Editorial: Was ist independent publishing?

Für die Herausgeber dieses Magazins umfasst „independent publishing“ alle Aktivitäten mit Inhalten (Content) Geld zu verdienen. Der Fokus liegt auf Chancen jenseits der klassischen Wertschöpfungskette im Buchmarkt (Autor => Verlag => Auflagendruck => Handel).

Spezialisten für independent publishing: Sönke Schulz und Sandra Latußeck

Sönke Schulz und Sandra Latußeck, Geschäftsführer von tredition und Herausgeber von indition

Die klassische Wertschöpfungskette verändert sich immer schneller durch neue Web-Technologien, neue Herstellungsverfahren, innovative Dienstleister und die Globalisierung. Die daraus resultierenden Chancen ziehen neue Marktteilnehmer an und ermöglichen neuartige profitable Geschäftsmodelle. So nutzen Autoren beispielsweise die Möglichkeiten, Bücher nicht mehr bei Verlagen veröffentlichen zu lassen, sondern nehmen ihr Glück selbst in die Hand. Zeitungs- und Zeitschriftenverlage publizieren bereits verwendete Inhalte in digitaler oder gedruckter Form in Zweitverwertung und Interessen-Communities ermöglichen ihren Nutzern, Inhalte innerhalb der Community zu verkaufen. Unser Ziel ist es, durch die Geschichten von indition Branchenimpulse zu vermitteln und diese Chancen aufzuzeigen.

independent publishing ist ein stetig wachsendes Segment

Wir sind überzeugt, dass wir gerade erst am Anfang einer nachhaltigen Veränderung der Wertschöpfungskette im Medienmarkt und speziell im Buchmarkt stehen. Beispielsweise wurden 2012 in Deutschland mit 15.000 Titeln 30% mehr Werke im Self-Publishing publiziert als im Jahr davor. In Summe zeichnete sich der Self-Publishing-Arm im Buchmarkt verantwortlich für knapp 19% aller Neuerscheinungen im vergangenen Jahr – Tendenz steigend. In den USA waren es 2011 nach einer Bowker-Studie bereits 43%. 2012 wird dort wohl die 50%-Hürde genommen worden sein. Diese und andere Veränderungen im Markt des „independent publishing“ finden wir Grund genug, ihn durch ein Magazin mit Hintergrundberichten, Zahlen, Fakten und Analysen zu begleiten.

indition erscheint quartalsweise (vorerst) als reines Online-Magazin mit jeweils einem Themenschwerpunkt. Die erste Ausgabe hat den Titel „Marken & Marketing“. Wir betrachten die Chancen, die u.a. durch independent publishing für Branchenbeteiligte und branchenfremde Unternehmen im Buchmarkt entstehen und zeigen anhand von Beispielen Potenziale auf. Das Magazin enthält mehrere Rubriken, die stets den Bezug zum Thema der aktuellen Ausgabe haben.

indition wird von tredition herausgegeben. Die schreibenden Redakteure und Mitarbeiter von tredition sind sich über die Gratwanderung im Klaren, dass sich dieses Magazin nur dann nachhaltig im Markt etablieren kann, wenn die Berichterstattung objektiv ist und die Artikel zum Nachdenken anregen. Wir stellen uns dieser verantwortungsvollen Aufgabe.

Die Herausgeber Sandra Latußeck und Sönke Schulz

Eigene Buchreihe unter starker Marke

Der Buchmarkt verzeichnet seit vielen Jahren nahezu kaum Wachstum. Die ersehnte Rettung durch das e-Book bleibt bisher aus. Durch den Einstieg von branchenfremden, innovativen Unternehmen besteht jedoch neue Hoffnung. Erste Anzeichen deuten auf ein großes Potenzial hin, den Buchmarkt langfristig zu verändern und den Umsatz der Branche endlich zu steigern – beispielsweise mit Buchreihen als White-Label-Lösung.

Self-Publishing Titel in 2012

Bei insgesamt etwa 81.000 neuen Titeln auf dem deutschen Buchmarkt in 2012 beträgt das Titelvolumen der Self-Publishing-Anbieter bereits 19 %.

Wirtschaftsunternehmen kann man in zwei Gruppen aufteilen. Es gibt solche, die Märkte und Nachfrage kreieren, die es noch nicht gab und solche, die diesen dann hinterherlaufen. Beispiele gibt es viele: Starbucks schafft es, einen „Java Chip Light Frappuccino“ für fünf Euro zu verkaufen, während Tchibo diesen Trend verschlafen hat und nun versucht, Marktanteile zurückzugewinnen. Die Deutsche Telekom verzeichnet heftige Umsatzverluste durch internetbasierte Kommunikationsangebote wie Skype oder WhatsApp. Viel zu spät wurde der Trend erkannt, dass eine „App“ wie WhatsApp das margenträchtige SMS-Geschäft zerstört. Ein vergleichbares Angebot der Deutschen Telekom lässt auf sich warten.

Self-Publishing Titel in 2020

Prognose: Im Jahr 2020 wird die Hälfte aller Neuerscheinungen im Self-Publishing-Verfahren veröffentlicht werden.

Vom Trend zum neuen Marktsegment

In der Buchbranche passiert etwas Vergleichbares. In 2012 veröffentlichten Autoren bei den Top 30 Self-Publishing-Anbietern knapp 15.000 Bücher. Im Jahr zuvor waren es noch 11.500. Dieses Segment des Buchmarktes ist also allein in einem Jahr um rund 30% gewachsen. Branchenkenner müssen lange zurückdenken, wann im Buchmarkt überhaupt in den vergangenen zehn Jahren positive Wachstumszahlen verzeichnet werden konnten. Bei insgesamt ca. 81.000 neuen Titeln auf dem deutschen Buchmarkt in 2012 beträgt das Titelvolumen der Self-Publishing-Anbieter also immerhin knapp 19%. Da das Umsatzvolumen des Buchmarktes seit vielen Jahren bei 9,5 Mrd. Euro stagniert – unter Berücksichtigung der Inflation sogar eigentlich jedes Jahr schrumpft – ist belegt, dass Self-Publishing dem traditionellen Verlagswesen Marktanteile abnimmt.

Buchreihen als Erlösquelle für Zeitungsverlage

Mittelfristig haben innovative Dienstleister das Potenzial, dem Buchmarkt auch endlich wieder zu Wachstum zu verhelfen. Mit Angeboten wie der „Norddeutschen Reihe“, einem Self-Publishing-Angebot des Hamburger Abendblatts (Axel Springer), kommen Impulse für den Buchmarkt. Das Angebot wendet sich an Autoren, deren unveröffentlichtes Buch einen Bezug zu Hamburg hat. In 2012 veröffentlichten 35 Autoren ein Werk in dieser Buchreihe. Eine Veröffentlichung in der Buchreihe kostet 699 Euro. Das Besondere an diesem Angebot ist, dass jedes Buch im Hamburger Abendblatt mit drei farbigen, großen Anzeigen beworben wird. Bei mehr als 500.000 Lesern des Hamburger Abendblatts hat diese Anzeigenwerbung einen Wert von ca. 10.000 Euro. Ein solcher Betrag ist für einen traditionellen Regionalverlag nicht finanzierbar. Axel Springer nutzt für die Realisierung dieser Buchreihe die Verlagsservices der tredition GmbH.

Eine Buchreihe wie diese bringt Autoren noch weitere Vorteile. Autoren genießen ein größeres Maß an Gestaltungshoheit bei ihrer Buchveröffentlichung. So kann ein Buchcover nach eigenen Wünschen erstellt werden. Die Norddeutsche Reihe hat ein wiedererkennbares Reihendesign, jedoch ist jedes Buch nach dem Geschmack des Autors individuell gestaltet. Einen weiteren Vorteil der Buchreihe sehen Autoren darin, dass sie zwar auf freie Lektoren zugreifen können, ihr Buch aber nicht zwingend durch ein Lektorat bearbeiten und dadurch verändern lassen müssen. Vor jeder Veröffentlichung wird das Buch dennoch auf kritische Inhalte und die Rechtschreibung geprüft. Es ist dann binnen weniger Tage im Buchhandel erhältlich. Autoren müssen also nicht lange auf Entscheidungen eines Verlages warten, ob und wann ihr Buch veröffentlicht wird.

Ein Geschäftsfeld mit vielen Facetten

Die Anzeigen und die vertraute Marke „Hamburger Abendblatt“ schlagen sich auch in den Verkaufszahlen nieder. Mehrere der Titel haben bereits vierstellige Absatzzahlen erreicht. Für einen Verlag mit regionalem Buchinhalt sind solche Absatzzahlen ein voller Erfolg. Am Beispiel des Hamburger Abendblatts wird deutlich, dass branchenfremde Unternehmen mit einem guten Angebot für Bewegung im Buchmarkt sorgen.

Ob Einzeltitel oder Buchreihe- Self-Publishing wird immer wichtiger

In 2012 wurden 15.000 Self-Publishing Titel (Print) veröffentlicht. Damit wuchs die Anzahl der Neuveröffentlichungen im Vergleich zum Vorjahr um 3.500 Titel bzw. um 30 %.

Vertraute Marken, die mit einem überzeugenden Vermarktungskonzept und auch einer entsprechenden Reichweite die Aufmerksamkeit von Autoren gewinnen, haben gerade erst begonnen, den Buchmarkt zu verändern. Da der Aufbau eines solchen Self-Publishing-Angebotes mit geringem Aufwand und Investitionen verbunden ist, starteten bereits viele Unternehmen eigene Buchreihen oder Verlage. Neben dem Hamburger Abendblatt haben bereits weitere Tageszeitungen wie die Neue Westfälische und die Frankenpost derartige Buchreihen für ihre Leser ins Leben gerufen. Auch bei Universitäten wie der Bucerius Law School entstehen Veröffentlichungsangebote für Studenten und Professoren in Form von Buchreihen.

So können in der eigenen „Bucerius Law School Press“ wissenschaftliche Arbeiten und Lehrbücher publiziert werden. Eine Vielzahl renommierter wissenschaftlicher Fachverlage verlangt mittlerweile Druckkostenzuschüsse von Autoren. Bei der Bucerius Law School sah man u.a. aus diesem Grund keinen Mehrwert mehr in einer Zusammenarbeit mit einem Fachverlag für Rechtswissenschaften und nutzt die vorher gezahlten Druckkostenzuschüsse zum Ausbau der Markenbekanntheit und der Bewerbung des Verlagsprogrammes. Auch eine wachsende Zahl von Medienhäusern wie brand eins, kress, CHIP, Computerwoche u.v.m. veröffentlichen ihre Bücher mittlerweile nicht mehr mit einem traditionellen Verlag, sondern selbst. Der Ertrag ist für alle Beteiligten i.d.R. deutlich höher als in Kooperation mit einem traditionellen Verlag.

Self-Publishing wird ein Nachteil nachgesagt: Autoren müssen sich um die Vermarktung des Buches komplett selbst kümmern. Der vermeintliche Vermarktungsnachteil, den Self-Publishing im Vergleich zu einer Buchpublikation in einem traditionellen Verlag hat, ist bei vielen Anbietern aber gar nicht gegeben. Das Angebot der Tageszeitungen zeigt, dass die Vermarktung sogar deutlich umfangreicher und wirkungsvoller ist, als sie der durchschnittliche traditionelle Verlag leisten kann. Auch die Bucerius Law School nimmt ihr Renommee selbst in die Hand, indem Verlagsvorschauen über die Publikationen der Buchreihe an Bibliotheken, Kanzleien und Fachinformationsdienste versendet werden.

Traditionelle Verlage unter Zugzwang

Self-Publishing hat in Deutschland noch nicht so hohe Marktanteile wie in den USA. Das Wachstum der Self-Publishing-Titel in Deutschland mit 30% in 2012 verdeutlicht jedoch, dass diese Dienstleistung weiter an Akzeptanz gewinnt. Eine Umfrage von Digital Book World und Writer’s Digest unter 5.000 Autoren in den USA ergab, dass ein Drittel der Autoren, die bislang bei traditionellen Verlagen veröffentlicht haben, Interesse haben, das nächste Buch bei einem Self-Publishing-Anbieter zu publizieren. Zwei Drittel der Autoren, die Erfahrungen mit Verlagen und mit Self-Publishing-Anbietern gesammelt haben, wollen möglicherweise ihr nächstes Buch bei einem solchen Dienstleister veröffentlichen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Umfrage, die der Verlag tredition in 2012 unter 1.200 Autoren in Deutschland durchgeführt hat. 27% der Autoren, die ein Buch im Self-Publishing-Verfahren bei tredition veröffentlicht haben, haben zuvor schon einmal ein Buch bei einem traditionellen Verlag herausgebracht. Wichtigste Gründe für den Wechsel waren Unzufriedenheit mit dem Autorenhonorar und mangelnde Vermarktung des Buches.

Eine Prognose in die Zukunft darf gewagt werden. Bei den Wachstumszahlen, den neuen Self-Publishing-Anbietern und -Autoren sowie auch einer zunehmenden Akzeptanz dieser Veröffentlichungsweise wird in 2020 die Hälfte aller Neuerscheinungen im Self-Publishing-Verfahren veröffentlicht sein. Die Titelvielfalt und das Angebot an Buchreihen branchenfemder Unternehmen wird sich erhöhen und durch die stärkere Vermarktung der quereinsteigenden, branchenfremden Unternehmen ist auch das Potenzial für Umsatzzuwächse noch groß. Allerdings wird es sich im Buchmarkt wie beim Kaffee oder Telefonieren verhalten: Nur die Unternehmen, die den Markt aktiv mit entwickeln, werden Erfolg im Buchmarkt haben. Unternehmen der Buchbranche, die Self-Publishing nicht aktiv verfolgen oder nicht mitwirken, werden in Kürze von der Entwicklung überholt – und dann ist es meistens zu spät.

Erlösstrategien von Zeitungsverlagen: Annette Rosenbaum über nw-buch.de

In Zeiten sinkender Auflagen und Abonnentenzahlen sind neue Erlösstrategien von Zeitungsverlagen gefragt: Für indition 1/2013 sprachen wir mit Annette Rosenbaum, die seit 2012 in der Chefredaktion als redaktionelle Controllerin und im Projektmanagement bei der Neuen Westfälischen tätig ist. Bereits seit 2010 betreut sie das Self-Publishing-Portal nw-buch.de.

Annette Rosenbaum über Erlösstrategien von Zeitungsverlagen

Annette Rosenbaum, Mitglied der Chefredaktion Neue Westfälische

indition: Frau Rosenbaum, Sie haben für die Neue Westfälische das Portal „nw-buch.de“ aufgebaut – ein Self-Publishing Angebot der Neuen Westfälischen. Was hat Sie dazu bewogen?

Annette Rosenbaum: Wir versuchen wir stets neue, lukrative Geschäftsfelder zu erschließen und uns über neue Erlösstrategien von Zeitungsverlagen zu informieren. Für uns war nicht nur der Ertrag durch Buchverkäufe wichtig, sondern auch eine Erhöhung der Leser-Blattbindung und eine Verlängerung der Marke „NW“ in den Buchmarkt. Ein wesentliches Entscheidungskriterium war dabei, dass Investition und Arbeitsaufwand überschaubar bleiben. Eine White-Label Self-Publishing-Plattform wie sie tredition bietet, war daher das Richtige für uns. Mit dem Angebot ermöglichen wir, Bücher ohne viel Aufwand zu publizieren.

indition: Liegt in Ihren Augen noch viel unveröffentlichtes Potenzial in den Schubladen der Deutschen?

Rosenbaum: Ich denke schon. Viele Menschen pflegen den Gedanken ein Buch zu schreiben oder haben ein halbfertiges Manuskript. Mit nw-buch.de haben wir die Erfahrung gemacht, dass vor allem ältere Menschen ein Buchmanuskript vorliegen haben. Jüngere, berufstätige Menschen haben weniger Zeit ein Buch zu schreiben. Für ein Veröffentlichungsangebot, das auch für ältere Autoren ansprechend ist, müssen zum Teil technische Barrieren abgebaut werden. Nicht jeder von ihnen kann so selbstverständlich mit einem PC arbeiten, wie man es selbst im täglichen Umgang macht. Mit unterstützenden Online-Tipps und einem Netzwerk von Lektoren konnten schon 40 Bücher bei uns veröffentlicht werden. 

Werbemaßnahmen inklusive

indition: Bei traditionellen Verlagen hoffen Autoren auf eine gute Vermarktung ihres Buches, ein Vorteil gegenüber den Self-Publishing-Angeboten. Bei nw-buch.de erhalten die Autoren eine umfangreiche Werbeleistung. Inwiefern bieten Sie damit eine echte Alternative zur Veröffentlichung im Buchverlag?

Rosenbaum: nw-buch.de bietet ein Gesamtpaket für interessierte Autoren an. Dies beinhaltet z.B. drei Anzeigen innerhalb eines Jahres nach dem Veröffentlichungsdatum in der Gesamtausgabe der Neuen Westfälischen. Bei einer Reichweite von 350.000 Lesern pro Tag kommen also bei drei Anzeigen mehr als 1 Mio. Kontakte zustande. Dieses Anzeigenpaket hat sicherlich einen großen Reiz für unsere Autoren. Ich glaube aber auch, dass einfach das gesamte Rundum-Sorglos-Paket überzeugt. Der Autor muss „nur“ das Manuskript hochladen, sein Cover gestalten und der Rest wird ihm komplett abgenommen (ISBN-Nummer, Listung im Buchhandel, Anzeigen etc.).

indition: Inwiefern erachten Sie solche Erlösstrategien von Zeitungsverlagen als sinnvoll?
Rosenbaum: Sicherlich im regionalen Markt. Die regionale Tageszeitung steht für einen vertrauenswürdigen Namen in ihrem Verbreitungsgebiet. Die Zielgruppe der Zeitungsleser ist vermutlich aufgeschlossener, ein Buch zu schreiben als die der Nichtleser.

Copy & Paste: Handelsmarke als Vorbild für die Buchbranche

Bücher sind Kulturgüter – doch das sollte die Branche nicht davon abhalten, erfolgreiche Marketingstrategien und Konzepte aus anderen Handelsbereichen zum Vorbild zu nehmen und deren Umsetzbarkeit im eigenen Geschäftsumfeld zu prüfen.

Eine Produktmarke aufzubauen, die das Vertrauen von Konsumenten genießt und daher zu einem höheren Preis verkauft werden kann, ist eine langwierige und sehr kostspielige Angelegenheit. Die Taschentuchmarke „Tempo“ wird uns regelmäßig in der Schnupfensaison zur teuersten Fernsehzeit präsentiert. Kein Wunder, dass „Tempo“ durchschnittlich 76% teurer ist als die Eigenmarken der führenden Drogeriefilialisten. Bei der Entscheidung, welches Taschentuch in der Drogerie in den Einkaufswagen kommt, haben die meisten Käufer die Fernsehwerbung vergessen oder sind doch nicht bereit, den hohen Preisunterschied zu zahlen. Laut eines Artikels des Wirtschaftsmagazins brand eins haben bei Hygienepapier die günstigen Handelsmarken einen Marktanteil von 63%.

Mehr in der Kasse: Bücher unter eigener Handelsmarke zu publizieren, ist wirtschaftlich attraktiv

Anstelle einer Handelsmarge von 30 % realisiert ein Buchhändler bei Verkäufen aus der eigenen Edition über 60 %.

Auch bei Textilien, sind Handelsmarken ein wichtiges Segment geworden. brand eins zitiert den Generalbevollmächtigten des Mode-Unternehmens, der „ein großes Wertschöpfungspotenzial“ sehe. Das Modehaus Peek & Cloppenburg mache mit diversen Eigenmarken zwei Drittel seines Umsatzes. Der Umsatz ist aber nur eines. Die Unternehmensberatung Roland Berger stellt in einer Untersuchung, die im Handelsblatt vorgestellt wird, fest, dass Handelsmarken den Händlern zudem bis zu 25 Prozent höhere Margen einbringen.

Die Händler stellen die Produkte, die als Handelsmarken oder „White-Label“ angeboten werden, nicht selbst her. Es sind nicht selten die Hersteller der Markenware, die damit ihre Produktionskapazitäten auslasten. Sie produzieren im Auftrag der Händler nach deren Disposition. Remissionen müssen die Hersteller von Handelsmarken daher nicht fürchten. Diese Sicherheit reduziert den Preis.

Nicht reaktiv, sondern proaktiv!

Nach dem Prinzip der Handelsmarken würden Buchhändler selbst eigene Editionen oder Buchreihen veröffentlichen und exklusiv in ihren Filialen und Onlineshops an Leser verkaufen. Buchhändler können sogar selbst Verleger werden – ohne dafür viel Erfahrung mitzubringen.

Buchhändler warten auf die Neuerscheinungen traditioneller Verlage oder nehmen erfreut zur Kenntnis, wenn Self-Publishing-Titel eine gute Nachfrage verzeichnen. Das ist aber nur reaktiv. Unternehmen, die mit Handelsmarken ihr Geschäft erweitern, nehmen ihren wirtschaftlichen Erfolg und ihre Chancen stärker selbst in die Hand. Genau diese Chance besteht auch für Buchhändler mit einer Filialstruktur oder gut frequentiertem Online-Shop. Ein Buchhändler kann selbst Bücher herausbringen. Dabei haben Angebote für Autoren, die eine bevorzugte Präsentation im Handel garantieren, ein hohes Erfolgspotenzial.

Bietet eine Buchhändler ein Self-Publishing-Angebot mit inhaltlicher Qualitätskontrolle und aktiver Vermarktung in seinen Filialen an, hat er entschieden bessere Margenerträge. Er verbucht dann die Händler- und die Verlagsmarge, setzt die Buchpreise selbst fest und kann die Absatzzahlen der Bücher entsprechend beeinflussen. Anstelle einer Handelsmarge von 30% realisiert ein Buchhändler bei Verkäufen aus der eigenen Edition über 60%. Für Buchhändler mit einer Filialstruktur ergeben sich so große Chancen. Die Garantie einer tatsächlichen Präsenz und Präsentation im Handel überzeugt Autoren und erzeugt Vertrauen in eine Handelsmarke.

Hinterfragt: Wie objektiv ist ein Literaturwettbewerb?

Aus den Teilnahmebedingungen des „Sir Walter Scott-Preis für herausragende historische Romane“, vergeben durch Quo Vadis Autorenkreis: „…Book-on-Demand-Veröffentlichungen können ebenfalls nicht für den Preis eingereicht werden.“

Sind die Teilnahmebedinungen von Literaturwettbewerben wirklich tragfähig?

Bei Literaturwettbewerben wird mit zweierlei Maß gemessen: Print-on-Demand-Titel dürfen nicht teilnehmen, obwohl dieses Druckverfahren auch renommierte Verlage nutzen.

Dass Print-on-Demand- Titel bei einem Literaturwettbewerb ausgeschlossen werden, ist keine Ausnahme. Wer darf also nicht teilnehmen? Ein Blick auf Referenzkunden von Books-on-Demand, ein Schwesterunternehmen des Barsortimentes Libri, offenbart einen kleinen Einblick in die Liste der Schwarzen Verlagsschafe. So dürften Suhrkamp, die Springer Fachverlage und de Gruyter nicht teilnehmen. Na klar, der Vergleich hinkt, die Letzteren sind ja Fachverlage. Dennoch darf man die Bedingungen infrage stellen.

Ein etabliertes Druckverfahren

Print-on-Demand ist ein intelligentes, wirtschaftliches Herstellungsverfahren für Bücher. Nicht ohne Grund bieten neben dem Unternehmen Books-on-Demand auch das Barsortiment KNV und Amazon diese Dienstleistung für Verlage an. Auch große Druckereien in Deutschland bieten Verlagen Auflagen-Management mit Print-on-Demand an. Vielleicht hätte einer der Gewinner des Preises in 2012, der insolvent gegangene Eichborn Verlag, dieses Verfahren nutzen sollen, dann wäre es vielleicht nicht so schlimm gekommen. Aber dann hätte er ja nicht teilnehmen dürfen.

Nicht alles über einen Kamm scheren

Wahrscheinlich ist aber bei den Teilnahmebedingungen etwas anderes gemeint. Autoren, die nicht bei einem traditionell agierenden Verlag verlegt wurden, sondern einen Self-Publishing-Dienstleister gewählt haben, dürfen nicht mitmachen. Viel sinnvoller wäre, in Literaturwettbewerben die Qualitätsmaßstäbe von Self-Publishing-Verlagen zu berücksichtigen und nicht alle Angebote über einen Kamm zu scheren. So werden beispielsweise Buchtitel des Self-Publishing-Angebotes „Norddeutsche Reihe“ des Hamburger Abendblattes oder des tredition Verlages vor Veröffentlichung durch Lektorate nach vorgegebenen Qualitätskriterien geprüft.

Wenn die Anzahl von derartigen Self-Publishing-Angeboten und deren Buchtiteln weiter wie in den vergangenen Jahren wächst, werden hoffentlich auch die Teilnahmebedingungen von Literaturwettbewerben aktualisiert. Welche Bedeutung hätte ein Preis sonst noch, wenn die Hälfte der Autoren nicht teilnehmen darf?