Erlösstrategien von Zeitungsverlagen: Annette Rosenbaum über nw-buch.de

In Zeiten sinkender Auflagen und Abonnentenzahlen sind neue Erlösstrategien von Zeitungsverlagen gefragt: Für indition 1/2013 sprachen wir mit Annette Rosenbaum, die seit 2012 in der Chefredaktion als redaktionelle Controllerin und im Projektmanagement bei der Neuen Westfälischen tätig ist. Bereits seit 2010 betreut sie das Self-Publishing-Portal nw-buch.de.

Annette Rosenbaum über Erlösstrategien von Zeitungsverlagen

Annette Rosenbaum, Mitglied der Chefredaktion Neue Westfälische

indition: Frau Rosenbaum, Sie haben für die Neue Westfälische das Portal „nw-buch.de“ aufgebaut – ein Self-Publishing Angebot der Neuen Westfälischen. Was hat Sie dazu bewogen?

Annette Rosenbaum: Wir versuchen wir stets neue, lukrative Geschäftsfelder zu erschließen und uns über neue Erlösstrategien von Zeitungsverlagen zu informieren. Für uns war nicht nur der Ertrag durch Buchverkäufe wichtig, sondern auch eine Erhöhung der Leser-Blattbindung und eine Verlängerung der Marke „NW“ in den Buchmarkt. Ein wesentliches Entscheidungskriterium war dabei, dass Investition und Arbeitsaufwand überschaubar bleiben. Eine White-Label Self-Publishing-Plattform wie sie tredition bietet, war daher das Richtige für uns. Mit dem Angebot ermöglichen wir, Bücher ohne viel Aufwand zu publizieren.

indition: Liegt in Ihren Augen noch viel unveröffentlichtes Potenzial in den Schubladen der Deutschen?

Rosenbaum: Ich denke schon. Viele Menschen pflegen den Gedanken ein Buch zu schreiben oder haben ein halbfertiges Manuskript. Mit nw-buch.de haben wir die Erfahrung gemacht, dass vor allem ältere Menschen ein Buchmanuskript vorliegen haben. Jüngere, berufstätige Menschen haben weniger Zeit ein Buch zu schreiben. Für ein Veröffentlichungsangebot, das auch für ältere Autoren ansprechend ist, müssen zum Teil technische Barrieren abgebaut werden. Nicht jeder von ihnen kann so selbstverständlich mit einem PC arbeiten, wie man es selbst im täglichen Umgang macht. Mit unterstützenden Online-Tipps und einem Netzwerk von Lektoren konnten schon 40 Bücher bei uns veröffentlicht werden. 

Werbemaßnahmen inklusive

indition: Bei traditionellen Verlagen hoffen Autoren auf eine gute Vermarktung ihres Buches, ein Vorteil gegenüber den Self-Publishing-Angeboten. Bei nw-buch.de erhalten die Autoren eine umfangreiche Werbeleistung. Inwiefern bieten Sie damit eine echte Alternative zur Veröffentlichung im Buchverlag?

Rosenbaum: nw-buch.de bietet ein Gesamtpaket für interessierte Autoren an. Dies beinhaltet z.B. drei Anzeigen innerhalb eines Jahres nach dem Veröffentlichungsdatum in der Gesamtausgabe der Neuen Westfälischen. Bei einer Reichweite von 350.000 Lesern pro Tag kommen also bei drei Anzeigen mehr als 1 Mio. Kontakte zustande. Dieses Anzeigenpaket hat sicherlich einen großen Reiz für unsere Autoren. Ich glaube aber auch, dass einfach das gesamte Rundum-Sorglos-Paket überzeugt. Der Autor muss „nur“ das Manuskript hochladen, sein Cover gestalten und der Rest wird ihm komplett abgenommen (ISBN-Nummer, Listung im Buchhandel, Anzeigen etc.).

indition: Inwiefern erachten Sie solche Erlösstrategien von Zeitungsverlagen als sinnvoll?
Rosenbaum: Sicherlich im regionalen Markt. Die regionale Tageszeitung steht für einen vertrauenswürdigen Namen in ihrem Verbreitungsgebiet. Die Zielgruppe der Zeitungsleser ist vermutlich aufgeschlossener, ein Buch zu schreiben als die der Nichtleser.

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