Hardcover

ReLÜGion

Verkündigung wider besseres Wissen

Wilmar Thiemann
Theologie

In diesem Buch geht der Autor der Frage nach, inwieweit die Vertreter der christlichen Kirchen wider besseres Wissen ihren Glauben bekennen und die christliche Botschaft verkünden. Die damit unterstellte „Lüge“, wie sie im Titel dieses Buches zum Ausdruck kommt, ist wertfrei gebraucht. Der Begriff dient weniger dem Vorwurf an die Adresse der religiösen Eliten als vielmehr der Diagnose ihres Verhaltens in der Gegenwart aber auch in der Vergangenheit. Der Autor behauptet begründet, dass während der letzten zweieinhalb Jahrtausende Glaubensinhalte konstruiert und wider besseres Wissen als göttliche Offenbarungen weitergegeben wurden. Er belegt dies mit Forschungsergebnissen der universitären Theologie und der Religionswissenschaft.
Er betrachtet zudem das Konstrukt der jüdisch-christlichen Religion unter dem Aspekt menschlicher Wünsche nach Macht, Meinungsführerschaft und Deutungshoheit, wie sie von den jeweiligen religiösen Eliten seit jeher erhoben wurden. Er zeigt, wie die Geschichten des Alten und Neuen Testaments so verfasst wurden, dass sie den aktuellen religiösen Intentionen der Eliten entsprachen und wie sie mit Verweis auf erfundene Reden Gottes beglaubigt wurden.
Er untersucht den Umgang der Kirchen mit wissenschaftlichem Allgemeingut, dass perspektivisch den tradierten Glauben in seine Bedingtheiten auflösen muss. In seinem Lösungsansatz arbeitet er differenzierend mit den Begriffen Wahrheit, Wahrhaftigkeit und Lüge und kommt zu Ergebnissen, die versuchen der Komplexität des Themas gerecht zu werden.
Ungeachtet seiner Diagnosen drückt der Autor seine Wertschätzung der Schriften des Alten und Neuen Testaments als Zeugnisse menschlichen Denkens aus, die in Teilen ihren Anspruch nicht verloren haben. Sie stellen ohne Zweifel auch heute noch relevante anthropologische Grundfragen und beleuchten viele Aspekte des Menschseins. Er bedauert aber, dass die „zeitlosen Wahrheiten“ von den Kirchen für ihre eigenen Ziele instrumentalisiert wurden und werden.

Rezensionen

Provokation als Chance

Christa Schyboll
★★★★★

Der Provokateur kommt aus den christlichen Reihen. Und er beginnt mit der Selbstkritik in Sachen Wahrhaftigkeit: „… Meine Wahrhaftigkeit muss ich allerdings in Frage stellen, wenn ich Forschungsergebnisse so vermittelte, dass streng gläubige Kinder nicht in ihren religiösen Gefühlen verletzt wurden. Wider besseres Wissen habe ich aus Rücksichtnahme nicht in allen Fällen die Dinge beim Namen genannt und dadurch vieles verschleiert…“
Damit beginnt Wilmar Thiemann, studierter Theologe und profunder Kenner des christlichen Glaubens und der Kirche sein spannendes und zudem wichtiges Werk: „Relügion – Religion“ mit der er eine – so wie ich meine längst überfällige – Diskussion anstoßen möchte. Wie wahrhaftig ist die Kirche, wie wahrhaftig sind ihre Vertreter und letztlich auch: Wie wahrhaftig ist ein jeder von uns?

Nimmt man die Tugend der Wahrhaftigkeit nicht nur persönlich ernst, sondern beschäftigt sich zudem damit auch in theologischer und wissenschaftlicher Form, offenbart die Frage nach der Wahrhaftigkeit einen Schwachpunkt der Kirchen. Denn wer sonst, wenn nicht ausgerechnet und in erster Linie die Vertreter des christlichen Glaubens, die sich die Tugend der Wahrheit auf die himmlischen Fahnen schreiben, muss sich an diesem Anspruch messen lassen, den sie an die Gläubigen selbst stellen.

Wilmar Thiemann nimmt sich in seinem Werk nicht nur die Rolle der Kirchen und ihre Legitimation vor, sondern beschreibt einen großen Bogen vom Alten Testament, die Entwicklung des Monotheismus in Israel und Juda bis zur heutigen Form des Christentums. In seinem Fazit zu den fünf Büchern Mose und den Geschichtsbüchern kommt er zur Überzeugung, dass die Religion als menschliches Produkt zu einer Doktrin wurde, die keine unabhängige Beobachtung der Welt mehr zuließ, sondern ihre Weisheit nur noch der Deutung dieses Dokuments entnahm. Es wurde nicht mehr hinterfragt, sondern nur noch interpretiert und hat bis heute Gültigkeit in Synagoge und Kirche.

Zum Wahrheitsanspruch des christlichen Glaubens und seine Bestreitung geht Thiemann kritisch mit den Glaubensbekenntnissen im Gottesdienst um und argumentiert dabei mit der Absurdität dessen, was viele Gläubige zwar verbal bekennen, doch vermutlich selbst auch bezweifeln und nicht glauben können. Auch das ist nicht das, was man unter Wahrhaftigkeit des Glaubens versteht. Der Autor führt zudem die historischen Katastrophen an, aus der die Geburt des Judentums und des Christentums entstanden. Am Ende steht der Hass der Christen auf die Juden, der über 2000 Jahre immer wieder neu eskalierte.

Spannend ist auch der Exkurs über die Sünde als eigenständige Macht, die vom Menschen Besitz ergreift und sich in konkreten Verfehlungen manifestiert. Die Frage nach der Bedeutung, alle Menschen unausweichlich als Sünder zu bezeichnen, wird unter philosophischen und theologischen Aspekten untersucht und mit der folgenden Aussage Kubitzas auf den Punkt gebracht: „Die fatalen Auswirkungen, die Minderwertigkeitsgefühle, Schuldgefühle, religiöse Neurosen, Jenseitsangst und Höllenfurcht verursachte, kann vielleicht als das größte Verbrechen der Kirche“…. angesehen werden. Diesem Fazit werden wohl auch heute noch viele Gläubige, die der Kirche noch immer die Treue halten, ebenfalls vollen Herzens zustimmen können. Was sich die Kirche da an Schuld aufgeladen hat und noch immer als solche auch weiterträgt, dürfte eines ihrer ganz dunklen Kapitel sein.

Weitere Teile des Buches befassen sich mit wesentlichen Fragen zum „Wort Gottes“, das zwischen Mythos, Halluzination, Unwahrheit und Lüge eingeordnet wird, wie auch die Religion als kulturelles Gut der Menschen vom Autor unter die Lupe genommen wird. Zeitlose Wahrheiten, geschlossene und offene Weltbilder, die verratene Nächstenliebe und ein starke Plädoyer für einen konfessionsfreien Unterricht runden unter vielem anderen das Bild ab, das Thiemann zur Diskussion um die Lüge in der Religion beisteuert.


 

Neuigkeiten

Zur Frage nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit

06.09.2021
 
Auszüge aus Rezensionen und Kommentaren

„Ihr Buch habe ich gegenwärtig zu zwei Dritteln gelesen und bin von der Fülle zusätzlicher Informationen überwältigt.“

Dr. jur. Eckart Dietrich, Autor des Buches: Vom Pietisten zum Freidenker – Ist alle Religion letztlich nur Aberglaube?

Dr. Eckhart Dietrich - Vom Pietisten zum Freidenker - Der Autor


„Der Autor macht es sich nicht leicht. Seinen Anspruch nach Wahrhaftigkeit löst er durch eine Fülle von Aspekten ein, unter denen er seine Vorwürfe und sein Anliegen betrachtet. Es ist ein sehr theologisches Werk geworden. Dabei ist es dem Autor gelungen, ohne die übliche unverständliche Theologensprache auszukommen. Wer schrittweise erleben möchte, wie ein einst gläubiger Christ sich im Laufe seiner Berufstätigkeit als Religionslehrer in einen überzeugten, nur der Wahrheit und Wahrhaftigkeit sich verpflichtet fühlenden Menschen wandelt und dieses mit guten Gründen nachvollziehbar macht, dem sei diese Schrift sehr empfohlen.“

Dr. Uwe Lehnert, Autor des Buches: Warum ich kein Christ sein will
Startseite Buch Uwe Lehnert (warum-ich-kein-christ-sein-will.de)

„In den Kapiteln 4 und 5 (S. 42-199) fasst er die Ergebnisse der wissenschaftlichen Erforschung des Alten und Neuen Testamentes in einer geradezu genial zu nennenden Klarheit und Präzision zusammen, die in der mir bekannten Fachliteratur ihresgleichen sucht. …
Getreu dem Prinzip, Mythen, Sagen, Legenden und Märchen sind Geschichten, die nicht wahr sind, spricht der Autor bezogen auf das Alte Testament von „einer ideologischen Verfälschung der Geschichte“ (S. 106) und hinsichtlich der Darstellung des Lebens Jesu im Neuen Testament „von einer ‚ehrlichen‘ Lüge“ (S. 208), die sich die Kirche zunutze macht, um ihren Machtanspruch gesellschaftlich durchzusetzen. „Diese Lüge ist allerdings nur bedingt dem einzelnen Vertreter der christlichen religiösen Elite zuzuschreiben. Nicht der einzelne lügt, sondern die Lüge ist dem System von affirmativer Theologie und organisierter Kirche eingechrieben.“ (S. 306) Daher der Titel des Buches: ReLÜGion.“
Prof. Dr. phil. Dr. theol. Peter Antes (Jg. 1942) ist Emeritus des Instituts für Religionswissenschaft der Leibniz Universität Hannover.

Peter Antes – Institut für Religionswissenschaft – Leibniz Universität Hannover (uni-hannover.de)

„Wilmar Thiemann … hat sich damit auseinandergesetzt, Mythen und Legenden, geglaubte wirkliche wie konstruierte Geschehnisse, die seitens der … religiösen Organisationen Gegenstand von Verkündigungen sind, methodenkritisch zu analysieren … .
Aus meiner Sicht auf der Basis naturwissenschaftlicher Kenntnisse und Methoden sowie der Politischen Bildung, die der kritischen Theorie verpflichtet ist, im Zusammenhang mit gesellschaftshistorischem Wissen, kann ich eine substantielle Beschäftigung mit dem Werk empfehlen.“

Dr. Lothar Nettelmann, Autor des Buches: Religion(en) und Gewalt

Nettelmann: Religion(en) und Gewalt – ecce verlag

„Dass der Klerus jeglicher Couleur seine uralten Botschaften wider besseres Wissen nach wie vor ungehindert und gesellschaftlich akzeptiert verbreiten kann, ist ein gesellschaftlicher Skandal, mit dem sich das ungemein erhellende Buch von Wilmar Thiemann "ReLÜGion. Verkündigung wider besseres Wissen" beschäftigt.“

Wolf Reuter, pensionierter Oberstudienrat, Freund und ehemaliger Kollege