Self-Publishing aus Sicht des Buchhändler – rotes Tuch oder Umsatzchance?

Über 60 Prozent der Titel von tredition werden über Bestellungen im stationären Buchhandel und dessen Onlineportale verkauft. Grund genug, im Rahmen einer breit angelegten Umfrage herauszufinden, wie der Buchhandel gegenüber Self-Publishing eingestellt ist und wie groß die Bereitschaft wäre, Self-Publishing-Titel auch in das stationäre Sortiment aufzunehmen.

Die Leipziger Buchmesse 2014 führte es erneut deutlich vor Augen: Self-Publishing gehört zu den Themen, die die deutsche Verlagsbranche derzeit am meisten umtreiben. Und dies nicht ohne Grund: In den vergangenen Jahren hat das Segment ein deutliches Wachstum verzeichnet, wie regelmäßige Marktanalysen von tredition verdeutlichen: Sind 2011 insgesamt 11.500 gedruckte Self-Publishing-Titel erschienen, waren es 2013 bereits 18.000 – das entspricht bereits 23 Prozent aller print-Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt. Schätzungen von tredition zufolge wird der Anteil des Self-Publishing 2014 bereits 29 Prozent betragen – das entspricht 23.000 gedruckten Neuerscheinungen.

Ein Thema, das den Handel beschäftigt?

„Wenn über Self-Publishing berichtet und diskutiert wird, steht meist die Meinung der Autoren, Verlage und Dienstleister im Vordergrund. Die Einstellung des Buchhandels gegenüber Self-Publishing tritt dabei in den Hintergrund“, meint Sönke Schulz, Geschäftsführer des Hamburger Self-Publishing-Dienstleisters tredition. „Dabei sind die Einschätzungen und Erwartungen des Buchhandels für uns sehr wichtig. Über 60 Prozent der Bücher von tredition werden über Bestellungen aus dem stationären Buchhandel und dessen Onlineportale verkauft.“

Um die Haltung des Buchhandels gegenüber Self-Publishing und Umsatzchancen in diesem Bereich auszuloten, kontaktierte tredition im Februar 2014 insgesamt 872 Buchhandlungen in Deutschland mit der Bitte, an einer zehnminütigen Onlineumfrage teilzunehmen. 121 der angeschriebenen Buchhandlungen nahmen an der Befragung teil – was als Indiz für die vergleichsweise geringe Bereitschaft des Buchhandels gewertet werden kann, sich mit dem Thema Self-Publishing auseinanderzusetzen. Jene Buchhändler, die an der Befragung teilnahmen, sind Self-Publishing gegenüber jedoch offen eingestellt.

Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick

  • Nachfrage: In fast jeder zweiten befragten Buchhandlung werden über zehn Self-Publishing-Titel pro Jahr nachgefragt.
  • Kenntnisstand: Buchhandlungen unterschätzen die gegenwärtige Bedeutung von Self-Publishing in Deutschland und glauben mittelfristig auch nicht an eine tragende Rolle dieser Veröffentlichungsform.
  • Qualität: Fast die Hälfte der Buchhändler würde Self-Publishing-Titel in das eigene Sortiment aufnehmen, wenn Inhalt und Qualität überzeugen.
  • Markenvertrauen: Über die Hälfte der Teilnehmer würde Self-Publishing-Titel in ihr Sortiment aufnehmen, wenn diese aus einem etablierten Verlagshaus stammen.
  • Lokalkolorit: Ein regionaler Bezug von Self-Publishing-Titeln zum Einzugsgebiet der Buchhandlung ist ein deutliches Argument für die Aufnahme der Bücher ins Sortiment.
  • Bestellverhalten: Keine der befragten Buchhandlungen empfindet es als zu hohen Aufwand, Self-Publishing-Titel auf Nachfrage in Onlineverzeichnissen zu recherchieren.

„Wir sind überzeugt davon, dass in den kommenden Jahren immer mehr Buchhandlungen den Mehrwert des Self-Publishing erkennen werden: Ein neues wachsendes Segment, junge talentierte Autoren und zusätzliche Umsatzchancen mit starken Marken im Hintergrund“, so tredition-Geschäftsführer Sönke Schulz. Ein Beispiel ist das Imprint tao der Mediengruppe Kamphausen. Dabei handelt es sich um ein 2013 gestartetes Self-Publishing-Programm der Bielefelder Verlagsgruppe, das mit Erfolg auch im Buchhandel vertrieben wird. Vertreter der Kamphausen Mediengruppe bieten das tao-Programm aktiv beim Einverkauf in den Buchhandel an. In die Self-Publishing-Plattform tao.de ist die Technologie publish-Books von tredition integriert, mit der Autoren Bücher als Hardcover, Paperback und e-Book veröffentlichen können.

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