Hinterfragt: Wie objektiv ist ein Literaturwettbewerb?

Aus den Teilnahmebedingungen des „Sir Walter Scott-Preis für herausragende historische Romane“, vergeben durch Quo Vadis Autorenkreis: „…Book-on-Demand-Veröffentlichungen können ebenfalls nicht für den Preis eingereicht werden.“

Sind die Teilnahmebedinungen von Literaturwettbewerben wirklich tragfähig?

Bei Literaturwettbewerben wird mit zweierlei Maß gemessen: Print-on-Demand-Titel dürfen nicht teilnehmen, obwohl dieses Druckverfahren auch renommierte Verlage nutzen.

Dass Print-on-Demand- Titel bei einem Literaturwettbewerb ausgeschlossen werden, ist keine Ausnahme. Wer darf also nicht teilnehmen? Ein Blick auf Referenzkunden von Books-on-Demand, ein Schwesterunternehmen des Barsortimentes Libri, offenbart einen kleinen Einblick in die Liste der Schwarzen Verlagsschafe. So dürften Suhrkamp, die Springer Fachverlage und de Gruyter nicht teilnehmen. Na klar, der Vergleich hinkt, die Letzteren sind ja Fachverlage. Dennoch darf man die Bedingungen infrage stellen.

Ein etabliertes Druckverfahren

Print-on-Demand ist ein intelligentes, wirtschaftliches Herstellungsverfahren für Bücher. Nicht ohne Grund bieten neben dem Unternehmen Books-on-Demand auch das Barsortiment KNV und Amazon diese Dienstleistung für Verlage an. Auch große Druckereien in Deutschland bieten Verlagen Auflagen-Management mit Print-on-Demand an. Vielleicht hätte einer der Gewinner des Preises in 2012, der insolvent gegangene Eichborn Verlag, dieses Verfahren nutzen sollen, dann wäre es vielleicht nicht so schlimm gekommen. Aber dann hätte er ja nicht teilnehmen dürfen.

Nicht alles über einen Kamm scheren

Wahrscheinlich ist aber bei den Teilnahmebedingungen etwas anderes gemeint. Autoren, die nicht bei einem traditionell agierenden Verlag verlegt wurden, sondern einen Self-Publishing-Dienstleister gewählt haben, dürfen nicht mitmachen. Viel sinnvoller wäre, in Literaturwettbewerben die Qualitätsmaßstäbe von Self-Publishing-Verlagen zu berücksichtigen und nicht alle Angebote über einen Kamm zu scheren. So werden beispielsweise Buchtitel des Self-Publishing-Angebotes „Norddeutsche Reihe“ des Hamburger Abendblattes oder des tredition Verlages vor Veröffentlichung durch Lektorate nach vorgegebenen Qualitätskriterien geprüft.

Wenn die Anzahl von derartigen Self-Publishing-Angeboten und deren Buchtiteln weiter wie in den vergangenen Jahren wächst, werden hoffentlich auch die Teilnahmebedingungen von Literaturwettbewerben aktualisiert. Welche Bedeutung hätte ein Preis sonst noch, wenn die Hälfte der Autoren nicht teilnehmen darf?

 

 

 

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