Editorial: Self-Publishing in Europa

Vom Trend zum Marktsegment: Self-Publishing in Europa hat sich fest etabliert

Sandra Latußeck und Sönke Schulz analysieren regelmäßig die internationalen Entwicklungen im Self-Publishing

„Das Buchverlagswesen hat sich demokratisiert, aber die Geschichte wiederholt sich: Es publizieren viele und wenige triumphieren“ schrieb die spanische Tageszeitung El País vor etwa einem Jahr. Wohl wahr: Self-Publishing gibt einem jeden Autoren die Möglichkeit, sein Buch zu veröffentlichen, aber der Verkaufserfolg ist nur begrenzt berechenbar wie im klassischen Verlagswesen auch. Und doch befindet sich der Buchmarkt in einer der bedeutendsten Umbruchphasen der vergangenen Jahrzehnte.

„Self-Publishing stellt die Rolle des Verlags im 21. Jahrhundert infrage“, sagt Javier Celaya, der 2004 das spanische Medienforschungsportal Dosdoce.com gründete und zuvor als Unternehmensberater u.a. Firmen wie Telefónica, Microsoft oder Adobe betreute. Für diese Ausgabe von indition nahm Celaya Stellung zur Bedeutung von Self-Publishing in Europa. Ebenso sprachen wir mit Experten aus Frankreich, Italien und Finnland – dem diesjährigen Ehrengast der Frankfurter Buchmesse – über den Status Quo des Self-Publishing in Europa.

Zögern und Zaudern

Die dabei gesammelten Erkenntnisse stehen stellvertretend für eine zentrale Entwicklung im gesamten europäischen Buchmarkt: Self-Publishing hat sich längst vom Phänomen eines Trends hin zu einer etablierten Form der Buchveröffentlichung entwickelt. Etablierten Verlagen ist dies zwar bewusst, dennoch überwiegt die Zurückhaltung, in das Marktsegment einzusteigen. Ausnahmen bestätigen die Regel: Die italienische RCS Mediagroup etwa hat wenig Berührungsängste, wenn es um neue und unkonventionelle Strategien für die Gewinnung von Autoren geht. Marcello Vena, Leiter Digitalgeschäft der italienischen RCS Mediagroup, stand indition ausführlich Rede und Antwort zu den Möglichkeiten, eine Brücke zwischen klassischem Verlagswesen und Self-Publishing zu schlagen.

Vermeintliche Gräben hat das Verlagswesen auch zu überbrücken, wenn es um das Zusammenwirken mit anderen Mediengattungen geht. Eine gute Story kann „auf dem Papier“ beginnen, von Fans und Lesern online fortgeführt werden und in Form eines Videospiels ganz neue Zielgruppen erschließen. Die Science-Fiction-Bücher des russischen Autors Dmitry Glukhovsky sind ein Paradebeispiel dafür. Nicht umsonst appelliert er an die Verlagswelt, die Inhalte selbst und nicht das Trägermedium als Ausgangspunkt jeder neuen Konzeptidee zu definieren. Kristian Costa-Zahn, Head of Creation bei UFA Lab – einer Plattform für innovatives Storytelling – erläutert die Erfolgsfaktoren bei der Umsetzung von Transmedia-Projekten für Bücher.

„Auf die Zahl gefühlt“ – so lautet eine Rubrik, um die wir indition Ende 2013 bereichert haben. Ziel ist es, Markttrends greifbar zu machen und Stimmungsbilder zu ausgewählten Fragestellungen zu entwerfen. „Wie bewerten Sie die Bedeutung des Self-Publishing und welche Rolle spielt es für ihr Geschäft?“, fragten wir dieses Mal 872 Buchhändlerinnen und Buchhändler – wie viele von ihnen sich unseren Fragen stellten und welche Haltung sie zum Thema Self-Publishing haben, zeigen wir in dieser Ausgabe. Die Befragung brachte zum Teil überraschende Resultate zutage.

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