Copy & Paste: Handelsmarke als Vorbild für die Buchbranche

Bücher sind Kulturgüter – doch das sollte die Branche nicht davon abhalten, erfolgreiche Marketingstrategien und Konzepte aus anderen Handelsbereichen zum Vorbild zu nehmen und deren Umsetzbarkeit im eigenen Geschäftsumfeld zu prüfen.

Eine Produktmarke aufzubauen, die das Vertrauen von Konsumenten genießt und daher zu einem höheren Preis verkauft werden kann, ist eine langwierige und sehr kostspielige Angelegenheit. Die Taschentuchmarke „Tempo“ wird uns regelmäßig in der Schnupfensaison zur teuersten Fernsehzeit präsentiert. Kein Wunder, dass „Tempo“ durchschnittlich 76% teurer ist als die Eigenmarken der führenden Drogeriefilialisten. Bei der Entscheidung, welches Taschentuch in der Drogerie in den Einkaufswagen kommt, haben die meisten Käufer die Fernsehwerbung vergessen oder sind doch nicht bereit, den hohen Preisunterschied zu zahlen. Laut eines Artikels des Wirtschaftsmagazins brand eins haben bei Hygienepapier die günstigen Handelsmarken einen Marktanteil von 63%.

Mehr in der Kasse: Bücher unter eigener Handelsmarke zu publizieren, ist wirtschaftlich attraktiv

Anstelle einer Handelsmarge von 30 % realisiert ein Buchhändler bei Verkäufen aus der eigenen Edition über 60 %.

Auch bei Textilien, sind Handelsmarken ein wichtiges Segment geworden. brand eins zitiert den Generalbevollmächtigten des Mode-Unternehmens, der „ein großes Wertschöpfungspotenzial“ sehe. Das Modehaus Peek & Cloppenburg mache mit diversen Eigenmarken zwei Drittel seines Umsatzes. Der Umsatz ist aber nur eines. Die Unternehmensberatung Roland Berger stellt in einer Untersuchung, die im Handelsblatt vorgestellt wird, fest, dass Handelsmarken den Händlern zudem bis zu 25 Prozent höhere Margen einbringen.

Die Händler stellen die Produkte, die als Handelsmarken oder „White-Label“ angeboten werden, nicht selbst her. Es sind nicht selten die Hersteller der Markenware, die damit ihre Produktionskapazitäten auslasten. Sie produzieren im Auftrag der Händler nach deren Disposition. Remissionen müssen die Hersteller von Handelsmarken daher nicht fürchten. Diese Sicherheit reduziert den Preis.

Nicht reaktiv, sondern proaktiv!

Nach dem Prinzip der Handelsmarken würden Buchhändler selbst eigene Editionen oder Buchreihen veröffentlichen und exklusiv in ihren Filialen und Onlineshops an Leser verkaufen. Buchhändler können sogar selbst Verleger werden – ohne dafür viel Erfahrung mitzubringen.

Buchhändler warten auf die Neuerscheinungen traditioneller Verlage oder nehmen erfreut zur Kenntnis, wenn Self-Publishing-Titel eine gute Nachfrage verzeichnen. Das ist aber nur reaktiv. Unternehmen, die mit Handelsmarken ihr Geschäft erweitern, nehmen ihren wirtschaftlichen Erfolg und ihre Chancen stärker selbst in die Hand. Genau diese Chance besteht auch für Buchhändler mit einer Filialstruktur oder gut frequentiertem Online-Shop. Ein Buchhändler kann selbst Bücher herausbringen. Dabei haben Angebote für Autoren, die eine bevorzugte Präsentation im Handel garantieren, ein hohes Erfolgspotenzial.

Bietet eine Buchhändler ein Self-Publishing-Angebot mit inhaltlicher Qualitätskontrolle und aktiver Vermarktung in seinen Filialen an, hat er entschieden bessere Margenerträge. Er verbucht dann die Händler- und die Verlagsmarge, setzt die Buchpreise selbst fest und kann die Absatzzahlen der Bücher entsprechend beeinflussen. Anstelle einer Handelsmarge von 30% realisiert ein Buchhändler bei Verkäufen aus der eigenen Edition über 60%. Für Buchhändler mit einer Filialstruktur ergeben sich so große Chancen. Die Garantie einer tatsächlichen Präsenz und Präsentation im Handel überzeugt Autoren und erzeugt Vertrauen in eine Handelsmarke.

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