingeschobenen Texte eines Handwerkers, der heimlich zum Poeten wurde, haben mit Kitsch nichts zu tun. Sie sind schon eher in die Welt der Märchen zu transponieren, wenn Tiere ganz plötzlich mit nur den Menschen sprechen können, die ihnen zugetan sind.
Und in einem der eingebauten Texte, können, so viel sei schon verraten, sogar Schuhsohlen wichtige Botschaften an einen heiligen irischen Berg übermitteln.

Wer Grubers Leben als engagierter Lehrer für behinderte und fehlbehandelte Kinder kennt, wird sich auch nicht wundern, dass die hier auch Erwähnung finden; allerdings ohne dass ein pädagogischer oder gar drohend erhobener Zeigefinger eine fehlgeleitete Nebenrolle spielen würde.

Grubers erster Roman ist mehr als nur lesenswert, und er zeigt, dass der Autor noch weit mehr kann, als gute Jugendbücher oder spannende Hörspiele in plattdeutscher Sprache zu schreiben, für die er berechtigterweise schon etliche Preise erhalten hat.
Diesem ersten Roman kann man hier nun nur noch eine große und ebenso begeisterte Leserschaft wünschen, zu der sich der Rezensent gern gesellt sowie bekennt.