Copy & Paste: Was Verlage von anderen Branchen lernen können

Outsourcing ist ein Beispiel für viele Bereiche, in denen Verlage von anderen Branchen lernen können. Großunternehmen aus Industrie und Dienstleistung sorgen für Volumen im Outsourcing-Markt, aber auch Mittelständler springen auf den Zug auf. Verlagen können die Erfahrungen anderer Branchen in jeder Hinsicht eine Lehre sein.

In puncto Outsourcing können Verlage viel von anderen Branchen lernen

Viele Einzelleistungen ergeben eine starke Gesamtleistung

„Ich arbeite nach dem Prinzip, dass man niemals etwas selbst tun soll, was jemand anderes für einen erledigen kann“, sagte einmal der amerikanische Großindustrielle John Davison Rockefeller (1839-1937). Vielen Unternehmen gilt er bis heute als Vorbild. Die Gründe dafür, einen Teil des eigenen Geschäftes an Dienstleister zu vergeben, sind meist ganz grundlegender Natur: Kosten sparen, zukunftsweisende Technologien nutzen und das eigene Unternehmen von strategiefernen Aufgaben entlasten. Laut einer aktuellen Studie des Schweizer Beratungshauses Active Sourcing gab es in Deutschland im vergangenen Jahr 40 Vertragsabschlüsse für IT-Outsourcing mit einem Wert von jeweils mindestens zehn Mio. Euro – das sind so viele große Abschlüsse für IT-Outsourcing wie seit 2006 nicht mehr.

Alle lagern aus – bis auf die Verlage

Gemessen am Vertragsvolumen sind Industrie und Dienstleistungssektor mit je einem Drittel Marktanteil gleichermaßen aktiv im IT-Outsourcing. Vor allem große Firmen wie Daimler, Allianz, Bayer Business Services und diverse Finanzinstitutionen sorgten für den deutlichen Aufwärtstrend. Verlage rechnet Active Sourcing dem Bereich Dienstleistungen zu, als eigene Kategorie tauchen sie nicht auf; was angesichts der bekanntermaßen geringen Bedeutung, die Outsourcing für Verlage bisher hat, nicht verwundert. Für das Jahr 2013 sagt der Market Forecast von Active Sourcing in Deutschland ein Gesamtvolumen von 6,2 Mrd. Euro bei insgesamt 69 Outsourcing-Verträgen voraus. Gemäß der Prognose entfallen dabei 3,3 Mrd. auf Neuabschlüsse und 2,9 Mrd. auf Vertragserneuerungen.

Und längst ist Outsourcing nicht mehr nur ein Thema für Großunternehmen. Auch Mittelständler sehen steigenden Bedarf am Outsourcing von IT-Systemen und -Prozessen, wie eine 2012 publizierte Studie der Information Services Group (ISG) besagt. Sie haben den Vorteil, von den Erfahrungen und Fehlern der „Großen“ und von anderen Branchen lernen zu können. Denn wie ISG ermittelte, haben über zwei Drittel der 500 größten börsennotierten Unternehmen der Welt (Forbes G2000-Liste) bereits vor 2008 erste Entscheidungen pro Outsourcing gefällt.

Das Beispiel Regionalzeitung

Es liegt nahe, dass auch Verlage von anderen Branchen lernen und sich von kostenintensiven Aufgabenfeldern wie Auflagenmanagement, Abrechnungen, Vertragsabwicklung oder Logistik trennen, um den Fokus auf die Konzeption erfolgreicher Buchprogramme legen zu können. In anderen Bereichen des Verlagswesens gibt es bereits Beispiele für Outsourcing. So erstellt heutzutage kaum noch eine Regionalzeitung ihren Mantelteil mit überregionalen Nachrichten selbst. Stattdessen wird dieser zugekauft mit dem Ziel, durch eine intensivierte Lokalberichterstattung ein Alleinstellungsmerkmal in der Region zu schaffen. Für Lokal- und Regionalzeitungen ist zudem die Einbindung der Leserschaft in die Themengenerierung strategisch wichtig geworden. Große Medienhäuser wie Springer, WAZ, Madsack oder Styria greifen für lokale Nachrichten auf Online-Communities zurück oder haben Leserreporter im Einsatz.

Von anderen Branchen lernen: Top oder Flop?

Zweifellos gibt es in allen Wirtschaftszweigen auch Beispiele für Outsourcing-Aktivitäten, die als Flops endeten – weil das erwünschte Ziel der Kostenreduktion ins Gegenteil umschlug. Eines der jüngsten Beispiele dafür ist Boeings Pannenflieger 787 Dreamliner, den das Forbes Magazine als möglicherweise „most outsourced – and offshored – aircraft ever designed“ betitelte. Was lief bei Boeing schief? Bereits 2001 hatte einer der Ingenieure von Boeing gewarnt, dass ohne ein internes Qualitätsmanagement und den nötigen technischen Support für die Lieferanten „die Leistung des besten Herstellers niemals besser sein kann als die seines am wenigsten profilierten Zulieferers.“ Das Debakel kann für Unternehmen jeder anderen Branche eine Lehre sein. Die Auswahl qualifizierter Dienstleister, die den spezifischen und individuellen Anforderungen und Technologien einer Branche genügen, ist der Gradmesser für den Erfolg jeder Outsourcing-Strategie.

Frühzeitig reagieren

Fällt die Entscheidung für eine Auslagerung kostenintensiver Aufgabenbereiche zu spät, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Wettbewerber oder neue Marktteilnehmer vorbeiziehen. Vielen Verlagen könnte genau dies passieren. Denn im Buchmarkt hat sich längst eine ganze Reihe von Dienstleistern etabliert, die Leistungen auf hohem Niveau zur Verfügung stellen können – oder Verlagen langfristig sukzessive Marktanteile abnehmen, da sie technologisch besser aufgestellt sind und diese Kompetenz beispielsweise im Self-Publishing einsetzen.

Das US-Fachmagazin Publishing Executive brachte den Schlüssel zum effektiven Outsourcing einmal folgendermaßen auf den Punkt: „Den eigenen Job meistert man durch Einfallsreichtum, intuitives Denken, Detailgenauigkeit und, möglicherweise, auch Sinn für Humor. Die Entscheidung zum Outsourcing ist nichts anderes.“

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